Das achte Feld - Geschlechter, Leben und Begehren in der Bildenden Kunst seit 1960 (19.08.-12.11.06)


Eingabedatum: 27.07.2006


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Eröffnung: 18. August 2006

Mit Werken von:

David Altmejd, Kenneth Anger, Diane Arbus, David Armstrong, Francis Bacon, Stephen Barker, Matthew Barney, Monica Bonvicini, Louise Bourgeois, Marc Brandenburg, Brassaï, Kaucyila Brooke, Tom Burr, Claude Cahun, Daniela Comani, Lucky DeBellevue, Kerstin Drechsel, Marcel Duchamp/ Man Ray, Cheryl Dunye, Thomas Eggerer, Nicole Eisenman, Steven Evans, Valie Export, Hans-Peter Feldmann, Jochen Flinzer, Annette Frick, General Idea, Gilbert & George, Robert Gober, Nan Goldin, Felix Gonzalez-Torres, Sunil Gupta, David Hockney, Jonathan Horowitz, Peter Hujar, Robert Indiana, Jasper Johns, Deborah Kass, Jürgen Klauke, Peter Knoch, Ferdinand Kriwet, Ins A Kromminga, Inez van Lamsweerde, Zoe Leonard, John Lindell, Lovett/Codagnone, Attila Richard Lukacs, Winja Lutz und Toni Schmale, Robert Mapplethorpe, Marlene McCarty, Bjørn Melhus, Michaela Melián, Annette Messager, Tracey Moffatt, Donald Moffett, Pierre Molinier, Yasumasa Morimura, Piotr Nathan, Bruce Nauman, Marcel Odenbach, Henrik Olesen, Catherine Opie, Jack Pierson, Adrian Piper, Susi Pop, Robert Rauschenberg, Aurora Reinhard, Salomé, Lucas Samaras, Cindy Sherman , Katharina Sieverding, Dayanita Singh, Jack Smith, Ingo Taubhorn, Paul Thek, Wolfgang Tillmans, Cy Twombly, Gitte Villesen, Del LaGrace Volcano, Jeff Wall, Andy Warhol, David Wojnarowicz

Mit der Ausstellung "Das achte Feld" wagt das Museum Ludwig als erste große deutsche Kunstinstitution eine Bestandsaufnahme des künstlerischen Umgangs mit marginalisierter Sexualität. Mit über 250 Werken von mehr als 80 Künstlerinnen und Künstlern bietet die Schau einen Überblick über die künstlerische Verarbeitung nahezu aller Formen des sexuellen Begehrens, die aus dem heteresoexuellen Mainstream herausfallen: Trans-, Homo- und Intersexualität, Transgender und Travestie. Die Ausstellung wird sich über mehrere Etagen des Gebäudes erstrecken; sie soll hohen dokumentarischen Wert mit erotischem Reiz und künstlerischer Qualität verbinden.

Der Titel "Das achte Feld" verweist auf eine Regel im Schach: Rückt der Bauer auf das achte Feld vor, kann er sich in eine Dame verwandeln. Ein Geschlechterwechsel, der ihm zugleich mehr Bewegungsfreiheit, mehr Einfluss, mehr Macht sichert. Die Verhältnisse werden auf den Kopf gestellt, der Schwache wird zur Starken, der Verlierer zur Gewinnerin. Für diesen grundlegenden Wandel, der die heterosexuell dominierten Geschlechterverhältnisse außer Kraft setzt, will die Ausstellung plädieren. Sie zeigt Werke, die die herkömmliche Ordnung des Begehrens in Frage stellen und Möglichkeiten einer freien, nicht regulierten Sexualität aufzeigen.

Die Ausstellung ist in neun Abteilungen gegliedert. Die im Erdgeschoss beschäftigen sich mit der "Selbstvergewisserung über Zeichen”, "Sexy Machismo", "Trans- und Intersexualität", mit "Wunschwelten", "Male to Female" und "Freundschaften". Die Abteilungen im Treppenhaus handeln von "Außenseitern, Diskriminierung und Aids", "Porträt und Identität" und "Orten des Begehrens".

Die Ausstellung spürt der Lust nach, sich in das andere Geschlecht zu verwandeln, sich zu maskieren und sein Spiel mit Rollenzuschreibungen zu treiben. Aus diesem Spiel wird spätestens dann Ernst, wenn Diskriminierung und Ausgrenzung oder die politischen Emanzipationskämpfe um sexuelle Freiheit ins Zentrum rücken.

