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58. Venedig Biennale: Ralph Rugoff


Dezember 2017 Eingabedatum: 23.12.2017

Werkabbildung

Ralph Rugoff, Foto: © Mark Atkin, Courtesy La Biennale di Venezia

Ralph Rugoff wird der neue Kurator der nächsten Venedig Biennale. Er ist damit für die Hauptausstellung zuständig. Die Länderpavillons werden hingegen von anderen Kuratoren betreut.

Ralph Rugoff will be the curator of the Biennale Arte 2019.

Über Ralph Rugoff:
Ralph Rugoff has been the Director of the Hayward Gallery of London since 2006. Opened in 1968, the Hayward Gallery is considered one of the most leading public art galleries in the United Kingdom; it is part of the Southbank Centre, Europe´s largest arts centre that receives major funding by the Arts Council of England. Rugoff was the Artistic Director of the XIII Biennale de Lyon in 2015 titled La vie moderne. Between 1985 and 2002 he wrote art and cultural criticism for numerous periodicals, publishing widely in art magazines as well as newspapers, including Artforum, Artpresse, FlashArt, Frieze, Parkett, Grand Street, The Financial Times, The Los Angeles Times, The Los Angeles Weekly and published a collection of essays, Circus Americanus (1995), in which he explored cultural phenomena of the American West. During the same period he began working as an independent curator, organizing exhibitions such as Just Pathetic (1990) and Scene of the Crime (1997). A former Director (2000-06) of CCA Wattis Institute, at California College of the Arts in San Francisco, he has curated numerous group shows at the Hayward Gallery over the past 11 years, including The Painting of Modern Life (2007), Psycho Buildings (2008), an exhibition that included interactive and immersive installations by artists such as Mike Nelson, Gelitin and Do-ho Suh; and The Infinite Mix (2016); he also has curated important retrospectives and solo exhibitions by Ed Ruschka, Jeremy Deller, Carsten Holler, Tracey Emin and George Condo.

Die 58. Venedig Biennale findet vom 11.Mai bis 24. November 2019 statt.

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Richard Prince - Sammlung Goetz, München (22.11.04 - 7.5. 05)


„I always thought my work would look like a giant magazine. There’d be a joke section, a photography section, a painting section...“ Richard Prince

Obwohl Richard Prince (*1949) durch zahlreiche Ausstellungen zu einem Künstler mit sehr hohem Wiedererkennungswert geworden ist, bleibt sein Oeuvre geheimnisvoll und entzieht sich einer klaren Kategorisierung. In einer umfassenden Retrospektive aus nahezu allen Schaffensphasen des Künstlers, kuratiert von Ingvild Goetz und Rainald Schumacher, zeigt die Sammlung Goetz eine Auswahl aus über 50 Einzelarbeiten und Werkgruppen des Künstlers aus ihren Beständen.

1978 begann der amerikanische Künstler Ausschnitte aus Werbekampagnen abzufotografieren. Seitdem verwendete Prince für seine Arbeiten in erster Linie Bilder und ästhetische Vorgaben unbekannter Urheber und eignete sich deren Motive an. Aus dem ursprünglichen Kontext entwurzelt, scheinen die Bilder ihre potenzielle oder latente Bedeutung neu zu entfalten. Die berühmteste Werkgruppe dieser Zeit, und ein Markenzeichen von Prince, sind die Aufnahmen von Marlboro Werbekampagnen.

Etwa im Jahre 1984 begann Prince Fotos zu "Gangs" zu gruppieren, wie zum Beispiel in Criminals and Celebrities (1986) oder Creative Evolution (1984-85), deren Aussehen vergleichbar ist mit einem stark vergrößerten Kontaktabzug eines Fotolabors. Außerdem setzte er sich verstärkt mit der Subkultur der "Biker" auseinander. Das Resultat waren die "Girlfriends" oder "biker chicks", wie zum Beispiel in der Serie Cowboys and Girlfriends (1992). Ebenfalls seit Mitte der achtziger Jahre spielen Witze aus diversen Magazinen der fünfziger und sechziger Jahre, von Reader’s Digest bis Playboy, entscheidende Rolle. Die anfänglich von Hand auf kleine Blätter geschriebenen Witze wurden im Laufe der Zeit in monumentale "Joke Paintings" verwandelt. Ein weiteres zentrales Thema sind "Publicity Photographs" von Berühmtheiten aus Pop- und Subkultur, die Prince sammelt und dann gruppiert.

