Jeanette Ingberman und Papo Colo, Gründer von Exit Art

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kunstsammlung

Spezial: In Search of an Exit - Ein Portrait des alternativen Kunstraumes Exit Art, New York


Eingabedatum: 05.10.2011

bilder

Jeanette Ingberman und Papo Colo, Gründer von Exit Art


In den 70er und 80er Jahren wurde New Yorks Kunstszene von einer Entwicklung geprägt, die heute in Geschichtsbüchern als “alternative space movement” romantisiert wird. Verlassene Gebäude wurden von Künstlern eingenommen und als Ausstellungsräume genutzt, die eine Alternative zu etablierten und professionellen Galerien bieten sollten. In diesem Klima künstlerischen Aufbruchs gründeten der Künstler Papo Colo und die Kuratorin Jeanette Ingberman (die im August diesen Jahres an den Folgen einer Leukämieerkrankung verstarb) im Jahre 1982 den Ausstellungsraum Exit Art, der sich bis heute als wichtiges kulturelles Zentrum in Manhattan behauptet. Während viele der ehemals alternativen Räume mittlerweile im kommerziellen Mainstream angelangt sind und sich - wie P.S.1 mit der Verschwisterung zum MoMA - in den Schlepptau etablierter Mega-Museen begeben, hat sich Exit Art seine ideelle Unabhängigkeit bis heute bewahrt.

Auf der Fahne vor dem Gebäude flattert ein roter Adler, geradezu als Zeichen anarchistischer Autonomie. In den verdunkelten Räumen werden übergroße Bilder an die Wand projiziert, die verstörende Szenen zeigen. Es sind Dokumentarfotografien, die sich mit einem Thema beschäftigen, über das heute keiner mehr so richtig reden will: Zeitgenössische Sklaverei. Anhand von Filmreihen und Podiumsdiskussionen soll das Thema ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit gelangen und eine Plattform für kritische Gedanken bieten. Der moralische Zeigefinger richtet sich dabei nicht nur auf Länder wie China, Indien oder Lateinamerika, sondern kritisiert auch die New Yorker Politik zum Thema Prostitution.

Unbequeme Themen waren von Anfang an ein Hauptanliegen des Hauses. Mit Ausstellungen wie “Illegal America” (1982), in der künstlerische Zensur und Illegalität im Zentrum stand, oder “America for Sale” (2009), das die Schuldenspirale des Landes auf zynische Weise beleuchtete, nimmt sich Exit Art Themen an, die in den Elfenbeintürmen der Kunstmetropole ansonsten ausgeblendet werden.

Seit 2000 wurde zudem das Projekt SEA (Social Environmental Aesthetics) ins Leben gerufen, das soziale und ökologische Belange in den Mittelpunkt stellt. Anhand ästhetischer Mittel werden brisante Themen oder Projekte vorgestellt, die sich ansonsten in sperrigen Fachartikeln verstecken. Von den Gefahren des “Hydraulic Fracturing” über die konsumkritische Durchleuchtung der Nahrungsmittelproduktion bis hin zur Vorstellung alternativer, nachhaltiger Business-Modelle werden Fragen aufgeworfen, die in einem Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst zunächst überraschen.

Verena Straub sprach für art-in.de Anfang August dieses Jahres mit dem in Puerto Rico geborenen Künstler und Exit Art-Gründer Papo Colo. Lesen Sie hier/ ihr Interview.

Öffnungszeiten:
Di-Fr: 10-18 Uhr
Mi: 10-19.30 Uhr
Sa: 12-18 Uhr

Exit Art
475 Tenth Ave
New York, NY 10018
exitart.org/

Verena Straub








Weiteres zum Thema: Exit Art



Spezial: Interview mit Exit Art-Gründer Papo Colo


Papo Colo


Während in New York viele der ehemals alternativen Räume mittlerweile im kommerziellen Mainstream angelangt sind und sich in den Schlepptau etablierter Mega-Museen begeben, hat sich Exit Art seine ideelle Unabhängigkeit bis heute bewahrt.
Verena Straub sprach mit Papo Colo:

VS: Welche Art von “Exit” wollen Sie mit Exit Art erreichen? Woraus soll ausgebrochen werden?

