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kunstsammlung

Seth Price SOCIAL SYNTHETIC

International erste Überblicksausstellung

21.10.2017 – 08.04.2018 | Museum Brandhorst, München
Eingabedatum: 24.10.2017

bilder

Das Museum Brandhorst präsentiert die international erste Überblicksausstellung des US-amerikanischen Künstlers Seth Price (*1973). Die mehr als 100 Werke umfassende Ausstellung zeigt Skulpturen, Filme, Fotografien, Zeichnungen, Malerei, Videos, Kleider und Textilien, Web-Design, Musik und Dichtung. Price dringt seit seinen künstlerischen Anfängen programmatisch in Territorien jenseits der bildenden Kunst vor. Er greift die Produktions- und Vertriebsformen der Musikindustrie, der Modewelt und des Literaturbetriebs auf und nutzt ihre Dynamiken für seine Kunst. Dabei beschäftigt er sich mit den fundamentalen Veränderungen der visuellen Kultur, die mit der flächendeckenden Etablierung digitaler Medien der jüngsten Gegenwart einhergehen.

Seth Price gehört jener Generation an, die noch vor der Etablierung des Internets geboren wurde und seine Ausbreitung in allen Schritten hautnah miterlebt hat: die ersten Computerspiele und -programme der 1980er-Jahre, die demonstrativ ihre pixeligen Ästhetiken zur Schau stellten; das Internet als Ort politischer Utopien der 1990er-Jahre, die in der neuen Technologie demokratisierende Potentiale vermuteten; und schließlich die alle Lebensbereiche durchdringende Digitalisierung zu Beginn des 21. Jahrhunderts durch Web 2.0 und Smartphone. Die Digitalisierung fungiert ab 2001 zunehmend als Katalysator aufziehender gesellschaftlicher Krisen, vom „War on Terror“, der auch als Krieg der Bilder geführt wurde, bis zu den Krisen des Finanzsystems. Die künstlerische Praxis von Seth Price entwickelt sich entlang dieser Konflikte und der Begehrensmuster, die das Leben in einer globalen neoliberalen Gesellschaft antreiben.

Eines der zentralen Themen in Prices Arbeiten ist der bedrohte Status des Subjekts. Angesichts der dramatischen Umwälzungen einer mediatisierten Gegenwart zieht sich dieses Selbst zunehmend an seine Oberflächen zurück oder scheint in seiner Abwesenheit auf: die „Vacuum Forms“ (2004-12) zeigen in Kunststoff abgeformte Körperteile, die „Silhouettes“ (2007-09) greifen digitale Aufnahmen aus dem Internet auf, die intime Gesten menschlicher Verständigung – wie der Handschlag oder Kuss – nur noch als Negativraum fassbar werden lassen, und die im Untergeschoss des Museums Brandhorst gezeigten Leuchtkästen (2016-17) basieren auf tausenden Fotografien menschlicher Haut, die unter der Verwendung einer Satellitensoftware zu einem einzigen Bild zusammengefügt wurden. Einige der Werke besitzen keine feste Form, sondern können je nach Raum und Kontext unterschiedlich installiert werden: Geknickt, gefaltet, ausgerollt oder zerknittert werden sie an Wände, Decke oder auf dem Boden platziert. Sie spielen nicht zuletzt auf die Flexibilität und Ortlosigkeit der digital zirkulierenden Bilddateien – im Falle der „Mylar Sculptures“ (2004-08) handelt es sich um Standbilder aus dschihadistischen Propagandavideos – an.