Das Treppenhaus und andere Verkehrswege des Museums werden zum ersten Mal in ein Ausstellungsprojekt einbezogen. Diese Erweiterung des traditionellen Schauraums reflektiert das Spannungsverhältnis von Öffentlichem und Privatem, Peripherie und Zentrum, Exhibitionismus und Voyeurismus, das die künstlerische Auseinandersetzung mit Sexualität prägt. Die raffinierte Ausstellungsarchitektur des Künstlers Eran Schaerf setzt dieses Konzept konsequent um: Einige Werke können selbstbewusst auftreten und einem großen Publikum ihre Wirkung vermitteln, mit anderen finden eher flüchtige, unbeobachtete Begegnungen statt.

Der Schriftsteller Thomas Meinecke hat zur Ausstellung einen Erzählungsband mit dem Titel "Feldforschung" verfasst, der im September in der Edition Suhrkamp erscheinen, aber schon im August im Museum mit der Eintrittskarte gratis erhältlich sein wird. Das Buch geht auf Kunstwerke und historische Ereignisse ein, die für die Ausstellungsrecherche und das Verständnis einer sexuell selbstbewussten und experimentierfreudigen Kultur von großer Bedeutung waren. Zentrales Moment aller Erzählungen ist die Ermittlung einer subkulturellen Geschichte, die sich aus Klatsch und Tratsch, aus Gerüchten, Gelesenem und Gehörtem speist und so der offiziellen Darstellung entgegen steht.

Eine entscheidende Rolle in der Entwicklung dieser Subkultur spielte stets die Musik. Sie ermöglichte rauschhafte Grenzüberschreitungen und trug dazu bei, das strenge Korsett sexueller Identitätszuschreibungen zu lockern. Um eine Ahnung von dieser normensprengenden Kraft der Musik zu vermitteln, können über den Audioguide der Ausstellung 50 Titel - von der Discomusik der 70er Jahre bis heute - angewählt werden.

Zum Christopher Street Day wird am 14. Juli - einen Monat vor Eröffnung der Ausstellung - eine neun Meter hohe Skulptur des Düsseldorfer Künstlers Hans-Peter Feldmann enthüllt. Sein pinkfarbener "David" wird zwischen Museum und Rhein weithin sichtbar auf "Das achte Feld" hinweisen.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm begleitet die Ausstellung. Zu Vorträgen und Podiumsdiskussionen erwartet werden unter anderem Klaus Theweleit, Douglas Crimp, Katharina Sieverding, Thomas Meinecke und David Moufang. Neben der "Filmbar" auf dem Dach des Museums, die den ganzen August über Beiträge zum "achten Feld" zeigen wird, sind zehn weitere Filmabende mit anschließender Diskussion geplant.

Zur Austellung erscheint beim Verlag Hatje Cantz ein reich bebildeter Katalog mit Beiträgen von Judith Butler, Douglas Crimp, Diedrich Diederichsen, Harald Fricke, Julia Friedrich, Hanne Loreck, Thomas Meinecke, Eva Meyer, Cristina Nord und Frank Wagner. (Museumspreis: 34 Euro, Buchhandel: 39,80 Euro).

Die Ausstellung wird großzügig gefördert von der Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, der Kunststiftung NRW und der Bundeszentrale für politische Bildung.

Abbildung: General Idea: AIDS-Painting, 1989, Aids Stiftung Bonn
Copyright: General Idea, Fotograf: Thilo Hofer, Bonn

Öffnungszeiten:
Di-So 10-18 Uhr, jeden 1. Fr im Monat 10-22 Uhr

Museum Ludwig
Bischofsgartenstr. 1
50667 Köln
Tel:+49-221-221-26165
Fax:+49-221-221-24114
E-Mail info@museum-ludwig.de















Weiteres zum Thema: Das achte Feld



Jonathan Horowitz: Apocalypto Now - Museum Ludwig Köln (24.4.-23.8.09)


Der Amerikaner Jonathan Horowitz (*1966) hat für das Museum Ludwig einen neuen Film produziert, in dem er Dokumentationen über den Klimawandel mit Katastrophenfilmen des Hollywoodkinos kombiniert und die verblüffende Ähnlichkeit der Bilder aufdeckt, mit denen beide Genres operieren. Die Installation wird klimaneutral betrieben. Solarzellen auf der angrenzenden Dachterrasse gewinnen die von der Projektion verbrauchte Energie zurück.

