Produktion. Made in Germany Drei

3.6. - 3.9.2017 | Kestner Gesellschaft, Kunstverein Hannover, Sprengel Museum Hannover
Eingabedatum: 11.06.2017

Werkabbildung

Peles Empire »Grid«, 2017 Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2017 Installation Min.g-Porzellan, schwarzer Ton, Seil, Styropor, bedruckte Kacheln, Teppiche Maße variabel Foto: Raimund Zakowski Courtesy die Künstlerinnen, Wentrup, Berlinbilder

Zehn Jahre nach der Erstausgabe hat das institutionsübergreifende Ausstellungsprojekt erstmalig einen thematischen Fokus. Im Zentrum steht der Begriff der Produktion.

Die zeitgenössische Kunstproduktion ist zwar von globaler Vernetzung und Mobilität gekennzeichnet, dennoch bedarf es weiterhin einer Infrastruktur, gemeint sind damit gleichermaßen
Ausbildungs-, Ausstellungs- und Produktionsorte, die den Kunst- und Kulturstandort Deutschland ausmachen.

In den vergangenen Jahren konnte in der Kunst eine verstärkte Selbstbefragung der künstlerischen Herangehensweisen beobachtet werden – auch im Hinblick auf die spezifischen
Bedingungen der Kunstproduktion in Deutschland. Das Produzieren wird von Künstlerinnen und Künstlern insbesondere im kollektiven Arbeiten, prozessualen Vorgehen und in zeitbasierten Formaten sowie in der Auseinandersetzung mit Herstellungsprozessen und Präsentationsorten thematisiert.

Die Auswahl der 41 künstlerischen Positionen in der Ausstellung steht stellvertretend für diese aktuellen Tendenzen, neue Werke sind dafür spezifisch vor Ort entstanden.

Netzwerk – Kollektiv
Das künstlerische Arbeiten in Netzwerken und Kollektiven spiegelt die Erfahrung einer omnipräsenten Vernetzung wider, die heutzutage auf allen existenziellen Ebenen zu erleben ist. Künstlerinnen und Künstler entwickeln Offspaces, Bars, Plattformen und Veranstaltungsformate, in denen sie sich temporär verbinden. Darüber hinaus hat die digitale Kommunikation die Vernetzung und Vervielfältigung der produzierten Inhalte und Bilder beschleunigt. Das Netzwerk als strukturelles Prinzip spielt als Form des Austauschs zwischen Künstlerinnen und Künstlern sowie innerhalb des Produktionsprozesses zahlreicher Werke eine entscheidende Rolle.

Mit BPA. Berlin Program for Artists, Calla Henkel & Max Pitegoff, IMPURE FICTION, lonelyfingers, DAS NUMEN und Studio for Propositional Cinema sind verschiedene Modelle von im Kollektiv oder temporären Verbund arbeitenden Künstlerinnen und Künstler eingeladen, die Produktion als kontinuierliche Verhandlung von Bedeutungen und Inhalten auffassen. Die vernetzten Produktions-mechanismen und -prozesse werden zudem explizit in den Werken von Kasia Fudakowski, Oliver Laric, Amy Lien & Enzo Camacho verhandelt.

Zeit – Prozess
Dem Faktor Zeit als performativem Aspekt und als Konzentration auf den Moment kommt in der zeitgenössischen Kunstproduktion eine Schlüsselrolle zu. Performance-Formate erhalten in diesem Zusammenhang auf zwei Ebenen besondere Bedeutung: Die erste Ebene betrifft die notwendigerweise physische Präsenz von Publikum und Kunstschaffenden, die in einer zusehends digitalen Lebenswelt an Bedeutung gewinnt. Die zweite Ebene umfasst die temporäre Form an sich, die das Kunstwerk als endliche und ephemere Form der Kunstproduktion definiert.

Mehrere der beteiligten Künstlerinnen und Künstler treten in unterschiedlichen Performance-Formaten auf, so etwa Kasia Fudakowski, IMPURE FICTION, Veit Laurent Kurz, Yorgos Sapountzis, Studio for Propositional Cinema oder Nile Koetting im Rahmen von BPA.

