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Ute Stuffer wird neue Direktorin des Kunstmuseums Ravensburg


Dezember 2017 Eingabedatum: 20.12.2017

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Zum 1. März 2018 wird die Kunstwissenschaftlerin und Kuratorin Ute Stuffer (42) neue Direktorin des Kunstmuseum Ravensburg. Sie tritt damit die Nachfolge der Gründungsdirektorin Dr. Nicole Fritz an, die zur Kunsthalle Tübingen wechselt. Nicole Fritz hat in sechs Jahren über 30 hochkarätige Ausstellungen kuratiert und präsentierte in Hinblick auf die Sammlung Peter und Gudrun Selinka mit dem Schwerpunkt des deutschen Expressionismus sowie der Gruppen CoBrA und Spur monografische Einzelausstellungen wie etwa zu Egon Schiele, Otto Müller, Lothar Fischer, Max Pechstein, Emil Nolde und aktuell zu Karl Schmidt-Rottluff. Mit umfangreichen Themenausstellungen u. a. „Ich bin eine Pflanze. Naturprozesse in der Kunst“ und „We love Animals. 400 Jahre Tier und Mensch in der Kunst“ entwickelte Nicole Fritz aus dem Geist der Sammlung Selinka Ausstellungskonzepte, die einen Bezug zu aktuellen kulturellen und gesellschaftlichen Fragestellungen eröffneten. Mit Pre-Opening Aktionen, Sonderausstellungen und dem Format »Fremde Blicke« schuf Nicole Fritz stets eine Brücke zwischen Ravensburg und zeitgenössischen KünstlerInnen wie Gert und Uwe Tobias, Kiyoshi Furukawa und Wolfgang Münch, Stephan Balkenhol, Simone Ruess, Helga Griffiths, Katharina Hinsberg, Guido Mangold, Robert Schad, herman de vries, Performances for Pets (Krõõt Juurak und Alex), Ottmar Hörl und Marcus Schwier. Von Beginn entwickelte Nicole Fritz das Haus mit einem kreativen Vermittlungsprogramm für alle Altersklassen als „Lernort der Sinne“, in dem Kunst nicht nur passiv rezipiert, sondern auch aktiv praktiziert wird. Das Kunstmuseum Ravensburg und die Sammlung Peter und Gudrun Selinka erlangten so in kurzer Zeit bundesweite und internationale Bekanntheit. Diese Anerkennung spiegelt sich neben der Auszeichnung des Kunstkritikerverbandes (AICA) als Museums des Jahres vor allem auch in den über 200 000 Besuchern, die das Kunstmuseum seit 2013 begrüßen durfte.

Ute Stuffer ist seit 2008 als Kuratorin am Kunstverein Hannover tätig, der mit 700 qm Ausstellungsfläche und 185 Jahren Ausstellungsgeschichte zu den größten und traditionsreichsten Kunstvereinen zählt. In ihrer kuratorischen Arbeit verbindet sie generationsübergreifende, interdisziplinäre Ansätze mit aktuellen, gesellschaftspolitischen Themen. Sie verantwortete in Hannover zahlreiche Einzelausstellungen international renommierter KünstlerInnen, die sich durch einen dezidiert räumlich-installativen Charakter auszeichneten. Dazu zählten u. a. die Ausstellungen von Erik van Lieshout, Susan Philipsz, Tilo Schulz, Christoph Girardet & Matthias Müller, Markus Schinwald, Los Carpinteros, Heike Mutter & Ulrich Genth, David Thorpe oder Leigh Bowery. Darüber hinaus realisierte sie zuletzt mit „Digital Archives“ (2016) und „Digital Conditions“ (2015) thematische
Gruppenausstellungen, die die künstlerischen und gesellschaftlichen Auswirkungen technischer Entwicklungen untersuchten, u. a. mit Lee Friedlander, Pierre Huyghe, Jon Rafman, Avery Singer, Hito Steyerl und Travor Paglen. Als Teil des kuratorischen Teams war sie außerdem an den letzten zwei Ausgaben der institutionsübergreifenden Ausstellung „Made in Germany“ (2017/2012) beteiligt. Über die Ausstellungen hinaus engagierte sie sich maßgeblich am Vermittlungsprogramm insbesondere für Erwachsene. Ute Stuffer studierte von 2002 bis 2006 Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe bei Beat Wyss und Wolfgang Ullrich. Im Anschluss arbeitete sie am ZKM I Museum für Neue Kunst in Karlsruhe und wechselte 2007 als Pressesprecherin an den Kunstverein Hannover.

