Yuri Pattison «Trusted Traveller»

20. 05. - 6.08. 2017 | Kunst Halle Sankt Gallen
Eingabedatum: 21.05.2017

Werkabbildung

Yuri Pattison, Insights (crisis trolley), 2016 Exhibition view Frieze Artist Award/Frieze Art Fair, London Photo: Mariell Lind Hansen Courtesy: the artist and mother’s tankstation limited, Dublin bilder

Co-Working-Büros, Newsrooms als Fabriken des Post-Faktischen und Logistikräume von Online-Megastores stehen im Zentrum des Interesses des irischen Künstlers Yuri Pattison (*1986, lebt in London). Pattisons künstlerische Welt, zu der auch Router, Luftbefeuchter, Überwachungskameras, Büropflanzen oder billige Replikate von Designklassikern gehören, bewegt sich zwischen skulptural und digital und spielt mit Steuerungsmechanismen. Mit der immersiven, multimedialen Installation «Trusted Traveller» verwandelt Yuri Pattison die Kunst Halle Sankt Gallen in eine Projektionsfläche der zeitgenössischen Welt. Indem er programmierend interveniert, konfrontiert er das Publikum auf spektakuläre Art und Weise mit Räumen, Materialien und Themen, welche die heutige Realität bestimmen.

Der Titel «Trusted Traveller» verweist bereits auf den Fokus, den Pattison für seine St.Galler Ausstellung setzt: Es geht einerseits um das Thema ’Reisen’ und die Infrastruktur, die dafür benötigt wird, aber auch um das Phantom einer globalisierten Welt als Ort ohne Grenzen. Die Installation,
die er für die Kunst Halle konzipiert hat, bezieht sich bewusst auf den symbolträchtigsten und heute vielleicht komplexesten aller Orte, der mit dem Reisen verbunden ist: den Flughafen. Der Künstler inszeniert ein ’architektonisches Gerüst’, das nicht nur an einen Flughafen als Metapher denken lässt, sondern auch als Ort der Paranoia, der Einöde und der Fiktion. Durch die Verwendung von mit Bedeutung aufgeladener Materialien und der präzisen Setzung von Objekten gelingt es Pattison, in der Kunst Halle Sankt Gallen eine homogene und realitätsnahe Welt entstehen zu lassen, ohne dabei der Versuchung des Hyperrealismus zu verfallen.

Ein Netzwerk an Kabelschienen wird über den Köpfen der AusstellungsbesucherInnen schweben. Durch kontrollierten Lichteinsatz und dank spezieller
Sichtfilter führt der Künstler deren Blicke sehr genau. Mehrere Filme auf Monitoren zeigen Modellwelten. Diese werden als Inszenierungen nationalistischer Bedürfnisse gebaut (Denkmäler in New York, die der irischen Landschaft nachempfunden sind) oder als Orte des Entertainments konzipiert (japanische Spielhallen, die wie Kulissen für Videogames aussehen).

Für Pattison navigiert der zeitgenössische Mensch zwischen solchen Polen – in einer Welt, die sich zwischen Idealisierung und Ökonomisierung zu
verlieren scheint. Es ist also nicht verwunderlich, dass auch Ausweisdokumente einen wichtigen Bestandteil der Ausstellung «Trusted Traveller»
bilden, insbesondere Fantasiepässe wie dem Weltpass und dem Tarnpass.

Reisepässe sind tatsächlich eine perfekte Projektionsfläche und gleichzeitig präzis konnotierte Objekte, in denen vieles zusammenkommt. Persönliche
Identität trifft hier auf designierte politische Grenzen; Drucktechniken verschmelzen mit biometrischen Bewegungskontrollen dank eingesetzter
Mikrochips; nationalistische Bürokratie kollidiert mit der Utopie der grenzenlosen Freiheit.

Yuri Pattison (*1986 in Dublin, Irland) lebt und arbeitet in London. Einzelausstellungen des Künstlers fanden u.a. in folgenden Institutionen statt: Kevin Space, Wien (2017); mother’s tankstation limited, Dublin; Chisenhale Gallery, London (2016); Helga Maria Klosterfelde Edition, Berlin; Cell Projects, London (2014); Arcadia Missa, London (2012).

