Alicja Kwade LinienLand

8.2. - 6.5.2018 | Haus Konstruktiv, Zürich
Eingabedatum: 05.02.2018

bilder

Das Museum Haus Konstruktiv startet sein Jahresprogramm mit einer umfangreichen Einzelausstellung von Alicja Kwade (*1979 in Kattowitz, Polen, lebt in Berlin). Die viel beachtete Bildhauerin und Konzeptkünstlerin ist eine Relativistin, die skeptisch unsere vermeintliche Realität hinterfragt. Von diesem Ansatz ausgehend, befasst sich Kwade in ihrem multimedialen Schaffen mit unterschiedlichsten Phänomenen und Denkmodellen aus Physik, Philosophie und Soziologie und übersetzt sie in ihre eigene Kunst. Dabei entstehen ebenso sinnlichpoetische wie formal stringente Arbeiten mit konzeptuellem Hintergrund.

Für die aktuelle Ausstellung hat die Künstlerin eine neue, raumgreifende Installation konzipiert: eine begehbare Gitterstruktur, in der massive Natursteinkugeln unterschiedlicher Grösse scheinbar schwerelos
schweben. LinienLand lautet der Ausstellungstitel im Museum Haus Konstruktiv, womit Alicja Kwade auf die 1884 von Edwin Abbott verfasste Novelle Flatland. A Romance of Many Dimsions verweist. Darin schildert ein Quadrat sein Leben im Flächenland und berichtet über seine Ausflüge ins Linien- und Raumland. Die Schrift wird noch heute als mathematischer Essay über die vierte Dimension rezipiert.

LinienLand nennt Kwade auch ihre neuste Arbeit, die eigens für das Erdgeschoss im Museum Haus Konstruktiv entstanden ist: eine begehbare, dreidimensionale Gitterstruktur, in der massive Natursteinkugeln unterschiedlicher Grösse scheinbar schwerelos schweben. Die Künstlerin bezieht sich darin auf die seit der Antike viel diskutierte Idee der Parallelwelten. Vor diesem Hintergrund ist die raumgreifende, auf einem
System von 5 x 5 x 11 Quadraten aufgebaute Struktur als Multiversum zu lesen, wobei jede einzelne kubische Metallbegrenzung eine eigene Realität impliziert. Das Stahlsystem des Gitters steht in einer Korrelation mit den Gesteinen: Kwade folgt einem selbst auferlegten, stringenten Prinzip, bei dem die einzelnen Streben durch das Verschieben im System die Halterung der Kugeln bilden. Die sich ergebenden Durchgänge
laden die Besucher ein, ein Multiversum zu betreten und die Schwerkraft der grossen, an ein Gravitationsfeld erinnernden Steinkugeln zu erleben. Die Natursteine stammen von den verschiedenen Kontinenten unserer Erde und symbolisieren diese.

Das Gestein selbst mit seinen unterschiedlichen Schichten, die sich über mehrere Millionen Jahre gebildet haben und eine Altersbestimmung ermöglichen, fungiert als eine Art Zeitskala. Alicja Kwade ist es in LinienLand gelungen, ihre Überlegungen zu Raum, Schwerkraft und Zeit auf faszinierende Weise umzusetzen.

Idols, eine zwölfteilige Arbeit, die auf Papier arrangierte Uhrzeiger aus Messing zeigt, basiert auf Einsteins Erkenntnis über die Existenz von Gravitationswellen in der Raumzeit, die über eine beschleunigte Masse ausgelöst werden. Die zwölf Varianten halten diverse Rotationsschritte der Wellenbewegung fest.

Im ersten Stock wird die Installation Gegebenenfalls die Wirklichkeit präsentiert, in der sich die Künstlerin wiederum mit dem Realitätsbegriff beschäftigt. Hier fragt Kwade, was denn ein Objekt eigentlich ausmacht, welche Mittel zur Beschreibung wir zur Verfügung haben und wie die materielle Präsenz eines Körpers und unser Wissen über ihn im Verhältnis stehen. Mitten im Ausstellungsraum ruht eine Granitskulptur: Sie stellt partiell die Kopie eines in der Natur vorgefundenen Steinbrockens dar, dessen Oberfläche im 3D-Scan-Verfahren vermessen wurde. Die gesammelten Daten wurden danach einer Fräsmaschine digital übermittelt, die das ausgestellte Objekt – aus dem gleichen Gestein wie das Original – autonom erstellte. Kwade liess den Fräsprozess anhalten, sodass die Skulptur in einem Zustand zwischen natürlicher und technologischer Form zu verharren scheint. An den Wänden hängen über 2’000 Ausdrucke mit den Koordinaten zur Topografie des Objektes, die in Zahlenreihen auf der xyz-Achse von der Mitte des Steines aus beschrieben sind. Die restlichen der insgesamt 30’000 Seiten sind in kupfernen Time-Capsules aufbewahrt oder liegen gestapelt auf dem Boden. Es stellt sich die Frage, was man hier betrachtet – das Reale oder lediglich das Abbild des Realen – und wie Informationen über die Dingwelt dargestellt werden.

Im dritten Stock werden Phänomene des Zufalls und der Raumzeit thematisiert. Ein Kupferrohr, dessen Enden in zwei Trichtern münden, durchbricht zwei Wände und verbindet zwei täuschend ähnliche Raumhälften.

