Galerie oqbo - Michael Bause - Malerei

(Eingabedatum: 19.10.2016)


Ausstellung: Michael Bause | Malerei
8. Oktober 2016 bis 5. November 2016

Bilder der Ausstellung


Zur Ausstellung:

Unruhezonen – Michael Bause bei oqbo | raum für bild wort und ton

Beim Betrachten der neuesten Bilder von Michael Bause, die im Projektraum oqbo zu sehen sind, fällt auf, dass das, was zunächst wie klassische abstrakte Malerei daherkommt aus der Bildfläche heraus mal ins Collagenhafte mal ins Objekthafte kippt.

Die Collage ist ein altbekanntes Sujet in Bauses Arbeiten, mit dem er seit den Neunziger Jahren experimentiert, ohne dabei die Malerei aus den Augen verloren zu haben. In seinen „Istanbuler Blättern“ (1993), die während eines Türkei-Stipendiums entstanden, kombinierte er auf kleinstem Format Einwickelpapiere, Schnittmusterbögen, Fotografien oder Folien, übermalte sie zum Teil und entwickelte so seltsam poetisch wirkende Bildwelten, die mit ihren historischen und zugleich alltäglichen Bezügen den Kosmos der Metropole zu streifen scheinen.

Auf seinen neuesten Arbeiten - zumindest auf den Leinwandarbeiten, die im oberen Ausstellungsraum hängen – entsteht das Collagenhafte jedoch nicht durch das Zusammenwirken malereifremder Materialien, sondern durch die Kombination unterschiedlicher Farbsubstanzen. Michael Bause hält sich an die Malerei selbst. Er kombiniert Acryl- mit Lackfarbe und konfrontiert diese in amorphen, farblich kontrastreich voneinander abgegrenzten Formgebilden. Unregelmäßig stoßen die Formengebilde aneinander, schweben nebeneinander, überlagern sich oder lassen die Farben in Schichtungen ihre Formen entwickeln. Viele von ihnen sind opak in kräftigen Rot-, Braun-, Blau- oder Rosatönen. Manche jedoch sind transparent und bleiben konturlos. Das scheinbar Konkrete verliert sich in der Undefinierbarkeit des Bildraums, nichts lässt sich wirklich verorten. Vielmehr stoßen die Bilder, deren Leinwände auf dicke Holzrahmen aufgezogen sind, objekthaft in den realen Raum vor. Dabei verwandeln sich – je nach Betrachterstandpunkt – die einzelnen Farbflächen in Farbkörper, sie gewinnen an Plastizität und scheinen materielle Eigenwerte entwickeln. Man ist sich nicht sicher, was man sieht. Kontinuierlich entstehen Unruhezonen, sowohl an den Schnittstellen der einzelnen Farbgebilde im Bild als auch dort, wo die Bilder in den realen Raum vordringen.

Im unteren Ausstellungsraum sind Papierarbeiten zu sehen, auf denen Michael Bause seine bildnerische Auseinandersetzung nochmals durch ein anderes Medium durchdekliniert. Das Collagenhafte wird hier jedoch wieder im ursprünglichen Sinne des Klebebildes über die unterschiedlichen Materialien erprobt und bildet eine gute Ergänzung zu den anderen Bildern, auch wenn oder gerade weil das Flirrende, Irritierende und Unruhige besänftigender wirkt.

auf art-in-berlin.de lesen

Zur Galerie

Seit 2008 organisieren die Künstler*innen Michael Bause, Christian Bilger, Frank Eltner, Dirk Lebahn, Seraphina Lenz und Julia Ziegler in Räumen in der Brunnenstraße im Wedding Ausstellungen, das Archiv paperfile, Lesungen, Vorträge, Performances, Filmvorführungen und Konzerte. oqbo kuratiert die Ausstellungen gemeinsam, einzeln oder lädt Kurator*innen von außerhalb ein. Gewachsen sind so zahlreiche Kooperationen mit Instituten, Verlagen, Hochschulen und anderen Projekträumen. Diese kommunikative Montage kunstnaher Disziplinen führt unterschiedliche Szenen im Projektraum zusammen. Dieses Prinzip der Anschauung und Kommunikation greift die wesentliche Idee des Dialogs mit und über Kunst auf und reflektiert damit einen für oqbo elementaren Grundsatz im Umgang mit Kunst.
Unsere Motivation ist es mit paperfile ein Archiv für Arbeiten auf Papier zu etablieren. Bis heute ist es auf 152 Mappen mit Papierarbeiten internationaler und nationaler Künstlerinnen und Künstler gewachsen. paperfile steht für die grundlegende Ausrichtung unserer Arbeit mit dem Projektraum: Durch die sorgfältig ausgewählte Mischung werden verschiedene Kunstauffassungen und Gattungen ästhetisch und diskursiv gegenübergestellt und in neue Zusammenhänge gebracht. Im Papierschrank befinden sich Zeichnungen, Fotografien, digitale Prints, Collagen, Papierarbeiten im weitesten Sinne.


AngebotsNr.:340


Bei Interesse an der Ausstellung bzw. an einzelnen Werken können Sie hier antworten: