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Boris Lurie

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Revolutionary Romances? Globale Kunstgeschichten in der DDR

4. 11. 2023 - 2. 06. 2024 | Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Eingabedatum: 04.11.2023

Revolutionary Romances? Globale Kunstgeschichten in der DDR

José Toirac, Hasta la victoria siempre, 1995 © José Toirac, Foto: Carl Brunnbilder


Mit „Revolutionary Romances? Globale Kunstgeschichten in der DDR“ widmet sich das Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) gemeinsam mit dem Kupferstich-Kabinett und dem Kunstfonds dem Versuch, die „Revolutionary Romances“ – die „freundschaftlich-revolutionären“ Beziehungen – der DDR zu den Ländern des Globalen Südens zu untersuchen, und richtet den Fokus damit auf ein bisher kaum erforschtes Kapitel der Kunst in der DDR als Teil einer globalen Kunstgeschichte.

Nach der Prolog-Ausstellung im vergangenen Jahr, Tagungen und Konferenzen sowie einem umfangreichen Programm auf der SKD-Plattform voices, beschließt diese Schau den Abschluss des mehrjährigen Projekts KONTRAPUNKTE, welches durch die Kulturstiftung des Bundes sowie durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wurde.

Mit der Kubanischen Revolution, der Entkolonialisierung Afrikas und den aufflammenden kommunistischen Befreiungsbewegungen schien der Sozialismus ab den 1960er-Jahren weltweit auf dem Vormarsch zu sein – die Utopie einer sozialistischen Weltgemeinschaft mobilisierte den Ostblock. Für die DDR brachte die Hinwendung zu Ländern in Lateinamerika, Afrika, Südostasien sowie im Nahen Osten die erhoffte internationale Anerkennung, die ihr im Westen lange Zeit versagt blieb, und ermöglichte ihr die Demonstration staatlicher Souveränität und Weltoffenheit. „Völkerfreundschaft“ und „Internationale Solidarität“ bestimmten als ideologische Leitmotive nicht nur die ostdeutsche Außenpolitik, die neben politischen vor allem auch wirtschaftliche Interessen verfolgte. Sie prägten auch die Auswärtige Kulturpolitik und wurden zu wichtigen Themen der Staatspropaganda sowie in der bildenden Kunst der DDR.

Ausgehend vom Sammlungsbestand der SKD, ergänzt um ausgewählte Leihgaben, fragt die Ausstellung nach der künstlerischen Praxis, den Themen und Motiven dieser tatsächlichen wie vermeintlichen „Revolutionary Romances“. Zu sehen sind Werke aus den 1950er- bis 1990er-Jahren, unter anderem von Künstler*innen aus der DDR, Kuba, Chile, Vietnam, Indien, Irak, Libyen, Mosambik und Burma (Myanmar). Dazu gehören Darstellungen von Idealen und Ikonen des sozialistischen Internationalismus, Bilder der Solidarität, künstlerischer Protest gegen Krieg und Gewalt in Asien, Afrika und Lateinamerika, kubanische Revolutionsgrafik, Reisebilder, Mail Art sowie Diplomarbeiten von ausländischen Studierenden an der Dresdner Kunsthochschule.

Neben Werken aus den Sammlungen der SKD werden auch internationale zeitgenössische Positionen und Auftragsarbeiten gezeigt, so von Georges Adéagbo, Sven Johne, Hamlet Lavastida, Dana Lorenz, Sonya Schönberger, Wenke Seemann, Sung Tieu, Arlette Quỳnh-Anh Trần, welche die einstigen Ideale und die Widersprüche der „Solidarität“ und „Völkerverständigung“ aus der Perspektive der Gegenwart betrachten und kritisch reflektieren.

„Revolutionary Romances“ hinterfragt die in der DDR entstandenen und präsentierten Kunstwerke, untersucht sie auf ihre eurozentristische Perspektive hin und beleuchtet Formen der kulturellen Aneignung sowie der stereotypen Darstellung von Menschen und Kulturen des Globalen Südens.

Zu bedenken ist aber auch der im Rückblick offensichtliche Gegensatz zwischen Ideologie und Wirklichkeit in der DDR, zwischen Ächtung des westlichen Imperialismus und dem Ausblenden der imperialen Expansion des Ostens, zwischen der außenpolitischen Forderung nach universalen Menschenrechten und der repressiven Politik im eigenen Land sowie zwischen dem staatlich proklamierten Antirassismus und den realen Lebens- und Arbeitsbedingungen der ausländischen Vertragsarbeiter*innen und Studierenden.

Mit „Revolutionary Romances?“ unternimmt das Albertinum eine erste Annäherung – fragend, forschend und selbstkritisch – an ein aktuelles Themenfeld, dessen Bearbeitung auch in den SKD erst am Anfang steht. Es bedarf weiterer kunstwissenschaftlicher, historischer und künstlerischer Forschung, in der vor allem auch die Perspektive und Expertise von Menschen aus dem Globalen Süden hör- und sichtbar wird, um die Kunstgeschichte der DDR im globalen Kontext diskutieren zu können.

Auf der Webplattform voices wurden jegliche Aktivitäten zum Projekt „KONTRAPUNKTE“ dokumentiert und inhaltlich begleitet. So gab es bisher drei Filmreihen aus Vietnam, Chile und China. Die bereits erfolgten Gesprächsrunden zwischen Wissenschaftler*innen, Zeitzeug*innen und Spezialist*innen, die sogenannten „Labore“, sind online gespeichert; zukünftige Aufzeichnungen werden dort ebenfalls aufrufbar sein. Neben einem Glossar entsteht zudem eine interaktive Karte zur DDR-Vernetzungsgeschichte, die auch in einer Medienstation in die Ausstellung integriert ist.

Der Verein Kultur Aktiv e.V. lädt begleitend zur Präsentation im Treffpunkt ostZONE – zentral im Ausstellungsraum gelegen – zum transgenerationalen und transkulturellen Dialog ein. Ergänzt wird die Ausstellung außerdem von einem umfangreichen Vermittlungsprogramm zu den Themen Kunst und Sozialismus, Reisen, Migration und Solidarität.

Ende des Jahres erscheint die Publikation im Verlag Spector Books, die ausgewählte Arbeiten der Ausstellung mit wissenschaftlichen Essays verbindet, die aus dem mehrjährigen Forschungs- und Ausstellungsprojekt hervorgegangen sind.

Eine Ausstellung des Albertinum in Kooperation mit dem Kupferstich-Kabinett und dem Kunstfonds der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Residenzschloss ? Taschenberg 2 ? 01067 Dresden
www.skd.museum

Presse





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