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B3 Biennale

Summer of Love - Psychedelische Kunst der 60er Jahre, Schirn Kunsthalle, Frankfurt (2.11.05 - 12.2.06)


Eingabedatum: 03.11.2005

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"Summer of Love" ist eine bahnbrechende Ausstellung über die psychedelische Kunst, die die einzigartigen Verbindungen zwischen zeitgenössischer Kunst, populärer Kultur und politischen Protesten in den 1960er und frühen 1970er Jahren veranschaulicht. Sie zeigt, dass Psychedelia eines der interessantesten, zugleich aber auch eines der am stärksten vernachlässigten Phänomene in der Geschichte des 20. Jahrhunderts ist. Der Dialog zwischen psychedelischer Kunst und politischer Revolution und Gegenkultur fand seinen Niederschlag in einer einzigartigen Ästhetik, welche die gesellschaftliche, politische, ethnische und sexuelle Befreiung ausdrückte. Das Streben nach einer ekstatischen Kunst förderte die Erweiterung des Bewusstseins und die gewollte sinnliche Überreizung. Erreicht wurde dies nicht selten mithilfe von Halluzinogenen, die wesentlicher Bestandteil der psychedelischen Bewegung waren. Die Präsentation von über 350 Gemälden, Fotografien, Filmen, Lightshows, Environments, Postern, Plattencovern und Dokumentationsmaterial aus Europa, den USA, Südamerika und Japan in einer Aufsehen erregenden Ausstellungsarchitektur von UN Studio (Ben van Berkel, Caroline Bos) unterstreicht den internationalen Charakter der Bewegung.
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Max Hollein, Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt: "Immer wieder hat es sich die Schirn zur Aufgabe gemacht, signifikante künstlerische und gesellschaftliche Entwicklungen zu thematisieren. Es gab nicht viele Bewegungen im 20. Jahrhundert, in denen Kunst und Alltagskultur in so symbiotischer Form ineinander griffen. Eine der zentralen Fragen an die Ausstellung ‚Summer of Love‘ ist demnach, wie sich Kunst, die sich so bewusst der klassischen institutio-nellen Praxis entzogen hat, aus einer gewissen zeitlichen Distanz in diese versetzen lässt."
Die psychedelische Kunst wurde traditionell in den Bereich der angewandten Kunst und des schlechten Geschmacks verwiesen und stand dabei immer im Schatten der historisch und institutionell sanktionierten Kunst einer Epoche, deren Zentrum von Pop Art, Minimal Art und Concept Art besetzt war. Tatsächlich jedoch war der psychedelische Stil das Ergebnis eines produktiven Wechselspiels zwischen Kunst, Technik, Drogenkultur, Musik und zahllosen weiteren Einflüssen, die eine außergewöhnliche, zutiefst vom Geist der Emanzipation und der Freiheit durchdrungene Ästhetik hervorgebracht haben. Außerordentlich bedeutend war jene durch die Erweiterung des Bewusstseins angestoßene Erweiterung des Formen-, Farb- und Medienspektrums, die mit einer neuen Raumerfahrung einherging. Eine weitere zentrale Errungenschaft der Bewegung, die schließlich in einer neuen, als Intermedia-, Multimedia- oder Mixed-Media-Kunst bezeichneten Hybridkunst kulminierte, war die Verschmelzung ganz unterschiedlicher künstlerischer Techniken. Erst diese Verschmelzung hat überhaupt jene multisensorischen Spektakel ermöglicht, für die die 60er berühmt wurden. Hinzu kam, dass die visuellen Künstler jener Jahre anfingen, mit Lightshows zu experimentieren, oder sich als Musiker, Filme- und Modemacher, Designer oder Architekten versuchten. Sie ließen sich also auf eine enge Verbindung mit den ebenso kurzlebigen wie beeindruckenden Hervorbringungen der sich geradezu überstürzenden populären und kommerziellen Kultur ein.

Psychedelische Ästhetik und Politik hinterließen ihre Spuren jedoch nicht nur in der populären Kultur, sondern prägten auch wichtige Künstler und avantgardistische Kunstbewegungen der damaligen Zeit. So setzten Andy Warhol und Mark Boyle im Jahr 1966 bei Livekonzerten in der New Yorker Diskothek Dom und dem Londoner Untergrundclub UFO erstmals Film- und Diavorführungen ein. Auch das Aufkommen der Performance als wichtiger Kunstform fiel mit den spielerischen Events der psychedelischen Kunst zusammen, in denen der menschliche Körper als voll-wertiges und entwicklungsfähiges Wahrnehmungsinstrument genutzt wurde, das man stimulierte, um einen Zustand der ekstatischen Raserei bzw. der apathischen Selbstversenkung zu erreichen.