Die Einbindung der Kooperationspartner Festival Theaterformen, KunstFestSpiele Herrenhausen und Schauspiel Hannover, die mit jeweils eigenen Projekten an Produktion.
Made in Germany Drei mitwirken, reflektiert diese Schlüsselrolle von performativen Projekten in besonderer Weise. Zugleich wird der Prozess der Produktion in der Thematisierung und Offenlegung der Werkgenese explizit, die sich in den Werken von Julius von Bismarck, Sascha Hahn, Ketuta Alexi-Meskhishvili, Raphaela Vogel oder Peles Empire anhand der selbstreflexiven Thematisierung des Entstehungsprozesses vollzieht.

Ort – Kontext
In den zahlreichen Neuproduktionen der Ausstellung wird auch die Auseinandersetzung mit den spezifischen Orten und Kontexten sichtbar. Ein Großteil der Arbeiten nimmt direkten Bezug auf Ort und Umgebung. Die Vielschichtigkeit der Ausstellungsorte mit ihren jeweiligen unterschiedlichen historischen und architektonischen Gegebenheiten sowie soziokulturellen Aspekten des Umfeldes werden in den Werken von Katinka Bock, Lena Henke, Daniel Knorr, Schirin Kretschmann, Amy Lien & Enzo Camacho, Lotte Lindner & Till Steinbrenner und Yorgos Sapountzis aufgegriffen.

Der gesuchte Ortsbezug steht in großer Spannung zur Globalisierung der Kunstwelt und den erweiterten Aktions- und Lebenskreisen vieler der eingeladenen Künstlerinnen und Künstler. Zugleich ist die Frage, was die Kunst einer vollkommenen Vereinnahmung durch permanente Präsenz und Zirkulation in einer digitalen Welt entgegensetzen kann. Die persönliche Positionierung des Einzelnen, sowohl im Privaten wie auch mit Bezug auf die kulturelle Zugehörigkeit und Identität, wird bei Positionen wie Juliette Blightman, Carina Brandes, Henning Fehr & Philipp Rühr, Willem de Rooij und Hito Steyerl thematisiert.

Thematischer Fokus
Vor dem Hintergrund der thematischen Fokussierung auf die Frage nach den Produktionsbedingungen in der Kunst in Deutschland, sind erstmalig punktuell Künstler der älteren
Generation mit eingeschlossen. Exemplarisch stehen sie für eine Prägung und Einflussnahme auf eine jüngere Künstlergeneration: Hito Steyerl als feministische und kritische
Künstlerin, welche die digitalen Medien und ihre politische und ökonomische Implikationen hinterfragt. Willem de Rooij als Künstler, der konzeptuell Fragen der künstlerischen Autorenschaft aufwirft. Thomas Ruff schließlich als Künstler, der bereits sehr früh und in immer neuen Ansätzen eine präzise Befragung des (fotografischen) Bildes vornimmt, stets die
technischen Mittel, die zum Bild führen, miteingeschlossen.

Standort und Historie
Das Ausstellungsprojekt Made in Germany wurde vor zehn Jahren als Kontrapunkt zu den globalen Großprojekten wie documenta oder Biennale Venedig in Hannover ins Leben gerufen. Mit der Kestner Gesellschaft (gegründet 1916) und dem Kunstverein Hannover (gegründet 1832) sind zwei der größten und renommiertesten Kunstvereine Deutschlands sowie mit dem Sprengel Museum Hannover eines der profiliertesten deutschen Häuser mit herausragender Sammlung und internationaler Ausstrahlung in Hannover vereint.

Zusammen bilden diese bedeutenden Institutionen dieses Jahr erneut eine breite Plattform für die Gegenwartskunst.

Team – Kollektiv
Der Teamgedanke bei Produktion. Made in Germany Drei hatte von Beginn an eine zentrale Bedeutung. Sämtliche kuratorischen Entscheidungen wie die Auswahl von Künstlerinnen und Künstlern, Budget, Veranstaltungen und Ausstellungsdesign wurden im Kuratorinnen- und KuratorenTeam (je zwei pro Institution) abgestimmt und entschieden. Das Team setzt sich zusammen aus Christina Végh und Milan Ther (Kestner Gesellschaft), Kathleen Rahn und Ute Stuffer (Kunstverein Hannover), Gabriele Sand und Carina Plath (Sprengel Museum Hannover).