Gruppenausstellungen (Auswahl): ZKM, Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe (2017); Hartware MedienKunstVerein (HMKV), Dortmund; The Tetley, Leeds; Banner Repeater, London; MMOMA, Moskau; International Center of Photography, New York; British Art Show 8, Scottish National Gallery of Modern Art & an verschiedenen Standorten im Vereinigten Königreich; Wysing Arts Centre, Cambridge (2016); La Plage, Paris; Bielefelder Kunstverein und Kunstverein Nürnberg; Ashkal Alwan, Beirut; Kunstpalais, Erlangen; Künstlerhaus Bremen; Tate Britain, London; Kunsthalle Wien; Museum of Modern Art, Warschau (2015). Pattison wurde jüngst mit dem Frieze Artist Award 2016 ausgezeichnet.


Kunst Halle Sankt Gallen
Davidstrasse 40
CH-9000 St. Gallen

k9000.ch

Presse






Daten zu Yuri Pattison:

- Art Basel Hong Kong, 2016
- Hartware MedienKunstVerein 2016
- Kunstverein Nürnberg 2016

Weiteres zum Thema: Yuri Pattison



The Future of Memory


Digitale Kommunikation und virtuelle Vernetzung prägen unsere Gegenwart. Soziale Interaktionen sind gebunden an elektronische Geräte wie Smartphones oder Tablets. Die Omnipräsenz digitaler Medien führt zu einer kontinuierlichen Produktion und einem regelmäßigen – auch unfreiwilligen – Konsum medialer Outputs.

Diese Konditionen bringen nachhaltige Veränderungen in Hinblick auf die Weitergabe von Wissen, Erfahrungen, Traditionen und von Erinnerung mit sich. Wie wandelt sich unsere derzeitige Kommunikationskultur? Unter welchen Einflüssen wird unsere Gegenwart historisiert? Diesen Fragen geht The Future of Memory nach. Die Erinnerung an die Vergangenheit, das Erleben der Gegenwart und die Vorstellung von der Zukunft vereinen sich für uns zu scheinbar äquivalenten Bildern. Ihre Unterschiede verschwimmen – hin zu einer unendlichen Gegenwart.

Die Überlegung, wie sich unter diesen Bedingungen ein kulturelles Gedächtnis vermitteln kann, umspannt die gesamte Ausstellung. Die ausgewählten Arbeiten greifen auf einzelne Narrative zurück und brechen mit angelernter Wahrnehmung, indem sie Realitätskonstruktionen kritisch hinterfragen oder auch untergraben.

Leon Kahane etwa benennt seine Fotoserie FRONTEX (2009) nach dem Firmennamen eines privaten Security-Unternehmens, das an den Grenzen der Europäischen Union für illegale Immigranten zuständig ist. Frontex operiert in einer Zone zwischen politischen und wirtschaftlichen Interessen. Kahanes Fotografien der Unternehmenszentrale stehen medial vermittelten Bildern von Flüchtlingsströmen entgegen und öffnen eine alternative Sichtweise auf politische Entscheidungsprozesse.

Julius von Bismarck bezeichnet seine Arbeit Unfall am Mittelpunkt Deutschlands (2013) als fiktive Geschichte. Ein Autounfall im Bundesland Thüringen wurde von Passanten gemeldet, von der Polizei behördlich aufgenommen und schließlich in einem Bekennerschreiben als künstlerische Aktion „enttarnt“. Das Kunstwerk dokumentiert eine inszenierte Begebenheit, die aufgrund unserer Rezeptionsgewohnheiten nicht als solche erkennbar war. Der Künstler lässt eine „falsche Geschichte“ schreiben und benutzt dazu angelernte Assoziationen unseres (Bild-)Gedächtnisses.

Eine von mehreren Videoarbeiten in der Ausstellung ist Aleksandra Domanovićs Turbo Sculpture (2010–2013). Die Arbeit im Stile einer Fotodokumentation stellt eine Identitätskrise in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens fest, die sich darin manifestiert, dass politische Denkmäler durch monumentale Skulpturen westlicher Popikonen ersetzt werden. Stilistisch und inhaltlich konfrontiert die Arbeit mit Absurditäten heutiger Lebensrealität, Geschichtsschreibung und Erinnerungspraktiken im Internetzeitalter.

The Future of Memory führt das Konzept des 55. October Salons Belgrad (20/9 – 2/11 2014) fort, der unter dem Titel Disappearing Things der Rolle des kollektiven wie individuellen Erinnerns im digitalen Zeitalter nachging und von Vanessa Joan Müller und Nicolaus Schafhausen kuratiert worden war.

