Anzeige
kunstkraftwerk


Karl Schmidt-Rottluff - Bucerius Kunst Forum, Hamburg (27.1.-21.5.2018)

21.01.2018


Werkabbildung

bilderfullscreen

Karl Schmidt-Rottluff
Geweihfarn in der Mitte, 1957
Brücke-Museum Berlin
Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung
© VG Bild-Kunst, Bonn 2017


Karl Schmidt-Rottluff: expressiv, magisch, fremd
27. Januar bis 21. Mai 2018

Die Ausstellung Karl Schmidt-Rottluff: expressiv, magisch, fremd untersucht erstmals die Faszination des berühmten „Brücke“-Künstlers für außereuropäische Kunst und Kultgegenstände und seine lebenslange Rezeption der für ihn magischen Kraft dieser Objekte. Das Bucerius Kunst Forum präsentiert vom 27. Januar bis 21. Mai 2018 rund 80 Arbeiten Schmidt-Rottluffs aus über 50 Schaffensjahren, darunter Skulpturen, Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafik. Die Werke werden in direkten Dialog mit afrikanischen und ozeanischen Objekten aus der umfassenden ethnografischen Sammlung des Künstlers gesetzt, der bereits als junger Mann begann, außereuropäischer Kunst und Kultgegenstände zu sammeln. Die Ausstellung präsentiert neue wissenschaftliche Erkenntnisse über den Nachlass des Künstlers und veranschaulicht, wie Schmidt-Rottluff stilistische und inhaltliche Anregungen umsetzte und darüber hinaus Motive direkt in seine Bilder übernahm.

Die Faszination für afrikanische und ozeanische Figuren und Masken zeigt sich im gesamten Œuvre Karl Schmidt-Rottluffs. Der gebürtige Chemnitzer (1884-1976) begann bereits in den 1910er Jahren, außereuropäische Kunst zu sammeln. Eines der ersten Zeugnisse der künstlerischen Auseinandersetzung ist eine Postkarte, die Schmidt-Rottluff 1909 an den befreundeten „Brücke“-Maler Erich Heckel schrieb und auf der er eine Figur aus Kamerun skizzierte. Die dargestellten Objekte solcher früher Zeichnungen sah er vermutlich in Hamburg – damals Hauptumschlagplatz für Waren aus den deutschen Kolonien in Afrika und der Südsee – wo er sich 1910 ein Atelier einrichte.

Durch die berühmte Hamburger Kunsthistorikerin Rosa Schapire knüpfte Schmidt-Rottluff zur gleichen Zeit zahlreiche Kontakte zu Kunsthändlern und Sammlern und erwarb weitere Objekte für seine eigene Ethnografica-Sammlung. 1915 erhielt Karl Schmidt-Rottluff von Schapire ein Exemplar von Carl Einsteins „Negerplastik“. Das Werk zeigt 119 Abbildungen afrikanischer Masken und Skulpturen. Erstmalig wurden hier afrikanische Kunstgegenstände unter ästhetischen Gesichtspunkten betrachtet. Vielfach lassen sich Parallelen zwischen den im Buch abgebildeten Werken und Arbeiten Schmidt-Rottluffs feststellen, der zu diesem Zeitpunkt bereits begonnen hatte, außereuropäische Kunst in seinen Gemälden darzustellen. Auch in seinen Plastiken spiegelt sich die Auseinandersetzung mit der Ästhetik und der Durchgeistigung außereuropäischer Stammeskunst wider, darunter Grünroter Kopf (1917). In den Jahren des Ersten Weltkrieges, als Schmidt-Rottluff in Litauen und Russland stationiert war, schlug sich die Faszination des Künstlers für ozeanische und afrikanische Kunst vor allem im Medium des Holzschnitts und der Radierung nieder. Insbesondere in der ornamentalen Gestaltung von Flächen und den Proportionen von Figuren, die häufig Merkmale wie große Köpfe, hervorgehobene Brüste und kurze Gliedmaßen aufweisen. Der Weg über den Holzschnitt und die Plastik war für die Stilfindung Schmidt-Rottluffs äußerst wichtig. Was sich in seinen Holzschnitten der Vorkriegsjahre schon andeutete, arbeitete er in dieser Zeit plastisch aus und nähert sich auch in Technik und Material seinen Vorbildern. Über 30 aus Holz geschnitzte Figuren und Köpfe entstanden in dieser Phase, darunter Blauroter Kopf (Panischer Schrecken) (1917), der durch seine konkave Gesichtsform und den kreisrund gespitzten Mund deutliche Assoziationen an afrikanische Masken weckt.

Seit 1920 verbrachten Karl und Emy Schmidt-Rottluff die Sommermonate zurückgezogen in Jershöft an der Ostsee. Eindrückliche Naturlandschaften wie Aufgehender Mond (1920) entstanden während dieser Aufenthalte. Mit Künstlerkollegen unternahm Schmidt-Rottluff daneben bis 1930 mehrere Reisen, u.a. nach Italien. Es entstanden zahlreiche Natur- und Ruinendarstellungen mit stiller, entrückter Atmosphäre wie Campagnalandschaft (1931), die von unheilvoller Stimmung geprägt sind. Die Landschaften erhalten durch den Einsatz von Licht und Schatten einen surrealen, traumhaften Charakter und verweisen auf eine Wirklichkeit hinter den Dingen. Dieser magische Ausdruck der Bilder lässt sie in Beziehung treten zu den außereuropäischen Objekten, die in der Regel aus rituellen Kontexten stammen. Die Bilder der 20er und 30er Jahre verraten eine Beschäftigung des Künstlers mit „Neuer Sachlichkeit“ und „Magischem Realismus“, ohne dass er sich jedoch in diese Stilrichtungen einordnen ließe.