»Made in Germany«: Drei plus drei macht drei
Der Untertitel der ersten Ausgabe von »Made in Germany« im Jahr 2007 lautete »Aktuelle Kunst aus Deutschland«. Schlaglichtartig wurden das breite Spektrum und die Vielfalt der zeitgenössischen und jungen Kunstproduktion in Deutschland gezeigt. Dabei ging es nicht um die Definition einer nationalen Kunst, Ziel war es vielmehr, »künstlerische Produktion in Deutschland als ein Geflecht aus nationalen Standortbedingungen, jeweils unterschiedlichen biografischen und nationalen Spezifika und daraus resultierendem kulturellem Austausch sichtbar zu machen«. Diese Zielrichtung rückte fünf Jahre später bei der zweiten Ausgabe von »Made in Germany« in den Mittelpunkt. Die Überblicksschau zeigte eine jüngere Generation internationaler Künstlerinnen und Künstler, die in Deutschland leben und arbeiten, und setzte sie anhand von sechs verschiedenen Themenfeldern in Bezug zueinander.

Zehn Jahre nach der Erstausgabe ist die Internationalität des Kunst- und Kulturstandorts Deutschland vollkommen selbstverständlich und nicht mehr wegzudenken. Erstmals richtet sich die Großausstellung verstärkt thematisch aus. Mit »Produktion. Made in Germany Drei« liegt der Schwerpunkt auf dem »Made« im Titel, also auf der Produktion von Kunst sowie den Produktionsbedingungen in Deutschland. Verschiedene Faktoren wie kollektives und ortsspezifisches Arbeiten, Prozesshaftigkeit und Performance werden unter sich ändernden Vorzeichen wie Globalisierung, Digitalisierung und Migration betrachtet.

Ausstellungsorte

Kestner Gesellschaft
Goseriede 11, 30159 Hannover
T +49 (0)511 701 200
www.kestnergesesellschaft.de

Kunstverein Hannover
Sophienstraße 2, 30159 Hannover
T +49 (0)511 16992 780
www.kunstverein-hannover.de

Sprengel Museum Hannover
Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover
T +49 (0)511 16843 875
www.sprengel-museum.de

produktionmadeingermany.de/information/

Presse






Daten zu Peles Empire:

- art cologne 2015
- Galleries ART DUBAI CONTEMPORARY 2015
- Gallery Weekend Berlin 2016
- Kunstverein Braunschweig 2015
- Made in Germany 3
- Sammlung zeitgenoessische Kunst der BRD
- Skulptur Projekte Münster 2017

Weiteres zum Thema: Peles Empire



Space Revised - Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen (Mai - August 2009)


"Space Revised" ist ein Kooperationsprojekt von GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen, Künstlerhaus Bremen, Halle für Kunst Lüneburg und Kunstverein Harburger Bahnhof. Im Mittelpunkt steht die Reflexion über die vielfältige Verfasstheit des Raumes in der zeitgenössischen Kunstproduktion.

Im Raum situiert sich die Kunst, als Umfeld oder Kontext trägt er zu ihrer Bestimmung bei, während er gleichzeitig durch die Kunst auch geschaffen und definiert wird.
Raumaneignung, Raumverlust, Raumverschiebung und sozialer Raum sind die vier Blickwinkel, aus denen heraus die Institutionen das Thema Raum in zeitgenössischen Kunstpositionen aufspüren.

Mit der Choreographin Trisha Brown wird ein Beispiel einer künstlerischen Herangehensweise aufgezeigt, wie der umgebende Raum erfahren und eingenommen wird. Zum anderen geht es um Fragen der eigenen Verortung und dem Verhältnis zum Umfeld, wie: Was passiert, wenn man die Konstanten von Raum und Zeit ausblendet oder verliert?

Psychologische, architektonische, zeitliche, institutionelle wie körperliche Qualitäten des Raumes werden auf vielfältige Weise herausgearbeit und zu einem dichten Netz der Reflexion mit und über Raum in der zeitgenössischen Kunst zusammengeführt.