Künstler/innen: Julius von Bismarck, Igor Bošnjak, Antoine Catala, Julian Charrière, Keren Cytter, Edith Dekyndt, Simon Denny, Dani Gal, Florian Hecker, Leon Kahane, Daniel Keller, Hanne Lippard, Katja Novitskova, Yuri Pattison, Jon Rafman, Antoine Renard, Mandla Reuter, Meggy Rustamova, Augustas Serapinas, Michael Staniak, Philipp Timischl, Amalia Ulman, Ignacio Uriarte, Dragana Žarevac, u.a.

Kunsthalle Wien
Museumsquartier
Museumsplatz 1
1070 Wien, Austria
http://kunsthallewien.at/

Die Welt Ohne Uns. Erzählungen über das Zeitalter der nicht-menschlichen Akteure


In einer gar nicht so weit entfernten Welt ohne uns werden Menschen von Maschinen ersetzt, Künstliche Intelligenzen von anderen KIs optimiert und Algorithmen von selbstlernenden Algorithmen programmiert.

So könnte eine radikal andere, postanthropozentrische Welt entstehen, in der sich nicht-menschliche Lebensformen unter Umständen als anpassungsfähiger erweisen als der Mensch selbst. Die KünstlerInnen der Ausstellung – aus dem Iran, den USA, der Türkei, Frankreich, Kenia, Litauen, Dänemark, Norwegen, Belgien, Italien und Großbritannien – thematisieren
eine Ökologie nach dem Menschen, ein Zeitalter des Post-Anthropozäns, in dem andere ‚Lebens’-Formen – Algorithmen, KIs, künstlich erzeugte Nanopartikel, gentechnisch veränderte Mikroorganismen und aus heutiger Sicht ‚monströs’ erscheinende Pflanzen – die Macht übernommen haben. Dieses neue Zeitalter, das bereits unmerklich begonnen hat, ist das Zeitalter der nicht-menschlichen Akteure.

„Die Welt Ohne Uns“1 ist eine von Inke Arns konzipierte und kuratierte Ausstellung, die sich mit der Frage auseinander setzt, wie eine Welt jenseits des Menschen aussieht, bzw. welche Akteure diese Welt (zunehmend) bevölkern. Dabei soll bewusst kein post-katastrophales Szenario beschworen werden – vielmehr wird „die Welt Ohne Uns“ verstanden als Ergebnis einer graduellen Entwicklung, deren Anfänge bereits in unserer Gegenwart angelegt sind.

Die Instrumente für die Schaffung einer Welt ohne uns stehen bereit. Die ersten fahrerlosen Autos sind im Testbetrieb auf unseren Straßen unterwegs, DatingWebseiten werden von Chatbots bevölkert, welche Aktivität und Interesse simulieren, ganze Zeitungsartikel werden von Algorithmen kompiliert und Übersetzungen von Maschinen angefertigt. Bereits 2006 wurde ein Drittel aller Aktienverkäufe in der EU und in den USA von Algorithmen getätigt. Über den aktuellen Prozentsatz können wir nur spekulieren.

In einer Welt ohne uns werden Menschen von Maschinen ersetzt, Künstliche Intelligenzen von anderen KIs optimiert 2 und Algorithmen von selbstlernenden Algorithmen programmiert. So könnte eine radikal andere, post-anthropozentrische Welt entstehen, in der sich nicht-menschliche Lebensformen unter Umständen als anpassungsfähiger erweisen als der Mensch selbst. Und für eine solche Welt gilt, wie Benjamin Bratton passend formuliert: „Schlimmer als (von der KI) als Feind gesehen zu werden, ist es, überhaupt nicht gesehen zu werden.“3
Schon heute steht nicht mehr nur der Mensch als autonom Handelnder im Zentrum, sondern vielmehr sind es hybride Konstellationen aus Menschen und Technologien, die zu autonom handelnden Quasi-Subjekten geworden sind. Handlungs- und Entscheidungsoptionen, die bis dato Vorrecht des Menschen bzw. Subjektes waren, werden heute zunehmend in vernetzte Maschinen und Programmierung ausgelagert. Und während die Nutzer (von Technologien) ausschließlich sich selbst als handelnde Subjekte sehen, wird es zunehmend schwieriger zu sagen, wer eigentlich handelt und die Kontrolle besitzt. Nicht nur Hollywood-Filme wie Her (USA 2013) und Fernsehserien wie Black Mirror (UK seit 2011) und Real Humans (SE 2012-13)
setzten sich in den letzten Jahren mit dem Thema der Partizipation nichtmenschlicher Akteure auseinander – das Thema beschäftigt auch die zeitgenössische (Medien-)Kunst.

