Michael Dreyer Gemeinschaftsarbeiten / Society Pieces

19.05. - 20.08.2017 | Badischer Kunstverein, Karlsruhe
Eingabedatum: 17.05.2017

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Der Badische Kunstverein freut sich mit „Gemeinschaftsarbeiten / Society Pieces“ die bislang umfangreichste Einzelausstellung des in Stuttgart lebenden Künstlers Michael Dreyer zu präsentieren. Neben einigen bereits bestehenden Arbeiten zeigt die Ausstellung eine Vielzahl an neuen Werken, die eigens für den Kunstverein entstanden sind. Michael Dreyer arbeitet mit so verschiedenen Medien wie Kleinplastik, Malerei, Collagen, Performances und Filmen.

Selbstreferentialität ist bei Dreyer Form und Inhalt, ebenso zentral sind Prinzipien der Aneignung und Überzeichnung. Seine Kunst ist hoch konzeptuell, spielt aber zugleich mit einem Begehren nach Emotion und ästhetischem „Gefallen“.

Die Ausstellung im Kunstverein ist eine (formale) Auseinandersetzung mit verschiedenen Sprachen und Ästhetiken politischer und so genannter„engagierter“ Kunst. Politische Kunst lässt sich nach Dreyer als „demonstrationeller“ Sprechakt bezeichnen, der im 19. und 20. Jahrhundert noch vom Glauben geprägt war, Wahrheiten auszusprechen, Machtdiskurse aufzuzeigen und Werte neu zu gestalten. Mit dieser Dialektik zwischen sozialer Utopie und verfehlter Realität beschäftigen sich die etwa 50 neuen Arbeiten der Ausstellung. Zeichnungen wechseln sich mit Collagen und Kleinplastiken ab. Im Zentrum stehen die teilweise großformatigen und vielfarbigen Tuschezeichnungen, die eine Reihe von monumentalen Buchtiteln abbilden.

Es ist ein Subkanon aus Literatur und Theorie, der Themen wie Gemeinschaft und Gesellschaft, Hilfe und Selbsthilfe, Produktion und Produktivität, Automation und Destruktion behandelt. Diese gegenständliche und vermeintlich simple Bildersprache setzt sich in anderen Motiven fort, in denen sich Zahnräder, Eier und Küken allegorisch auf die Utopie eines Tierfriedens und diesen erweiternd auf einen Tier-Maschinen-Frieden beziehen. Die Motive bringt Dreyer bewusst in die Nähe von Kitsch und Klischee und verhandelt die Möglichkeit, Ideen von Harmonie und Krise bildnerisch darzustellen.

Eine Sozialutopie an der Schwelle des 19. zum 20. Jahrhundert war die „Hilfe“, die in ihren verschiedenen Facetten in der Ausstellung zum Tragen kommt. Das Kind als konstitutiv „hilfsbedürftig“ ist dabei Sujet mehrerer Arbeiten. So beispielsweise in den Plastiken „Kind, eine Spieluhr zerstörend“ (2016, nach einem Roman von Peter Weiss) und „Kind, mit Krücke deutend“ (2016, nach einem Film R.W. Fassbinders), sowie „Frères et soeurs, s’imitant mutuellement“ (2017). In den neuen Collagen schließlich wird das Subjekt zum Thema, indem Dreyer eine einfache Geste beim fotografischen Portrait untersucht: das Verbinden des Blicks mit der Haltung der Hand.

Der Künstler stellte in seiner Recherche fest, dass das subjektive und autobiografische Moment in den Arbeiten verschiedener Autor_innen sich auch ganz konkret in der performativen Geste der Selbstinszenierung verdeutlicht. Zudem werden Collage und Montage als traditionsreiche Medien der Kritik in der Moderne befragt.

Vor dem Hintergrund gegenwärtiger Krisen der Humanität, Demokratie und Teilhabe, beschäftigt sich Michael Dreyer mit der Frage, wie Gemeinschaft utopisch verhandelt wird, wie sich Individuen in einer Gemeinschaft gegenseitig unterstützen können und welche Rolle der politischen Kunst dabei zufällt. In seiner Reflexion über Vokabularien, Ikonografien und Verweise in der „engagierten Kunst“ schöpft er aus den verschiedenen Formen ihres tatsächlichen Misslingens. Die Krise der politischen Kunst setzt zu dem Zeitpunkt ein, als diese sich der Hochkultur erfolgreich andient.

Michael Dreyer, (*1953 in Coburg) lebt und arbeitet in Stuttgart.
Dreyer ist Professor an der Merz Akademie, Hochschule für Gestaltung, Kunst und Medien in Stuttgart.

Badischer Kunstverein
Waldstraße 3
76133 Karlsruhe
Germany
badischer-kunstverein.de
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Presse



Michael Dreyer:


- Kunstverein für die Rheinlande, Düsseldorf 2016


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