Schaut der Betrachter durch die Trichter, so findet er eine fast identische Situation auf der gegenüberliegenden Seite. Zu sehen ist jeweils das zufällige Flackern einer Leuchtstoffröhre. Diese ist an einen Lautsprecher angeschlossen, sodass die Gasentladung auch akustisch erfahrbar ist. Akustisch und visuell nimmt man also die absurde Doppelung des zufälligen Geschehens wahr. Alicja Kwade hat an der Universität der Künste in Berlin studiert. Ihre Werke waren bereits in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen, 2017 etwa auf der 57. Biennale di Venezia, im ARoS Kunstmuseum in Aarhus, im Eli and Edythe Broad Art Museum in Michigan und im Museum Frieder Burda – Salon Berlin; 2016 bei der Kochi-Muziris-Biennale, in der Londoner Whitechapel Gallery und im De Appel Arts Centre Amsterdam; 2015 in der Schirn Kunsthalle
Frankfurt und 2014 im Kunstmuseum St. Gallen.



Museum Haus Konstruktiv
Selnaustrasse 25
CH-8001 Zürich
hauskonstruktiv.ch


Presse






Daten zu Alicja Kwade:

- *1979 in Katowice, Polen
- Art Basel 2013
- Art Basel 2016
- Art Basel Hong Kong 2018
- Art Basel Hong Kong, 2016
- Art Basel Miami Beach 2013
- art basel miami beach, 2014
- art berlin 2017
- art cologne 2015
- Biennale Venedig 2017
- Daimler Art Collection
- Der Duchamp-Effekt. Ready-Made
- Frieze London 2016
- Gallery Weekend Berlin 2016
- Hartware MedienKunstVerein 2015
- Johann König
- Kochi-Muziris Biennale 2016
- Kunstverein Münster
- Museum Morsbroich, 2014
- Ngorongoro 2015
- Ngorongoro II ArtistWeekend Berlin 2018
- Ökonomie der Aufmerksamkeit, 2014 Wien
- Playing among the Ruins,2011
- Sequences Biennial in Reykjavik 2017
- UNENDLICHER SPASS, Schirn, 2014

Weiteres zum Thema: Alicja Kwade



Alicja Kwade erhält den hectorpreis 2015


Die hectorpreis-Trägerin 2015 heißt Alicja Kwade. Die Wahl-Berlinerin gilt als eine der wichtigsten NachwuchskünstlerInnen ihrer Generation. Für ihre Skulpturen und Installationen verwendet die 35-Jährige klassische Werkstoffe wie Metall, Holz, Stein und Glas, aber auch Objekte und Gebrauchsgegenstände. Mit ihren Arbeiten stellt Kwade (geboren 1979 in Polen) Fragen nach Sein und Schein, Echtheit und Wertigkeit, Zeit und Raum. Mit ihrem Werk arbeitet sie an der Schnittstelle von Wahrnehmung, Physik und Philosophie.

Alicja Kwade studierte an der Universität der Künste Berlin und erhielt bereits 2008 den Piepenbrock Förderpreis für Skulptur, der mit einer Präsentation im Hamburger Bahnhof verbunden war. Einzelausstellungen fanden u.a. im ZKM Karlsruhe, in der Kestner Gesellschaft in Hannover sowie in den Kunstvereinen in Münster und Bremerhaven statt.

„Das Werk von Alicja Kwade zeichnet sich durch ein großes Gespür für Material, Oberflächen und Raumbeziehungen aus. Mit ihrer erkennbar eigenen, delikaten, materialintensiven Formensprache gelingt es der Künstlerin, brisante Gedanken sichtbar zu machen und zugleich zu verdichten“, lautet das Jury-Urteil. „Sie formuliert mit reduzierten Mitteln eine anspielungsreiche skulpturale Sprache im Spannungsfeld von Konzept und Sinnlichkeit. Kwade erweitert einen zeitgenössischen Skulpturbegriff um Fragen nach existentiellen Dimensionen wie Zeit und Unendlichkeit.“ Dr. Ulrike Lorenz, Direktorin der Kunsthalle Mannheim, freut sich über die einstimmige Jury-Entscheidung: „Die Qualität der Konzepte bzw. Werke sowie ein hoher Grad an Reflexion in Bezug auf den Skulpturbegriff der Gegenwart waren unsere obersten Kriterien. Die komplexen Arbeiten von Alicja Kwade haben uns eindeutig überzeugt. In ihrem Werk wird die ganze Welt des Skulpturalen deutlich.“

Der hectorpreis ist mit 10.000 Euro dotiert und mit einer Ausstellung der Preisträgerin in der Kunsthalle Mannheim verbunden. Er wird alle drei Jahre von der Kunsthalle Mannheim und der H.W. u. J. Hector-Stiftung vergeben und fördert junge Künstler, die im Bereich der Bildhauerei, Objektkunst und Rauminstallation arbeiten. Der hectorpreis unterstreicht den Sammlungsschwerpunkt Skulptur in der Kunsthalle Mannheim.

Die Jury setzte sich zusammen aus Prof. Tamara Grcic, Künstlerin und Professorin für Bildhauerei an der Kunsthochschule Mainz, Prof. Olaf Metzel, Künstler und Professor für Bildhauerei an der Münchner Akademie der Bildenden Künste, Enrico Lunghi, Direktor MUDAM – Musée d’Art Moderne Luxemburg, Dr. Ulrike Lorenz, Direktorin Kunsthalle Mannheim und Dr. Hanns-Dieter Hasselbach, Mitglied des Kuratoriums der H.W. & J. Hector Stiftung.

Alicja Kwade hat sich in einem Kandidatenfeld von insgesamt 22 KünstlerInnen durchgesetzt, die von einer Kommission aus Kunsthochschulprofessoren, Kuratoren und Kunstkritikern vorgeschlagen und zur Bewerbung eingeladen wurden. Die Werke von Alicja Kwade werden vom 26. Juni bis 06. September 2015 im Rahmen des hectorpreises 2015 in der Kunsthalle Mannheim präsentiert.

kunsthalle-mannheim.de


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