Thomas Wrede Modell. Landschaft Fotografie

21. 09. - 12. 11. 2017 | Kunsthaus Nürnberg
Eingabedatum: 25.09.2017

Werkabbildung

Thomas Wrede, Real Landscapes, Nach der Flut, 2012 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017bilder

Das Kunsthaus zeigt die erste umfassende Werkübersicht von Thomas Wrede, die mit Fotografien von den frühen 1990er Jahren bis zu den aktuellen Werkgruppen erstmals die Zusammenhänge und künstlerischen Entwicklungen seiner Arbeiten dokumentiert. Der Ausgangspunkt des Künstlers ist die Sehnsucht nach der Natur und die Frage nach ihrer medialen Vermittlung und ihrem Abbild. Auf der dänischen Insel Samsö entstehen Anfang der 1990er Jahre Fotografien einer sterbenden Landschaft, deren Oberfläche von landwirtschaftlich genutzten Kunststoffbahnen entstellt wurde. Wrede zeigt hier das Hässliche und das Pittoreske dieser von Plastik durchwirkten Landschaft gleichermaßen. 1994 hält er in großformatigen Schwarz-Weiß-Arbeiten die Abdrücke des Aufpralls von Vögeln auf Fensterscheiben fest, die wie Geister zwischen dem Hier und dem Jenseits, zwischen dem Moment und der Unendlichkeit zu schweben scheinen.

Schließlich beginnt Wrede zunehmend die Grenze zwischen Abbild und Wirklichkeit zu suchen. Die Welt wird in seinem Werk mehr und mehr als eine Art Modellbausatz wiedergegeben, als eine große Inszenierung im kleinen Maßstab, zwischen Idyll und Katastrophe. In seinen "Real Landscapes" werden etwa Spielzeugautos und kleine Modellhäuser auf den Stränden der Nordseeinseln und Sandgruben so platziert, dass aus einer Pfütze ein See und aus einem Erdhaufen ein Gebirge entsteht. Die fotografische Täuschung seiner Scheinwelten wird nicht durch digitale Bearbeitung, sondern durch das Fehlen von Größenverhältnissen in der realen Landschaft hervorgerufen. Doch das Abbild vom Abbild führt nicht zur Realität, sondern zu einer Reflexion über die Abbildung als Fiktion der Wirklichkeit.

In weiteren fotografischen Serien zeigt Thomas Wrede den Versuch in Freizeitparks "realistische" Landschaften zu bauen und bürgerlichen Räume durch landschaftliche Naturtapeten Weite zu geben. Die "Seascapes" schließlich, Fotografien von sommerlichen Strandszenen, wirken dagegen irritierend inszeniert und beinahe irrealer als die "Real Landscapes".

Thomas Wrede (geb. 1963) studierte an der Kunstakademie Münster (Meisterschüler 1991) und bei Dieter Appelt in Berlin. Seit 2015 lehrt er als Professor für Fotografie und Medien an der Hochschule der bildenden Künste Essen. Seit 1996 nahm Wrede an zahlreichen internationalen Ausstellungen teil.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Museum Sinclair-Haus Bad Homburg.

Kunsthaus Nürnberg
Lorenzer Strasse 32 · 90402 Nürnberg
kunstkulturquartier.de

Presse






Daten zu Thomas Wrede:

- ARTRIO 2013, Brasilien
- Sammlung DZ Bank, Frankfurt
- SCHWINDEL DER WIRKLICHKEIT, 2014

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Thomas Wrede - Kunstverein Grafschaft Bentheim (03.12.05 - 12.02.06)


Die Begegnung mit Gegenwartskunst gleicht oft einem Aufprall, dem Sprachlosigkeit folgt. Gewohnte Strategien des Denkens greifen nicht mehr. Bei Thomas Wrede prallt das vermutlich Einfache, schnell Begreifbare, das gegenständlich Identifizierbare auf das Gesamt der Organisation des Bildes. Welches gedankliche Leitmotiv kann weiterführen? Es wird nicht gelingen, da alle Fragestellungen die Auflösung verwehren und vielfältige Bedeutungsebenen den Prozeß in Gang halten.
Wrede sagt über seine Arbeit folgendes: "Ich sehe die Welt als Modellbausatz, als große Inszenierung, als Bild und Nachbildung. Zahlreiche meiner Fotoserien spiegeln das Verhältnis von Mensch und Natur wieder. Die Ausgangspunkte meiner fotografischen Arbeit sind die Sehnsucht des Menschen nach Natur und ihre mediale Vermittlung. Es ist die Frage nach dem Verhältnis von Modell und Wirklichkeit, von Bild und Abbild, von Sehnsucht und Realität, die mich beschäftigt. Mit den Mitteln der Fotografie befrage ich die Landschaft und die Möglichkeit ihrer bildnerischen Wiedergabe. Die Natur taucht in meinen Fotografien als große, künstliche Inszenierung in deutschen Freizeitparks auf, oder ich nehme Modellbausätze für Eisenbahnlandschaften vor die Kamera oder ich setze die Modelle in die freie Natur, um neue, wundersame Landschaften zu kreieren. Ich fotografiere den Menschen in den Weiten des Wattenmeeres und als kleine Figur unter vielen an der deutschen Nordseeküste. Die leichte Überbelichtung und Gegenlichtaufnahme läßt die in der Realität vorgefundenen Landschaftsstücke fern und unwirklich erscheinen. Ich möchte vielschichtige Bilder schaffen, welche die vorgefundene Realität reflektieren und neue Bildwelten schaffen. Wichtig ist mir, daß den diversen Serien kein einheitliches fotografisches Konzept übergestülpt wird, sondern daß ich adäquate fotografische Strategien finde, die immer wieder neue Perspektiven eröffnen." (Presse | Kunstverein Grafschaft Bentheim e.V.)

Abbildung: Thomas Wrede, Am Ufer

Öffnungszeiten: Mi-Sa 15.00-18.00 Uhr, So 11.00-18.00 Uhr, sowie nach Vereinbarung

Kunstverein Grafschaft Bentheim e.V.
Hauptstraße 37, 49828 Neuenhaus, Telefon +49(0)5941 / 9 80 19
kunstverein-grafschaft-bentheim.de




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