Adrián Villar Rojas

The Theater of  Disappearance

13.05. - 27. 08. 2017 | Kunsthaus Bregenz
Eingabedatum: 15.05.2017

bilder

Das Erdgeschoss bietet der Ausstellung von Adrián Villar Rojas eine vollkommen leere Bühne. Sogar der von Peter Zumthor eingerichtete Kassentresen wurde für diese Ausstellung entfernt. Durch die Fenster strömt farbiges Licht. Auf dem Boden ist die enorme, unüberblickbare Vergrößerung eines Bildes ausgespannt. Die Darstellung des Gemäldes Madonna del Parto (1450—1475) von Piero
della Francesca wurde in Argentinien handgefertigt. Sie zeigt Maria unter einem braun-samtenen Baldachin stehend, gerahmt von zwei Engeln, die das kostbare, mit Pelz gefütterte und mit Granatapfelmotiven bestickte Zierdach öffnen. Mit der rechten Hand berührt Maria den Schlitz an der Taille ihres vorn geknöpften blauen Kleids. Das berühmte Gemälde zeigt die schwangere Gottesmutter, deren Blick trotz ihres freudigen Zustands ernst und verloren wirkt.

Adrián Villar Rojas arbeitet in größten Dimensionen. Seine Ausstellung hat bereits jetzt ihren gesicherten Platz in der großen Geschichte des Kunsthaus Bregenz. Selten wurden derart viele Materialien verarbeitet, selten so massiv Ressourcen in Anspruch genommen. Für das Kunsthaus Bregenz entwirft der Künstler einen vierteiligen Zyklus, eine Passage durch die Geschichte der menschlichen Kultur von ihrer Entstehung (Erdgeschoss) bis zu ihrer fragwür-digen Apotheose (3. Obergeschoss). Adrián Villar Rojas verwandelt das Kunsthaus Bregenz in einen Betonbunker, in dem die Kunstgegenstände letztlich gerettet werden.

Der 1980 in Rosario in Argentinien geborene Villar Rojas wurde durch ortsspezifische Arbeiten bekannt. Bei der Bienal del Fin del Mundo 2009 in Patagonien ist ein steinerner Wal in einem Wald gestrandet. Die herabfallenden Blätter färben die Skulptur im rauen Herbst-wetter rostrot. Erschütternd ist der Eindruck, einen vernarbten Zeugen aus dem Ozean an einem verlassenen Ort im äußersten Süden der Welt vorzufinden. Für die Biennale in Venedig errichtet Villar Rojas 2011 einen Wald aus steinernen Geschöpfen, die wie Säulen bis an die Decke reichen. Menschen müssen sich ihren Weg zwischen diesen surrealen Gebilden bahnen, die halb Knochen, halb
monströse Maschinen darstellen. Villar Rojas schafft fantastische Landschaften, die assoziativ in die Tiefen der Evolution hinabtauchen. Er denkt in erdgeschichtlichen Zeitaltern, Urgeschichte und fernste Zukunft werden in seinen düsteren Raumbildern einander ähnlich.

Das erste Geschoss des Kunsthaus Bregenz ist verdunkelt. Von der Decke hängen Pflanzen. Die gesamte Bodenfläche ist mit braunen Marmorplatten bedeckt. Die versteinerten Fossilien in den Platten wurden sorgfältig in Handarbeit freigelegt und sichtbar gemacht; rundliche Schnecken-formen von Ammoniten sind zu erkennen, daneben lang-stielige Urwesen und Planktontiere. Manche Platten sind blockhaft zurechtgeschnitten, andere wirken wie leere Altäre oder Fundamente einer Ausgrabungsstelle. Zuweilen sind Steine geborsten oder weisen Kerben auf. Befinden wir uns an einer uralten Kultstätte, in einem Zeitalter am Ursprung des Menschen, in einem Kellerraum seines tragischen Seins?

Das zweite Obergeschoss ist ebenfalls verdunkelt. In der Mitte befindet sich eine überdimensionale Kopie von Picassos Guernica (1937). Es ist ein Gemälde von drastischem Schmerz. Abgetrennte Körperteile sind zu sehen, ein Pferd bricht nieder, eine Mutter betrauert ihr getötetes Kind. Villar Rojas versieht das weltbekannte Gemälde mit einer Feuerleiste, die an seiner Unterseite züngelt. Auch das Gemälde eines bärtigen Jägers ist zu sehen, daneben eine Illustration zweier Saurier. In der Mitte hängt ein Eisenkorb von der Decke. Villar Rojas bezeichnet ihn als »Lüster«. Der Mensch ist in der Welt und mit ihm das Schlachten und die Gewalt.

Im obersten Geschoss ändert sich die Stimmung. Der gesamte Raum ist in hygienischem Weiß gehalten. Auf einer vierteiligen Rampe thronen die Beine des David (1501—1504) von Michelangelo. Der erzählerische Bogen zur im Erdgeschoss verbildlichten Renaissance schließt sich hier.

Der Mensch, der in die Welt gekommen ist, ist im Olymp, im platonischen Himmel des Ideals angelangt. Die Erde hat er zurückgelassen. Als Zeuge findet sich eine Spinne. Sie ist eines der ersten Lebewesen auf dem Planeten und als tänzelnde Cyberkreatur vermutlich die letzte Zeugin seines Verschwindens — ein postapokalyptisches Szenarium.