Abbildung: Rosalind Nashashibi
The Prisoner, 2008
16mm mit zwei Projektoren, 5 min.
(Loop), Farbe, Ton
Courtesy the artist and doggerfisher

Liste der einzelnen Ausstellungen:

17. Mai – 9. August
GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen - "Friendly Takeovers. Strategien der Raumaneignung"
(Cezary Bodzianowski, Bob Braine & Leslie C. Reed, Trisha Brown,Christian Haake, Guillaume Leblon, Daniel Maier-Reimer, Katrin Mayer, Rosalind Nashashibi, Peles Empire)

gak-bremen.de

17. Mai – 16. August
Künstlerhaus Bremen - "Verbleib unbekannt"
(Bob Braine & Leslie C. Reed, Elín Hansdóttir, Erik Olofsen, Guido
van der Werve, John Wood & Paul Harrison)

kuenstlerhausbremen.de

16. Mai – 12. Juli
Halle für Kunst Lüneburg - "What if This Was a Piece of Art?"
(Guillaume Bijl, Wolfgang Breuer, Yan Duyvendak, FLOSS/VHDG, Graham
Hudson, Christian Jankowski, Benoît Maire, Falke Pisano)

halle-fuer-kunst.de

16. Mai – 12. Juli
Kunstverein Harburger Bahnhof - "Manufactured Communities. Raum und Gemeinschaft"
("Reihe:Ordnung sagt – Zukunft" mit Kai Schiemenz)

kvhbf.de

PELES EMPIRE. EVER BUILD


Kopien sind eng mit ihrem Original verknüpft und geben doch ein verzerrtes Bild auf das ab, was sie duplizieren. Kopien wiederholen und sichern ihre Vorlage, aber eröffnen auch die Möglichkeit, eine neue Perspektive auf sie einzunehmen – denn bereits der Vorgang der Reproduktion selbst entfernt sich vom Original, so dass die Kopie immer im gewissen Sinne eine Abstraktion ihrer Vorlage ist und eine Verschiebung in Wahrnehmung, Ausformung oder Material stattfindet.

Diesen Mechanismen spüren Peles Empire, ein Zusammenschluss der Künstlerinnen Katharina Stöver und Barbara Wolff, auf vielfältige Weise nach. Ausgangspunkt ist dabei das Schloss Peles, eine für König Carol I. Ende des 19. Jahrhunderts fertig gestellte Sommerresidenz in den rumänischen Karpaten. Die Innenausstattung von Peles zeichnet sich durch einen kruden Stilmix aus, in dem jeder Raum unterschiedlichen Epochen der Vergangenheit gewidmet ist. So gibt es etwa ein gotisches, ein barockes, ein Renaissance- oder ein Art Déco-Zimmer. Der Grundgedanke des Schlosses ist also der einer Architektur gewordenen Kopienansammlung, ein Gestalt gewordener Traum historistischer Bau- und Ausstattungskultur. 2005 hat das Künstlerduo Peles Empire begonnen, seine einzelnen Räume fotografisch festzuhalten. Seither sind diese Aufnahmen auf unterschiedliche Weise Dreh- und Angelpunkt ihres künstlerischen Schaffens. Sie bilden die Grundlage nicht nur von eigenen Arbeiten, sondern auch von kuratorischen Projekten.

So rekonstruieren Stöver und Wolff auf der Basis der in Peles gemachten Fotografien zunächst einzelne Räume des Schlosses, indem die Bilder den jeweiligen Ausstellungsraum wie Wandtapeten auskleiden. Diese Situation bildet oft den Hintergrund für Ausstellungen anderer, vom Duo eingeladener Künstler/innen (z.B. in ihrer ehemaligen Wohnung in Frankfurt oder in den beiden von ihnen betriebenen Projekträumen in London und Cluj) oder für eine Bar (2011 in den Frieze Projects der Frieze Art Fair in London). Die mittels der Wandtapeten rekonstruierten Räume können aber auch als eigenständige Setzung bestehen (etwa 2009 in der Gruppenausstellung Space Revised. Friendly Takeovers in der GAK Bremen). Wesentlich ist hier noch die wechselnde Verortung im Privaten und Öffentlichen: Einmal als Salon in der eigenen Wohnung, einmal als Bar auf einer Kunstmesse, einmal im geschützten Rahmen einer Institution oder schließlich als Ausstellungsraum im Londoner Atelier. Zum anderen steht die Verschiebung von der Dreidimensionalität des originalen Schlossraumes hin zur Zweidimensionalität seiner Reproduktion wieder zurück zur Dreidimensionalität des Ausstellungsraumes im Fokus, in dem die zweidimensionalen Kopien des Originals nun den Hintergrund bilden für eigene Installationen oder die von Künstlerkolleg/innen. Eine schrittweise Verzerrung auf allen Ebenen also. In diesem Zusammenhang fügt sich auch der Ausschank rumänischen Schnapses in der Peles-Bar der Frieze Kunstmesse sinnfällig ein – führt sein Konsum doch ebenfalls zu einer verzerrten Wahrnehmung unserer Welt.