»Nach vielen interessanten Jahren als Kuratorin in einem reinen Wechselausstellungshaus freue ich mich auf die Arbeit in dem vor vier Jahren eröffneten Kunstmuseum Ravensburg, auf die vertiefende Auseinandersetzung mit der Sammlung Selinka, den Dialog mit der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts und natürlich auf Ravensburg.«, so Ute Stuffer. »Wir sind sehr erfreut, mit Ute Stuffer eine erfahrene Ausstellungsmacherin als Direktorin des Kunstmuseums gewinnen zu können«, sagte Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp.

Presse







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Weiteres zum Thema: Ute Stuffer



Made in Germany Zwei - Internationale Kunst in Deutschland


Ulla von Brandenburg, Kulisy, 2010, Verschiedene alte Theatervorhänge und Seile der Oper Warschau, Museum of Modern Art Warsaw Dimensionen variabel, Courtesy Art:Concept, Paris

Welche Fragen bewegen die junge internationale Kunstszene Deutschlands? Welche Bildsprachen entwickeln die Künstlerinnen und Künstler, welche Themen bearbeiten sie in ihren Werken? Welche Tendenzen lassen sich ausmachen?

Mit der Ausstellung MADE IN GERMANY ZWEI untersuchen das Sprengel Museum Hannover, die kestnergesellschaft und der Kunstverein Hannover von Mai bis August 2012 in einer großen Überblicksschau genau diese Fragestellungen. Damit knüpfen die drei hannoverschen Institutionen an die erfolgreiche Ausstellung „Made in Germany“ des Jahres 2007 an.

MADE IN GERMANY ZWEI stellt Werke einer jüngeren, in Deutschland arbeitenden Künstler-Generation vor, setzt sie in Bezug zueinander und untersucht Gemeinsamkeiten, Tendenzen und künstlerische Entwicklungen. Aktuelle Informationen zu den teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern finden Sie hier. Für MADE IN GERMANY ZWEI wurde die Idee von „Made in Germany“ von einem Kuratorenteam aller drei Institutionen deutlich weiter entwickelt: Die Ausstellung wird dieses Mal institutionsübergreifend kuratiert. Damit erfolgt die Zusammenarbeit der Häuser in noch engerer Absprache. Thematische Schwerpunkte verdeutlichen aktuelle künstlerische Fragestellungen und setzen sie miteinander in Beziehung. Aktuelle Tendenzen, künstlerische Herangehensweisen und Ausdrucksformen werden auf diese Weise exemplarisch an dem international geprägten Kunstraum Deutschland untersucht und diskutiert. Zahlreiche der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler entwickeln eigens für MADE IN GERMANY ZWEI neue Arbeiten.

Kuratorinnen und Kuratoren von MADE IN GERMANY ZWEI sind Susanne Figner, Martin Germann, Antonia Lotz, Kathrin Meyer, Carina Plath, Gabriele Sand, Kristin Schrader, Ute Stuffer und René Zechlin. Verantwortlich für die Ausstellung sind die Direktoren Ulrich Krempel (Sprengel Museum Hannover), Veit Görner (kestnergesellschaft) und René Zechlin (Kunstverein Hannover).

Zu den Künstlern

SAÂDANE AFIF | ULF AMINDE | ROSA BARBA | ALEXANDRA BIRCKEN | SHANNON BOOL | MIKE BOUCHET | Ulla von Brandenburg | MATTI BRAUN | Nina Canell | MARIETA CHIRULESCU | KEREN CYTTER | NATALIE CZECH | SIMON DENNY | JAN PAUL EVERS | OMER FAST | MAX FRISINGER | SIMON FUJIWARA | CYPRIEN GAILLARD | GREGOR GLEIWITZ | DIRK DIETRICH HENNIG | BENEDIKT HIPP | OLAF HOLZAPFEL | SVEN JOHNE | KELLER/KOSMAS (AIDS-3D) | KITTY KRAUS | ALICJA KWADE | MARCELLVS L. | ALON LEVIN | KLARA LIDÉN | AGATA MADEJSKA | MICHAEL PFROMMER | MANDLA REUTER | REYNOLD REYNOLDS | NINA RHODE | BERND RIBBECK | MICHAEL RIEDEL | RICARDA ROGGAN | JULIA SCHMIDT | KATHRIN SONNTAG | HELEN VERHOEVEN | JORINDE VOIGT | SUSE WEBER | SUSANNE M. WINTERLING | ALEXANDER WOLFF

Kuratorinnen und Kuratoren von MADE IN GERMANY ZWEI sind Susanne Figner, Martin Germann,
Antonia Lotz, Kathrin Meyer, Carina Plath, Gabriele Sand, Kristin Schrader, Ute Stuffer und René
Zechlin. Verantwortlich für die Ausstellung sind die Direktoren Ulrich Krempel (Sprengel Museum
Hannover), Veit Görner (kestnergesellschaft) und René Zechlin (Kunstverein Hannover).