Die eingeladenen KünstlerInnen thematisieren – in Anlehnung an Timothy Mortons Buchtitel Ecology without Nature – eine Ökologie nach dem Menschen, ein Zeitalter des Post-Anthropozäns, in dem andere ‚Lebens’-Formen – Algorithmen, KIs, künstlich erzeugte Nanopartikel, gentechnisch veränderte Mikroorganismen und aus heutiger Sicht ‚monströs’ erscheinende Pflanzen und andere Lebensformen – die Macht übernommen haben. Dieses neue Zeitalter, das bereits unmerklich begonnen hat, ist das Zeitalter der nicht-menschlichen Akteure.

Die KünstlerInnen und ihre Arbeiten
In der Ausstellung „Die Welt Ohne Uns“ sind insgesamt 16 Arbeiten von 15 internationalen KünstlerInnen und Künstlergruppen zu sehen. In diesen sehr unterschiedlichen Arbeiten – (Video-)Installationen, Zeichnungen/Aquarelle, Skulpturen, Kurzfilme und Videos – wird die Welt ohne uns auf jeweils ganz eigene Art und Weise beschrieben und es kommen die verschiedensten nicht-menschlichen Akteure „zu Wort“.

Da sind zunächst einmal die Arbeiten, die – im wörtlichen Sinne – menschenleere Räume zeigen. Der belgische Künstler David Claerbout nimmt uns in Travel mit auf die Reise durch unbewegte computergenerierte Landschaften, die man fast nicht von natürlichen Landschaften unterscheiden kann. Der litauische Künstler Ignas Krunglevicius beeindruckt uns in Hard Body Trade mit Flügen durch erhabene Bergpanoramen, bei deren Anblick man unwillkürlich denkt, dass man es mit Bildern aus Computerspielen zu tun hat – was jedoch nicht stimmt: Es handelt sich ausschließlich um echte Naturaufnahmen. Die kenianische Filmemacherin Wanuri Kahiu wiederum imaginiert in ihrem afrofuturistischen Kurzfilm Pumzi eine Welt, in
der alles Leben von der Erdoberfläche verschwunden ist. Und der norwegische Künstler und Designer Timo Arnall schließlich zeigt uns in Internet Machine, wo das entsteht, was wir das Internet nennen: riesige, fast endlos wirkende unterirdische Hallen, vollgestellt mit Computern, in denen man nur die Kühlung der Rechner rauschen hört.

Wirken diese Räume zunächst, als seien sie (menschen)leer, so zeigt sich auf den zweiten Blick, dass dort durchaus etwas präsent ist – nämlich diverse nichtmenschliche Akteure, wie im Ausstellungstitel angekündigt. Da sind zunächst die Künstlichen Intelligenzen, denen verschiedene KünstlerInnen Arbeiten gewidmet haben. Ignas Krunglevicius bereits erwähntes Video zeigt den Flug einer Künstlichen Intelligenz durch die „proteinzentrierte Welt“ der Menschen – aus der Sicht einer KI. Während des Fluges können wir der KI beim Nachdenken über die Menschen lauschen. Der Protagonist in Mark Leckeys Video GreenScreenRefrigeratorAction ist ein intelligenter Kühlschrank, wie er wohl bald das „Internet der Dinge“ bevölkern wird. Der Bewusstwerdungsprozess des Kühlschrankes äußert sich in einem unterhaltsamen und manchmal schreiend komischen Monolog der Maschine. Timo Arnall zeigt uns in seinem (zweiten) Video – Robot Readable World – unsere Welt aus der Sicht der Maschinen. Die britische Künstlerin Suzanne Treister beleuchtet die Welt der Hochfrequenzhändler, die heute an den Börsen vor allem mit Hilfe spezieller Algorithmen, sogenannter Trading Bots, agieren. Die türkische Künstlerin Pinar Yoldas schließlich imaginiert eine Künstliche Intelligenz, die – natürlich – die Weltherrschaft übernommen hat. Kitty AI hat das naive Bewusstsein eines niedlichen Kätzchens, das gerne mit dem Menschen spielt und von ihm unterhalten werden will.

