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B3 Biennale

Horst-Janssen-Grafikpreis geht an Tobias Dostal

April 2017
Eingabedatum: 04.04.2017

bilder

Der Künstler Tobias Dostal wird mit dem 6. Horst-Janssen-Grafikpreis der Claus Hüppe-Stiftung ausgezeichnet. Das hat die fünfköpfige Jury - bestehend aus Dr. Nicole Deufel (Leiterin der Museen, Sammlungen und Kunsthäuser der Stadt Oldenburg), Dirk Dobke (Leiter der Griffelkunst­vereinigung Hamburg), Prof. Dr. Wulf Herzogenrath (Akademie der Künste Berlin), Dr. Jutta Moster-Hoos (Leiterin des Horst-Janssen-Museums) und Rik Reinking (freier Kurator und Sammler aus Hamburg) - bei ihrer Sitzung am 3. April 2017 im Horst-Janssen-Museum entschieden. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und mit einer Publikation sowie mit einer Einzelausstellung verbunden, die am 21. Oktober 2017 im Horst-Janssen-Museum eröffnet wird.

Begründung der Jury
Tobias Dostal verbindet in seiner Kunst Zeichnung, Film und Installation auf eine einzigartige Weise. Vor allem die filmische Dokumentation von flüchtigen Motiven, die mit Wasser auf Steine gezeichnet wurden, entwickelt eine besondere Magie. Sie ist technisch ausgeklügelt und in ihrer Wirkung zugleich poetisch.

Über den Preisträger
Tobias Dostal wurde 1982 in Bad Hersfeld geboren. Er lebt und arbeitet in Berlin. Von 2004 bis 2011 studierte er freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. 2012 war er Meister­schüler bei Thomas Virnich. Dostal wurde 2013 mit dem New York-Stipendium der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und des Landes Niedersachsen ausgezeichnet. Er hat bereits Einzelausstellungen im Kunstverein Buchholz/Nordheide, im Kunstraum 53 (Hildesheim) und in der Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund (Berlin) gezeigt. Dostal wurde von Jorinde Voigt (Akademie der Bildenden Künste München) für den Horst-Janssen-Grafikpreis vorgeschlagen.

Über den Grafikpreis
Der Horst-Janssen-Grafikpreis wird alle drei Jahre von der Claus Hüppe-Stiftung für eine künstlerische Position vergeben, die durch innovative Arbeitsweise auffällt. Neben Zeichnung und klassischen Druckgrafiken werden auch digitale Drucke und andere Vervielfältigungstechniken auf Papier zugelassen. Acht Hochschuldozentinnen und -dozenten schlagen junge Kunstschaffenden vor, deren Arbeit ihnen aufgefallen ist. Aus diesem Personenkreis wählt eine fünfköpfige Jury die Preisträgerin/den Preisträger anhand von aktuellen Arbeiten aus. 2017 waren insgesamt acht Künstlerinnen und Künstler nominiert.

horst-janssen-museum.de/

Presse











Daten zu Tobias Dostal:


- abc 2015

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TOBIAS DOSTAL: LED The Sunshine


Tobias Dostals Faszination für die Illusionsmaschine Kino wurde bereits während seines Studiums deutlich. Mit fantastischen Projektionsmaschinen, humorvollen Trickfilmen und salonreifen Daumenkinos bezaubert er das Publikum. Vielfach nutzt er mechanische und analoge Techniken, um die Bilder das Laufen zu lehren. Ein wichtiger Bezugspunkt für seine Arbeit liegt in den frühen Kinoexperimenten an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Als Jahrmarktattraktionen oder Teil der beliebten Vaudeville-Shows waren Filmvorführungen damals vor allem auf überraschende visuelle Effekte zur Unterhaltung eines breiten Publikums ausgerichtet. Sinnliche Freude am Bild, Tricks und eher kurze Handlungselemente standen im Vordergrund. Tobais Dostal, der auch als Zauberkünstler Karriere macht, liebt gerade dieses Spiel mit der Illusion und den direkten Kontakt zum Publikum.
Einen weiteren wichtigen Bezugsrahmen stellt das „Expanded Cinema“ der 1960er und 1970er Jahre dar. Die dem „Expanded Cinema“ zugerechneten Künstlerinnen und Künstler revoltierten unter anderem gegen die Ausrichtung des Publikums auf die zentrale Kinoleinwand und die Projektion aus dem Off. Sie experimentierten mit Mehrfachprojektionen, wechselnden Projektionsflächen und erklärten den Projektor zum Bestandteil eines neuen, erweiterten filmischen Raums. Dieser Tradition verpflichtet, machen heute Künstlerinnen und Künstler wie Rosa Barba und Wolfgang Plöger filmische Apparaturen oder Filmstreifen zum Gegenstand ihrer Arbeiten und bezeugen die ungebrochene Aktualität, die gerade der Aufführungspraxis des Mediums Film in der aktuellen Kunstproduktion zukommt.

