Im Detail die Welt entdecken. Adam Elsheimer (1578-1610) - Städel, Frankfurt (17.3. - 5.6.06)

17.03.2006




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Adam Elsheimer gehört zu den wenigen deutschen Künstlern, die in der europäischen Malerei des Barock hohes Ansehen gewonnen haben. Dennoch wird sein Name im Kanon der großen Meister in der Öffentlichkeit nur selten genannt, seltener, als es seiner großen Bedeutung als Maler zukommt. Unter Sammlern und Ästheten war er bereits zu Lebzeiten eine Legende und wurde von Künstler kollegen wie Rubens und Rembrandt bewundert. Der frühe Tod im Alter von 32 Jahren setzte seinem Schaffen ein jähes Ende. Elsheimer, der 1578 in Frankfurt geboren wurde und als Zwanzigjähriger über München und Venedig 1600 nach Rom ging, hat ein zahlenmäßig kleines - bisher sind 40 Gemälde und 30 Zeichnungen und Gouachen bekannt -, jedoch äußerst einflussreiches Werk hinter lassen. Mit der dramatischen, von Hell-Dunkel-Kontrasten bestimmten Beleuchtung, der narrativen Vielgestalt und seinem poetischen Reiz entfaltete das aus kleinformatigen Kupfertafeln bestehende Werk, das heute zu den Schätzen der großen Museen gehört, europaweite Wirkung. Das Städel, das die weltweit größte Sammlung von Elsheimers Werken besitzt, richtet dem großen Frankfurter Maler nun vierzig Jahre nach der letzten ihm gewidmeten Ausstellung im Städel die erste umfassende, wissenschaftlich neu erarbeitete Werkschau aus.
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Wer war Adam Elsheimer? Das wird man sich schon um 1600 gefragt haben, als der junge Künstler nach Rom kam. Die Ausstellung folgt den Spuren dieses neugierigen und wissbegierigen Malers und bietet dem Besucher eine unerschöpfliche Entdeckungsreise. Adam Elsheimer wurde 1578 als Sohn eines Schneiders in Frankfurt geboren. Über seine Jugend und Lehrzeit in Frankfurt gibt es kaum Quellen, es wird jedoch angenommen, dass er ein Schüler des damals angesehen Philipp Uffenbach war, der das Vorbild der altdeutschen Malerei, vor allem Dürer und Grünewald, nie aus den Augen verlor. Nach seiner Ausbildung verließ Elsheimer seine Heimatstadt und besuchte auf dem Weg nach Italien vermutlich 1598 München.

Italien sollte seine Wahlheimat bleiben. Der Aufenthalt in Venedig, wo Elsheimer mit dem aus München stammenden Hans Rottenhammer zusammenarbeitete, machte ihn mit den Werken der venezianischen Maler, vor allem Tintorettos, vertraut. Das Zusammentreffen von altdeutscher Tradition mit dem atmosphärisch Malerischen der venezianischen Meister führte in Elsheimers Werken zu einer ungewöhnlichen Mischung, die seinen Stil noch in späteren Jahren bestimmt hat. Spätestens im Heiligen Jahr 1600 erreichte Elsheimer Rom. Hier schloss er Freundschaft mit dem ein Jahr älteren Peter Paul Rubens und dessen Bruder Philipp und lebte in Kontakt mit deutschen Gelehrten, die sich der Literatur, der Theologie und den Naturwissenschaften widmeten. Sie inspirierten den Maler und förderten seine Kunst. Im Jahr 1607 wird er als einer der wenigen Deutschen als Mitglied der angesehen Accademia di S. Luca genannt. In Rom entwickelte Elsheimer seine "poetische Malerei", mit der er Ideen der Romantik etwa zweihundert Jahre vorwegnimmt. Stimmungsvolle Landschaften im Mondlicht und geheimnisvolle nächtliche Innenräume, die nur von spärlichem Kerzenschein beleuchtet werden, machten ihn berühmt. Zeitlebens hat sich Elsheimer mit der Darstellung des Lichts aus einander gesetzt. Er beschäftigt sich sowohl mit dem dramatischen Helldunkel, das für Caravaggios Gemälde charakteristisch ist, als auch mit der Inszenierung künstlicher Lichtquellen, die in Italien als Spezialität der niederländischen Romfahrer galt. Elsheimer ist aber auch ein spannender Erzähler: Dramatische Ereignisse wie die Sintflut, brutale Mord- und Marterszenen und staunenswerte christ liche Wunder hält er in ebenso eindringlicher Dichte fest wie ein kleines Stillleben.

Unserer Zeit vertraut ist aber vor allem Elsheimers Faszination für die Naturwissenschaften. Die Erforschung der Milchstraße dokumentiert er in seinen Gemälden ebenso wie den gerade entdeckten Eukalyptusbaum. Er betrachtet die Welt durch das Fernrohr und mit der Lupe, und dieser Blick in die Gesetze des Kosmos revolutionierte die Kunst. Durch die Verschmelzung der empirischen Naturbeobachtung mit der für ihn kennzeichnenden poetischen Bildsprache prägte Elsheimer eine außergewöhnlich lebendige, detailreiche Erzählweise. Wie ein Volkskundler studiert Elsheimer in Venedig die orientalischen Gewänder, die seinen Gemälden mit biblischen Themen Atmosphäre verleihen. Aber auch die Antike macht er lebendig: Er malt die römischen Ruinen, lernt die menschliche Anatomie anhand antiker Skulpturen kennen und setzt die alten mythologischen Themen in neue faszi nierende Kompositionen um. Auch den traditionellen christlichen Themen verleiht er neues Leben: Der Kreuzaltar, eines der Hauptwerke von Elsheimer, das sich neben sechs weiteren Arbeiten in der Sammlung des Städel befindet, erzählt die Geschichte von der Auffindung des Kreuzes, an dem Jesus starb, in spannenden Einzelszenen.
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Nach der ersten und bisher einzigen Elsheimer-Ausstellung im Städel 1966 können nun damals nicht gezeigte oder noch unbekannte Gemälde präsentiert werden. Neu aufgefundene Dokumente und zahlreiche Spezialuntersuchungen haben zu einem neuen Blick auf Elsheimer geführt. Erstmals werden diese Erkenntnisse der Forschung einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Das Elsheimer-Archiv im Städel, das sich seit Jahren der wissenschaftlichen Erforschung von Elsheimers Werk widmet, hat in diesem Jahr mit Unterstützung der Gabriele-Busch-Hauk Stiftung ein zweijähriges Stipendium zur Erforschung der Zeichenkunst Adam Elsheimers eingerichtet. Durch die Zuwendung der Stiftung konnte 2005 außerdem eine Zeichnung von Adam Elsheimer für die Graphische Sammlung des Städel erworben werden, die nun in der Ausstellung präsentiert wird.... (Presse | Städel)

ÖFFNUNGSZEITEN: Dienstag, Freitag bis Sonntag 10-19 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 10-21 Uhr

Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie
Dürerstraße 2
60596 Frankfurt am Main | Telefon: (+49-69) 60 50 98-0

staedelmuseum.de





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