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Dieter Hacker: Alle Macht den Amateuren. 1971-1984

09.06.-16.09.2018 | ZKM_Lichthof 1+2
Eingabedatum: 09.06.2018

Werkabbildung

Dieter Hacker: Alle Macht den Amateuren (1978) © Dieter Hackerbilder

Die Welt der Bilder wandelte sich in den 2000er-Jahren durch die Verfügbarkeit von Smartphones und Social-Media-Plattformen auf radikale Weise. Fast 100 Millionen Bilder und Videos werden allein auf Instagram täglich geteilt. Der sogenannte user generated content hat den öffentlichen Raum des politischen und gesellschaftlichen Handelns, die sozialen Beziehungen und die Kunst verändert. Mit der Ausstellung Dieter Hacker. Alle Macht den Amateuren. 1971–1984 erweitert das ZKM den Blick auf dieses Phänomen durch eine historische Perspektive.

1971 gründete der Künstler Dieter Hacker in Berlin eine Produzentengalerie und stellte durch Ausstellungen und Publikationen die Möglichkeit einer neuen „Volkskunst“ zur Diskussion: die Kunst der Amateure.

„Jeder könnte ein Künstler sein“ lautete der Titel der ersten Ausstellung der von Dieter Hacker im April 1971 in Berlin-Wilmersdorf gegründeten Produzentengalerie. Die kritische Paraphrase auf Josef Beuys’ Formulierung „Jeder Mensch ist ein Künstler“ deutete das Programm der kommenden 13 Jahre an: Die 7. Produzentengalerie, die gleichzeitig Wohnraum, Atelier, Ausstellungsraum und Verlag war, sollte das von Markt und Staat unabhängige „Medium“ sein, um sowohl die Arbeitsbedingungen bildender Künstler zu analysieren und die gesellschaftliche Funktion von Kunst zu klären als auch mögliche Alternativen im Sinne einer neuen „Volkskunst“ vorzustellen. Mit der Ausstellung Dieter Hacker. Alle Macht den Amateuren. 1971–1984 präsentiert das ZKM nun erstmals eine Auswahl der Installationen, Publikationen und Filme, die Dieter Hacker allein oder in Zusammenarbeit mit Andreas Seltzer für die Produzentengalerie konzipierte. Sie zeigen ausschließlich Fotografien, Texte, Zeichnungen und Objekte von Amateuren – von der Zeitungsausträgerin Frau B. bis zum Präsidenten der Vereinigten Staaten Ronald Reagan.

Die von Hacker vorgestellte „Volkskunst“ stand nicht für die Sehnsucht nach einer vorindustriellen Tradition oder für Hobbys, die der Erholung vom Arbeitsalltag dienen, ganz im Gegenteil. Hacker sah in der „allgemeinen Kreativität“ Formen des „fantasievollen Widerstands“ gegen den Status quo und Voraussetzung für den Entwurfs möglicher Welten. „Volkskunst, das ist nicht Kunst, die vom Volk gemacht wird. Volkskunst ist nicht die Malerei, die Schnitzerei, die Kneterei des Dilettanten. Volkskunst ist die Kunst, die eignen Interessen zu artikulieren, möglichst wirksam und deshalb möglichst unkonventionell, möglichst fantasievoll, möglichst intelligent." (Dieter Hacker, 1972)

Widerstand gegen gültige Normen
Was die Volkskunst mit den großen Werken der Kunst verbindet, so die These Hackers, ist der Widerstand gegen die gültigen Normen. Der Unterschied zur professionellen Kunst besteht darin, dass sie nicht die Absicht hat, ästhetische Gebilde zu schaffen: „Die ästhetischen Mittel werden vielmehr als Mittel benutzt, um das gesetzte Ziel zu erreichen.“
Als einen entscheidend für die Entwicklung der allgemeinen Kreativität betrachtete Hacker die Strategien der Veröffentlichung: „Jeder hat seine Meinung. Solange er sie für sich behält, bleibt sie folgenlos.“ Erst die Veröffentlichung ermögliche die Überprüfung und Weiterentwicklung des eigenen Standpunktes und mache „Individuen zu souveränen gesellschaftlichen Wesen“.