Mit LED The Sunshine erschafft Tobias Dostal einen durchgängigen filmischen Raum, in welchem er die Besucherinnen und Besucher buchstäblich in die Lichtspiele verwickelt. So wird bei Shadow (2012) das Bild sichtbar, sobald sich Körper als Projektionsflächen zur Verfügung stellen. Blockbuster (2014) will ebenfalls durchschritten sein, um die durch LED beleuchteten Filmstreifen zu sehen. Voyage avec néné (2014), eine Hommage an den Filmpionier Georges Méliès (1861–1938) und seinen Film Le voyage dans la Lune (1902), besteht aus 18 Stativen mit jeweils drei Einzelbildprojektoren, die in unterschiedlicher Taktung die Bilder aus verschiedenen Richtungen projizieren. Satellit (2014) dagegen schwebt als Apparatur von der Decke, die bereits den eigenen Projektionsschirm mitbringt. Hier erscheinen handgezeichnete Vexierbilder, die poetisch von der Condition Humaine erzählen und mit einem Augenzwinkern die im Weltall kursierenden, abstrakten Botschaften an extraterrestrische Lebensformen reflektieren.

Dieser Bilderkosmos verdankt sich Tobias Dostals Liebe zum virtuosen Spiel mit der Illusionsmaschinerie der Filmbilder. Der behände Illusionist Tobias Dostal pflegt mit einer poetischen und humorvollen Mischung aus Low- und Hightech den Flirt mit der Nostalgie als zeitgenössische künstlerische Taktik.

Zur Ausstellung erscheint der Katalog Three Dollars plus five Euros von Tobias Dostal.
LED The Sunshine ist die zweite Ausstellung im Rahmen des New York-Stipendiums 2013 der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und des Landes Niedersachsen. Die erste Ausstellung Magischer Anachronismus fand vom 07.- 17.05.2014 in der Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund in Berlin statt.


Kunstverein Langenhagen
Walsroderstr. 91A
D-30851 Langenhagen
kunstverein-langenhagen.de

Tobias Dostal ist der diesjährige Preisträger des Horst-Janssen-Grafikpreises


Tobias Dostal ist der diesjährige Preisträger des Horst-Janssen-Grafikpreises der Claus Hüppe-Stiftung. Der Preis ist mit 20.000 Euro einer der höchstdotierten Kunstpreise in der Sparte Grafik und wird alle drei Jahre verliehen, um neue innovative Positionen im Bereich der Zeichnung und der Grafik vorzustellen. Der 34-jährige Dostal ist der sechste Preisträger in der Geschichte des Horst-Janssen-Grafikpreises und wird am Samstag, 21. Oktober, um 18 Uhr bei der Eröffnung seiner Ausstellung im Horst-Janssen-Museum Oldenburg seine Auszeichnung entgegennehmen. „Tobias Dostal steht für eine junge Generation von Grafikkünstlern, die verschiedene Medien in ihre Arbeit mit einbeziehen. Zeichnung, Film und Installation sind Bestandteile seines Werkes, mit dem er zuletzt auch international für Aufsehen gesorgt hat“, würdigt Oberbürgermeister Jürgen Krogmann den Preisträger.

Dass es dieses Jahr Tobias Dostal geworden ist, auf den sich die Jury (bestehend aus Dr. Nicole Deufel, Dr. Dirk Dobke, Prof. Dr. Wulf Herzogenrath, Dr. Jutta Moster-Hoos und Rik Reinking) verständigt hat, begeistert die Museumsleiterin, Dr. Jutta Moster-Hoos, besonders: „Die Erweiterung der Zeichnung mit Hilfe von eigens gebauten Apparaturen zu filmischen Sequenzen geschieht auf analoge Art und Weise und beschert dem Betrachter nicht nur eine sinnliche Illusion, sondern auch Einblicke in die teilweise archaische Fertigung.“ Indem Dostal beispielsweise auf das Zelluloid malt oder Zeichnungen auf sich drehenden Flächen aufbringt und diese mit Hilfe von Licht und Motoren in Rotation versetzt, entstehen bewegte Bilder. In der Jury-Begründung heißt es zusammenfassend: „Tobias Dostal verbindet in seiner Kunst Zeichnung, Film und Installation auf eine einzigartige Weise. Vor allem die filmische Dokumentation von flüchtigen Motiven […,] entwickelt eine besondere Magie. Sie ist technisch ausgeklügelt und in ihrer Wirkung zugleich poetisch.“

In seiner Ausstellung in Oldenburg zeigt Dostal seine neuesten Tuschezeichnungen und zum ersten Mal Ritzungen auf Acrylglas. Er sägt Silhouetten von Figuren aus und „kratzt“ dann eine Binnenzeichnung in diese Platten. Danach werden sie um eine sich drehende Stange montiert und ergeben im LED-Licht eine kurze Folge von bewegten Bildern: Hier werden kleine, menschliche Figuren von geschickten Zauberer-Händen in die Luft geworfen, um unter einem Hut zu verschwinden; dort verwandeln sich elegante Frauenbeine in die Tentakel von Quallen, die wiederum von einem Fischer genüsslich verspeist werden. Es sind animierte Lichtbilder von wundersamen Verwandlungen und Begegnungen, die sich in einem abgedunkelten Raum im endlosen Loop einer Apparatur immer wieder von neuem ereignen.

Horst-Janssen-Museum Oldenburg
Am Stadtmuseum 4-8
26121 Oldenburg
horst-janssen-museum.de/


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