Reservoir Moderne

9. Februar - 21. Mai 2018 | Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz
Eingabedatum: 10.02.2018

Werkabbildung

Latifa Echakhch, Derives 60, 2015bilder

Die Künstlerinnen und Künstler dieser Ausstellung beziehen sich auf die Moderne – und entdecken diese neu.

Sie befragen konzeptionelle, programmatische und formale Traditionen des frühen 20. Jahrhunderts, die sich als Parameter festgeschrieben haben. Sie suchen nach Spuren, die alternative Rezeptionsweisen erschliessen, und eröffnen so Wege für eine ungeahnte Verortung in der Kunstgeschichte. Dabei spielt das Moment der Inspiration, das in der Neubewertung der Vergangenheit liegt, eine bedeutende Rolle: Die Moderne wird zum Reservoir.

Die Herangehensweisen der Künstler sind selbstreflexiv und konzeptuell geprägt. Recherche, Aneignung, Wiederholung, Reenactment, Narrativ, Reportage und Archivierung sind Mittel, die eingesetzt werden, um die zuweilen konfliktreiche und ambivalente Geschichte der Avantgarden künstlerisch aufzuarbeiten. So unterschiedlich die Zugänge auch sind – es eint sie das Bestreben, die Kunstwerke der Moderne von ihrer repräsentativ gewordenen Rolle zu lösen, ihren offenen Charakter zu bewahren und ihren Diskurs weiterzuführen. Bezugspunkt ist immer wieder das Werk von Marcel Duchamp.

Mai-Thu Perret etwa entwickelt seit 1999 vor allem in der Auseinandersetzung mit den Protagonistinnen der Klassischen Moderne und ausgehend von ihrer fiktiven Erzählung The Crystal Frontier das umfangreiche Projekt eines weiblichen Gesellschaftsmodell für eine mögliche Zukunft. Saâdane Afif hingegen setzt sich in seinem Werk Fountains mit der Rezeptionsgeschichte eines Schlüsselwerks der Moderne, Marcel Duchamps Fountain von 1917, auseinander. Und Mario García-Torres widmet sich in seiner Installation A List of Names of Artists I Like (Or Cubism Seen Under a Specific Light) einer legendären Notiz von Pablo Picasso im Vorfeld der ersten Armory Show 1913.

Reservoir Moderne präsentiert Werke aus der Sammlung des Kunstmuseum Liechtenstein von Saâdane Afif, Tacita Dean, Marcel Duchamp, Latifa Echakhch, Mario García-Torres, Dmitry Gutov, Thomas Hirschhorn, David Maljković, Charlotte Moth, Mai-Thu Perret, Pamela Rosenkranz, Bojan Šarčević, Maya Schweizer/Clemens von Wedemeyer und Rosemarie Trockel sowie die Arbeit Walter Benjamin „Mondrian ’63–’96“.

Eine Produktion des Kunstmuseum Liechtenstein, kuratiert von Friedemann Malsch und Christiane Meyer-Stoll.


Kunstmuseum Liechtenstein
FL-9490 Vaduz
www.kunstmuseum.li

Presse






Daten zu Latifa Echakhch:

- Art Basel 2013
- Art Basel 2016
- Art Basel Miami Beach 2013
- art basel miami beach, 2014
- Biennale Venedig 2011
- Canadian Biennial 2017
- Frieze London 2016
- Galerie Eva Presenhuber
- Istanbul Biennial 2017
- Kunsthalle Basel
- Kunsthalle Basel
- MACBA COLLECTION
- Manifesta 7
- Sammlung, Kunstmuseum Liechtenstein
- Sharjah Biennial 11, 2013
- Sydney Biennale 2012

Weiteres zum Thema: Latifa Echakhch



Latifa Echakhch


Die französisch-marokkanischen Künstlerin Latifa Echakhch untersucht in ihren Werken Fragen von kulturellem Transfer und die damit einhergehenden Verschiebungen von Identität. Für das Kunsthaus schafft die Künstlerin neue Werke, die exklusiv in Zürich zu sehen sein werden. Das Leitmotiv ist der Zirkus.