Nicht-menschliche Akteure sind jedoch nicht nur KIs, sondern auch Tiere: Neben der künstlichen Katze gibt es in der Ausstellung auch einen der Nahrungskette kritisch gegenüberstehenden Delphin (Will Benedict) sowie einen echten Falken zu sehen. Der französische Künstler Laurent Grasso rüstet diesen in seinem Video On Air mit einer Miniaturkamera aus. Der Blick des Betrachters verschmilzt mit der Perspektive des zur Drohne ausgerüsteten Tieres, das eine karge Mondlandschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten überfliegt.

Neben KIs und Tieren spielen auch Pflanzen als nicht-menschliche Akteure eine besondere Rolle in dieser Ausstellung. Inseln von seltsam anmutenden Gewächsen – darunter lebende Steine (Lithops), tropische fleischfressende Pflanzen wie Sonnentau (Drosera capensis), Kannenpflanzen (Nepenthes), Schlauchpflanzen (Sarracenia)), eine Chilenische Araukarie (Araucaria araucana) sowie einige Baumfarne (Cyatheales, Dicksonia antarctica) – sind Teil der Ausstellungsarchitektur bzw. -szenografie. Viele dieser Pflanzen gab es schon lange bevor es den Menschen gab. Neben ihrer durchaus dekorativen Funktion stellen die Pflanzen jedoch auch eine Verbindung zu einer Arbeit in der Ausstellung her: Der Protagonist in Suzanne Treisters neuer Serie HFT The Gardener entwickelt nämlich eine wahrhaft botanische Obsession: Er ist der Überzeugung, dass er sein Bewusstsein mit Hilfe psychoaktiven Substanzen mit dem eines Algorithmus verschmelzen und sich so in die Lage versetzen kann, die Welt von der anderen Seite – aus der Perspektive des Algorithmus – zu sehen.

Suzanne Treisters Gärtner bringt uns schließlich zum letzten Aspekt: Es gibt in der Ausstellung auch Menschen. Diese müssen sich mit den neuen nicht-menschlichen Akteuren, vor allem den KIs, arrangieren. Am drastischsten wird dies in dem Musikvideo I Am A Problem von Will Benedict in Bilder gefasst: Hier hockt ein Alien in einer amerikanischen Fernsehtalkshow und übertönt den Moderator um ein Vielfaches. Die italienischen Netzkunstpioniere Eva & Franco Mattes haben für ihre Arbeit Dark Content Interviews mit anonymen Content-Moderatoren geführt – den Menschen, die z.B. Bilder von Osama bin Laden aus Suchmaschinen entfernen oder darüber entscheiden, wann wieviel nackte Haut zu viel ist. Der französische Künstler Julien Prévieux fragt sich in seinem Video Anomalies construites, wie es die Maschinen geschafft haben, dass wir umsonst für sie arbeiten (z.B. als 3D-Modellbauer für Google Earth). Auch der irische Künstler Yuri Pattison – ausgezeichnet mit dem Frieze Artist Award 2016 – thematisiert den Bereich Arbeit 4.0 in seiner Installation the ideal (v 3.0). Dank der Videoaufnahmen des Chef-Marketingleiters einer chinesischen Bitcoin-Mine bekommen wir einen Einblick in den Arbeitsalltag einer Fabrik, in der die digitale Währung Bitcoin generiert wird. Die dänische Künstlerin Sidsel Meineche Hansen hinterfragt in ihrer Installation Proud To Be Your Own Boss, Proud To Be Busy, wie die psychopharmazeutische Industrie Subjektivität produziert – der menschliche Körper erscheint hier als formbar durch Medikamente und synthetische Drogen. Die kenianische Filmemacherin Wanuri Kahiu schließlich nimmt uns mit in eine andere Art von Labor: In ihrem preisgekrönten afrofuturistischen Kurzfilm Pumzi macht sich eine Wissenschaftlerin gegen alle Widerstände an die verlassene Erdoberfläche auf, um dort den im Labor entdeckten letzten noch lebenden Baum zu pflanzen.