Öffnungszeiten: Täglich und an Feiertagen 12 – 18 Uhr, Mo geschlossen.
Es gelten zusätzliche Öffnungszeiten der jeweiligen Häuser.

madeingermanyzwei.de

Christoph Girardet & Matthias Müller »Tell Me What You See«


Zum Jahresauftakt 2014 ermöglicht der Kunstverein Hannover mit der Ausstellung »Tell Me What You See« der Film- und Videokünstler Christoph Girardet (*1966) und Matthias Müller (*1961) erstmals einen umfassenden Einblick in ihr Gemeinschaftswerk. Gezeigt werden 11 filmische Arbeiten von 1999 bis heute sowie ergänzende Fotografien.
Seit mehr als 14 Jahren arbeiten die beiden Künstler in kontinuierlicher Zusammenarbeit mit überwiegend filmischem Fremdmaterial (Found Footage) und kombinieren Zitate und Motive unterschiedlichster Spielfilme zu neuen Erzählsträngen. Nach intensiver Bildrecherche und -auswahl lösen Girardet & Müller Fragmente der Kinogeschichte aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang und fertigen eigenständige filmische Collagen anhand ausgefeilter Dramaturgie von Schnitt und Tongestaltung.
Ihre Werke handeln von Sehen und Blindheit, von imaginären und realen Reisen oder dem menschlichen Körper und wurden bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt 2012 mit dem Arte Kurzfilmpreis. Filme von Girardet & Müller wurden sowohl auf bedeutenden Filmfestivals wie in Cannes, Venedig, Berlin präsentiert als auch in Ausstellungshäusern u. a. im Walker Art Center, Minneapolis, oder in der Tate Modern, London, international vorgestellt.
»Die Ausstellung von Christoph Girardet und Matthias Müller knüpft im Programm des Kunstvereins an Präsentationen bedeutender Videokünstler wie Omer Fast (2008/2009), Adrian Paci (2008) oder Aernout Mik (2007) an. Die Bedeutung des Werkes von Christoph Girardet und Matthias Müller geht jedoch weit über das Genre „Video“ hinaus. Durch ihre Form der Bearbeitung und Neuinterpretierung bestehenden Filmmaterials leisten sie einen eigenständigen wie faszinierenden Beitrag zur aktuellen Auseinandersetzung der zeitgenössischen Kunst mit der Moderne«, so Kunstvereins-Direktor René Zechlin.