2012-2013 finden die Kopieversionen des Schlosses ihren Weg zurück in ihr Ursprungsland: Für etwa ein Jahr betreiben Peles Empire einen Projektraum in Cluj, Rumänien. Teil des Konzeptes ist es, Künstler/innen parallel in London und Cluj einzuladen. Um die Gleichheit und Unterschiedlichkeit der beiden Orte zu verdeutlichen, bildete derselbe Schlossraum den Hintergrund der dort stattfindenden Präsentationen – allerdings in Großbritannien in S-W-, in Rumänien in Farbaufnahmen. Die ausstellenden Künstler/innen bekamen für die Art des Umgangs mit den dort bereits befindlichen Interventionen der Betreiberinnen keinerlei Vorgaben: „Wir treten komplett in den Hintergrund. Wir bieten in diesem Zusammenhang etwas Statisches, das sich nur durch die Spuren der letzten Ausstellungen und durch die Arbeiten der Künstler verändert. Der Einfluss der Künstler auf uns besteht vor allem darin, die permanente Installation mit anderen Augen sehen zu können.“ (Peles Empire)

Seit 2010 erweitert das Duo seine Umgangsweise mit dem Bildmaterial des Schlosses und treibt den Gedanken der Abstrahierung eines Originals mittels seiner Reproduktion immer weiter. Grundlage ist auch hier die Schnittstelle von drei- und zweidimensionalem Raum, aber auch von Objekt und Bild sowie die Möglichkeiten der Materialverschiebung. Dafür kopieren die Künstlerinnen Ausschnitte ihrer großformatigen Fotografien des Schlosses in s/w auf DINA3-Papier (dem klassischen Kopienformat), stellen also Reproduktionen der Reproduktionen her, die in ihrer Farbigkeit, Materialität und Ausschnitthaftigkeit kaum noch einen Hinweis auf das Original geben. Diese Kopienblätter werden auf Wände collagiert oder zu Pappmaché weiterverarbeitet und zu großen, minimalistischen Skulpturen geformt. Letztere werden zu Hybriden zwischen eigenständiger Setzung und Träger für andere Werke, indem sie oftmals eine Aufgabe im architektonischen Gesamtzusammenhang des Raumes übernehmen, als Abtrennung, Sichtschutz oder Sockel für die Keramiken und kleineren Objekte von Peles Empire dienen. Auch bei den skulpturalen Arbeiten handelt es sich um Abstrahierungen der DINA3-Papiere mit Schlossausschnitten oder von originalen Ausstattungsgegenständen des Gebäudes. Durch die Methode des Kopierens und hierarchielosen Nebeneinanderstellens verschiedener Materialien und Stile verzerren Peles Empire ihre Vorlage immer mehr – so weit, dass das Original nahezu verschwindet und sich etwas eigenständig Anderes formt, sich eine neue Perspektive aus dem Bekannten eröffnet.

Für EVER BUILD in Bremen realisieren Peles Empire neue Arbeiten, die sie in eine eigens für den Ort entwickelte Präsentation integrieren. Die Ausstellung wird begleitet von einem ausführlichen Rahmenprogramm und einer Publikation.

GAK GESELLSCHAFT FÜR AKTUELLE KUNST E.V. BREMEN
Teerhof 21
D-28199 Bremen

presse@gak-bremen.de
gak-bremen.de


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