Während des Dritten Reiches wurde Karl Schmidt-Rottluff als „entarteter Künstler“ diffamiert und zog sich in die innere Emigration zurück: Es entstanden Stillleben mit magisch-entrückter Stimmung, die als stiller Dialog mit Göttern und Schutzgeistern verstanden werden können. Nachdem Schmidt-Rottluff ab 1936 Ausstellungsverbot unter dem NS-Regime erhielt, fanden zusehends mehr außereuropäische Objekte Einzug in seine Kunst. Dies gilt ebenfalls für die seit den 50er Jahren entstandenen Stillleben, die in ihrer Farbenpracht einen weiteren Höhepunkt im Schaffen des Künstlers markieren, darunter Afrikanisches (1954), das eine Büffelmaske aus der Sammlung des Künstlers abbildet. Auch eigene Arbeiten aus seinem Frühwerk wurden nun zum Motiv, wie ein Kerzenständer aus Holz, der in das Stillleben Die schwarze Maske (1956) integriert wurde.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist die wiederkehrende Kraft in Karl Schmidt-Rottluffs Farbenstürmen zu spüren, so auch in Landschaft mit Brücke (1955). Wie ein roter Faden zieht sich die Begeisterung für außereuropäische Kunst und Kultgegenstände durch sein künstlerisches Schaffen bis hin in sein monumentales Spätwerk: In ausdrucksstarken Stillleben rezipierte der Künstler nun seine eigenen plastischen Werke der 1910er Jahre gemeinsam mit Objekten aus seiner ethnografischen Sammlung.

Bucerius Kunst Forum
Rathausmarkt 2
20095 Hamburg
buceriuskunstforum.de

Presse



Daten zu Karl Schmidt-Rottluff:

Karl Schmidt-Rottluff
- Art Basel 2013;
- MoMA Collection;
- Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt;

Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:

    Werkabbildung klein


    Paul Klee - Pinakothek der Moderne, München ( 01. 03. – 10.06.2018)

    Werkabbildung klein


    Peter Paul Rubens - Städel Museum, Frankfurt a.M. (8.2.-21.5.2018)

    Werkabbildung klein


    Karl Schmidt-Rottluff - Bucerius Kunst Forum, Hamburg (27.1.-21.5.2018)

    Werkabbildung klein


    Willi Baumeister - Kupferstichkabinetts – Staatliche Museen zu Berlin (9.12.17-8.4.18)

    Werkabbildung klein


    Stimme des Lichts - Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen (2.12.2017-2.4.2018)

    Werkabbildung klein


    Zeichenunterricht - Graphische Sammlung ETH Zürich (8. November – 21. Januar 2018)

    Werkabbildung klein


    Karl Schmidt-Rottluff - Kunstmuseum Ravensburg (4. November 2017 bis 8. April 2018)

    Werkabbildung klein


    Bestandsaufnahme Gurlitt - Kunstmuseum Bern / Bundeskunsthalle Bonn (3.11.2017 bis 11. März 2018 )

    Werkabbildung klein


    Edouard Manet - Von der Heydt-Museum, Wuppertal (24.10.2017-25.02.2018)

    Werkabbildung klein


    Max Beckmann. Welttheater“ - Kunsthalle Bremen (30.9.2017 - 4.2.2018)

    Werkabbildung klein


    MIRÓ - Welt der Monster, Max Ernst Museum Brühl (3.9.2017-28.1.2018)

    Werkabbildung klein


    Die Sehnsucht lässt alle Dinge blühen… - Kunstmuseum Bern (11.08.2017 – 11.03.2018)





    top-Karl Schmidt-Rottluff



    Werkabbildung
    Christa Dichgans und Guerrilla Girls in der Kestner Gesellschaft



    Werkabbildung
    Welche Wahrheit zeigt ein Titelbild?



    Werkabbildung
    GUTE AUSSICHTEN DELUXE – JUNGE DEUTSCHE FOTOGRAFIE NACH DER DÜSSELDORFER SCHULE



    Anzeige
    Ausstellung


    Anzeige
    berlin


    Anzeige
    Atelier


    Anzeige
    Magdeburg


    Anzeige
    rundgang

    Christa Dichgans und Guerrilla Girls in der Kestner Gesellschaft




    Welche Wahrheit zeigt ein Titelbild?



    GUTE AUSSICHTEN DELUXE – JUNGE DEUTSCHE FOTOGRAFIE NACH DER DÜSSELDORFER SCHULE



    AMERICA! AMERICA! HOW REAL IS REAL?



    VON DA AN - RÄUME, WERKE, VERGEGENWÄRTIGUNGEN DES ANTIMUSEUMS 1967 – 1978



    Shirin Neshat. Frauen in Gesellschaft



    Future Love. Begehren und Verbundenheit im Zeitalter geformter Natur


    Acci Baba - ab aeterno



    Der Begriff "Hinterfragen" in Texten zur zeitgenössischen Kunst



    Der Begriff Position in Texten zur zeitgenössischen Kunst




    Reinhold Koehler - Décollage


    Zum Begriff Autor (Autorennen und Autorenschaft) in den Texten zur zeitgenössischen Kunst



    Künstlerliste mit nur einer bzw. zwei Biennalebeteiligung


    Tag der offenen Tür an der Hochschule für Bildende Künste Dresden


    Winterrundgang der SpinnereiGalerien in Leipzig


    Ausstellung Werner Schmidt (Malerei) und Werner Pokorny (Skulptur)



    Neue Kuratorin Christina Lehnert am Frankfurter Portikus


    Kunstkraftwerk Leipzig: RENAISSANCE experience


    Studieninformationstag der BURG am 11. Januar 2018


    Nico Joana Weber - Monstera deliciosa