"Summer of Love" bietet eine Fülle von über 350 Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Fotografie, Film, Video, Environment, Architektur, Grafik-Design und Mode. Darunter Arbeiten von Isaac Abrams, Richard Avedon, Lynda Benglis, Bernard Cohen, Richard Hamilton, Robert Indiana, Yayoi Kusama, Richard Lindner und John McCracken. Zu den zentralen Environments der Ausstellung gehört Mati Klarweins "New Aleph Sanctuary" (1963–1971), eine Arbeit, in der viele Motive des Künstlers (die auch in seine Entwürfe für Santana-Plattencovers eingingen) in einer spektakulären Installation zusammenfließen. Verner Pantons begehbare amorphe Möbellandschaften formulieren Utopien eines befreiten und entspannten Lebens. Die visionäre Architektur ist mit Werken von Archigram, Hans Hollein, Haus-Rucker-Co u. a. vertreten.

Ein besonderer Schwerpunkt der Präsentation liegt auf Environments sowie Film-, Video- und Multimediainstallationen, die das Erlebnis psychedelischer Lichtshows und Konzerte eins zu eins wiederzugeben versuchen. So setzte Andy Warhol für "Exploding Plastic Inevitable" und Auftritte von "The Velvet Underground" Lichtshows sowie Film- und Diaprojektionen ein. Zu den bedeutendsten filmischen Installationen der Schau zählt ein Raum mit einer Mehrfachprojektion von Filmen der Boyle Family, die erstmals in Lichtshows für die psychedelische Band "The Soft Machine" verwendet wurden, sowie eine Flüssigkristallprojektion von Gustav Metzger. Das Medium Film greift die Ausstellung an Beispielen von Lawrence Jordan, Stan VanDerBeek,
Andy Warhol, James Whitney, Jud Yalkut und Nam June Paik in Form von großformatigen Projektionen auf. Dokumentarische Sektionen über die psychedelische Szene in den Städten New York, San Francisco, London und Frankfurt bieten in der Sektion „Mapping the Underground“ den historischen Hintergrund und rufen zentrale Personen wie den Schriftsteller Allen Ginsberg, den LSD-Guru Timothy Leary oder Ken Kesey, der sich mit seinen Merry Pranksters der Popularisierung psychedelischer Drogen verschrieb, in Erinnerung.

Aus Anlass der Ausstellung „Summer of Love“ wird die Schirn Kunsthalle in Kooperation mit der Galeria Kaufhof, Frankfurt, eine großangelegte neue Arbeit von Yayoi Kusama an der Fassade, den Schaufenstern und Teilen der Innenräume der Galeria Kaufhof sowie in der Schirn-Rotunde realisieren. ... (Presse / Schirn)

Abbildung: © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2005
Foto: Norbert Miguletz

Öffnungszeiten: Di., Fr.-So. 10-19 Uhr, Mi. und Do. 10-22 Uhr

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg, D-60311 Frankfurt, Telefon: (+49-69) 29 98 82-118,
schirn.de

ch








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Glam! The Performance of Style


Die Glam-Ästhetik der frühen 1970er-Jahre hatte als visuell überbordende Ausdrucksform einen weit über die Kunstszene hinausreichenden stilprägenden Einfluss. Nach den groß angelegten Ausstellungsprojekten „Summer of Love“ (2005) und „Op Art“ (2007), die sich mit den genreübergreifenden Entwicklungen der Kunst und Kultur der 1960er-Jahre auseinandergesetzt haben, widmet sich die Schirn Kunsthalle Frankfurt vom 14. Juni bis 22. September 2013 mit „Glam! The Performance of Style“ nun einer weiteren, höchst vitalen Periode der Kulturgeschichte. Glam bezeichnet den extravaganten Stil, den Musiker wie David Bowie und Marc Bolan im Großbritannien der frühen 1970er-Jahre populär machten und der mit seiner respektlosen Verbindung von Hoch- und Subkultur sowie der Infragestellung gesellschaftlich tradierter Begriffe wie Identität und Geschlecht zum weltweiten Phänomen wurde. Ihren Ursprung hatte die Bewegung ebenso in den Konzepten Andy Warhols wie in der britischen Kunsthochschulszene, wo der Maler und Grafiker Richard Hamilton mit der These, dass alle Kunst gleichberechtigt sei, starken Einfluss auf seinen Schüler Bryan Ferry ausübte. Dieser sollte als Kopf der Band Roxy Music zum Inbegriff des absoluten Kunstprodukts des Glam werden, indem er Avantgarde, Pop-Art, Art Déco, Camp-, Trash- und Kitschelemente sowie klassischen Hollywood-Chic zu einer ultraartifiziellen Ästhetik verband. Die Ausstellung in der Schirn zeigt erstmals den vielfältigen Einfluss der Glam-Ära auf Film, Fotografie, Mode, Grafikdesign, Performance- und Installationskunst, Malerei und Bildhauerei. Neben rund 100 Werken von u. a. Guy Bourdin, Gilbert & George, Peter Hujar, Ray Johnson, Allen Jones, Jürgen Klauke, Ed Paschke, Sigmar Polke, Cindy Sherman und Ulay runden Fotografien von Mick Rock und Karl Stoecker, Originalkostüme und umfangreiches Dokumentationsmaterial die Ausstellung ab.
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ÖFFNUNGSZEITEN: Di, Fr–So 10–19 Uhr, Mi und Do 10–22 Uhr

Schirn Kunsthalle
Römerberg
D-60311 Frankfurt a.M.
Telefon: +49.69.29 98 82-0
SCHIRN.DE


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