»Wir freuen uns, mit der Ausstellung »Tell Me What You See« die verschiedenen Facetten des Gemeinschaftswerk von Christoph Girardet und Matthias Müller in bislang umfassendster Weise zu beleuchten.
Neben neuen fotografischen und filmischen Arbeiten, die speziell für die Ausstellung entwickelt wurden – so zum Beispiel »Cut« (2013), ein Film der buchstäblich unter die Haut geht – zeigen wir auch Arbeiten, die bislang ausschließlich im Rahmen von Filmfestivals vorgestellt wurden – wie den preisgekrönten Film »Meteor« (2011) – bis hin zu Werken, die den Beginn ihrer 14-jährigen Zusammenarbeit markieren. In dem Ausstellungsparcours spiegelt sich anhand von unvermittelten Brüchen wie durch das Aufgreifen und die Variation bestimmter Themen und Motive zugleich ein wesentliches Merkmal ihrer Filme«, ergänzt Ute Stuffer, die Kuratorin der Ausstellung.
In der Videoinstallation »Locomotive« (2008) untersuchen Girardet & Müller die Bedeutung des Zuges im Film als Bildmotiv, das sich bis zu den Anfängen der Filmgeschichte zurückverfolgen lässt. Einstellungen von Eisenbahnszenen aus hunderten Spielfilmen werden in drei nahtlos nebeneinander liegenden Projektionen zu einer Metaerzählung über Abschied und Ankunft, Ende und Neubeginn, Fernsicht und Selbstbeobachtung zusammengeführt.
Das Thema der Reise kommt auch bei »Meteor« (2011), einer äußerst komplexen Filmmontage aus bewegtem Bild, Text und Musik, zum Ausdruck. Schwarz-Weiß-Szenen von träumenden, verstörten Jungen treten hier mit farbigen Weltraumszenen aus dem Science-Fiction-Genre in Dialog und werden von Textfragmenten unterschiedlicher Märchen sowie der abschließenden Giacomo Puccini-Arie »Suor Angelica« begleitet.
Die für die Ausstellung neu produzierte Arbeit »Cut« (2013) rückt die Verletzlichkeit des menschlichen Körpers ins Zentrum. Bildern, die Schnitte durch menschliches oder anorganisches Gewebe zeigen, folgen Aufnahmen des fiebrigen oder eingegipsten Körpers. Die einzelnen Einstellungen sind von Schwarzpausen durchbrochen, um eigene Erinnerungsbilder des Betrachters zu aktivieren. Der Titel der Arbeit bezieht sich sowohl auf die Schnittwunde als Verletzung als auch auf den Filmschnitt, als grundlegendes Verfahren von Girardets & Müllers künstlerischer Technik. Die »Cut (Workprints)« (2013) geben anhand von über 600 Filmstills –eine zu Motivgruppen gegliederte Arbeitsskizze – Einblicke in den Entstehungsprozess des gleichnamigen Films. In der vielfach ausgezeichneten Arbeit »Contre-jour« (2009) (Deutsch: Gegenlicht) kombinieren Girardet & Müller selbstgedrehtes mit angeeignetem Filmmaterial und erzeugen mit filmischen Gestaltungsmitteln ein Werk über das Sehen und Wahrnehmen. Großaufnahmen des menschlichen Auges folgen Bilder einer Augenoperation, tastender Hände oder Nahansichten von Gesichtern, deren Konturen sich aus dem Dunkel abzeichnen und wieder verschwinden. Im unvorhersehbaren Wechsel von blendendem Licht und absoluter Dunkelheit, Schärfe und Unschärfe erscheinen, verschwinden und flackern die Bilder und lösen bei der Betrachtung, unterstützt von an Kabelbrand erinnerndes Knistern, eine direkte, physische Wirkung aus.
Der Titel der Ausstellung »Tell Me What You See« (Deutsch: Sag mir, was du siehst) ist ein Zitat aus diesem Werk. Hier artikuliert sich das Bedürfnis, sich durch die Übersetzung von Gesehenem in das gesprochene Wort über die eigene Wahrnehmung auszutauschen, die zugleich als subjektiv ausgewiesen wird.

Die Dialektik von Sehen und Nicht-Sehen setzt sich in dem Film »Maybe Siam« (2009) fort. Girardet & Müller kombinieren Spielfilmszenen mit blinden Personen, die von sehenden Schauspielern verkörpert werden. Während zahlreicher Schwarzpausen sind ausschließlich Geräusche zu hören, denen das Bild verspätet und ohne Ton folgt. Der Zuschauer ist hierbei – ebenso wie die sich vorantastenden, blinden Protagonisten – auf das Hören als Orientierungshilfe angewiesen.
Das Motiv des Auges, das in den Arbeiten von Girardet & Müller immer wieder auftaucht, bekommt in der fotografischen Arbeit »Eye« (2010) und dem Kurzfilm »Necrologue« (1999) eine zentrale Bedeutung.
In der Fotoserie zerlegen Girardet & Müller die filmische Einstellung eines runden, aus der Dunkelheit leuchtenden Lichtkörpers in fünf fotografische Momente, so dass das Erstrahlen und Verglühen der Lampe das Aufscheinen und Verschwinden eines Auges in Nahansicht assoziieren lässt. »Necrolgue« zeigt eine einzige Einstellung – das Gesicht der schlafenden Hitchcock-Heldin Ingrid Bergman aus dem Spielfilm »Under Capricorn« – in ausgeprägter Zeitlupe. Indem das nahezu unbewegte Bild einzig durch das langsame Öffnen und Schließen des Auges und das Fließen einer Träne belebt wird, verkörpert die Arbeit sinnbildhaft einen Dämmerzustand zwischen Wachen und Schlafen, Leben und Tod.

Kunstverein Hannover
Sophienstraße 2
D-30159 Hannover
kunstverein-hannover.de