In seinen neusten Arbeiten, den "Nurse" – Serien, widmet sich Prince den Titelbildern amerikanischer Groschenromane der fünfziger Jahre. Das Oeuvre von Prince umfasst sowohl Fotografie, Malerei und Skulptur, als auch literarische Fiktion und kommerzielle Fotografie für die CD-Cover von Rock- und Elektrobands, wie der französischen Band Air.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Abbildungen der ausgestellten Arbeiten und Texten von Ingvild Goetz, Ralph Rugoff, Rainald Schumacher und Richard Prince. Ca. 150 Seiten und ca. 100 farbige Abbildungen, deutsch/englisch. Im Buchhandel oder über das Museum für € 30 zu bestellen." (Quelle: Presse: Slg. Goetz)

Öffnungszeiten: Mo-Fr 14-18Uhr Sa 11-16Uhr

Ausstellungsdauer: 22. November 2004 - 7. Mai 2005

Sammlung Goetz | Ingvild Goetz | Oberföhringerstraße 103 | 81925 München

Foto:Courtesy Sammlung Goetz
Foto: Wilfried Petzi, München
Legende: Untitled (cowboy), 1998,
Ektacolor photograph, 127 x 193 cm

George Condo. Mental States


George Condo, Red Antipodular Portrait, 1996, Öl auf Leinwand, 152,4 x 121,9 cm,
Privatsammlung, © George Condo. Courtesy Sprüth Magers Berlin London und Per Skarstead Gallery, New York

Ironisch, provokant, witzig – seit seinen Anfängen im New Yorker East Village der frühen 1980er-Jahre hat der US-amerikanische Künstler George Condo ein unverwechselbares OEuvre geschaffen. Seine von beißendem Humor, surrealistisch anmutender Absurdität und überbordendem Pathos gekennzeichnete Malerei nimmt – von Velázquez über Picasso bis Gorky – immer wieder Bezug zu den Traditionen der amerikanischen und europäischen Kunstgeschichte der letzten 500 Jahre. In Zusammenarbeit mit der Londoner Hayward Gallery und kuratiert von deren Direktor Ralph Rugoff präsentiert die Schirn eine umfassende Retrospektive des Künstlers, dessen Stil sich als künstlicher Realismus beschreiben lässt. Seine Gemälde wie seine Skulpturen legen die anhaltende Auseinandersetzung mit der menschlichen Physiognomie und allzu menschlichen Geisteszuständen offen. Neben 66 bedeutenden Gemälden aus unterschiedlichen Schaffensperioden zeigt die Schirn in thematisch und stilistisch geordneten Gruppen zudem eine Auswahl von etwa zehn Skulpturen sowie neue Arbeiten George Condos.

Die Ausstellung „George Condo. Mental States“ wird durch den Verein der Freunde der Schirn Kunsthalle e. V. gefördert.

George Condo wurde 1957 in New Hampshire geboren und studierte Kunstgeschichte und Musiktheorie an der University of Massachusetts Lowell. Seit nahezu drei Jahrzehnten behauptet er eine herausragende Stellung in der Kunstwelt. Neben Künstlern wie Keith Haring und Jean-Michel Basquiat hatte Condo maßgeblichen Einfluss auf die Kunstszene des New Yorker East Village der 1980er-Jahre. Seine erste öffentliche Ausstellung fand 1981 in der Galerie Ulrike Kantors in Los Angeles statt. In Deutschland wurde Condo erstmals 1984 in der Kölner Galerie Monika Sprüth eine Einzelausstellung gewidmet. Seither zeigten zahlreiche Institutionen in den USA und Europa seine Werke, darunter das Whitney Museum of American Art und das Museum of Modern Art in New York, das Contemporary Art Museum in Houston oder das Musée Maillol in Paris. Arbeiten George Condos finden sich in so bedeutenden Sammlungen wie dem Museum of Modern Art, dem Metropolitan Museum of Art, dem Whitney Museum of American Art und dem Solomon R. Guggenheim Museum in New York. George Condo engagierte sich künstlerisch außerdem in den Bereichen Mode, Musikindustrie und Street-Culture. 2010 arbeitete George Condo mit dem US-Hip-Hop-Star Kanye West zusammen; er schuf eine Reihe von Gemälden, die als Albumcover genutzt wurden.

George Condo hat im Lauf seines Schaffens einen künstlerischen Stil entwickelt, der auf schonungslose Art und Weise das Schöne mit dem Grotesken, Ernsthaftigkeit mit Absurdität verbindet und so eines der provokantesten und imaginativen Œuvres der zeitgenössischen Malerei geschaffen. Condo wird oftmals als „an artist’s artist“ bezeichnet, und sein anhaltender Einfluss auf jüngere Künstlergenerationen ist unbestritten. Die Figuren seiner Gemälde wurden darüber hinaus zur Inspirationsquelle für Autoren wie William S. Burroughs oder Salman Rushdie. Condos Werken wohnen unzählige kunsthistorische Bezüge inne. Geschickt kombiniert er die Bildsprache der letzten Jahrhunderte und lässt verschiedenste Malstile und Darstellungsweisen in seine Werke einfließen. Besonderes Gewicht legt Condo auf die Gesichter seiner Figuren; mal fratzenartig verzerrt, kubistisch übersteigert oder gar gesichtslos hinterfragen sie die Identität des Individuums, das sich hinter dem Antlitz verbirgt.

