Peter Zumthor - Dear to Me

16.09.2017 - 07.01.2018 | Kunsthaus Bregenz
Eingabedatum: 20.09.2017

Werkabbildung

Peter Zumthor, 2015 Foto: © Brigitte Lacombe Courtesy of Atelier Peter Zumthor & Partnerbilder

Denken ist eine Linie, Emotionen sind Raum.
Ich liebe das Denken in Bildern.
Räume schaffen können, die berühren, wie gewisse Passagen in der Musik von Mahler oder Wagner, komponiert mit den Mitteln von Schönberg oder Webern, mit der Energie und Transparenz von Strawinski — das wäre schön. Aber jetzt ein Fest!

Peter Zumthor

»Musik wird aufgeführt, Autor/innen lesen, Drinks werden gereicht, Bilder ausgestellt, eine Bibliothek eingerichtet, Filme gezeigt, eine Spieluhr installiert und Pflanzen zum Gedeihen gebracht. Über 160 Live-Veranstaltungen finden während der Laufzeit statt.«

Das Kunsthaus Bregenz ist ein besonderer Ort. Seine Atmosphäre macht wachsam, sie öffnet Augen, Ohren und Poren. Für das Jubiläumsjahr — das KUB ist heuer 20 Jahre — wurde sein berühmter Architekt Peter Zumthor eingeladen. Der Pritzker-Preisträger entschloss sich, keine Ausstellung im gewöhnlichen Sinne einzurichten, sondern Denk-, Schau- und Hörkästen seiner künstlerischen Vorlieben und Inspirationen zu verwirklichen: Dear to Me.

Das musikalische Programm wird von dem Musiker Peter Conradin Zumthor kuratiert. Die Lesungen stellt die Literaturexpertin Brigitte Labs-Ehlert zusammen. Der Film stammt vom Schweizer Filmemacher Christoph Schaub. Zudem lädt Peter Zumthor Gäste zum Gespräch. An Sonntagmorgenden befragt er Menschen, deren Arbeiten und Werke ihn inspirieren. Alle Termine finden Sie in unserem zum Ausstellungsbeginn vorliegendem Programmbuch.

Die Räume des KUB spiegeln deren Verwendung wider. Im Erdgeschoss befindet sich in der Mitte ein Bösendorfer-Flügel. Über dem flachen Podest der Bühne ist eine schwarze Decke abgehängt. Dieser so genannte
»Himmel« dient als Raumtrenner und schalldämpfende Maßnahme. Eine ähnliche Funktion haben die geometrischen Paneele an den Wänden. Gleichzeitig wirken sie wie Farbfeldmalerein der abstrakten Moderne. In den Veranstaltungspausen dient der Bühnenraum als Lounge und Lobby. Peter Zumthor entwarf dafür Stühle und Hocker. Ein Barbereich wurde eingerichtet. Auf Monitoren ist ein Film zu sehen. Er zeigt Interviews und Archivmaterial zu Zumthors architektonischem Werk.

Das erste Obergeschoss verzichtet auf Umgestaltung und Einrichtung. Der Bau — das eigentliche Werk Zumthors — kommt hier besonders zur Geltung: seine berühmte Tageslichtdecke, der spiegelnde Terrazzo, die samtigen Steinschalen der Wände. Die österreichische Komponistin Olga Neuwirth (geb. 1968) wurde von Peter Conradin Zumthor gebeten, ein neues Werk für eine musikalische Spieluhr zu komponieren. Das Lochkarten-band spult sich bis an die Lichtdecke. An den Wänden findet sich eine Serie von Fotografien von Hélène Binet (geb. 1959). Binet ist eine Tessiner Fotografin, die dem Kunsthaus Bregenz von Anbeginn verbunden ist: Bereits bei der Eröffnung 1997 hat sie es abgelichtet. Peter Zumthor bat sie, eine Serie von Bildern zu zeigen, die Sujets von der Akropolis in Athen wiedergeben. Ein Lieblingsarchitekt von Peter Zumthor ist Dimitris Pikionis (1887–1968). Der griechische Landschaftsarchitekt gestaltete die Pflasterung auf dem antiken Tempelberg, Binet hält sie fotografisch fest: die Wege und die Vegetation, Steine und Tempel in silbrigen Schatten und ruhig-sinnlicher Eleganz.

