Videonale Preis der fluentum Collection an Randa Maroufi

Videonale Preise

Februar 2017
Eingabedatum: 19.02.2017

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Randa Maroufi ist Preisträgerin des Videonale Preises der fluentum Collection. Unter 43 nominierten Videoarbeiten wählte die fünfköpfige Jury einstimmig die Videoarbeit der Künstlerin mit dem Titel "The Park". Eine lobende Erwähnung ging an Louis Henderson mit „Black Code / Code Noir“.

Jury-Mitglieder waren: Stephan Berg (Direktor Kunstmuseum Bonn), Markus Hannebauer (fluentum Collection), Stefanie Kreuzer (Hauptkuratorin Museum Morsbroich), Shelly Nadashi (Künstlerin, Brüssel, Preisträgerin der Videonale 15), Thomas Thiel (Direktor Bielefelder Kunstverein)

In der Jury-Begründung zur Verleihung des Videonale Preises der fluentum Collection 2017 heißt es:

„Randa Maroufis Film The Park von 2015 verfolgt eine Gruppe Jugendlicher bei ihren Treffen in einem verlassenen und heruntergekommenen Freizeitpark im Zentrum von Casablanca. Dort liegen die Fahrgeschäfte in Trümmern, die Gebäude sind verfallen, die Räume mit Müll und gebrauchten Gegenständen angefüllt. Die Kamera fängt in ruhigen Einstellungen und schwebenden Bildsequenzen unterschiedliche Gruppenbilder und eine Kulisse ein, die in ihrem Verfall geradezu malerische Züge trägt. Sie spielt mit der Nähe und der Distanz zu ihren Protagonisten und Gegenständen. Der Betrachter wird mitgenommen in einen Alltag, der von Langeweile und Gewalt geprägt zu sein scheint. Denn eingebettet in die gefühlte Trägheit des Augenblicks, informiert die Tonebene über kriminelle Aktivitäten von Jugendlichen und deren Inszenierung in den sozialen Netzwerken. In einzelnen Szenen werden diese Momente nachgestellt und bildlich eingefroren.

Die Jury war beeindruckt von der visuellen Dichte und formalen Übersetzung einer sozialen Situation, die sich sowohl im öffentlichen als auch im medialen Raum der sozialen Netzwerke abspielt. Die Künstlerin setzt auf einen geführten und bewusst entschleunigten Blick, der im Kontrast zur Schnelligkeit und Vervielfältigung der Bilder im Internet steht. So schafft Maroufi assoziationsreiche Raum- und Menschenbilder, die an klassische Bildtraditionen erinnern. Der Park steht hierbei als Metapher für einen gesellschaftlichen Zustand, in dem öffentliche, private und mediale Ebenen miteinander verschmelzen. Die Stärke des Films liegt in der Intensität und gleichzeitigen Offenheit der gefundenen Bildsprache, die zugleich die Übertragung der Situation auf eine existenzielle Ebene erlaubt.“

Biografisches zu Randa Maroufi
* 1987 in Casablanca, MAR,
lebt und arbeitet in Paris, FRA, und Tanger, MAR
studierte am Institut National des Beaux-Arts in Tétouan, MAR,
der École Supérieure des Beaux-Arts in Angers, FRA,
und Le Fresnoy, studio national des arts contemporains in Tourcoing, FRA

Lobende Erwähnung

"Black Code / Code Noir" von Louis Henderson – Auszug aus dem Videonalekatalog, Text von Anne Greb:

"Louis Henderson dokumentiert in seiner Videoarbeit Black Code / Code Noir aktuelle Ereignisse mit einem Augenmerk auf historisch äquivalenten Elementen. Der daraus resultierende Film schichtet dem Internet entnommene Materialien so synchron übereinander, dass sich aus zunächst willkürlich erscheinenden Kombinationen neue Bedeutungszusammenhänge ergeben. Die disparaten Bilder historisch geprägter Orte unterstreicht Henderson mit aktuellen und historischen Audioaufnahmen wichtiger Persönlichkeiten wie Malcolm X, der haitianischen Präsidentin, aber auch Dubstep-Rhythmen und feierlichem Gesang. Im Fokus des Werkes stehen der Tod der Afroamerikaner Kajieme Powell und Michael Brown, die beide 2014 von Polizeibeamten erschossen wurden. In collagenartigem Filmmaterial, wie Youtube-Clips, Handyvideos und Animationen des Tathergangs, werden sowohl die Todesfälle als auch nachfolgende gewaltsame Unruhen und friedliche Protestaktionen gezeigt. Ausgehend von einer Software für Polizisten zur Hilfe bei der Einschätzung von potenziellen Gefahrensituationen erörtert Henderson die Rolle und Macht von Technologien. Bringen diese Sicherheit oder dienen sie der Kontrolle? Entstehen Investitionen in innovative Projekte oder wird rassistisches Gedankengut zementiert, möglicherweise institutionalisiert?
Henderson macht in seinem Film die Zeit als Kreislauf starker Momente, in festen zeitlichen und räumlichen Rahmen, mit ihren gesellschaftlichen Abläufen und in Bezug auf den Begriff der Aufklärung, geprägt von Geschichte, Politik und Technologie, erkennbar. Am Wichtigsten scheint die Erkenntnis unserer zeitlich-räumlichen Stellung innerhalb des zeitlosen Phänomens einer über Jahrhunderte und Kontinente hinweg beobachtbaren Darbietung von Rassismus gegen Dunkelhäutige als nicht endende Reaktion der Entwürdigung und des Widerstands."