Als Latifa Echakhch (*1974) im Rahmen der Gruppenausstellung «Shifting Identities» (2008) ihren ersten Museumsauftritt hatte, war ihr Name noch unbekannt. Die damals gezeigte Arbeit «Fantasia» – eine Gruppe von schwarz bemalten, leeren Fahnenstangen, die sich im Raum überkreuzten – erregte jedoch grosse Aufmerksamkeit. Inzwischen hat die in Marokko geborene und nun in Martigny, Schweiz, lebende Künstlerin an der Venedig-Biennale 2011 und 2012 an der Sydney-Biennale teilgenommen. Renommierte Institutionen wie die Tate Modern, London, haben ihr Einzelausstellungen ausgerichtet. Nach dieser Reise um die Welt kommt die Künstlerin nun an den Ort ihres ersten Museumsauftritts zurück, ans Kunsthaus Zürich. Die gemeinsam mit Kuratorin Mirjam Varadinis vorbereitete Präsentation besteht aus neuen, speziell für die Sammlungsräume geschaffenen Werken, die exklusiv im Kunsthaus gezeigt werden.

AKTUELLES LEITMOTIV: ZIRKUS UND LEERE
Als zentrales Motiv hat Latifa Echakhch den Zirkus ausgewählt. Dabei interessiert sich die Künstlerin nicht für die lustige, fröhliche Seite des Zirkus, sondern vielmehr für den melancholischen Aspekt des Spektakels und die Leere. Die Vorstellung von etwas, das nur in seiner Abwesenheit gegeben ist, beschäftigt die Künstlerin seit längerem. Die Idee der Leere geht bei Latifa Echakhch allerdings noch weiter. Erst wenn die vermeintlich bekannten Objekte ihrer ursprünglichen Bedeutung entleert sind, können neue Lesarten entstehen – und genau das macht Latifa Echakhch. Sie verwendet Objekte, die wir alle gut kennen, wie z.B. die typischen architektonischen Bestandteile und Requisiten des Zirkus: Manege, Kostüm, Podest und Zirkuszelt. Ein solches Zelt ist in den Sammlungsräumen des Kunsthauses so arrangiert, dass der Besucher das Gefühl hat, er spaziere über das Dach des Zirkus – ein poetischer Wechsel der Perspektive. Gleichzeitig fehlt die politische Komponente nicht, für die Echakhch bekannt ist. Mit der Installation im Kunsthaus verweist Latifa Echakhch auf die innere Leere unserer Event-Gesellschaft, nimmt gleichzeitig aber auch Bezug zur Geschichte des Zirkus und jenen «Freak-Shows», in denen Menschen mit Abnormitäten aller Art zur Schau gestellt wurden. Diese Shows, wie jene berühmte von Barnum, lebten von der Inszenierung des Blicks auf das Fremde – ein Thema, das für Latifa Echakhch von zentraler Bedeutung ist, wie schon ihre früheren Arbeiten erkennen lassen.

POLITISCHE BEDEUTUNGSEBENE
Den oftmals voreingenommenen Blick auf nationale und religiöse Identitäten reflektiert die Künstlerin seit Beginn ihres Schaffens in poetischen und zugleich konzeptuellen Arbeiten. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Titel, wie bei der Installation «Stoning» (2010). Am Boden liegende Steine wirken auf den ersten Blick harmlos. Die Bezeichnung «Stoning» ruft jedoch plötzlich Bilder von brutalen Steinigungen hervor und lädt das Werk mit einer neuen Bedeutungsebene auf. «À chaque stencil une révolution» (2007) erinnert – aus einiger Entfernung betrachtet – an abstrakte Wandmalerei. Doch der Titel löst ganz andere Konnotationen aus. Er erinnert nämlich daran, dass früher politische Manifeste mit Hilfe jener blauen Kopierfolien vervielfältigt wurden, die Latifa Echakhch für ihre Arbeit verwendet. Jede der an die Wand geklebten blauen Folien steht für die Möglichkeit einer Revolution, und somit verwandelt sich die vermeintlich abstrakte Malerei in einen politisch explosiven Wandbehang.

PUBLIKATION
Weitere Informationen über die Arbeitsweise von Latifa Echakhch und ihren Blick auf die Welt gibt eine zur Ausstellung erscheinende Broschüre. Neben Abbildungen der neu entstehenden Werke enthält sie den Abdruck eines ausführlichen Gesprächs zwischen Kuratorin Mirjam Varadinis und der Künstlerin.

Offen: Sa/So/Di 10–18 Uhr, Mi/Do/Fr 10–20 Uhr. Feiertage: 26. Dezember, 1./2. Januar 2013: 10–18 Uhr. 24 / 25. / 31. Dezember geschlossen.

Kunsthaus Zürich
Heimplatz 1
CH–8001 Zürich
Tel. +41 (0)44 253 84 84
kunsthaus.ch


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