Im zweiten Obergeschoss bilden Wände ein Dickicht. Regale schirmen Blicke und Wege ab. Bücherwände stehen als schneckenförmiges Labyrinth um einen offenen Kern, einen Lichthof der Lektüre. Dazwischen stehen Stühle der ältesten Schweizer Stuhl- und Tischmanufaktur horgenglarus. Diese Bibliothek bietet Platz für öffentliche Lesungen und eigene Lektüre. Etwa 40.000 Bücher wurden dafür eigens von Chur nach Bregenz gebracht.

Im obersten Geschoss befindet sich ein Garten. Das Künstlerpaar Gerda Steiner (geb. 1967) und Jörg
Lenzlinger (geb. 1964) gestalten einen fantastischen Raum.
Zarte Pflanzen aus verschiedenen Materialien baumeln als Mobiles von der lichthaltigen Decke, Äste wachsen empor. Steine aus dem Bregenzerwald bieten Platz zur Entspannung. Tee wird gereicht. Das weiche Licht zeichnet zierliche grafische Schatten. An manchen Wänden wachsen Ranken, Girlanden und sogar Kristalle. Der Raum ist ein farbiges Tropenhaus, ein Naturbild ebenso wie eine Kunstlandschaft.

Thomas D. Trummer

Peter Zumthor arbeitet in seinem Atelier mit rund dreißig Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der alpinen Landschaft von Haldenstein, Schweiz. Er entwirft und plant architektonische Originale wie das Kunsthaus Bregenz, die Therme Vals, das Museum Kolumba in Köln oder das Steilneset Memorial in Vardø.





Presse








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Hiroshi Sugimoto | Die Architektur der Zeit


Japanische Fotokunst in der Kunsthalle Bielefeld

In der Kunsthalle Bielefeld ist noch bis zum 04.02 die Ausstellung "Hiroschi Sugimoto: Die Architektur der Zeit" zu sehen. Auf drei Ebenen werden insgesamt fast zwanzig Architekturfotografien, zwölf seascapes und zwei sechsteilige Tafeln mit fotografischen Darstellungen des kaiserlichen Parks in Tokio präsentiert.

Allen drei Schwerpunkten gleich ist die relative Unschärfe mit der Sugimoto arbeitet, ebenso wie der Verzicht von Farbe und das Fehlen jeglicher menschlicher Spuren. Die Reduzierung auf wenige Themen in Verbindung mit einem hohen technischen Standard und der konsequenten konzeptionellen Vorgehensweise führt den Besucher auf einfachen, leicht begehbaren Wegen zum Thema der Ausstellung: der Zeit.

Die in den Hintergrund tretenden Objekte der Architekturfotografien sind, von Frank Lloyd Wright bis Peter Zumthor, Beispiele der jüngeren Architektur und besitzen in ihrem monolithischen Charakter einen hohen Wiedererkennungswert. Vordergründig stehen sie in starkem Kontrast zu den Kiefern im kaiserlichen Park, deren kulturelles Erbe oder Bedeutung einem Mitteleuropäer nicht immer zur Verfügung steht. Und dennoch erschließt sich die zeitliche Dimension aller Werke fast unmittelbar. "It´s just one way to be freed from the time, this is to get drowning into the time."

In einer für die Bielefelder Kunsthalle typischen Weise werden die sehr kontemplativ wirkenden Arbeiten in die reduzierte ständige Ausstellung mit einbezogen. Das Konzept ist klar ablesbar und korrespondiert auf gelungene Art mit der Kunst Sugimotos.

copyright Stella Hoepner

Kunsthalle Bielefeld
Artur-Ladebeck-Str.5 / 33 602 Bielefeld
Tel.: 0521-329 99 50-0

Öffnungszeiten: tägl. 11-18.00Uhr / Mi 11-21.00Uhr / Sa 10-18.00Uhr



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