Die Ausschreibung der VIDEONALE.16 stand unter dem thematischen Fokus PERFORM! und fragte nach der Bedeutung von Performance heute, als künstlerisches Ausdrucksmittel, aber auch als Beschreibung von Alltagshandlungen, insbesondere im Umfeld der digitalen Medien, als Moment der politischen Inszenierung oder als Leistungsparadigma in der Wirtschaft.

Aus den 2339 Einsendungen aus 85 Ländern wurden 43 Positionen aus insgesamt 17 Ländern für den Wettbewerb ausgewählt.

Werke folgender Künstler*innen sind in der Ausstellung zu sehen:

Maria Antelman, Ale Bachlechner, Miriam Bajtala, Cooper Battersby & Emily Vey Duke, Jasmin Bigler & Nicole Weibel, Jared Buckhiester & Dani Leventhal, Jasmina Cibic, Yao Cong, Anita Delaney, An van. Dienderen, Jan Dietvorst & Roy Villevoye, Lisa Domin, Doplgenger, Teboho Edkins, Lotte Meret Effinger, Kevin Jerome Everson, Alex Gerbaulet, Miriam Gossing & Lina Sieckmann, Max Grau, Shadi Harouni, Louis Henderson, Vika Kirchenbauer, Sabrina Labis, Alwin Lay, Erik Levine, Randa Maroufi, Jennifer Mattes, Stefan Panhans, Lucy Pawlak, Benjamin Ramírez Pérez, Stefan Ramírez Pérez, Rachel Rampleman, Steve Reinke, Michael Robinson, Julia Scher, Sanaz Sohrabi, Moritz Uebele, Anna Vasof, Philip Widmann, Susanne Wiegner, Felix Zilles-Perels, Moira Zoitl
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VIDEONALE.16
17.02. – 02.04.2017

Videonale e.V. im Kunstmuseum Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 2
53113 Bonn
Tel. 0049 228 69 28 18
Fax 0049 228 90 85 817
info@videonale.org
http://v16.videonale.org/
videonale.org

Presse









Daten zu Randa Maroufi:


- Marrakech Biennale MB5, 2014

Weiteres zum Thema: Randa Maroufi



VIDEONALE.16 – Festival für Video und zeitbasierte Kunstformen


Ausstellung: 17. Februar bis 2. April 2017 im Kunstmuseum Bonn.
Eröffnung und Preisverleihung: 16. Februar 2017, 20.00 Uhr
Festivalprogramm: 17. bis 19. Februar 2017
VIDEONALE.Parcours: 18. Februar bis 12. März 2017

Unermüdlich läuft der Performer gegen die Wand, wie ein Avatar in einem Computerspiel, der vom Spieler/von der Spielerin die falsche Handlungsanweisung empfängt. Stefan Panhans‘ Video übersetzt Situationen aus der Gameswelt zurück in den menschlichen Körper und untersucht so, wie Phänomene aus der virtuellen auf unsere reale Welt einwirken: „Free Roam À Rebours, Mod#I.1“ ist eine von 43 internationalen künstlerischen Positionen, die die VIDEONALE.16 – Festival für Video und zeitbasierte Kunstformen ab dem 16. Februar 2017 unter dem Titel PERFORM! im Kunstmuseum Bonn zeigt.

Begleitet wird die Ausstellung durch ein umfangreiches Festivalprogramm am Eröffnungswochenende und den VIDEONALE.Parcours, das zum dritten Mal durchgeführte Ausstellungsprojekt mit studentischen Arbeiten an verschiedenen Orten in Bonn.

Bereits zum zweiten Mal stand die Wettbewerbsausschreibung der Videonale unter einem thematischen Fokus. Mit PERFORM! knüpft die VIDEONALE.16 an die Anfänge der Verwendung von Videotechnik als dokumentarischer Begleiter und technisches Gegenüber von künstlerischen Performances an und stellt gleichzeitig die Frage nach der Bedeutung von Video-Performance heute, wo nicht nur der/die KünstlerIn, sondern auch der/die BetrachterIn selbst immer öfter zum/r PerformerIn im Kontext künstlerischer Arbeiten wird.

Darüber hinaus referiert PERFORM! aber auch auf die zeitgenössische Durchdringung unseres gesamten lebensweltlichen Umfeldes mit performativen Handlungen. Durch unsere ständige Interaktion mit digitalen Endgeräten, in denen wir unsere Spuren hinterlassen, der steten Aufforderung zur Selbstpräsentation des Individuums im Netz, und zur Selbstoptimierung als wirtschaftliches Subjekt, wird unser Leben – bewusst oder unbewusst – zur Dauerperformance. Unsere Bewegungen werden zu Choreographien im öffentlichen Raum, die wir nur noch bedingt selbst gestalten können.

Mit PERFORM! fragt die VIDEONALE.16 somit nach der Bedeutung des Performens im Sinne einer sozialen, ökonomischen, kulturellen oder auch künstlerischen Handlungsmaxime in einer global funktionierenden Welt und Leistungsgesellschaft.

„Das weite Feld des Performativen ist deshalb so spannend, weil in jeder performativen Handlung – unabhängig davon ob sie in einem künstlerischen Umfeld, im Arbeitsleben oder im sozialen Miteinander stattfindet – eine Reihe von Codes, kulturellen und sozialen Wertvorstellungen mitschwingen, die im Moment des Performens, bewusst oder unbewusst, öffentlich vorgetragen und zur Diskussion gestellt werden. Heute wird der Begriff Performance ja fast schon inflationär für verschiedenste Lebensbereiche gebraucht. Wir wollen die verschiedenen Facetten abbilden und zugleich kritisch hinterfragen, was eine solche Durchdringung von Kunst und Gesellschaft durch das Performative eigentlich bedeutet.

Die insgesamt 43 künstlerischen Positionen geben hier sehr unterschiedliche Impulse, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Während KünstlerInnen wie Lucy Pawlak, Stefan Panhans oder Lina Sieckmann & Miriam Gossing sich mit den Handlungsvorgaben der digitalen Welten, die uns umgeben, beschäftigen, steht in den Werken von Randa Maroufi, Louis Henderson, Jasmina Cibic oder auch Philip Widmann der Begriff Performance eher stellvertretend für kulturell motivierte Handlungsmuster und die Ausgrenzung oder Stigmatisierung des einen gegenüber des anderen.

Aber auch in unserem Arbeitsalltag werden wir immer mehr zu Performern, die ihre individuelle Selbsterfüllung im Beruf finden sollen, wie Ale Bachlechner in ihrem Performance-Trailer sehr schön darstellt; Moira Zoitl zeigt uns dann die andere Seite der Medaille. Die Formate sind dabei so unterschiedlich wie die Inhalte der Arbeiten und reichen von experimentellen Dokumentationen und Kurzfilmen, tänzerischen Choreografien im Raum, 3D Installationen und Videoskulptur bis hin zu Animationen und Live-Performances“, sagt Tasja Langenbach, Künstlerische Leiterin der VIDEONALE.16.

KünstlerInnen der VIDEONALE.16

Maria Antelman, Ale Bachlechner, Miriam Bajtala, Cooper Battersby & Emily Vey Duke, Jasmin Bigler & Nicole Weibel, Jared Buckhiester & Dani Leventhal, Jasmina Cibic, Yao Cong, Anita Delaney, An Van Dienderen, Jan Dietvorst & Roy Villevoye, Lisa Domin, Doplgenger, Teboho Edkins, Lotte Meret Effinger, Kevin Jerome Everson, Alex Gerbaulet, Miriam Gossing & Lina Sieckmann, Max Grau, Shadi Harouni, Louis Henderson, Vika Kirchenbauer, Sabrina Labis, Alwin Lay, Erik Levine, Randa Maroufi, Jennifer Mattes, Stefan Panhans, Lucy Pawlak, Benjamin Ramírez Pérez, Stefan Ramírez Pérez, Rachel Rampleman, Steve Reinke, Michael Robinson, Julia Scher, Sanaz Sohrabi, Moritz Uebele, Anna Vasof, Roy Villevoye, Philip Widmann, Susanne Wiegner, Felix Zilles-Perels, Moira Zoitl


Preis der fluentum Collection VIDEONALE.16

Zur Eröffnung der VIDEONALE.16 am 16. Februar 2017 wird eine herausragende künstlerische Arbeit aus den für die Ausstellung ausgewählten Arbeiten mit dem mit 5.000 Euro dotierten Videonale Preis der fluentum Collection ausgezeichnet. Die fluentum Collection ist eine private Sammlung zeitbasierter Medienkunst mit Sitz in Berlin, die seit einigen Jahren auch künstlerische Werke koproduziert. Vor diesem Hintergrund finanziert die fluentum Collection in diesem Jahr zum ersten Mal den Videonale Preis und möchte damit die/den ausgezeichnete/n KünstlerIn bei der Produktion neuer Arbeiten unterstützen.


