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Sonia Kacem - Between the scenes

19. 10. 2019 - 19. 01. 2020 | Westfälischer Kunstverein, Münster
Eingabedatum: 16.10.2019

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Sonia Kacem „Les Grosses“, 2017 Installationsansicht Rijksakademie, Amsterdam Foto: Gunnar Meierbilder

Der Westfälische Kunstverein in Münster wird eine Einzelausstellung mit neuen Arbeiten der tunesisch-schweizerischen Bildhauerin Sonia Kacem (*1985) realisieren und damit das Jahr beschließen mit einer großen installativen Geste aus weiblicher Hand, die den gesamten Ausstellungsraum begreift.

In unserem Selbstverständnis eines Kunstvereins als experimentelle Plattform haben wir Sonia Kacem eingeladen, die Früchte ihrer Recherche im Rahmen eines halbjährigen Arbeitsaufenthalts in Kairo in der ersten Jahreshälfte 2019 erstmals im Westfälischen Kunstverein zu präsentieren. Aus einer langen Begleitung der Künstlerin seit einem Atelierbesuch im Januar 2016 wurde deutlich, dass gerade diese Auseinandersetzung mit einer Welt- und Kulturregion, der Sonia Kacem zwar intuitiv durch die Nationalität ihres Vaters, kaum aber durch eigene Erfahrung oder Kenntnis nahesteht, ihre künstlerische Arbeit sowie ihr Repertoire an Formen und Materialien signifikant weiterentwickeln
würde.

Sonia Kacems bildhauerisch-künstlerische Praxis ist bestimmt von einer sensiblen Auseinandersetzung mit Materialien, die sie unterschiedlichen Stadien unseres alltäglichen Konsumkreislaufs entnimmt. Hierunter können Materialien aus Second-Hand- Läden, Online-Shops oder aus einem häuslichen Kontext ebenso fallen wie industrielle Werkstoffe und Abfallprodukte. Kacems Interesse gilt der Variation in deren Taktilität und Beschaffenheit sowie ihr Drang zur Form. Unter welchen Gegebenheiten wird aus Stoff und Fläche ein Objekt? Sie schafft mit diesen unterschiedlichen Materialbedingungen prozessorientierte skulpturale Anordnungen, die ein vielfältiges assoziatives Spannungsfeld eröffnen, das die kulturellen Erscheinungs- und Verwendungsformen der Materialien ins Zentrum rückt. Die veränderliche Wahrnehmung von Stoffen und Formen, die aus anderen Kulturen in unseren Alltag eingeflossen sind, verbinden sich mit grundlegenden Fragen der Aneignung, der Imitation und der Wiederholung.

Obgleich Kacems Arbeiten formal abstrakt sind, erinnern sie durch ihre Bühnenhaftigkeit an narrative Strukturen und Fiktionen, die oftmals tatsächlich am Beginn ihrer künstlerischen Arbeit stehen: So erwuchs die Ausstellung „Loulou“ im MAMCO in Genf aus der Erzählung „Un coeur simple“ (1877) von Gustave Flaubert, der für die Vorbereitungen seiner Romane Mitte des 19. Jahrhunderts größere Reisen in den Vorderen Orient, insbesondere nach Ägypten, unternommen hat. In „Un coeur simple“ beschreibt er die komplexe Beziehung zwischen der Hauptprotagonistin Félicité und dem Papagei Loulou. Mit dem Bezug zu dem exotischen Vogel thematisiert Kacem ihre Beobachtungen von Motiven aus dem Orient und wie diese vor dem Hintergrund des Postkolonialismus in der Kunst, Literatur und Architektur aufgegriffen wurden.

Kacem begreift den Kontext einer Ausstellung als eine Arena, innerhalb derer sie formale, materielle, gesellschaftliche und politische Belange in einer zerbrechlichen Assemblage zusammenbringen kann. Dabei mögen ihre Installationen - oder eher Inszenierungen - mitunter dramatisch und fast opernhaft wirken, sind aber in ihrer sichtbaren Temporalität und Offenlegung ihrer Konstruktion das Gegenteil von monumental.

Für die Ausstellung im Westfälischen Kunstverein wird Sonia Kacem eine raumspezifische Inszenierung entwickeln ausgehend von ihrer künstlerischen Forschung in Ägypten. Konkret interessiert sich Kacem aktuell für das Beziehungsgeflecht zwischen Körper, physischem und virtuellem Raum - im Hinblick auf die darin jeweils unterschiedlichen Gradationen von Freiheiten und Reglementierungen. Manifestationen von persönlichem Ausdruckswillen
innerhalb dieser Ordnungen und Einschränkungen sowie die Auswirkungen auf das Verständnis von Körperlichkeit faszinieren sie hierbei besonders. Welche Regeln und Codices sind etwa im öffentlichen Raum erlaubt; welche individuellen Freiheiten werden möglicherweise nur im virtuellen Raum gewährt? Formal experimentiert Kacem mit Paraventartigen Objekten, die dem Raum, der mit farbigen Textilien eingefasst werden wird, eine bühnenhafte Anmutung verleihen soll. Die Textilien, die einzelne Wandteile verbergen, sind ein formaler Rückgriff auf die vielen bunten Fassaden- und Balkonverkleidungen, die Kacem in Kairo beobachtet hat. In einem streng reglementierten öffentlichen Raum sind dies Spuren von individueller Freiheit und Gestaltungswillen. Zugleich verbirgt Kacem durch diesen Eingriff die Charakteristika des klassischen White Cube und verwischt die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum.

Ein angrenzender kleinerer Ausstellungsraum wird, umgebaut zu einer Black Box mit Kabinett, Recherchefotografien als Diaschau sowie ergänzendes Recherchematerial/- literatur und Skizzen der Künstlerin verfügbar machen und damit den BesucherInnen einen weiteren Zugang zu Kacems künstlerischer Praxis ermöglichen.

Die Ausstellung wird kuratiert von Kristina Scepanski.

Westfälischer Kunstverein
Rothenburg 30
48143 Münster
www.westfaelischer-kunstverein.de


Presse




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