Erna Schmidt-Caroll - Kallmann-Museum Ismaning (13. Mai bis 9. Juli 2017)

13.05.2017


bilder

Erna Schmidt-Caroll
Diva mit Federfächer, o. J. [1920er Jahre]
Pastellkreide, 32 x 21,1 cm
© Nachlass Erna Schmidt-Caroll

Das pulsierende, hektische Großstadtleben ist das bestimmende Thema in Erna Schmidt- Carolls frühen Jahren. Skizzenhaft, mit feiner psychologischer Charakterisierung stellt sie Menschen im Café dar, Passanten auf der Straße und im Getriebe der Metropole – und vor allem die modische, moderne Frau der zwanziger Jahre. Ihr fein beobachtender, oft auch kritischer Blick erinnert an Werke ihrer Zeitgenossen George Grosz und Otto Dix.

Schmidt-Caroll (1896 – 1964) gehört wie Hans Jürgen Kallmann zu einer Generation von Künstlern, deren Biographien durch die NS-Herrschaft beeinträchtigt wurden. Ab 1914 studierte sie an der Kunstakademie Breslau, 1917 wechselte sie nach Berlin, wo sie zuletzt Meisterschülerin bei Emil Orlik war, bei dem auch Kallmann eine kurze Zeit lernte. Ihre in den Folgejahren entstandenen Arbeiten, die durch eine facettenreiche Darstellung der Gesellschaft bestechen, bilden den ersten Schwerpunkt der Ausstellung im Kallmann- Museum.

Für Schmidt-Caroll war neben der freien künstlerischen Arbeit die Lehre von besonderer Bedeutung. Sie unterrichtete rund zwei Jahrzehnte an der Berliner Schule Reimann, bis sie 1943 nach deren Zerstörung durch einen Bombenangriff die Stadt verließ. Die dortige Atmosphäre wird in der Ausstellung beispielhaft durch Schmidt-Carolls Illustrationen für das Programmheft eines Gauklerfestes lebendig. Nach dem Krieg lehrte die Künstlerin in Hannover und Hamburg. Ihre Arbeit als Modezeichnerin und Buchillustratorin ist in der Ausstellung durch einige repräsentative Beispiele vertreten.

Dass die NS-Zeit einen tiefen Einschnitt im Leben Schmidt-Carolls darstellte, wird an den freien Arbeiten dieser Zeit sichtbar, die nicht mehr die spitze Feder ihrer früheren Werke erkennen lassen. Doch auch wenn sich die Figuren in stärkerem Realismus und einer gewissen Lieblichkeit ein Stück weit an die Ästhetik der Zeit anzunähern scheinen, strahlen ihre Kinder- und Frauenbildnisse durchwegs neben menschlicher Wärme eine gewisse Nachdenklichkeit aus. Außerdem wurde nach 1933 zunehmend die Natur in ihrer Einsamkeit und Ursprünglichkeit ein wichtiges Motiv im Schaffen der Künstlerin. Insbesondere Gebirgslandschaften, etwa der Alpen und des Riesengebirges, in das sich Schmidt-Caroll nach dem Weggang aus Berlin zurückzog, faszinierten die Malerin. Auch die Küstenlandschaften Italiens, ein Sehnsuchtsort der Künstlerin, den sie in den 1930er Jahren und später mehrfach bereiste, inspirierten sie mit ihrem südlichen Licht zu farbenfrohen Arbeiten.

Mit Erna Schmidt-Caroll widmet das Kallmann-Museum einer Künstlerin, die den Besuchern aus verschiedenen Gruppenausstellungen der letzten Jahre bereits bekannt ist, nun eine Einzelausstellung. So waren Werke von ihr beispielsweise 2016 in der Ausstellung »›Entartete Kunst‹ - Werke aus der Sammlung Gerhard Schneider« zu sehen. Die aktuelle Ausstellung präsentiert, bis auf wenige Ausnahmen, Arbeiten aus dem umfangreichen Nachlass der Künstlerin. Nach einem bewegten Leben, das in hohem Maße beeinflusst war von der wechselhaften Zeitgeschichte, verstarb Erna Schmidt-Caroll 1964 im Kreise Ihrer Familie in München.

Kallmann-Museum Ismaning
Schloßstr. 3b
85737 Ismaning, Germany
Tel. +49 (0)89 9612948
kallmann-museum.de

Presse



Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:

    Werkabbildung klein


    Bestandsaufnahme Gurlitt - Kunstmuseum Bern / Bundeskunsthalle Bonn (3.11.2017 bis 11. März 2018 )

    Werkabbildung klein


    Edouard Manet - Von der Heydt-Museum, Wuppertal (24.10.2017-25.02.2018)

    Werkabbildung klein


    Gesichter Chinas - Kulturforum, Berlin (12.10.17-07.01.18)

    Werkabbildung klein


    Maria Sibylla Merian - Städel Museum, Frankfurt a.M. (11.10.17-14.01.18)

    Werkabbildung klein


    Max Beckmann. Welttheater“ - Kunsthalle Bremen (30.9.2017 - 4.2.2018)

    Werkabbildung klein


    Die Geburt des Kunstmarktes - Bucerius Kunst Forum, Hamburg (23.9.2017 - 7.1.2018)

    Werkabbildung klein


    Matisse–Bonnard: Es lebe die Malerei - Städel Museum, Frankfurt (13.9.2017 - 14.1.2018)

    Werkabbildung klein


    MIRÓ - Welt der Monster, Max Ernst Museum Brühl (3.9.2017-28.1.2018)

    Werkabbildung klein


    Die Sehnsucht lässt alle Dinge blühen… - Kunstmuseum Bern (11.08.2017 – 11.03.2018)

    Werkabbildung klein


    Der blinde Fleck - Kunsthalle Bremen (5.8. - 19.11.2017)

    Werkabbildung klein


    Gabriele Münter und die Volkskunst - Oberammergau Museum / Schloßmuseum Murnau (27. 7.- 12.11.2017)

    Werkabbildung klein


    August Macke im Kunstmuseum Bonn (12.7.-1.11.2017)

    Werkabbildung klein


    China und Ägypten. Wiegen der Welt - Neues Museum, Berlin (6.7.-3.12.17)

    Werkabbildung klein


    Wilhelm Morgner - Gustav-Lübcke-Museum, Hamm (15.1. – 30.12.2017)





    top-Erna Schmidt-Caroll