Ian Cheng - Forking At Perfection

20.02.–16.05.2016 | Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich
Eingabedatum: 14.02.2016

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In seiner künstlerischen Arbeit untersucht Ian Cheng (*1984, USA) die Wesensart und unterschiedlichen Aspekte von Mutationen und, daran anknüpfend, die Fähigkeit des Menschen, sich äusseren Umständen anzupassen. In einem Referenzsystem aus Videogame-Design, Improvisation und unerbittlichen darwinistischen Selektionsmechanismen entwickelt Cheng sogenannte «Live Simulations»: virtuelle Ökosysteme, die sich – ausgehend von programmierten Grundeigenschaften – eigenständig weiterentwickeln, also von keiner externen Autorität gesteuert oder determiniert werden. In ihrer Gestalt erscheinen Chengs Simulationen oft wie imaginäre Organismen in digitalen Versuchsanlagen. Sie speisen ihr Prinzip jedoch aus der schonungslosen Kausalität der Natur selbst. Daraus resultiert eine Reihe von zufälligen, neuen Verhaltensmustern, die der Künstler nur zu Beginn beeinflusst, jedoch nie vollends kontrollieren kann. Dieser Prozess manifestiert sich in Zustandsformen wie Chaos, Kollaps, Kannibalisierung, Neukombination, Perfektion, Zufall oder Langeweile. Cheng, der Kognitionswissenschaft an der University of California, Berkeley, studierte, begreift seine animierten Echtzeitsimulationen als «neurologische Gymnastik» für den Betrachter: ein Mittel, um das Erfahren der unaufhaltsamen Veränderung sowie Zustände der Verwirrung, Beklemmung und kognitiven Dissonanz zu trainieren. In seiner ersten Einzelausstellung in der Schweiz zeigt Cheng eine neue Arbeit.

Einen zentralen theoretischen Bezugspunkt von Chengs jüngsten Arbeiten bildet das umstrittene Hauptwerk des US-amerikanischen Psychologieprofessors Julian Jaynes (1920–1997). In seinem 1976 publizierten Buch The Origin of Consciousness in the Breakdown of the Bicameral Mind (Deutsch: Der Ursprung des Bewußtseins durch den Zusammenbruch der bikameralen Psyche) entwickelt Jaynes eine Evolutionsgeschichte des menschlichen Bewusstseins. Er verfolgt darin die radikale Hauptthese, dass der Mensch der Vorantike nicht im Besitz eines subjektiven Bewusstseins gewesen war. Unter einem «subjektiven Bewusstsein» versteht Jaynes ein introspektives und reflexives Ich, das seine Handlungen zu kontrollieren und zu steuern vermag. Diese Errungenschaft des Menschen datiert er auf rund 1000 v. Chr. Der «vorbewusste» Mensch hingegen hörte in Stresssituationen halluzinative Stimmen aus der rechten Hirnhälfte, die er mit Göttern assoziierte und deren Handlungsanweisungen er befolgte. Jaynes’ Kernthese basiert auf der neurologischen Annahme einer «bikameralen Psyche» (Zweikammergehirn). Im sogenannten «vorbewussten Entwicklungsstadium» war das menschliche Gehirn mit zwei Sprachzentren ausgestattet: Das linke diente der Alltagssprache – das rechte, das heute funktionslos ist, war Sitz der göttlichen Stimmen. Verantwortlich für diese Umstrukturierung der neuronalen Organisation waren gemäss Jaynes sowohl die soziologischen Veränderungen der Völkerwanderungen als auch die Ausbreitung der Schriftkultur, die zu einer Begegnung mit fremden Kulturen führten. Im Zuge dieser Entwicklungen seien die göttlichen Stimmen allmählich verstummt und an deren Stelle das individuelle Bewusstsein getreten. Relikte der «bikameralen Psyche» finden wir Jaynes’ Theorie zufolge bis in die Gegenwart. Sie manifestieren sich in Phänomenen der Schizophrenie, der Hypnose oder der religiösen Ekstase.

Jaynes’ spekulative Archäologie eröffnet ein alternatives und flexibles Modell der Evolution des menschlichen Bewusstseins. Nach Jaynes unterliegt dieses ähnlich einem Ökosystem multiplen Einwirkungen, die ein grosses, nicht vorhersagbares Spektrum an Verhaltensmustern hervorrufen.

Chengs «Live Simulations» können als Laborsituation verstanden werden, die Jaynes’ Modell der Evolutionsgeschichte aufnehmen. Während die Handlungen des Menschen noch in Homers Ilias von göttlichen Stimmen bestimmt waren, binden die Simulationen den Betrachter in Zeiten von Smartphones, Apps und Big Data in ein Kräftefeld ein, das mannigfache Reaktionen und Handlungen provoziert.