Die Grundstruktur von Apocalypto Now bildet eine Dokumentation über den Katastrophenfilm des Hollywoodkinos, die mit verschiedenen gefundenen Materialien gegengeschnitten wurde: mit Dokumentarfilmen zum Klimawandel, aber auch mit Szenen aus Filmen, die die Anschläge vom 11. 9. 2001 nacherzählen. Horowitz konstruiert eine Verbindungslinie, die vom Unterhaltungswert der Katastrophen im Kino über den Einbruch des Schreckens in die Realität bis hin zu apokalyptischen Vorstellungen religiöser Fundamentalisten führt. Zusammengehalten werden die Themenstränge von der Figur des Schauspielers und Regisseurs Mel Gibson. In Interviews spricht Gibson über seinen Kampf gegen die eigene Sucht, der ihn zu einer Rückbesinnung auf seinen katholischen Glauben führte, was in letzter Konsequenz den Anreiz zu seinem Film Die Passion Christi (2004) gab. Wie andere Protagonisten in Apocalypto Now versucht auch er (selbst)zerstörerische Impulse durch Religion und Kunst zu kanalisieren – häufig mit höchst beunruhigenden Ergebnissen. Gibsons Versuche, jene Impulse im Zaum zu halten, sind allerdings selten erfolgreich, wie seine vielen PR-Pannen beweisen.

Jonathan Horowitz betreibt seine Installation klimaneutral. Solarzellen auf der angrenzenden Dachterrasse mit Blick zum Dom gewinnen die von der Projektion verbrauchte Energie zurück. Außerdem ist die Ausstellung Produkt eines strategischen Recyclingprozesses, weil sie fast ausschließlich aus bereits im Museum vorhandenem Material besteht. Auch Plakat und Ausstellungsflyer wurden auf recyceltem Papier gedruckt.

Die Kunst von Jonathan Horowitz bedient sich in vielfältiger Weise des Mittels der Montage. Durch Eingriffe in gefundenes Material erreicht er eine Komplexität und Dichte, die sich einfachen Festlegungen verschließt. Vergleichbar mit einem DJ, der Musikstücke sampelt, kombiniert er Kinofilme mit Schnipseln von zum Teil dubiosen medialen Überresten, um Verbindungen zwischen üblicherweise unverbundenen Erzählungen aufzuzeigen. Häufig beschäftigt sich Horowitz mit explizit politischen Themen, zuletzt mit dem Tierschutz und der Verbindung von Unterhaltungsindustrie und Propaganda während der Kriege im Irak und in Afghanistan. Dennoch lässt sich sein Werk nicht auf eine politisch engagierte Kunst reduzieren. Vielmehr lotet er kritisch den symbolisch aufgeladenen Raum des Politischen in seiner ganzen brüchigen Komplexität aus, ohne sich auf eindeutige appellative Aussagen beschränken zu lassen.

Horowitz hatte bereits zahlreiche Ausstellungen in den USA und Europa; er war 2006 bei der Whitney Biennial und im Museum Ludwig in der Ausstellung "Das achte Feld", 2006, vertreten. Im Februar diesen Jahres eröffnete seine erste große Museumsretrospektive im PS1 in New York.

Die Solartechnik wurde zur Verfügung gestellt von Energiebau Solarstromsysteme GmbH, Köln.

Die Installation wurde im Rahmen der Edition Bewegte Bilder – eine Kooperation des Museum Ludwig mit der Sammlung Rheingold – realisiert.


Abbildung:
- Jonathan Horowitz, Still aus Apocalypto Now, 2009
- Jonathan Horowitz, Still aus Apocalypto Now, 2009
- Jonathan Horowitz, Still aus Apocalypto Now, 2009

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag (inkl. Feiertage): 10 – 18h
jeden ersten Donnerstag im Monat: 10 – 22h
montags geschlossen

Eintrittspreise:
Eintrittskarten sind den ganzen Tag gültig und berechtigen zum Eintritt in die Sammlungsräume und in alle Sonderausstellungen.
Erwachsene: 9,00 EUR ermäßigt: 6,00 EUR
Familien: 18,00 EUR
Gruppen (ab 20 Personen): 6,50 EUR pro Person
Schulklassen: 3,00 EUR pro Schüler
Am ersten Donnerstag im Monat gilt ab 17 Uhr ein um 50Prozent reduzierter Eintrittspreis für die Sammlung und alle Sonderausstellungen von 4,50 EUR (ermäßigt: 3,00 EUR).

