PETER BUGGENHOUT. KEIN SCHATTEN IM PARADIES

14. 07. - 24. 09. 2017 | NEUES MUSEUM, Nürnberg
Eingabedatum: 12.07.2017

Werkabbildung

Peter Buggenhout On Hold 3 2015 Foto Roman Märzbilder

Das Neue Museum richtet in Deutschland die erste Einzelausstellung des international vielfach gezeigten belgischen Künstlers Peter Buggenhout (geb. 1963, lebt und arbeitet in Gent) aus. Ein Querschnitt seines Schaffens mit neuen großformatigen Werken und räumlichen Setzungen ist im Ausstellungssaal und im Sammlungsbereich zu sehen.

Der Bildhauer Peter Buggenhout kreiert rätselhafte Objekte von undefinierbarer Beschaffenheit – immer wieder ähnliche und doch mutierende, amorphe Materialassemblagen, voluminöse, teils raumgreifende Akkumulate aus vielerlei Werkstoffen. Sie entstehen aus den kläglichen Hinterlassenschaften der Menschheit, nicht zu verarbeitenden Reststoffen der Gesellschaft. Seine Arbeiten scheinen in einem Zustand zwischen Realität und Imagination verhaftet zu sein. Oftmals legen die Titel Fährten zu den mythologischen, philosophischen oder biblischen Referenzen seiner Arbeiten.

Die Werkreihe The Blind Leading The Blind (Blinde, von Blinden geführt) umfasst gigantische Körper, die mit dicken Schichten dunklen Staubs überzogen sind. Die Konsistenz der Oberfläche verschluckt das Licht. Sie sehen aus als wären sie Wracks aus den Tiefen der Meere geborgen, zumindest scheinen sie aus einer anderen Welt zu stammen, in ihrer Zeit gefangen, im Verfall konserviert zu sein. Dieser Eindruck materialisiert sich durch den Staub, der als Inkarnation von Zeit fungiert, den Stillstand markiert.

Mont Ventoux heißt eine Skulpturengruppe, die fast landschaftliche Züge aufweist – durch ihre schwer erfassbare Oberfläche von gegerbten, umgestülpten und ausgestopften Kuhmägen, die in sich schon visuelle Landschaften sind.

Mit Gorgo betitelte Arbeiten formieren eine Serie von kleinformatigeren Plastiken, deren charakteristische Substanz aus in Schweineblut getränktem Rosshaar besteht. Ihr Titel knüpft an die unheilvollen Medusen der griechischen Mythologie an. Auch Buggenhouts Fabelwesen scheinen unserer Welt entrückt, als wären sie zu einem bestimmten Zeitpunkt ihres eigenen Verwesungsprozesses erstarrt.

Mit On Hold präsentieren sich jene ominösen farbigen Objekte, die aus angeschwemmten, übrig gebliebenen und gefundenen Materialien bestehen, sie werden in Verbindung mit aufgeblähten Objekten unter Spannung gesetzt.

Buggenhouts Werke wirken wie überlieferte Artefakte, wie Relikte aus einer anderen Zeit, wie Akkumulationen menschlicher Spuren aus der fernen Zukunft betrachtet. Ihre massive physische Präsenz gebärdet sich im Zeitalter der Entmaterialisierung tröstlich anachronistisch, sie erweisen sich als mystische und vor allem analoge Kommentare zu einer sich in der Globalisierung nivellierenden, digitalen Welt. Als eigenwillige Charaktere erscheinen sie uns in der Deklination zwischen Erschaffung, Transformation, Ordnung und Chaos. Autonom und hermetisch zugleich. Seine Skulpturen sind reich an Entdeckungen, doch die visuelle Speicherung ihres Abbildes entzieht sich den Kapazitäten unseres Gedächtnisses. Der Titel der Ausstellung Kein Schatten im Paradies spielt lose auf Platons Höhlengleichnis an, in dem die Schatten als Metapher zur Vortäuschung von Realität fungieren. Bei Peter Buggenhout geht es immer wieder um die Darstellung der Realität in ihrer ganzen schonungslosen Offenbarung, als deren Bildnis
seine Werke zu verstehen sind.

NEUES MUSEUM
Luitpoldstraße 5
90402 Nürnberg
nmn.de


Presse






Daten zu Peter Buggenhout:

- abc 2015
- Art Basel 2013
- art cologne 2015
- ArtZuid2013, Amsterdam
- Konrad Fischer Galerie
- Kunstverein Hannover
- Lebenszeichen - Kunstmuseum Luzern
- S.M.A.K. Sammlung, Gent
- Taipei Biennial, 2014

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Lebenszeichen. Altes Wissen in der zeitgenössischen Kunst - Kunstmuseum Luzern


Wie verbindet sich zeitgenössische Kunst mit der Welt der alten Mythologien, mit dem Wissen aus längst vergangenen Epochen? Anhand der Werke von 16 internationalen Künstlern will die Luzerner Ausstellung dieser Frage nachspüren.

Die Präsentation ist in drei Sektionen eingeteilt, die sich je einem der "drei universalen Prinzipien" der Kunst widmen.
Unter "Imaginationen" werden Arbeiten gefasst, die sich dem Geistigen in der Kunst widmen. Alte Gottheiten werden von den KünstlerInnen in einen zeitgenössischen Kontext verlegt und mit neuen Bedeutungen versehen. So etwa das Schlangen-Haupt der Medusa, das in einer Performance von Marina Abramovic wieder auftaucht und neue Assoziationen ermöglicht.

In einem zweiten Bereich werden Werke gezeigt, die auf Zeichen und Symbole alter Gesellschaften rekurrieren. So vollzieht die israelische Künstlerin Sigalit Landau in ihrer Videoarbeit eine Art Ritual, in dem die Form der Spirale eine entscheidende symbolische Rolle spielt.

Der dritte Ausstellungsteil ist schließlich den narrativen Elementen des Brauchtums gewidmet - wie Sagen oder Ritualen. Die indische Künstlerin Bharti Kher schafft eine zeitgenössische Form eines mythischen Lebensbaumes, während die Videoinstallation von Sanford Biggers Streetdance-Künstler zeigt, die Mandalas mit ihren Körpern neu uminterpretieren.

Künstlerliste:
Adel Abdessemed, Marina Abramovic, Sanford Biggers, Louise Bourgeois, Peter Buggenhout, Nathalie Djurberg, Amar Kanwar, Bharti Kher, Sigalit Landau, Tea Mäkipää, Ana Mendieta, Mariella Mosler, Kiki Smith, Nancy Spero, Philip Taaffe, Su-Mei Tse.

Abbildung: Sigalit Landau, Dead Sea, 2005 (Standbild / Still)
Einkanal-Videoprojektion / Single
channel video projection
courtesy the artist © the artist

Ausstellungsdauer: 14.8.-21.11.10

Öffnungszeiten:
Di,Mi 10-20 Uhr
Do-So 10-18 Uhr

Kunstmuseum Luzern
Europaplatz 1 (KKL Level K)
CH-6002 Luzern

kunstmuseumluzern.ch


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