Ian Cheng (*1984, Los Angeles) lebt und arbeitet in New York. Seine Arbeit war in jüngster Zeit in mehreren Einzelausstellungen in europäischen Institutionen zu sehen: Pilar Corrias, London (2015); Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, Turin (2015); Kunsthalle Düsseldorf (2015); Triennale di Milano (2014); Standard, Oslo (2013). Parallel dazu war Cheng in Gruppenausstellungen in der Kunsthalle Düsseldorf (2015), an der Taipei Biennial (2014) und der Lyon Bienniale (2013) vertreten.

Migros Museum für Gegenwartskunst
Limmatstrasse 270
CH–8005 Zürich
migrosmuseum.ch







Daten zu Ian Cheng:

- Liverpool Biennial 2016
- Lyon Biennale 2013
- Taipei Biennial, 2014

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Flatness: Kino nach dem Internet


Das neue Themenprogramm der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen fragt nach der Zukunft des bewegten Bildes in einer Zeit des digitalen Umbruchs. „Flatness: Kino nach dem Internet“, kuratiert von Shama Khanna und ko-kuratiert von drei Künstlern, Anthea Hamilton, Oliver Laric und Ed Atkins, verwandelt den Kinosaal in ein Versuchslabor, in dem Bilder aus der individualisierten Oberfläche des Computermonitors gelöst werden, um Teil der Beziehung zwischen dem Publikum und der Leinwand zu werden. „Flatness“ zeigt Arbeiten, die sich mit der Art, wie wir heute Bilder wahrnehmen und erfahren, auseinandersetzen. In acht Film- und Performance-Programmen – einschließlich einer Reihe von Auftragsarbeiten – sowie einer Diskussion fragt das Programm, ob eine neue Ästhetik möglich ist, die die Sinne anspricht, die in unserer individualisierten, digitalisierten Bildwahrnehmung heute brachliegen.

Während Film und Video einem bestimmten Medium entsprachen, braucht die heutige digitale Bilderflut keinen bestimmten Träger mehr. Gleichzeitig weicht die kollektive Seh-Erfahrung mehr und mehr der individualisierten Erfahrung vor dem eigenen Monitor, der ebenso gut ein Smartphone wie ein Flat Screen-Fernseher sein kann. Bilder sind zu Kulturobjekten geworden, die durch eine ganze Reihe von Schnittstellen zirkulieren. Jeder Zuschauer kann sie neu interpretieren, weiterverbreiten oder auf seinem Smartphone sein eigenes Mini-Filmfestival kuratieren. In anderen Worten, jeder Zuschauer kann zum Urheber werden. Körnige Bilder aktueller Ereignisse, vom Arabischen Frühling bis zum Großbrand in einer brasilianischen Disco, verbreiten sich mit ungeheurer Geschwindigkeit um den Erdball. Gleichzeitig zeigen hyper-reale HD-Bilder die Künstlichkeit, aber auch die digitale Sinnlichkeit dieser neuen Technologien. „Flatness“ untersucht die Geschichte und Gegenwart des ‚Flachen’ im bewegten Bild: Das Bild als (pixelige) flache Oberfläche, die relative Oberflächlichkeit unserer emotionalen Reaktion auf solche Bilder oder die Art, wie Künstler wie Robert Bresson in der Vergangenheit ‚flache’, ausdruckslose Darstellungsformen genutzt haben.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen individualisierter Online-Nutzung und kollektiver Kino-Erfahrung? Und wie arbeiten Künstler mit diesen neuen ästhetischen Eigenschaften? Der Österreicher Oliver Laric nutzt in seinen Arbeiten vorhandenes Material, interpretiert es neu und stellt diese Arbeiten online, damit andere sie weiter bearbeiten und verbreiten können. Der Brite Ed Atkins arbeitet mit HD-Bildern, stört unsere Reaktion auf ihre hyper-reale Sinnlichkeit und Künstlichkeit mit Wortfetzen und (visuellen) Geräuschen. Anthea Hamilton, Großbritannien, untersucht in ihrer „Kabuki“-Reihe von Live Performances Arten des Sehens, indem sie Elemente des hochgradig kodierten japanischen Kabuki-Theaters aufgreift und sie in Zusammenhänge stellt, wo diese Codes unbekannt sind und die Vorführung zur reinen Oberfläche wird. Der österreichische Filmemacher Martin Arnold arbeitet mit Sequenzen aus alten Hollywoodfilmen, in die er Störimpulse wie Wiederholungen, Verzögerungen und Schleifen einbaut und sie so mit neuer Bedeutung auflädt (Pièce Touchée), während Hito Steyerl in Strike einem Flat Screen-Fernseher buchstäblich mit Hammer und Meißel zuleibe rückt.