Jury VIDEONALE.16

Alexander Basile (Künstler, Köln), Dr. Julia Draganovic (Direktorin Kunsthalle Osnabrück), Katrin Mundt (Freie Kuratorin, Bochum), Tasja Langenbach (Künstlerische Leitung Videonale), Tobias Yves Zintel (Künstler, Berlin/Köln), Nicole Yip (Direktorin, LUX Scotland)


VIDEONALE.16 Festival und VIDEONALE.Parcours

Die Ausstellung zur VIDEONALE.16 wird begleitet durch ein umfangreiches Festivalprogramm mit Künstlergesprächen, Performances, Diskussionsrunden, Retrospektiven, Führungen, Workshops und Vermittlungsprogrammen. Zum dritten Mal findet darüber hinaus der VIDEONALE.Parcours an verschiedenen Orte in der Stadt Bonn statt (18.2.-12.3.2017, Eröffnung: 17.2.2017) – in diesem Jahr mit Werken von Studierenden der Hochschule für Bildende Künste Hamburg, der Hochschule für Gestaltung Offenbach und der Kunsthochschule für Medien Köln.
Der VIDEONALE.Parcours wird kuratiert von Lisa Bosbach und Sonja Wunderlich.

Die Ausstellungen – VIDEONALE.16 und VIDEONALE.Parcours – sowie die Sonderprojekte und das Festivalprogramm werden im Katalog zur VIDEONALE.16 dokumentiert.


Ausstellungsarchitektur VIDEONALE.16
Wie in den vergangenen Jahren findet die VIDEONALE.16 in den Wechselausstellungsräumen des Kunstmuseum Bonn statt. Die Ausstellungsarchitektur wird gestaltet von Ruth M. Lorenz maaskant Berlin, Architektin und Ausstellungsdesignerin. Sie realisierte Ausstellungsarchitekturen u.a. für Stedelijk Museum Amsterdam, Akademie der Künste Berlin, Haus der Kulturen der Welt Berlin, ZKM Karlsruhe und HMKV am Dortmunder U.
Die dortige Ausstellung "Sounds like Silence" erhielt den AICA-Kritikerpreis.
maaskant.de


Termine VIDEONALE.16:

Pressekonferenz: Mittwoch, 15. Februar 2017, 11.30 Uhr

Preview: Donnerstag, 16. Februar 2017, 18.00 Uhr

Eröffnung und Verleihung des Videonale Preises der fluentum Collection: Donnerstag, 16. Februar 2017, 20 Uhr

Festivalprogramm: Freitag, 17. Februar - Sonntag, 19. Februar 2017 sowie Veranstaltungen während der gesamten Laufzeit der Ausstellung

VIDEONALE.Parcours an verschiedenen Orten in der Bonner Nordstadt:
Freitag, 18. Februar - Sonntag,12. März 2017
Eröffnung: Donnerstag, 17. Februar 2017

Die Videonale wurde 1984 von einer Gruppe von Bonner Studierenden gegründet und ist eines der ältesten Videokunstfestivals der Welt. In ihrer 30-jährigen Geschichte hat sich die Videonale zu einem der wichtigsten und renommiertesten Festivals für Videokunst in Deutschland und Europa entwickelt. Seit 2004 hat der Videonale e.V. seinen Sitz im Kunstmuseum Bonn, wo seitdem auch die Ausstellung der Videonale stattfindet. In ihrem Festivalprogramm bezieht die Videonale verschiedene Orte in Bonn mit ein.

Der Videonale Preis wird unterstützt von / the Videonale Award is supported by:
Fluentum collection

Kooperationspartner / Cooperations:
Akademie der Bildenden Künste Hamburg, Kunstmuseum Bonn, BaseCamp Young Hostel Bonn, Bonner Kunstverein, DAS ESSZIMMER, Fabrik 45, Gesellschaft für Kunst und Gestaltung, Hochschule für Gestaltung Offenbach, IBIS Hotel Bonn, Ivo Wessel Berlin, Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln, Kunsthochschule für Medien, Künstlerforum, medienwerk.nrw, SK Stiftung Kultur, Schaumburg, St. Helena Dialograum, S. Y. L . A. N T E N H E I M

Kontakt:
VIDEONALE e.V.
im Kunstmuseum Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 2
53113 Bonn

videonale.org


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