Die in der Ausstellung gezeigten Werke vermitteln ein Bild der emotionalen Landschaft des beginnenden 21. Jahrhunderts. Wir sehen Fleisch und Haut, kommerzielle Logos, Abfall und Trash, Mode und Design, Verpackungen, Horrorbilder, leuchtende Screens, Humor und Brutalität, Computerspiele und Luxusobjekte. Einzelne Arbeiten besitzen inzwischen einen geradezu ikonischen Status. In seinen „Vintage Bombers“ etwa reflektiert Price den Mechanismus ständiger Reproduktion und Umwertung im digitalen Zeitalter. Während des 1. Weltkriegs für Piloten entwickelt, wurde die Bomberjacke bald zum Emblem konkurrierender Identitätsmuster. Als Modeartikel wurde sie zum Aushängeschild von Subkulturen wie der Punk- und Skinheadszene. Später wurde sie zum Signet von Hetero- und für Homosexualität, und erlebt in den letzten Jahren ein Revival sowohl als Massenware wie als Haute Couture. Festgefroren in ein Objekt, der linke Ärmel hängt schlaff herab, zeigen die „Vintage Bombers“ die Hülle menschlicher Präsenz, die zunehmend von kommerziellen Interessen und gesellschaftlichen Vereinnahmungen bestimmt wird.

„Seth Price – Social Synthetic“ ist eine Kollaboration des Museums Brandhorst mit dem Stedelijk Museum Amsterdam, wo die Ausstellung vom 15. April bis 03. September 2017 zu sehen war. Die Ausstellung wurde kuratiert von Achim Hochdörfer, Tonio Kröner und Beatrix Ruf, Direktorin des Stedelijk Museum Amsterdam, in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler. Eine neue, eigens für die Ausstellung produzierte Werkserie schließt die im Jahr 2000 einsetzende Präsentation der vielseitigen und einflussreichen Praxis von Seth Price ab.

...

MUSEUM BRANDHORST
Theresienstraße 35 a
80333 München
museum-brandhorst.de


Presse






Daten zu Seth Price:

- Art Basel 2013
- Art Basel Hong Kong 2018
- Art Basel Miami Beach 2013
- art basel miami beach, 2014
- Art Post-Internet,UCCA 2014
- Biennale Venedig 2011
- documenta 13, 2012
- Galerie Chantal Crousel
- Galerie Gisela Capitain
- Galleries ART DUBAI CONTEMPORARY 2015
- Gallery Weekend Berlin 2014
- JULIA STOSCHEK FOUNDATION E.V., Sammlung
- MoMA Collection
- Whitney Biennale 2002
- Whitney Biennale 2008

Weiteres zum Thema: Seth Price



Seth Price - Kölnischer Kunstverein (15.11.08 - 4.1.09)


Der amerikanische Künstler Seth Price (geb. 1973) zeigt im Kölnischen Kunstverein Bilder, die mit Datumsinformationen und Bildern aus der wenig bekannten amerikanischen Malerei der 20er bis 40er Jahre, Computergrafiken oder dekorativen Postermotiven bedruckt sind. Diese sogenannten Calendar Paintings werden im leicht abgedunkelten Ausstellungsraum auf schwebenden Wandflächen, die auf schlanken Stahlfüßen zwischen Boden und Decke eingespannt sind und an Ausstellungsarchitekturen der 50er Jahre erinnern, präsentiert.Neben den Bildern stehen Plastikreliefs, die im industriellen Verpackungs-Tiefzugverfahren aus Polyethylen hergestellt werden. Die Reliefs zeigen Gesichtsabdrücke, die mit entsprechendem Herstellungsdatum versehen und in mehrfacher Auflage in verschiedenen Farben seriell produziert wurden. Die Präsentation wird durch eine malerische Videoprojektion ergänzt.
Seth Price thematisiert in seinen Arbeiten Begriffe wie Autorenschaft und Copyright, gleichzeitig schaffte er eine neue kollektive Kreativität, die auf einer Vision von einer enthierarchisierten und entideologisierten Aneignung von gesellschaftlichem medialen Eigentum beruht.

Im Kino in der Brücke zeigt Seth Price den Film Digital Video Effect: Editions (2006). Dieser Film ist eine Montage
aus sechs vorher von ihm produzierten Videos, die neu bearbeitet und gesampelt ins 16mm-Format übertragen
wurden.

Abbildung: Digital Video Effect: "Editions", 2006, Video 11 Min., Maße variabel, Filmstill. Courtesy Friedrich Petzel Gallery, NY/Galerie Gisela Capitain, Köln)

Kölnischer Kunstverein
Hahnenstraße 6
D-50667 Köln
T+49 221 217021

koelnischerkunstverein.de


Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




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