Yuri Pattison «Trusted Traveller»

20. 05. - 6.08. 2017 | Kunst Halle Sankt Gallen
Eingabedatum: 21.05.2017

bilder

Co-Working-Büros, Newsrooms als Fabriken des Post-Faktischen und Logistikräume von Online-Megastores stehen im Zentrum des Interesses des irischen Künstlers Yuri Pattison (*1986, lebt in London). Pattisons künstlerische Welt, zu der auch Router, Luftbefeuchter, Überwachungskameras, Büropflanzen oder billige Replikate von Designklassikern gehören, bewegt sich zwischen skulptural und digital und spielt mit Steuerungsmechanismen. Mit der immersiven, multimedialen Installation «Trusted Traveller» verwandelt Yuri Pattison die Kunst Halle Sankt Gallen in eine Projektionsfläche der zeitgenössischen Welt. Indem er programmierend interveniert, konfrontiert er das Publikum auf spektakuläre Art und Weise mit Räumen, Materialien und Themen, welche die heutige Realität bestimmen.

Der Titel «Trusted Traveller» verweist bereits auf den Fokus, den Pattison für seine St.Galler Ausstellung setzt: Es geht einerseits um das Thema ’Reisen’ und die Infrastruktur, die dafür benötigt wird, aber auch um das Phantom einer globalisierten Welt als Ort ohne Grenzen. Die Installation,
die er für die Kunst Halle konzipiert hat, bezieht sich bewusst auf den symbolträchtigsten und heute vielleicht komplexesten aller Orte, der mit dem Reisen verbunden ist: den Flughafen. Der Künstler inszeniert ein ’architektonisches Gerüst’, das nicht nur an einen Flughafen als Metapher denken lässt, sondern auch als Ort der Paranoia, der Einöde und der Fiktion. Durch die Verwendung von mit Bedeutung aufgeladener Materialien und der präzisen Setzung von Objekten gelingt es Pattison, in der Kunst Halle Sankt Gallen eine homogene und realitätsnahe Welt entstehen zu lassen, ohne dabei der Versuchung des Hyperrealismus zu verfallen.

Ein Netzwerk an Kabelschienen wird über den Köpfen der AusstellungsbesucherInnen schweben. Durch kontrollierten Lichteinsatz und dank spezieller
Sichtfilter führt der Künstler deren Blicke sehr genau. Mehrere Filme auf Monitoren zeigen Modellwelten. Diese werden als Inszenierungen nationalistischer Bedürfnisse gebaut (Denkmäler in New York, die der irischen Landschaft nachempfunden sind) oder als Orte des Entertainments konzipiert (japanische Spielhallen, die wie Kulissen für Videogames aussehen).

Für Pattison navigiert der zeitgenössische Mensch zwischen solchen Polen – in einer Welt, die sich zwischen Idealisierung und Ökonomisierung zu
verlieren scheint. Es ist also nicht verwunderlich, dass auch Ausweisdokumente einen wichtigen Bestandteil der Ausstellung «Trusted Traveller»
bilden, insbesondere Fantasiepässe wie dem Weltpass und dem Tarnpass.

Reisepässe sind tatsächlich eine perfekte Projektionsfläche und gleichzeitig präzis konnotierte Objekte, in denen vieles zusammenkommt. Persönliche
Identität trifft hier auf designierte politische Grenzen; Drucktechniken verschmelzen mit biometrischen Bewegungskontrollen dank eingesetzter
Mikrochips; nationalistische Bürokratie kollidiert mit der Utopie der grenzenlosen Freiheit.

Yuri Pattison (*1986 in Dublin, Irland) lebt und arbeitet in London. Einzelausstellungen des Künstlers fanden u.a. in folgenden Institutionen statt: Kevin Space, Wien (2017); mother’s tankstation limited, Dublin; Chisenhale Gallery, London (2016); Helga Maria Klosterfelde Edition, Berlin; Cell Projects, London (2014); Arcadia Missa, London (2012).

Gruppenausstellungen (Auswahl): ZKM, Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe (2017); Hartware MedienKunstVerein (HMKV), Dortmund; The Tetley, Leeds; Banner Repeater, London; MMOMA, Moskau; International Center of Photography, New York; British Art Show 8, Scottish National Gallery of Modern Art & an verschiedenen Standorten im Vereinigten Königreich; Wysing Arts Centre, Cambridge (2016); La Plage, Paris; Bielefelder Kunstverein und Kunstverein Nürnberg; Ashkal Alwan, Beirut; Kunstpalais, Erlangen; Künstlerhaus Bremen; Tate Britain, London; Kunsthalle Wien; Museum of Modern Art, Warschau (2015). Pattison wurde jüngst mit dem Frieze Artist Award 2016 ausgezeichnet.