Führungen
Führungen per tourguide für Menschen mit Hörbehinderung.
Das Museumsgebäude ist für Rollstuhlfahrer geeignet.
Buchungen: Museumsdienst Köln
Tel: +49-221-22127380/221123468
service.museumsdienst@stadt-koeln.de

Öffentliche Führungen: museum-ludwig.de

Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
50667 Köln
Tel:+49-221-221-26165
Fax:+49-221-221-24114

Henrik Olesen erhält den Wolfgang-Hahn-Preis KÖLN 2012


Porträt Henrik Olesen, Foto: Flo Maak

Die Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig verleiht den Wolfgang-Hahn-Preis Köln 2012 an den in Dänemark geborenen Künstler Henrik Olesen (geb.1967).

"Die Jury hat sich bewusst für einen Künstler entschieden, der sich seit Mitte der 1990er Jahre konsequent mit Fragen der Identität, der gesellschaftlichen Konstruktion von Normen sowie der Materialität und Symbolik der Dinge auseinandersetzt. Dazu hat Henrik Olesen ein weit gefächertes Werk geschaffen", so Enno Scholma, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für Moderne Kunst.

Aus den jährlichen Mitgliederspenden gelingt der Gesellschaft für Moderne Kunst die Erwerbung der mehrteiligen Installation "Mr. Knife and Mrs. Fork" von 2009.

Der Katalog und der Abend der Preisverleihung wird im zweiten Jahr in Folge von der Bank Julius Bär Europe AG, Niederlassung Düsseldorf, unterstützt. Das Bankhaus, das selber eine umfassende Kunstsammlung besitzt, engagiert sich damit in vorbildlicher Weise für die Präsentation zeitgenössischer Kunst in öffentlichen Institutionen.

Die Preisverleihung findet am Vorabend der Eröffnung der Art Cologne am
Montag, 16. April 2012, 19 Uhr,
im Museum Ludwig statt.
Gleichzeitig wird die Ausstellung der erworbenen Arbeiten Henrik Olesens eröffnet und der Katalog vorgestellt.

Zur Wahl von Henrik Olesen
Die Jury wählte Henrik Olesen gemäß den Statuten des Wolfgang-Hahn-Preises Köln aus den über 50 eingereichten Vorschlägen der Mitglieder aus.
Die Gastjurorin Chus Martinez, Leiterin der Abteilung und Mitglied der Agenten-Kerngruppe der dOCUMENTA (13), begründet die Wahl: "Für Henrik Olesen ist es kein Ziel an sich, eine inhaltlich eindeutige Arbeit zu produzieren. Vielmehr entwickelt er durch das Aufbrechen von gegebenen Strukturen familiärer und kultureller Zugehörigkeit eine eigene Syntax und Darstellungsweise. Mit der Preisvergabe an Henrik Olesen würdigt die Jury eine Form von visueller Kultur, die mit der Erzeugung und dem Verbrauch von Bildern ebenso wie mit der Geschlechterthematik und Fragen des kulturellen Kontextes auf neuartige Weise an die Sammlung des Museum Ludwig anknüpft."

Kasper König freut sich, dass "dank des Wolfgang-Hahn-Preises nun eine substantielle Installation von Henrik Olesen in unsere Sammlung kommt. Henrik Olesen war Teil unserer Ausstellung "Das Achte Feld. Geschlechter, Leben und Begehren" in 2006, und die erworbene Arbeit stellt eine ideale Weiterführung der Sammlung im Museum Ludwig dar", so Kasper König, Direktor des Museum Ludwig.

Zusammensetzung der Jury: Neben Chus Martínez als Gastjurorin bestand die Jury aus Kasper König, Direktor des Museum Ludwig, sowie den Vorstandsmitgliedern Enno Scholma (Vorstandsvorsitzender), Gabriele Bierbaum, Sabine DuMont Schütte und Robert Müller-Grünow.

Zum Wolfgang-Hahn-Preis Köln
Der Ankaufs-Preis erinnert an Wolfgang Hahn (1924 - 1987), Gemälde- und Chefrestaurator des Wallraf-Richartz-Museum / Museum Ludwig und weitsichtiger Kölner Sammler. Anforderungen des Preises sind die konsequente Weiterentwicklung des künstlerischen Schaffens des Künstlers oder der Künstlerin, die internationale Anerkennung in der Fachwelt wie die Voraussetzung, dass das Werk noch nicht adäquat im Museum Ludwig vertreten, jedoch für die Fortführung der Sammlung wichtig ist. Der Etat für den Preis beläuft sich auf bis maximal 100.000 Euro im Jahr. 2012 wird der Wolfgang-Hahn-Preis KÖLN zum 18. Mal in Folge vergeben.