München, Sommer 1937. "Große Deutsche Kunstausstellung" und "Entartete Kunst"

Neue Präsentation Archiv Galerie 2017/2018

18.07.17 - 04.02.18 | Haus der Kunst München
Eingabedatum: 17.07.2017

Werkabbildung

Große Deutsche Kunstausstellung 1937, Stadtarchiv Münchenbilder

1937 brachten die Nationalsozialisten ihr kulturpolitisches Programm durch zwei vollkommen unterschiedliche Ausstellungen zum Ausdruck: Auf der einen Seite mit der ersten „Großen Deutschen Kunstausstellung" im Haus der Deutschen Kunst, auf der anderen Seite mit der Ausstellung „Entartete Kunst" im Hofgarten. In Gehentfernung voneinander, am 18. bzw. 19. Juli 1937 eröffnet, war mit diesen beiden Ausstellungen die von den Nationalsozialisten gebrandmarkte Kunst der Avantgarde und als Gegenprogramm die von ihnen bevorzugte und verbreitete Kunst gleichzeitig zu sehen.

Die Schau „Entartete Kunst" wurde kurzfristig organisiert. Sie basierte auf der Konfiszierung von etwa 650 Werken der klassischen Moderne aus den Sammlungen von 32 deutschen Museen. Joseph Goebbels hatte angeordnet, diese Propagandaausstellung als gezielte Kontrastveranstaltung zur ersten „Großen Deutschen Kunstausstellung" in München stattfinden zu lassen. Und erst knapp zwei Wochen vor der Eröffnung ermächtigte er den Maler und Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste Adolf Ziegler mit einer Kommission, die dafür nötigen Werke sicherzustellen. Durch das 1938 erlassene „Gesetz über Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst" wurde die Enteignung nachträglich legalisiert.

Die erste „Große Deutsche Kunstausstellung" hingegen hatte einen längeren Planungsvorlauf. Im Juni 1936 wurde auf der Jahresversammlung des Hauses der Deutschen Kunst bekannt gegeben, dass das Gebäude „nach dem Willen des Führers" mit einer Ausstellung von Werken zeitgenössischer deutscher Maler, Bildhauer und Graphiker eröffnet werden solle. Die „Große Deutsche Kunstausstellung" sollte von da an jährlich abgehalten werden. Damit war die zentrale Rolle, die Hitler dem Gebäude zugedacht hatte, festgelegt. Entschied anfänglich noch eine Künstlerjury über die eingesandten Arbeiten, so setzte Hitler bereits im Juni 1937 seinen Leibfotografen Heinrich Hoffmann sowie Karl Kolb, den Direktor des Hauses der Deutschen Kunst, für die Auswahl der eingesandten Werke ein. Doch blieb seine eigene Stimme ausschlaggebend.

Zusammen verzeichneten alle acht „Großen Deutschen Kunstausstellungen" fast viereinhalb Millionen Besucher, die dem Haus der Deutschen Kunst eine Gesamtsumme von knapp 4,6 Millionen Reichsmark eintrugen. Insgesamt wurden in den acht Ausstellungen über 12.550 Werke der Plastik, Malerei und Grafik gezeigt, wovon mehr als 7.000 zu einem Gesamtpreis von knapp 19 Millionen Reichsmark verkauft werden konnten. Über 9.000 Künstler reichten zwischen 1937 und 1944 Arbeiten ein. Die Künstlerkartei wurde ab 1938 geführt. Das Pendant dazu bildet die Liste der für „Entartete Kunst" beschlagnahmten Werke. Sie wurde vom Propagandaministerium nach Städten und alphabetisch angelegt. Beide Verzeichnisse sind in digitalisierter Form Teil der Präsentation der Archiv Galerie.

Das Haus der Deutschen Kunst, das am 18. Juli 1937 eröffnet hatte, wurde in den Broschüren des Münchner Fremdenverkehrs als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten gepriesen. Im Sommer 1937 besuchten 735.544 Touristen die Stadt München. Sie besichtigten neben dem Haus der Deutschen Kunst auch die anderen architektonischen Vorzeigprojekte der NS-Propaganda, so z.B. den Königsplatz, den Paul Ludwig Troost, der Architekt des Hauses der Deutschen Kunst, zum Aufmarschgelände und Kultort der NSDAP umgestaltet hatte.

Die Gebäude der NS-Propaganda waren Schauplatz für zahlreiche Amateurfilmaufnahmen und Schnappschüsse. Diese Bilder gingen in die Familienalben und damit in das kollektive Gedächtnis einer Generation ein. "München im Sommer 1937" zeigt einen solchen anonymen Amateurfilm, der als Erinnerung und Dokument einer Vergnügungsreise gedacht war. Es entsteht der Eindruck, das Jahr 1937 habe aus privaten, wertfreien Ereignissen bestanden. Dabei war der Sommer 1937 politisch betrachtet eine Zeit der trügerischen Ruhe. Schon im darauffolgenden Jahr zeigten sich mit dem „Münchner Abkommen" im September und der Reichspogromnacht im November die außenpolitische Aggression und der mörderische Rassismus des NS-Staates in aller Deutlichkeit.

Stiftung Haus der Kunst München, gemeinnützige Betriebsgesellschaft mbH
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