Die Ausstellung „George Condo. Mental States“ zeigt Arbeiten der letzten drei Jahrzehnte. Thematisch in den fünf Gruppen „Portraits“, „Manic Society“, „Pathos“, „Abstraction/Figuration“ und „Heads“ organisiert, präsentiert sie einen Überblick über sein gesamtes Schaffen. Einen Schwerpunkt legt die umfangreiche Schau auf Condos imaginäre Porträts, die, zwischen Absurdität und Pathos changierend, unterschiedliche mentale Zustände beschwören. Auf einer großen, von der Decke bis zum Boden im Salonstil behängten Wand präsentiert, bilden sie das Herzstück der Schau. Condos Figuren zeigen Archetypen – Butler, Geschäftsmänner, kirchliche und historische Persönlichkeiten –, die hinter ihren humorvoll verzerrten Gesichtszügen dennoch vertraut wirken. Ein besonderes Charakteristikum stellen die Augen dar. Häufig riesig, nicht zusammenpassend, in Panik oder Wut hervorquellend, verleihen sie den grotesken oder gar monströsen Gestalten Menschlichkeit und Persönlichkeit, wie beispielsweise bei „Portrait of a Woman“ (2002) oder „Nude on Purple“ (2007). Die Figuren einiger Gemälde erscheinen gesichtslos. Die Gestalt von „The Objective Idealist“ (1994) ist vor allem durch ihre Kleidung und den überladenen Schmuck definiert, im Gesicht hingegen klafft Leere. Die Gemälde hinterfragen nicht nur die Beurteilung von Identität nach Äußerlichkeiten, sondern auch den Anspruch der Porträtkunst als Abbild von Identität.

Trotz ihres oft monströsen Humors und ihrer Übersteigerung sind Condos Werke tief in europäischen und amerikanischen Maltraditionen verwurzelt. Durch die Verwendung traditioneller Materialien, Maltechniken und Stilformen stellt er vielfältige Querverweise her, die von der Renaissance zum Barock über den Kubismus und Surrealismus bis hin zum Abstrakten Expressionismus und zur Pop-Art reichen. Condo lässt sich von seinen Vorbildern inspirieren und tritt mit ihnen in Dialog. „Memories of Rembrandt“ (1994) stellt eine Erinnerung an den großen Meister der Hell-Dunkel-Malerei dar; Rembrandts malerischen Effekt eines Bedeutung schaffenden Lichts sabotiert Condo in seinem Porträt. Er präsentiert das Gesicht als eine wüste, durcheinandergewürfelte Konstruktion, als wollte er die Rolle des Gesichts als primäres Sinnbild der Subjektivität zerstören.

Klare gesellschaftliche Bezüge stellen die Gemälde der Gruppe „Manic Society“ dar. Auf schonungslose Art und Weise konfrontiert Condo den Betrachter mit den Abgründen und Lächerlichkeiten der modernen Gesellschaft. Die Protagonisten in „Couple on Blue Striped Chair“ (2005) blicken dem Betrachter aggressiv entgegen. Der Ausdruck ihrer verzerrten Gesichter schwankt zwischen Angst, Hohn, Lust und Gier. Condo nennt seine Figuren auch „antipodal beings“, weil sie unentdeckte Sphären des Bewusstseins offenlegen.

Im Ausstellungsbereich „Pathos“ blicken dem Betrachter einsame, trostlose Gestalten mit abermals verzerrten Gesichtszügen, übergroßen Ohren und auffallenden Zahnreihen, die über den Mund hinauszuwachsen scheinen, entgegen. Die Protagonisten in „The Chinese Woman“ (2001) oder „The Janitor’s Wife“ (2000) wirken, als seien sie sich ihrer aussichtslosen Lage bewusst. Sie zeigen sich als Ausgestoßene, die sich hilflos gegen ihre Entfremdung stemmen. Zehn Skulpturen der Gruppe „Heads“ ergänzen die Porträtkunst Condos. Die zumeist vergoldeten Bronzeköpfe beinhalten ebenso kunsthistorische Zitate wie gesellschaftskritische Anspielungen und übertragen Condos unverwechselbaren ironischen Stil in das Medium der Skulptur.

Die großformatigen abstrakten Gemälde, die neben den Porträts zunächst verblüffen mögen, drücken einmal mehr die intensive Beschäftigung des Künstlers mit dem Kubismus, dem Surrealismus und dem Abstrakten Expressionismus aus. In vielen Werken scheint die Abstraktion konsequente Folge einer manischen Übervölkerung mit Bildmotiven. In anderen Fällen wetteifern figurative Elemente mit abstrakten Kompositionen. Condos neueste Produktionen, Gemälde wie „The Fallen Butler“ (2009) oder „Racing Forms“ (2010), wimmeln von Körpern, die sich in abstrakten Formen und Landschaften verlieren.

Einen weiteren Höhepunkt der Ausstellung bilden die drei Kreuzigungsbilder „Jesus“ (2007), „Dismus“ (2007) und „Gestas“ (2007). Auch sie können exemplarisch für George Condos konstante Beschäftigung mit dem Widerspruch gesehen werden. Ihr Ausdruck schwankt zwischen Humor und Pathos, zeitgenössischer Bildsprache und dem Rekurs auf kunsthistorische Vorbilder.

Öffnungszeiten zur aktuellen Ausstellung: Di, Fr–So 10–19 Uhr, Mi und Do 10–22 Uhr

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT
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D-60311 Frankfurt
TEL +49-69.29 98 82-148
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