JEM COHEN »MUSEUM HOURS«

Videobox »Museum Matters«

5.9. - 29.10.2017 | Staatsgalerie Stuttgart
Eingabedatum: 03.09.2017

Werkabbildung

Jem Cohen, »Museum Hours«, 2012, HD-Video, 107‘, Stills, Courtesy: Jem Cohenbilder

Unter dem Titel »Museum Matters« konzentriert sich die Reihe der Videobox auf Arbeiten von jüngeren und etablierten Künstlern und Filmemachern, die das Museum zu ihrem Gegenstand machen. Dokumentarisch, experimentell, essayistisch oder narrativ nehmen sie Museen, ihre Ansätze, Präsentationen und Formen der Vermittlung in den Blick, um Bedingungen von Sammlungen sichtbar zu machen und alternative Archive herauszufordern.
Ist das Museum ein kollektiver Speicher von Wissen oder Plattform für Experimente? White Cube oder Werkstatt? Architekturikone oder interaktiver Ort der Kommunikation?
Lange schon gibt es verschiedene Vorstellungen, Theorien und Utopien über das Museum. Immer wieder hat sich diese Institution in ihrer Geschichte geändert. Nicht zuletzt Künstler setzen sich stetig mit diesem öffentlichen Ort von Bildern und Bilderfahrungen auseinander, der zwischen Gegensätzen wie Geschichte und Zukunft, Konjunktur und Krise pendelt. Einerseits waren Museen traditionell Ausbildungsinstrumente und mitunter Ateliers für sie. Andererseits haben Künstler in ihrer Kunst wie in ihren Manifesten Museen beharrlich attackiert, ihre scheinbare Neutralität und Objektivität kritisch thematisiert und ihre Gesten des Zeigens etwa aus feministischer, antirassistischer und antikolonialer Perspektive hinterfragt.
Die Reihe geht nach Andrea Fraser, Marcel Odenbach, Karsten Krause und Emma Wolukau-Wanambwa weiter mit Jem Cohen »Museum Hours« (2012).
Für Johann ist das Kunsthistorische Museum Wien seine Arbeitsstätte. Für Anne ist es ein Zufluchtsort. Dort begegnen sich der Museumswärter und die Besucherin aus Montreal. Sie ist wegen ihrer Cousine in Wien, die im Koma liegt. Ohne Geld und Stadtkenntnis sucht Anne Ausgleich im Museum, lässt sich durch die Säle mit Werken von Bruegel und Cranach treiben, taucht ein in Geschichten von Kreuzigung, Sündenfall und nackten Frauen in sakraler Gestalt. Zaghaft beginnen die beiden ein Gespräch, lernen sich kennen, erkunden bald gemeinsam die Kunst und dann auch Unbekanntes in ihren eigenen Leben und in Wien.
Doch ist diese Handlung nur loser Vorwand für Jem Cohens Nicht-Liebesfilm »Museum Hours«, in dem das Museum Dreh- und Angelpunkt ist. Von hier aus flanieren die Protagonisten in die Stadt – auf den Naschmarkt oder in Lokale, in die man nur als Wiener Zutritt findet – und kehren immer wieder ins Museum zurück. Ganze zehn berückende Minuten etwa verharrt der Film bei einer Museumsführung. Für Cohen ist die Kunst weniger Mittler als Prisma für Johanns und Annes Themen wie Tod, Sex, Geschichte, Theologie und Materialismus und wie diese in ihren Leben greifbar werden. Dabei faszinieren Cohen insbesondere Bruegels Welt-Landschaften, die seinen eigenen dokumentarisch erscheinenden Straßenaufnahmen nahe sind.
Im stetig vorantreibenden Fluss ruhiger Szenen vermischen sich – in für Cohen typischer Arbeitsweise – Fiktion, Dokumentation und Essay. Immer wieder fließt Wirklichkeit in seinen Film ein, etwa in Form übernommener Umstände aus den Arbeitsbiografien seiner Laienhauptdarsteller. Ebenso inszeniert der Zufall mit. Die Wände des Museums, die es von der Straße und dem Leben draußen trennen, sind dick. Cohen aber gelingt es mit »Museum Hours«, sie poröser zu machen.

staatsgalerie.de

Presse






Daten zu Jem Cohen:

- Whitney Biennale 2000



Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




    Anzeige
    Atelier


    Anzeige
    berlin




    Georg Herold

    Georg Herold, 1977 bis 1983 Schüler Sigmar Polkes, stellte Anfang der 1980er-Jahre zusammen mit Martin Kippenberger, Werner Büttner und Albert Oehlen radikal und sarkastisch Kunst und Kunstbetrieb in Frage und entwickelte in diesen Jahren ein Werk, das wie eine Dada-inspirierte Enzyklopädie des Provisorischen anmutet weiter

    Aleksandra Waliszewska

    Der Neue Kunstverein Wien präsentiert in seiner Herbstausstellung die Arbeiten von Aleksandra Waliszewska. weiter

    ART DÜSSELDORF - Galerienliste

    Die Liste der teilnehmenden Aussteller der ART DÜSSELDORF, die vom 17. bis 19. November 2017 auf dem Areal Böhler stattfinden wird, steht fest. weiter



    Peter Zumthor - Dear to Me

    Das Kunsthaus Bregenz ist ein besonderer Ort. Seine Atmosphäre macht wachsam, sie öffnet Augen, Ohren und Poren. Für das Jubiläumsjahr — das KUB ist heuer 20 Jahre — wurde sein berühmter Architekt Peter Zumthor eingeladen. Der Pritzker-Preisträger entschloss sich, keine Ausstellung im gewöhnlichen Sinne einzurichten, sondern Denk-, Schau- und Hörkästen seiner künstlerischen Vorlieben und Inspirationen zu verwirklichen: Dear to Me. weiter

    Georg Hornemann erhält Cologne Fine Art Preis 2017

    Der gebürtige Dessauer Georg Hornemann kam bereits als 15-Jähriger mit dem Bauhaus in Berührung, als er bei einem der ehemaligen Goldschmiedemeister in die Lehre ging. weiter

    Erik van Lieshout Sündenbock

    Mit »Sündenbock« zeigt der Kunstverein Hannover die bislang umfassendste Ausstellung von Erik van Lieshout in Deutschland weiter


    Alexander Kluge Pluriversum

    Das Museum Folkwang präsentiert die erste große Museumsausstellung des Filmemachers weiter


    Alicia Framis. fearless

    Das Recht auf ein Leben in Freiheit und Sicherheit sowie der Schutz vor Diskriminierung, Folter und staatlicher Willkür wird in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948 ebenso festgeschrieben wie das Recht jedes Menschen auf Arbeit, Bildung, kulturelle Teilhabe oder Rede- und Glaubensfreiheit weiter


    America '67

    Die Doppelausstellung America '67 wirft einen Blick auf den Zustand der USA im Jahr des großen gesellschaftlichen Umbruchs vor 50 Jahren. weiter

    Praemium Imperiale vergeben

    In diesem Jahr sind die Preisträger Shirin Neshat (Malerei), El Anatsui (Skulptur), Rafael Moneo (Architektur), Youssou N´Dour (Musik) und Mikhail Baryshnikov (Theater/Film). weiter


    VON DA AN

    Exakt 50 Jahre später widmet sich die Ausstellung VON DA AN. RÄUME, WERKE, VERGEGENWÄRTIGUNGEN DES ANTIMUSEUMS 1967 – 1978 dieser Geschichte. Mit Dokumenten und Objekten, Rekonstruktionen und Wiederaufführungen ... weiter

    DGPh-Bildungspreis geht an "Wirsprechenfotografisch"

    Als Preisträger 2017 hat sich die Jury für das junge Projekt "Wirsprechenfotografisch" entschieden, das die Photographie als universelle Kommunikationsform nutzt. weiter

    Birte Endrejat AKTIVITÄTSZONEN

    Birte Endrejat arbeitet ortsbezogen, das heißt, sie ist vor Ort und schaut sich um und hört und schreibt mit. Ausgangspunkt für Endrejats Annäherungen sind Fragen wie: Was machen Orte mit den Menschen? weiter


    The Parthenon of Books

    Die letzten Veranstaltungen zur documenta haben begonnen, z.B. die Verteilung der verbotenen Bücher. weiter


    Hildegarde Duane, Western Woman

    Die in Los Angeles lebende Künstlerin Hildegarde Duane, die seit Mitte der Siebzigerjahre medienübergreifend arbeitet, umwirbt in ihren Video- und Fotogeschichten die Randbereiche massenmedialer Unterhaltung und deren archetypische Figuren weiter