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B3 Biennale

VG Stipendium 2017 geht an Annika Kahrs

Stiftung Vordemberge-Gildewart

März 2017 | Kestner Gesellschaft
Eingabedatum: 06.03.2017

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Am 4.3.2017 wurde die diesjährige Preisträgerin des »VG Stipendiums«, gekürt: Annika Kahrs (*1984 in Achim, lebt und arbeitet in Hamburg) überzeugte die internationale Jury mit ihrer Videoarbeit »Sea-Pool« (2016) sowie drei Zeichnungen (2015), die mit Seemännern in Bremerhaven entstanden sind. Das VG Stipendium ist mit dem Preisgeld von 60.000 CHF eine der höchstdotierten Auszeichnungen für europäische Nachwuchsförderung.

Nominiert waren zwölf Künstlerinnen und Künstler unter 35 Jahren aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Fotografie, Installation, Performance und Videokunst. Die Nominierten haben alle einen regionalen Bezug zu Norddeutschland und sind überwiegend Absolventen der Kunsthochschulen in Braunschweig, Bremen und Hamburg. Dieses Jahr ist die Kestner Gesellschaft einmaliger Austragungsort der Preisvergabe und der damit verbundenen Gruppenausstellung »VG Stipendium 2017«, die vom 11. März bis 7. Mai 2017 zu sehen ist.

Die Jury, bestehend aus einem Team aus 10 Kuratoren, Kunsthistorikern und Künstlern, begründete ihre Wahl wie folgt:

»Annika Kahrs zeigt in der Stipendiumsausstellung die Videoarbeit »Sea-Pool« von 2016 sowie drei Zeichnungen, die in Kooperation mit Seeleuten entstanden sind. Die Seefahrer, die sie im Seemannsclub in Bremerhaven getroffen hat, schildern anhand der skizzenhaften Zeichnungen ihre privaten Wohnsituationen. Dabei geht es um Erinnerungen, Emotionen und um Wunschträume, die mit der fernen Heimat verbunden sind. Es bleibt im Ungewissen, inwiefern die Skizzen Realitäten oder Imaginationen festhalten. Ihrem Gedanken folgend, schlüpft die Künstlerin in die Rolle der Regisseurin, die das Gegenüber zum Mitspielen anregt und sich auf einen ergebnisoffenen Dialog einlässt. Die Unmittelbarkeit und Unperfektheit der Zeichnungen transportieren einen speziellen Reiz und lassen uns die Begegnungen ein Stück weit nacherleben.

Die Videoarbeit ist ebenfalls in der Welt der Schifffahrt verortet. Drehort ist die Weser-Fähre, die Dauer des Films entspricht der Fahrzeit zum anderen Flussufer. Im Fokus steht ein Billardtisch, den die Künstlerin formal – in der Komposition fast malerisch – austariert. Fast schmerzlich sind die Betrachtenden gehalten, die Geduld zu bewahren, und darauf zu warten, dass sich im Bild etwas ereignet.

Die auf dem Tisch ausgelegten Kugeln beginnen sich langsam in verschiedene Richtungen zu bewegen, unvermittelt durchquert ein Auto oder dann der Schaffner das Bildfeld. Die Kugeln bewegen sich wie von Geisterhand, die Spieler fehlen. Dadurch lotet Annika Kahrs die Qualitäten der filmischen Möglichkeiten aus. Sie spielt mit Suspence und lässt gleichzeitig den Zufall und die von ihr nicht beeinflussbaren Bewegungen des Schiffes auf dem Wasser zu Ko-Regisseuren werden.

