Christian Kaspar Schwarm erhält den ART COLOGNE-Preis-2019

März 2019
Eingabedatum: 07.03.2019

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Christian Kaspar Schwarm, Courtesy Art Colognebilder

Mit dem ART COLOGNE-Preis wird in diesem Jahr eine Persönlichkeit geehrt, der es gelang, eine internationale Community von Sammlerinnen und Sammlern zeitgenössischer Kunst zu vernetzen. Christian Kaspar Schwarm gründete 2008 in Berlin mit einigen Partnern die rein durch Sponsoring finanzierte Online-Plattform Independent Collectors, die sich seither kontinuierlich weiter entwickelt hat und für alle Kunstinteressierten kostenfrei zugänglich ist. Schwarm steht stellvertretend für fast 7.000 internationale Sammler aus über 100 Ländern, die mit ihrer Leidenschaft für eine vitale Kunstszene unverzichtbar sind.

Der Sohn einer Rheinländerin und eines Bayern, die in Ulm gemeinsam eine Handelsagentur für Lebensmittel betrieben, wurde 1972 geboren – einige Jahre nachdem die legendäre Hochschule für Gestaltung dort schließen musste. Das innovative Klima, dass die ehemaligen Bauhauskünstler nach ihrem Exil in der Stadt hinterließen, war prägend für Christian Kaspar Schwarm, der sich 1992 für ein Studium der Gesellschaftswissenschaften entschied. Heute arbeitet er hauptberuflich als selbständiger und kreativer Strategieberater an der zukünftigen Ausrichtung mittelständischer und großer Unternehmen.

Zündender Funke für Christian Kaspar Schwarm war ein Besuch der spektakulären Ausstellung „Sensation“ im Jahr 1997 in der Londoner Royal Academy. Sie katapultierte die Young British Artists ins Licht der Öffentlichkeit und stieß eine bis heute anhaltende Debatte über die Bedeutung der privaten Sammler im Kunstbetrieb an. Als „positives Schockerlebnis“ löste die Show bei Schwarm eine intensive Beschäftigung mit zeitgenössischer Kunst aus – mit Ausstellungsbesuchen, Gesprächen mit Kunstschaffenden und viel Lektüre.

Die Begegnung mit dem Fotografen, Sammler und Kurator Wilhelm Schürmann im Jahr 2007 hatte nachhaltig Wirkung. Er ermutigte Schwarm, dessen gerade erst begonnene Kunstsammlung „radikal persönlich“ zu gestalten. Schürmann unterstützte ihn zudem bei der ebenso innovativen wie ambitionierten Idee, ein virtuelles, globales Forum für Sammlerinnen und Sammler zeitgenössischer Kunst ins Leben zu rufen. Eine Plattform für den Diskurs, zur Information und für den Erfahrungsaustausch – keine „Trophy-Show“. Im Juni 2008 ging Independent Collectors an den Start – mit unterschiedlichsten Mitgliedern: von internationalen Top-Sammlern bis hin zu Enthusiasten, die gerade erst damit begannen, Kunst in ihr tägliches Leben zu integrieren.

„Das Bild vom Sammler als konkurrenzorientierter und geheimnisumwitterter Einzelgänger ist antiquiert“, so Schwarm. Das anfängliche Konzept einer geschützten Online-Community – nutzbar ausschließlich für registrierte Sammler-Mitglieder – hat sich über die Zeit mehr und mehr geöffnet und ist heute schrankenlos frei zugänglich. Die künftige Aufgabe seiner Plattform sieht Schwarm inzwischen darin, „ein höchst lebendiges Archiv zu werden, für die vielfältigen Aktivitäten der besten privaten Kunstsammlungen der Welt“. Kommerzielle Interessen sollen den langfristigen Charakter dieser wichtigen Aufgabe nicht stören. Schwarm bringt es auf den Punkt:

„Independent Collectors war, ist und bleibt für alle Kunstbegeisterten kostenlos. Weder verkaufen wir den Sammlern irgendwelche Werke, noch den Kunsthändlern irgendwelche Daten. Wir haben keine versteckte Agenda – nur die geteilte, aber immer individuelle Leidenschaft für die Kunst.“ Die mit diesem Idealismus betriebene Plattform ist heute eine Fundgrube an exzellenten Fotografien, Texten und Interviews – und sie bietet einen Einblick in private Kunstsammlungen, auch solcher Häuser und Räume, die ihre Türen ansonsten verschlossen halten.

