Miroslaw Balka. Die Spuren

24. 09. 2017 - 7. 01. 2018 | Museum Morsbroich, Leverkusen
Eingabedatum: 01.10.2017

Werkabbildung

Miroslaw Balka 250 x 200 x 19, 2 x (60 x 40 x 14), 2001 Teppich, Salz, MDF, Plexiglas und Licht Teppich/carpet: 250 x 200 x 19 cm Lampen/lamps: je/each 60 x 40 x 14 cm Courtesy der Künstler und Gladstone Gallery, New York und Brüsselbilder

„Bei meiner Arbeit geht es mehr um das, was man verbirgt, als um das, was man zeigt.“ –

Der polnische Künstler Miroslaw Balka scheut nicht die Leere, das Nichts und den Tod. Mit seiner Ausstellung ziehen existentielle Fragestellungen ins Museum Morsbroich ein. Balka zählt heute zu den international bekanntesten polnischen Künstlern seiner Generation. Neben Skulpturen, Video-und Soundarbeiten umfasst sein seit den 1980er-Jahren kontinuierlich entwickeltes OEuvre auch orts-spezifische Installationen und Zeichnungen.

Die Ausstellung Miroslaw Balka. Die Spuren, die der Künstler in enger Zusammenarbeit mit dem Museum Morsbroich konzipiert hat, ist die dritte Ausstellung einer großen, als Trilogie angelegten Werkschau, die mit Nerve.Construction im Museum of Art in Lodz (2015) ihren Anfang nahm und mit CROSSOVER/S im Hangar Bicocca (Mailand, 2017) fortgeführt wurde. Während in Lodz Zeichnungen und Skulpturen einander gegenübergestellt und in Mailand mit 18 Installationen und Videoarbeiten eine weitläufige Industriehalle bespielt wurde, inszeniert der Künstler im Museum Morsbroich in 19 Ausstellungsräumen die Leere.

Alltägliche Materialien und sparsame Gesten bestimmen den Parcours der Ausstellung, die sich im Wesentlichen auf die konzeptuellen, abstrakten Werke der letzten Jahre konzentriert. Sie sind von einer minimalistischen Formensprache geprägt. Erstmals waren solche Arbeiten 1989 in der Gruppen-ausstellung Dialog im Museum Kunstpalast in Düsseldorf zu sehen. Bezugspunkt vieler Arbeiten Miroslaw Balkas ist hierbei der Körper bzw. die Körperlichkeit menschlicher Existenz. Während in den frühen Werken der Körper noch als Abbild in den Arbeiten vorhanden war, wird er seit 1990er-Jahren nur noch in einer abstrahierten Art und Weise behandelt.

Der bewusste künstlerische Schritt weg vom Figurativen war der Versuch des Künstlers, einen größeren Anspielungsreichtum in das Werk einzuführen. Er beschreibt das 1993 in einem Interview wie folgt: „In meinen früheren Arbeiten habe ich den Körper auf eine sehr wörtliche Art und Weise verwendet. … Nach einiger Zeit hatte ich meinen Hunger nach der Form des menschlichen Körpers gestillt. Ich interessierte mich für die Formen, die den Körper begleiten und die Spuren, die der Körper hinterlässt: ein Bett, ein Sarg, eine Urne.“ (MB)

Das Lesen der Spur verweist immer zugleich auf Abwesendes, auf ein nicht mehr oder noch nicht Vorhandenes – mit anderen Worten auf die Leere. So wird der Besucher in der Ausstellung fast zu einem ähnlich gewieften Spurenleser wie William von Baskerville in Umberto Ecos Roman Der Name der Rose. Denn ganz im Gegensatz zum minimalistischen Credo „What you see is what you see“ – kann der Rezipient sich bei den Arbeiten von Miroslaw Balka sicher sein, dass das, was er sieht, durch eine sehr lange kulturelle Erfahrung aufgeladen ist und mehrfach aufgebrochen wurde: eine Erfahrung, die sich auf biografische Aspekte und die Auseinandersetzung des Künstlers mit der Geschichte gründet – vornehmlich der Geschichte Polens mit dem durch die Nationalsozialisten verur-sachten, in den Holocaust mündenden Grauen des Zweiten Weltkriegs.

„What you see“ stellt also nur den Anfang einer fundierten und kritischen Wahrnehmungs-erfahrung der Besucher dar, die nicht immer nur auf dem Sehen basiert, sondern auch das Sich-Bewegen im Raum sowie das Fühlen und Hören miteinschließt. Auf metaphorische Art und Weise verwandeln die Arbeiten Miroslaw Balkas persönliche Erfahrungen oder konkrete Historie in existenzielle Fragen von Leben und Tod. Der strenge, entsagende Formalismus, den er mit sehr minimalen Formen und Gesten kombiniert, wird oftmals durch die Rauheit der Materialien wie Beton, Gips oder Zement noch gesteigert und zugleich durch Materialien wie Salz, Haar und Asche, die an den Körper erinnern, assoziativ aufgeladen.