Maker Culture und Kunst der Amateure
Angesichts aktueller Praktiken wie Instagram, Twitter und Snapchat sowie der Maker Culture stehen die von Hacker formulierten Thesen wieder zur Diskussion. Die Utopie, alle Fotos und Gedanken jederzeit zu veröffentlichen, hat sich erfüllt. Welche Konsequenzen hat dies für Gesellschaft und Demokratie? Wie hat die Ökonomisierung aller Lebensbereiche die gesellschaftspolitische Wirkung der erhofften allgemeinen Kreativität verändert? Welche Auswirkungen hat die Amateurkultur der sozialen Medien auf unser historisches Konzept von Kultur? Die aktuellen Erfahrungen verändern den Blick auf die Amateur-Kultur der 1970er-Jahre, die historische Perspektive erlaubt eine differenzierte Analyse der Phänomene der Gegenwart.
Biographie
Dieter Hacker (* 1942 in Augsburg) studierte an der Akademie der Bildenden Künste München in der Klasse von Ernst Geitlinger, u.a. mit Gerhard von Graevenitz und Klaus Staudt. In den 1960er-Jahren begann er mit analytischen und kinetischen Arbeiten, die von der Künstlerbewegung Neue Tendenzen geprägt waren. In den 1970er-Jahren konzipierte er verstärkt politische und sozialkritische Installationen. 1971 gründete er in Berlin die 7. Produzentengalerie. Von 1976 bis 1981 gab er mit Andreas Seltzer die Zeitschrift »Volksfoto« heraus. 1986 bis 1996 arbeitete Hacker auch für das Theater (Bühne, Kostüm, Regie). Von 1990 bis 2007 hatte er eine Professur an der Universität der Künste, Berlin inne. Dieter Hacker lebt in Berlin.


ZKM | Zentrum für Kunst und Medien
Lorenzstraße 19
76135 Karlsruhe
zkm.de

Presse






Daten zu Dieter Hacker:

- Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt
- Sammlung MMK, Frankfurt
- The Making of Art, 2009, Schirn
- ZKM Sammlung, Karlsruhe

Weiteres zum Thema: Dieter Hacker



Dieter Hacker - Museums für Konkrete Kunst, Ingolstadt (30.11.07-27.1.08)


"Der rechte Winkel in mir" ist eine Retrospektiv-Ausstellung des Künstlers Dieter Hacker (*1942 in Augsburg). Die Vielseitigkeit im künstlerischen Schaffen Dieter Hackers lässt sich in drei sehr unterschiedliche Phasen einteilen: In den 60er Jahren entwickelte Hacker interaktive Spielobjekte, die die Wahrnehmung untersuchten und den Betrachter zum aktiven Teilnehmer der Kunst machten. In den 70er Jahren schuf er verstärkt politische und sozialkritische Installationen und thematisierte beispielsweise die gesellschaftliche Relevanz von Kunst, die Rolle des Fotos im Alltagsleben, den Kunstmarkt oder die Utopien des Konstruktivismus. Internationalen Ruhm erlangte Hacker mit seinen ironisch-kritischen Gemälden, mit denen er Anfang der achtziger Jahre zu einem der Protagonisten der neuen gegenständlichen Malerei wurde.
Im Museum für konkrete Kunst wird u.a. Dieter Hackers über alle Brüche fortlaufende Auseinandersetzung mit der konstruktiven Kunst herausgestellt.

Abbildung: Dieter Hacker, Jede Farbe passt zu jeder anderen, 1994, Öl/ Leinwand, 250 x 250 cm, Foto: J. Littkemann

Öffnungszeiten: Di. bis So. 10:00 bis 17:00 Uhr

Museum für Konkrete Kunst
Tränktorstraße 6-8
85049 Ingolstadt
Telefon (0841) 305 - 18 71
Telefax (0841) 305 - 18 77
mkk-ingolstadt.de





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