Im Jahr 2012 erschien in Kooperation mit dem bayerischen Autobauer im Hatje Cantz Verlag der erste „BMW Art Guide by Independent Collectors“. Das überaus nützliche Printverzeichnis listet und beschreibt die weltweit wichtigsten, öffentlich zugänglichen privaten Kunstsammlungen. Jüngst ist die fünfte, aktualisierte und erweiterte Ausgabe des Art Guide erschienen – mit Informationen zu insgesamt 270 Orten in 45 Ländern und 196 Städten.

Trotz seiner Affinität zu den neuen Medien hat Christian Kaspar Schwarm ein geradezu obsessives Verhältnis zum gedruckten Buch. Die ersten Objekte, die er sammelte, waren Künstlerbücher. 2015 gründete er mit „8 Books A Year“, ein sehr persönliches Projekt, das seine internationalen Abonnenten über zwölf Monate mit acht nichtfiktionalen Büchern überrascht. Die Bände bilden Schwarms breites Interessenspektrum ab und sind teilweise mit Vorzugsausgaben versehen. Sein Berliner Büro hat er mit Hilfe eines Architekten in eine Bibliothek verwandelt, in der ebenso selbstverständlich mit digitalen wie mit gedruckten Inhalten gearbeitet und geforscht wird.

Im Rahmen des Projekts „Junge Sammlungen“ wurde Christian Kaspar Schwarm 2017 vom Bremer Museum Weserburg zu einer Ausstellung seiner Sammlung eingeladen. Unter dem Titel „The Vague Space“ waren hier medienübergreifende Werke und Installationen von internationalen Künstlerinnen und Künstlern zu sehen, die als gesellschaftspolitische Querdenker einen Spagat hin zu einer sinnlich-eindrücklichen Formensprache finden. Schwarm, der jenseits aktueller Hypes agiert, ging es bei dem Ausstellungskonzept vor allem darum, die Motivation, die Genese und Wirkung des individuellen Sammelns an sich zu ergründen. An der Seite der Künstler begreift er sich nicht als ein bloßer Käufer, sondern als Begleiter, der inhaltlich herausgefordert werden will.

Christian Kaspar Schwarm ist ein origineller, neugieriger, intellektuell beweglicher und politisch interessierter Sammler – und er verfügt über soziales Gewissen. Seit knapp zwei Jahren engagiert er sich ehrenamtlich im Vorstand des Berliner Vereins Karuna e.V., der sich mit 15 Einrichtungen um eine "Zukunft für Kinder und Jugendliche in Not" kümmert.

Mit dem ART COLOGNE-Preis für herausragende Verdienste in der Kunstvermittlung wurden mehrfach prominente Kunstsammler ausgezeichnet. Ihr gemeinsamer Nenner war es stets, durch vielfältige Aktivitäten eine Öffentlichkeit für persönliche Sichtweisen auf die zeitgenössische Kunst herzustellen. Zu diesen Sammlern zählten u.a. Charlotte Zander (1997), Ingvild Goetz (2001), Frieder Burda (2002), Harald Falckenberg (2009) und Julia Stoschek (2018), die den mit 10.000 Euro dotierten Preis bisher erhalten haben.

Die Verleihung des diesjährigen ART COLOGNE-Preises wird am 11. April 2019 im Historischen Rathaus zu Köln stattfinden. Wilhelm Schürmann wird die Laudatio auf Christian Kaspar Schwarm halten.

independent-collectors.com
www.artcologne.de

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