Museum Morsbroich
Gustav-Heinemann-Straße 80
D - 51377 Leverkusen
museum-morsbroich.de

Presse






Daten zu Miroslaw Balka:

- Art Basel 2013
- Art Basel 2013
- Art Basel Hong Kong 2014
- Art Basel Miami Beach 2013
- Art Basel Miami Beach 2013
- BIENNALE OF SYDNEY, 2006
- Biennale Venedig 2013
- Biennial of Contemporary Art, D-0 ARK,2015
- documenta 9, 1992
- Frieze London 2013
- Frieze London 2016
- Hartware MedienKunstVerein (HMKV)
- Liverpool Biennale 2012
- MoMA Collection
- Museo Reina Sofía, Collection
- Ökonomie der Aufmerksamkeit, 2014 Wien
- S.M.A.K. Sammlung, Gent
- Sammlung DZ Bank, Frankfurt
- Sammlung MMK, Frankfurt
- Sammlung, Museum of Contemporary Art in Krakow
- White Cube - Gallery

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Miroslaw Balka - Lichtzwang - K21 Düsseldorf (13.5.-10.9.06)


Der vielbeachtete polnische Künstler Miroslaw Balka (geb. 1958) zeigt in dieser Ausstellung zum ersten Mal ausschließlich Videoarbeiten. Nach 1989 war er mit eindringlichen, menschliche Grunderfahrungen reflektierenden Skulpturen und Installationen schnell auch im Westen bekannt geworden. 1998 hat er zusätzlich begonnen, meist kürzere Videofilme zu drehen. Er nimmt alltägliche Momente und Szenen auf, wobei sich die Aufmerksamkeit häufig auf eher beiläufige Details richtet. Die Filme entstehen meist ohne große Vorbereitung und mit einfacher Technik. Balka selbst beschreibt seinen Ansatz (etwas ironisch) als dokumentarisch, da er in vielen von ihnen etwas aufzeichnet, das ihm auf seinen Spaziergängen oder Reisen begegnet. Was man in den Videos jedoch sieht, entspricht keineswegs den Erwartungen an einen dokumentarischen Film. Die meisten haben eine zuerst vielleicht rätselhafte und dann poetische Dimension. Aus geringen Vorkommnissen werden so Bilder von hoher Intensität, die an grundlegende menschliche Erfahrungen, Ängste und Hoffnungen rühren.

In Blue Gas Eyes sieht man z. B. die doppelte Projektion des Flammenkranzes eines Gasherds. Die sich leicht bewegenden Lichtkreise haben eine beinahe hypnotische Wirkung. Die Schönheit dieses Bildes aber vermischt sich mit dem Zischen des Gases, das seine natürliche Unschuld in der Geschichte des 20. Jahrhunderts verloren hat. Direkter noch handelt T-Turn in einem verlangsamten Schwenk von einem der Orte des großen Mordens und Strebens: Treblinka. In einer anderen Arbeit wird eine Fernsehsendung über Verbrechen mit der Beobachtung von Insekten verbunden, und in der größten Projektion erlebt man das Werden und Vergehen einer eigentümlich irrealen Weltlandschaft.

Alle gezeigten Arbeiten sind keine reinen Projektionen, sondern mit skulpturalen Zusätzen versehen. Mal wird das Video auf eine Salzfläche projiziert, die auf dem Boden ausgelegt ist, mal in eine Raumecke hinein, vor der sich eine Bank für zwei Zuschauer befindet. Mit solchen Mitteln wird dem flüchtigen Medium des Films ein konkreter Ort und eine gleichsam körperliche Präsenz im Ausstellungsraum gegeben. Insgesamt werden sechs solcher Videoinstallationen sowie eine Sequenz von Einzelbildern auf einem Monitor gezeigt.

Der Ausstellungstitel "Lichtzwang" ist einem Gedicht von Paul Celan entnommen. Er spielt in leicht ironischer Weise mit den Bedingungen des für die Kunst so wichtig gewordenen Mediums Video. Mehr noch ist der Titel jedoch ein Hinweis auf die ambivalente Bedeutung der Metapher des Lichts. Nicht alles wird durch Licht ‚erleuchtet’, manchmal scheint der Umweg über das Undeutliche oder gar Dunkle einen besseren Zugang gerade zu den schwierigen Dingen zu ermöglichen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Abbildungen aller gezeigten Arbeiten und einem Text von Julian Heynen.

Aus Anlass seiner Ausstellung in K 21 hat Miroslaw Balka exklusiv für die Editionsreihe Editions K20K21 eine Druckgrafik geschaffen, die im Museumsshop zu erwerben ist.

K21 Kunstsammlung

Ständehausstraße 1
40217 Düsseldorf
+49 (0)211 8381 - 600



Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




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    berlin



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