Kunst Halle Sankt Gallen
Davidstrasse 40
CH-9000 St. Gallen

k9000.ch

Presse






Daten zu Yuri Pattison:

- Art Basel Hong Kong, 2016
- art berlin 2017
- Hartware MedienKunstVerein 2016
- Kunstverein Nürnberg 2016

Weiteres zum Thema: Yuri Pattison



The Future of Memory


Digitale Kommunikation und virtuelle Vernetzung prägen unsere Gegenwart. Soziale Interaktionen sind gebunden an elektronische Geräte wie Smartphones oder Tablets. Die Omnipräsenz digitaler Medien führt zu einer kontinuierlichen Produktion und einem regelmäßigen – auch unfreiwilligen – Konsum medialer Outputs.

Diese Konditionen bringen nachhaltige Veränderungen in Hinblick auf die Weitergabe von Wissen, Erfahrungen, Traditionen und von Erinnerung mit sich. Wie wandelt sich unsere derzeitige Kommunikationskultur? Unter welchen Einflüssen wird unsere Gegenwart historisiert? Diesen Fragen geht The Future of Memory nach. Die Erinnerung an die Vergangenheit, das Erleben der Gegenwart und die Vorstellung von der Zukunft vereinen sich für uns zu scheinbar äquivalenten Bildern. Ihre Unterschiede verschwimmen – hin zu einer unendlichen Gegenwart.

Die Überlegung, wie sich unter diesen Bedingungen ein kulturelles Gedächtnis vermitteln kann, umspannt die gesamte Ausstellung. Die ausgewählten Arbeiten greifen auf einzelne Narrative zurück und brechen mit angelernter Wahrnehmung, indem sie Realitätskonstruktionen kritisch hinterfragen oder auch untergraben.

Leon Kahane etwa benennt seine Fotoserie FRONTEX (2009) nach dem Firmennamen eines privaten Security-Unternehmens, das an den Grenzen der Europäischen Union für illegale Immigranten zuständig ist. Frontex operiert in einer Zone zwischen politischen und wirtschaftlichen Interessen. Kahanes Fotografien der Unternehmenszentrale stehen medial vermittelten Bildern von Flüchtlingsströmen entgegen und öffnen eine alternative Sichtweise auf politische Entscheidungsprozesse.

Julius von Bismarck bezeichnet seine Arbeit Unfall am Mittelpunkt Deutschlands (2013) als fiktive Geschichte. Ein Autounfall im Bundesland Thüringen wurde von Passanten gemeldet, von der Polizei behördlich aufgenommen und schließlich in einem Bekennerschreiben als künstlerische Aktion „enttarnt“. Das Kunstwerk dokumentiert eine inszenierte Begebenheit, die aufgrund unserer Rezeptionsgewohnheiten nicht als solche erkennbar war. Der Künstler lässt eine „falsche Geschichte“ schreiben und benutzt dazu angelernte Assoziationen unseres (Bild-)Gedächtnisses.

Eine von mehreren Videoarbeiten in der Ausstellung ist Aleksandra Domanovićs Turbo Sculpture (2010–2013). Die Arbeit im Stile einer Fotodokumentation stellt eine Identitätskrise in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens fest, die sich darin manifestiert, dass politische Denkmäler durch monumentale Skulpturen westlicher Popikonen ersetzt werden. Stilistisch und inhaltlich konfrontiert die Arbeit mit Absurditäten heutiger Lebensrealität, Geschichtsschreibung und Erinnerungspraktiken im Internetzeitalter.

The Future of Memory führt das Konzept des 55. October Salons Belgrad (20/9 – 2/11 2014) fort, der unter dem Titel Disappearing Things der Rolle des kollektiven wie individuellen Erinnerns im digitalen Zeitalter nachging und von Vanessa Joan Müller und Nicolaus Schafhausen kuratiert worden war.

Künstler/innen: Julius von Bismarck, Igor Bošnjak, Antoine Catala, Julian Charrière, Keren Cytter, Edith Dekyndt, Simon Denny, Dani Gal, Florian Hecker, Leon Kahane, Daniel Keller, Hanne Lippard, Katja Novitskova, Yuri Pattison, Jon Rafman, Antoine Renard, Mandla Reuter, Meggy Rustamova, Augustas Serapinas, Michael Staniak, Philipp Timischl, Amalia Ulman, Ignacio Uriarte, Dragana Žarevac, u.a.

Kunsthalle Wien
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1070 Wien, Austria
http://kunsthallewien.at/


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