Kunsthaus Bregenz,

kunsthaus-bregenz.at



Presse






Daten zu Adrián Villar Rojas:

- 12th Havana Biennial 2015
- Art Basel 2013
- Art Basel Hong Kong 2018
- Art Basel Hong Kong, 2016
- Art Basel Miami Beach 2013
- art basel miami beach, 2014
- ARTRIO 2013, Brasilien
- Biennale Venedig 2011 Pav
- documenta 13, 2012
- Galeria Luisa Strina
- Galleries ART DUBAI CONTEMPORARY 2015
- Istanbul Biennial 2015
- Jerusalem Lives 2017
- kurimanzutto - Gallery
- Marian Goodman Gallery
- Marrakech Biennale, 2016
- MoMA Collection
- Moscow Biennale 2013
- Preistraeger 2013, Zurich Art Prize
- Shanghai Biennale 2012
- Sharjah Biennial 12, 2015

Weiteres zum Thema: Adrián Villar Rojas



Teilnehmerliste der documenta(13)


documenta13
Kunsthalle Fridericianum

Lida Abdul, Bani Abidi, Etel Adnan, Korbinian Aigner, Vyacheslav Akhunov, Barmak Akram, Khadim Ali, Allora & Calzadilla Maria Thereza Alves, Francis Alÿs, Ayreen Anastas, Anastas & Gabri Ida Applebroog, Mohammad Yusuf Asefi, Doug Ashford, Tarek Atoui, Kader Attia, Julie Ault, Alexandra Bachzetsis, Nanni Balestrini, Amy Balkin, Judith Barry, Massimo Bartolini, Gianfranco Baruchello, Ahmed Basiony, Thomas Bayrle, Gordon Bennett, Rossella Biscotti, Alighiero Boetti, Anna Boghiguian, Carol Bove, Kristina Buch, Andrea Büttner, Gerard Byrne, CAMP (founded 2007 by Shaina Anand, Sanjay Bhangar, and Ashok Sukumaran) Emily Carr, Mariana Castillo Deball, Paul Chan, Kudzanai Chiurai, Critical Art Ensemble Abraham Cruzvillegas, István Csákány, Attila Csörgo, Antoni Cumella, Salvador Dalí, Manon de Boer, Tacita Dean, Mark Dion, Thea Djordjadze, Willie Doherty, Trisha Donnelly, Sam Durant, Jimmie Durham, Buetti Alighiero Boetti, Haris Epaminonda, and Daniel Gustav Cramer, Cevdet Erek, Matias Faldbakken, Geoffrey Farmer, Omer Fast, Lara Favaretto, Ceal Floyer, Llyn Foulkes, Abul Qasem Foushanji, Chiara Fumai, Rene Gabri, Ryan Gander, Dora García, Mario Garcia Torres, Fernando García-Dory, Theaster Gates, Jeanno Gaussi, Mariam Ghani, Simryn Gill, Julio González, Tue Greenfort, Zainab Haidary, Fiona Hall, Florian Hecker, Tamara Henderson, Susan Hiller, Horst Hoheisel, Judith Hopf, Pierre Huyghe, Sanja Ivekovic, Emily Jacir, Toril Johannessen, Joan Jonas, Brian Jungen, Rudolf Kaesbach, Robin Kahn, & La Cooperativa Unidad Nacional Mujeres Saharauis (The National Union of Women from Western Sahara) Masood Kamandy, Amar Kanwar, William Kentridge, Hassan Khan, Erkki Kurenniemi, Adriana Lara, Gabriel Lester, David Link, Maria Loboda, Mark Lombardi, Aníbal López, Renata Lucas, Marcos Lutyens, and Raimundas Malašauskas, featuring Sissel Tolaas Goshka Macuga, Anna Maria Maiolino, Nalini Malani, Raimundas Malasauskas, Man Ray Maria Martins, Francesco Matarrese, Fabio Mauri, Julie Mehretu, John Menick, Gustav Metzger, Aman Mojadidi, Gareth Moore, Giorgio Morandi, Rabih Mroué, Zanele Muholi, Christian Philipp Müller, Shinro Ohtake, Rahraw Omarzad, Roman Ondák, Füsun Onur, Christodoulos Panayiotou, Giuseppe Penone, Claire Pentecost, Susan Philipsz, Pratchaya Phinthong, Sopheap Pich, Lea Porsager, Michael Portnoy, Margaret Preston, Seth Price, Ana Prvacki, Walid Raad, Michael Rakowitz, Araya Rasdjarmrearnsook, Doreen Reid Nakamarra, Pedro Reyes, Gunnar Richter, Stuart Ringholt, Paul Ryan, Hannah Ryggen, documenta Lester Gabriel Anri Sala, Charlotte Salomon, Issa Samb, Ines Schaber, Tino Sehgal, Albert Serra, Tejal Shah, Wael Shawky, Nedko Solakov, Dong Song Alexandra Sukhareva, Mika Taanila, Mohsen Taasha, Javier Téllez, Aase Texmon Rygh, Warlimpirrnga Tjapaltjarri, Jalal Toufic, Rosemarie Trockel, Rattana Vandy, Nath Vann Adrián Villar Rojas, Clemens von Wedemeyer, Jeronimo Voss, Giang Huong Vu, Ian Wallace, Jessica Warboys, Lawrence Weiner, Lei Yan , Haegue Yang, Akram Zaatari, Zalmaiï Konrad Zuse,


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