Kuratorin: Inke Arns (HMKV)
KünstlerInnen: Morehshin Allahyari (IR/US) & Daniel Rourke (GB), Timo Arnall (NO), LaTurbo Avedon (US), Will Benedict (US/FR), David Claerbout (BE), Laurent Grasso (FR), Sidsel Meineche Hansen (DK/GB), Wanuri Kahiu (KE), Ignas Krunglevicius (LT/NO), Mark Leckey (GB), Eva & Franco Mattes (IT/US), Yuri Pattison (IRL/GB), Julien Prévieux (FR), Suzanne Treister (GB), Pinar Yoldas (TR/US)

HMKV im Dortmunder U
Leonie-Reygers-Terrasse
44137 Dortmund
hmkv.de


Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




    Anzeige
    berlin


    Anzeige
    Ausstellung


    Anzeige
    rundgang


    Anzeige
    Atelier


    Anzeige
    Burg Halle




    Koki Tanaka. Provisorische Studien (Arbeitstitel) + Haegue Yang. The VIP’s Union

    Das Kunsthaus Graz präsentiert ab 23. Juni 2017 zwei neue, von Barbara Steiner kuratierte Ausstellungen der international renommierten Kunstschaffenden Koki Tanaka und Haegue Yang. weiter


    Frank Bowling: Mappa Mundi

    Mit „Frank Bowling: Mappa Mundi" widmet das Haus der Kunst dem 1934 in Bartica in Britisch-Guayana geborenen Künstler seine bisher umfassendste Überblicksausstellung, mit teils monumentalen Gemälden aus fünfzig Jahren künstlerischen Schaffens weiter


    Ruinen der Gegenwart

    Unsere globalisierte Gegenwart kann als Zeitalter der Ruinen charakterisiert werden. Weltweite politische Instabilität und medial omnipräsente Bilder der Zerstörung liefern uns Ruinen quasi frei Haus weiter


    Graphzines aus der Bibliothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte

    Zum ersten Mal überhaupt werden französische Graphzines in einem Museum in Deutschland zu sehen sein weiter


    Work it, feel it!

    Work it, feel it!, der Beitrag der Kunsthalle Wien zur Vienna Biennale 2017, umkreist die Themen Arbeit und Körper in Gegenwart und Zukunft weiter

    Meisterschüler 2017

    Sprungbrett in den Ausstellungsbetrieb: Die Ausstellung „Meisterschüler 2017“ der HBK Braunschweig findet erstmals in der Städtischen Galerie Wolfsburg statt. weiter


    Wim Delvoye

    Das Museum Tinguely widmet 2017 dem belgischen Künstler Wim Delvoye die erste Retrospektive in der Schweiz weiter

    Tom Burr „Surplus of Myself“

    Unter Berücksichtigung der fünften Iteration der „Skulptur Projekte“ wird der Westfälische Kunstverein eine umfassende Einzelausstellung des US-amerikanischen Künstlers Tom Burr (*1963, New Haven, CT) ausrichten weiter


    Skulpturen Projekte Münster 2017 Fotos und Videos

    Zwischen Karstadt und Galeria Kaufhof in Münster und Marl weiter


    Jérôme Zonder. The Dancing Room

    Mit der Präsentation von Jean Tinguelys MengeleTotentanz (1986) im neu gebauten Ausstellungsraum beginnt das Museum Tinguely eine Ausstellungsreihe mit jungen KünstlerInnen, die auf dieses späte Hauptwerk Tinguelys Bezug nehmen und sich mit seiner anhaltenden Aktualität auseinandersetzen weiter

    Nina Könnemann / Marcus Weber

    Mit den Ausstellungen von Nina Könnemann und Marcus Weber eröffnet das diesjährige Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm des kunstbunker – forum für zeitgenössische kunst e. V., Nürnberg weiter


    Produktion. Made in Germany Drei

    Zehn Jahre nach der Erstausgabe hat das institutionsübergreifende Ausstellungsprojekt erstmalig einen thematischen Fokus. Im Zentrum steht der Begriff der Produktion. weiter


    Authentizitaet. Das Authentisch Unauthentische

    »Authentizitaet. Das Authentisch Unauthentische« ist der dritte Teil einer dreiteiligen Ausstellungsreihe, die im Fruehjahr letzten Jahres begonnen hat und nun in 2017 ihren Abschluss findet weiter


    Hybrid Layers

    Die Gruppenausstellung Hybrid Layers lenkt den Blick auf eine Generation von KünstlerInnen, die sich mit der wachsenden Präsenz der digitalen Sphäre und ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft auseinandersetzen weiter

    Eindrücke von der documenta14 Kassel in Bildern und Videos

    Drei Tage sind wir vor Ort weiter