Die Jury würdigt die räumliche Umsetzung der Videoinstallation und das starke Zusammenspiel der beiden Arbeiten. Die formale Reduktion und Konzentration führt zu einer pointierten Aussage. Gleichzeitig fasziniert ein leichtes Mysterium, ein Hauch von Unerklärlichkeit, welche die Arbeit durchdringen.«

Annika Kahrs studierte von 2005 bis 2012 an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Harun Farocki und an der Freien Akademie der Künste in Hamburg. Sie wurde bereits mit verschiedenen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, unter anderem mit dem Aufenthaltsstipendium der Cité Internationale des Arts, Paris (2015/16), dem Bremerhaven-Stipendium (2014) und dem George Maciunas Förderpreis (2012). Kahrs Arbeiten waren bereits in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen, darunter in der Hamburger Kunsthalle (2016), bei der 5. Biennale für zeitgenössische Kunst in Thessaloniki, Griechenland (2015), im Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin (2015) und in der Peter Amby Galerie, Kopenhagen, Dänemark (2014).

Die schweizerische Stiftung Vordemberge-Gildewart hat es sich seit ihrer Gründung 1977 zum Ziel gesetzt, den Nachlass des Künstlers Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899 bis 1962) zu betreuen und in seinem Sinne jungen Künstlerinnen und Künstlern durch Vergabe von Stipendien den Weg ihrer künstlerischen Karrieren zu ebnen. Die Förderung regionaler Kunstszenen ist ein zentrales Anliegen der Stiftung, deren Gründung auf die Initiative von Ilse Leda Vordemberge (1906 bis 1981) zurückgeht.

Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung »VG Stipendium 2017«: Katja Aufleger (*1983 Oldenburg) | Malte Bartsch (*1984 Braunschweig) | Feminist Land Art Retreat | Gerrit Frohne-Brinkmann (*1990 Friesoythe) | Toulu Hassani (*1984 Ahwaz, Iran) | Verena Issel (*1982 München) | Delia Jürgens (*1986 Hannover) | Annika Kahrs (*1984 Achim) | Lucas Odahara (*1989 São Paulo, Brasilien) | Claudia Piepenbrock (*1990 Paderborn) | Max Schaffer (*1985 Santiago de Chile, Chile) | Timur Yüksel (*1986 Ochtrup)

Mitglieder der Jury: Dr. Egon Bruhin, Präsident der Stiftung Vordemberge-Gildewart | Madeleine Schuppli, Vorsitz der Jury | Dr. Linus Bruhin | Prof. Dietrich Helms | David Juda | Isabelle Krieg | Andreas Meier | Dr. Volker Rattemeyer | Dr. Arta Valstar-Verhoff | Dr. Roman Zieglgänsberger

Kestner Gesellschaft
Goseriede 11
30159 Hannover
Germany
Fon + 49 511 70120 - 16
kestnergesellschaft.de

Presse











Daten zu Annika Kahrs:


- 5th Thessaloniki Biennale of Contemporary Art

- art berlin 2017

- Kunstverein Hannover 2015

Weiteres zum Thema: Annika Kahrs



DAZWISCHENTRETEN


DAZWISCHENTRETEN ist ein gemeinsames Ausstellungsprojekt des Künstlerhaus Bremen und des Mariann Steegmann Instituts. Kunst & Gender, Forschungsfeld wohnen+/-ausstellen, Universität Bremen. Das Projekt findet im gesamten Haus statt und bezieht sowohl Ateliers als auch Treppenhäuser und das Gastatelier ein. Beteiligt sind Künstler_innen, die sowohl aktuell im Haus arbeiten, als auch bereits zu Gast im Haus waren oder die in anderen Städten und Ländern leben und tätig sind.

Im Dazwischentreten, im Eintreten, Hinein- und Hinausgehen geschieht eine hauseingreifende Unterbrechung, die mit der Ausstellung einen Denkraum eröffnen will, mit dem die Bedingungen von Kunsttun und -sehen untersucht werden. Ausgehend von der Geschichte und der Funktion des Künstlerhauses als programmatischer und tradierter Schauplatz für künstlerische Produktion, bringt das Projekt künstlerische Positionen zusammen, die in ihren Werken aktuelle Produktionsbedingungen der Kunst reflektieren. Das Künstlerhaus wird somit für die Ausstellung als Versuchsanordnung begriffen: Indem die eingeladenen Künstler_innen seine Räumlichkeiten erforschen und beobachten werden die Grenzen und Überblendungen zwischen Arbeits- und Ausstellungsraum zur Diskussion gestellt.