PC: “Mir ist irgendwann aufgefallen, dass die Kunstwelt grundsätzlich aus zwei verschiedenen Klassen besteht. Zum einen gibt es den großen Mainstream, der - vereinfacht gesagt - weiß und rassistisch ist. Und natürlich wollten wir nicht so sein wie die. Zum anderen gibt es die kleine Gruppe, die sich der Minderheiten, der Latinokünstler und Schwarzen annimmt. Exit Art versteht sich als “Exit” aus beiden Welten. Ich wollte stattdessen einen hybriden Raum schaffen, in dem alle Nationalitäten verschmelzen. Gewissermaßen als Portrait der amerikanischen Kultur im breitesten Sinne, von Kanada bis Argentinien. Also, warum keinen “Exit” schaffen, der zugleich einen Eingang in etwas Neues bietet?”

VS: Ist “Exit Art” in diesem Sinne auch der Versuch, aus bestimmten Machtstrukturen innerhalb der Kunstwelt auszubrechen?

PC: “Ja, genau. Die Realität ist ja, dass sich nur mächtige Länder eine Kunstwelt überhaupt leisten können. Eine offizielle Kunstwelt in Guatemala existiert nicht. Die wirklich reichen Länder kontrollieren die Kunstwelt und machen ein Geschäft mit ihr. Die Kunstwelt ist eine Form der Kolonialisierung der Reichen.”

VS: Und inwiefern kann man da überhaupt Auswege finden?

PC: “Indem die Ausstellungen eine Bestimmung, eine Zielsetzung haben. Und zwar nicht nur eine rein ästhetische, sondern auch eine soziale und ökologische. Dadurch erhält Kunst mehr Bedeutung, als lediglich die Egos der Reichen zu erfüllen.”

VS: Sie selbst machen seit den 70er Jahren Performances, die politisch motiviert sind. Inwiefern ist Kunst heutzutage politisch?

PC: “Kunst ist immer politisch. Manche Kunstwerke addressieren politische Themen natürlich offensichtlicher als andere, aber jedes Kunstwerk ist in irgendeiner Form “politisch”. Selbst der Umgang mit Kunst ist politisch. Wenn ein Unternehmer, der reich geworden ist, Kunst kauft, um einen sozialen Status zu erlangen und seine Kultiviertheit unter Beweis zu stellen, dann ist das auch ein politischer Akt. Heute ist Kunst oft Unterhaltung und Investment für die Reichen.
Dem will Exit Art entgegenwirken. Der Wert von Kultur und der Wert der Kunst in unserer Gesellschaft muss neu befragt werden.”

VS: Mit Ihren Ausstellungen und Veranstaltungen greifen Sie immer wieder Themen auf, die in den öffentlichen Medien unterrepräsentiert sind. Glauben Sie, dass Kunsträume wie Exit Art die letzten öffentlichen Orte in unserer Gesellschaft sind, an denen wirklich radikale Gedanken formuliert werden und frei diskutiert werden kann?

PC: “Ich hoffe, es gibt mehr Menschen und mehr Orte wie diesen. Uns ist es wichtig, ständig am Puls der Zeit zu bleiben, unser Wissen zu erweitern und neue Ideen zu entwickeln. Mit unserem SEA (Social Environmental Aesthetics) Programm machen wir verstärkt auf Probleme unserer Umwelt aufmerksam. Dabei geht es uns nicht nur um die Kunstwelt. Die Kunstwelt ist ja lediglich ein kleiner Teil unserer Kultur.”

VS: Dieses Jahr werden Sie mit Exit Art an der Fashion Week teilnehmen und etliche Shows in den Räumlichkeiten beherbergen. Sehen Sie keinen Widerspruch zwischen der eher oberflächlichen Modewelt und dem, wofür Exit Art sonst steht?

PC: “Nein, denn auch die Mode ist ein wichtiger Teil der Kultur dieser Stadt. Und wir wollen die Kultur New York Citys in allen Facetten widerspiegeln. Also warum sollten wir diesen Teil der Kultur diskriminieren, nur weil Leute damit Geld machen können? Exit Art will sich nicht links oder rechts positionieren. Während die Rechten arrogant sind, ist die Linke häufig dumm. Ich versuche, in der Mitte zu sein und eine Art Balance herzustellen. Eigentlich ist auch das wieder ein “Exit”: aus etablierten Boxen und vorgegebenen Denkmustern.”

Zu der Konzeption und den Ausstellungen in Exit Art, siehe auch: Besprechung/

Exit Art
475 Tenth Ave
New York, NY 10018

Öffnungszeiten:
Di-Fr: 10-18 Uhr
Mi: 10-19.30 Uhr
Sa: 12-18 Uhr

exitart.org/