Künstlerliste:
Eija-Liisa Ahtila (Finnland)
Martin Arnold (Österreich)
Herman Asselberghs (Belgien)
Ian Cheng (USA)
Jason Dungan (Großbritannien)
Adham Faramawy (Großbritannien)
Harun Farocki (Deutschland)
Anthea Hamilton (Großbritannien)
Judith Hopf (Deutschland)
Hiwa K (Irak)
Stanya Kahn (USA)
Maurice Lemaître (Frankreich)
Duncan Marquiss (Großbritannien)
Mattin (Spanien)
Takeshi Murata (USA)1
Pil & Galia Kollectiv (Israel)
Rachel Reupke (Großbritannien)
Magali Reus (Niederlande),
Emily Roysdon (USA)
Ben Russell (USA)
Lindsay Seers (Großbritannien)
Richard Serra/Nancy Holt (USA)
John Smith (Großbritannien)
Hito Steyerl (Österreich)
Mladen Stilinovic (Serbien)
Pilvi Takala (Finnland)
Shuji Terayama (Japan)
Stan VanDer Beek/Kenneth Knowlton (USA)
Jordan Wolfson (USA)
u.a.


Die Kuratorin
Shama Khanna lebt als Kuratorin, Autorin und Gastdozentin in London. Ihre Arbeit umfasst Projekte mit Showroom, der Tate, dem BFI London Film Festival und der LUX / ICA Biennial of Moving Image in London; Iaspis in Umeå, dem Kunstverein München und e-flux, Performa und dem MoMA PS1 in New York. Sie schreibt unter anderem für Frieze, ArtReview und Mousse.

Internationale Kurzfilmtage Oberhausen gGmbH
Grillostr. 34
46045 Oberhausen
Fon +49 (0)208 825-3073
kurzfilmtage.de

12. Lyon Biennale


art-in.de wird in diesem Herbst einen Schwerpunkt auf die Biennale in Lyon setzen. Deshalb informieren wir bereits im Vorfeld über die wichtigsten Ereignisse, die damit im Zusammenhang stehen.

77 Künstler aus 22 Ländern sind bei der Lyon Biennale vertreten, u.a. aus Brasilien, China, Singapur, Südafrika, Island, Deutschland, Frankreich, Australien, Norwegen, den USA und den Bahamas. Von ihren gezeigten Arbeiten werden 80 % speziell für das Festival entwickelt. Thematisch widmet sich die Lyon Biennale dem Storytelling, seiner Suche nach Inhalten, dem Kommunizieren in Geschichten, dem Entwickeln, Teilen und der viralen Verbreitung neuer und neu aufgelegter Erzählungen.

Künstlerliste:
Jonathas de Andrade, Ed Atkins, Trisha Baga, Matthew Barney, Neïl Beloufa, Gerry Bibby, Juliette Bonneviot, Dineo Seshee Bopape, The Bruce High Quality Foundation, Antoine Catala, Xavier Cha, Paul Chan, Ian Cheng, Dan Colen, Petra Cortright, Jason Dodge, Aleksandra Domanovi, David Douard, Mette Edvarsen, Erró, Roe Ethridge, Edward Fornieles, Gabríela Fridriksdottir, Robert Gober, Karl Haendel, Rana Hamadeh, Louise Hervé & Chloe Maillet, Fabrice Hyber, Glenn Kaino, John Kelsey, Jeff Koons, Donna Kukama, Margaret Lee & Michele Abeles, Patricia Lennox-Boyd, Laida Lertxundi, Alice Lescanne & Sonia Derztpolski, Ann Lislegaard, Nate Lowman, MadeIn Company, Václav Magid, Helen Marten, Thiago Martins De Melo, Bjarne Melgaard, Takao Minami, Meloko Mokgosi, Paulo Nazareth, Paulo Nimer Pjota, Yoko Ono, Aude Pariset, Laure Prouvost, Lili Reynaud Dewar, James Richards, Tabor Robak, Alain Robbe-Grillet, Matthew Ronay, Tom Sachs, Georgia Sagri, Hiraki Sawa, Mary Sibande, Alexandre Singh, Sumakshi Singh, Gustavo Speridião, Tavares Strachan, Nobuaki Takekawa, Ryan Trecartin & Lizzie Fitch, Peter Wächtler, Hannah Weinberger, Ming Wong, Helga Wretman, Yang Fudong, Yang Zhengzhong, Anicka Yi, Zhang Ding

Artistic director: Thierry Raspail
Guest curator: Gunnar B. Kvaran

labiennaledelyon.com/


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    Terry Fox (1943 Seattle-2008 Köln) war eine der wegweisenden Künstlerpersönlichkeiten der 1960er und 1970er Jahre und gehört bis heute zu denjenigen, die von Künstlern hoch geschätzt werden, dem breiten Publikum aber kaum bekannt sind. weiter


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    Die Kestner Gesellschaft zeigt vom 4. September bis 13. November 2016 die Ausstellung »Große Spritztour« der deutschen Malerin Monika Baer weiter


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    führenden Vertreter der zeitgenössischen Skulptur. weiter

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    Schwarz (von althochdeutsch swartz `schmutzfarbig´, ursprünglich `im Dunkeln liegend´) wird oft mit negativen Assoziationen und Gefühlen in Verbindung gebracht ... weiter