Während der Eröffnung und der gesamten Laufzeit der Ausstellung werden Biba Bell, Annika Kahrs & Gerrit Frohne-Brinkmann, Daniela Reina Téllez und Noriko Yamamoto ihr Arbeiten sichtbar machen und fortentwickeln. An den Samstagen werden sie insbesondere präsent sein.

In der Galerie des Künstlerhaus Bremen ist die Ausstellung von Sidsel Meineche Hansen ONE-self zu den gewohnten Besucherzeiten geöffnet: Mi - So, 14 - 19 Uhr.

Mit: Biba Bell, Jeanne Faust, Kornelia Hoffmann, Annika Kahrs & Gerrit Frohne-Brinkmann, Franziska Keller, LIFE SPORT, Lucas Odahara, Daniela Reina Téllez, Matthias Ruthenberg, Watanee Siripattananuntakul, Mia Unverzagt, Doris Weinberger und Noriko Yamamoto.

Opening: Friday, 5th of June 2015, 7:00 pm
Duration of exhibition: 6th of June - 10th of July 2015

With: Biba Bell, Jeanne Faust, Kornelia Hoffmann, Annika Kahrs & Gerrit Frohne-Brinkmann, Franziska Keller, LIFE SPORT, Lucas Odahara, Daniela Reina Téllez, Matthias Ruthenberg, Watanee Siripattananuntakul, Mia Unverzagt, Doris Weinberger und Noriko Yamamoto.

DAZWISCHENTRETEN is an exhibition project organized jointly by the Künstlerhaus Bremen and by the Mariann Steegmann Institut. Kunst & Gender, Forschungsfeld wohnen+/-ausstellen, University of Bremen. The exhibition not only takes place in the individual artist studios but also in passageways, staircases and the guest studio. The participating artists presently have their studios in the Künstlerhaus, have earlier been guests there or live and work in other cities and countries.

Intruding, going inside, entering and departing provoke a house-invasive intervention that exposes the Künstlerhaus Bremen as a programmatic and traditional venue of artistic production, arranged and formed around its studios. The project aims at drafting a space of reflection that investigates the conditions of how we make and view art. Thereby the house is comprehended as a test assembly: Through inclusion and exclusion, standing still or passing through the spaces, a ‘house working’ will be explored and observed at threshold situations that put the boundaries between working space and exhibition space up for discussion.

With the opening and throughout the duration of the exhibition Biba Bell, Annika Kahrs & Gerrit Frohne-Brinkmann, Daniela Reina Téllez und Noriko Yamamoto will develop their works and make them visible. They will be present especially on saturdays. For more dates and the program: please click here. Please note the special opening hours from Friday till Sunday, 2:00 pm - 7:00 pm.

The exhibition is curated by:
Fanny Gonella, Artistic Director, Künstlerhaus Bremen; Christian Heinz, Graphic Designer, bueroheinz; Dr. Kathrin Heinz, Director, Mariann Steegmann Institut. Kunst & Gender, Forschungsfeld wohnen +/- ausstellen; Mona Schieren, Art Historian, Hochschule für Künste Bremen

The exhibition by Sidsel Meineche Hansen ONE-self in the main gallery will be open according to the normal opening hours: Wed - Sun, 2:00 p.m. - 7:00 p.m.

Künstlerhaus Bremen /
Am Deich 68/69 /
28199 Bremen

kuenstlerhausbremen.de

Besser Scheitern


„Alles seit je. Nie was anderes. Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern“

Diese berühmt gewordenen Zeilen schrieb der irische Schriftsteller Samuel Beckett im Jahr 1983. Sie dienen den Internationalen Tagen Ingelheim 2016 als Inspiration und Leitmotiv bei einem ungewöhnlichen Ausstellungsvorhaben: Im Außenraum, an öffentlich zugänglichen Orten wie Bahnhöfen, Ämtern, Schulen, Einkaufspassagen und Geschäften sind Videos und Großfotos von 14 internationalen Künstlerinnen und Künstlern aus den 1970er Jahren bis heute zu entdecken. Sie gehen dem Phänomen des Scheiterns in vielfältiger Weise nach: spielerisch, lustvoll, tragisch, komisch, trauernd, überraschend.

Für Versagen, Fehlschläge und Niederlagen bleibt in unserer heutigen Erfolgsgesellschaft wenig Raum. Leistung, Effizienz und Fortschritt sind gefragt. Kein Wunder, dass der amerikanische Soziologe Richard Sennett das Scheitern einmal als das große Tabu der Moderne bezeichnet hat. In den letzten Jahren hat das Thema in Kultur und Journalismus verstärkt Aufmerksamkeit erfahren: Die Hamburger Kunsthalle präsentierte 2013 erstmals das von Brigitte Kölle kuratierte Ausstellungsprojekt „Besser scheitern“ und Magazine wie brand eins oder Der Spiegel publizierten Schwerpunkthefte zum Thema. Die Internationalen Tage Ingelheim gehen nun in der von Brigitte Kölle konzipierten Schau einen Schritt weiter und implementieren Kunst im Außenraum der Stadt Ingelheim an alltäglichen Orten, an denen man internationale Gegenwartskunst nicht unbedingt erwartet. Die enge Korrespondenz von Stadtraum und Kunst überrascht, irritiert und hält so manche Entdeckung bereit – sowohl für die Einwohner Ingelheims als auch für Kenner zeitgenössischer Kunst.

Das Scheitern ist eine Erfahrung, die wir alle machen und doch als eine ureigene empfinden. Wir erleben das Scheitern trotz zunehmender gesellschaftlicher Enttabuisierung als ein persönliches Versagen, als einen schmerzhaften Bruch mit Erwartungen, als einen Moment der Scham zwischen Erkenntnis und Verzweiflung. Doch bedeutet Scheitern zwangsläufig Endstation? Es liegt gerade in der Paradoxie des Scheiterns, dass Zusammenbruch und Neubeginn, Resignation und Hoffnung zusammenfallen. So kann sich aus der scheinbaren Niederlage auch etwas ungeahnt Neues, Anderes entwickeln.

In der Kunst ist das Scheitern als nötiges Wagnis, als Form des Experiments, schon immer eng mit dem künstlerischen Schaffensprozess verbunden gewesen. Das Scheitern in der Kunst impliziert, dass das gesicherte und vertraute Terrain verlassen und Außergewöhnliches gewagt wurde. Der Schriftsteller Wilhelm Genazino hat Künstlerinnen und Künstler treffend als „Vorturner des Scheiterns“ bezeichnet. Die mutige und oftmals humorvolle Beschäftigung mit dem Unvermögen und das sich in der permanenten Wiederholung artikulierende Abarbeiten an den Absurditäten des Lebens sind in der Kunst von zentraler Bedeutung. Die Erfahrung des
Scheiterns erweist sich als eine grundsätzliche Fragestellung der Kunst – wie auch des Lebens.

Beteiligt sind 14 internationale Künstlerinnen und Künstler, u.a. Marina Abramovic, Bas Jan Ader, John Baldessari, Thorsten Brinkmann, Fischli & Weiss, Annika Kahrs, Jochen Kuhn und Christoph Schlingensief.


Besser Scheitern
18. Juni – 14. Juli 2016
55218 Ingelheim am Rhein
besser-scheitern.de


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