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Boris Lurie

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Guy Ben Ner. We’ve Lost

11.11.2023 04.02.2024 | Kunstmuseum Luzern

Guy Ben Ners (*1969) Filme sind im doppelten Sinn hausgemacht, bezüglich ihrer Ästhetik wie auch ihres Schauplatzes. Die Wohnung seiner Familie dient immer wieder als Drehort mit Frau und Kindern in den Hauptrollen. Er funktioniert beispielsweise die Küche zu einem Schiff oder Kaninchengehege um. Dreh und Familienalltag vermischen, beeinflussen und bedingen sich. In Moby Dick (2000) steht Guy Ben Ner als einbeiniger Captain Ahab auf der Küchenablage neben dem Trinkwasserspender, springt aus dem Kühlschrank oder lässt den Teller im Wellengang zwischen sich und seiner Tochter hin- und hergleiten. Dabei verbindet der Künstler den Literaturklassiker von Herman Melville mit einer Hommage an die Improvisationslust der Stummfilmära.
Technisch gleichen Guy Ben Ners Filme Amateurvideos. Der Künstler will keine cineastische Illusion von Realität schaffen und legt gerne die Machart des Films offen. Die Videos sind nach allen Regeln des Kinos montiert: Schuss und Gegenschuss, Einblendung, Aussenansicht, Innenaufnahme. In der Weise, wie der Künstler die Erzählung vorantreibt und in kleine, unterhaltsame Sequenzen gliedert, ist ein kinogeübter Geschichtenerzähler zu erkennen. Guy Ben Ners «homemade»-Ästhetik verweist darauf, dass wir alle etwas tun können. Familiäre Verpflichtungen oder unpassende Umstände sind kein Grund, nichts zu tun. Unsere Projekte, Handlungen, Taten müssen nicht aufgeschoben werden, es braucht dazu kein professionelles Equipment, kein riesiges Atelier, kein grosses Team. Wenn wir wollen, können wir alles zuhause, mitten aus unserer aktuellen Lebenssituation heraus beginnen.

Guy Ben Ner lotet in seinen Videos die Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Raum aus. So nistet er sich mit seiner Familie für Stealing Beauty (2007) in mehreren Filialen eines Möbelgeschäfts ein, um eine Sitcom zu drehen. In Whatever Gets You Through the Night (2022) demontiert der Künstler Buchstaben globaler Firmenlogos und entfernt Pflastersteine aus einem Platz, um den Satz «Go Back Where U Came From» daraus zusammenzufügen. In Foreign Names (2012) nutzt Guy Ben Ner Prozesse des Alltags, um politische Botschaften zu vermitteln.

In vielen Arbeiten wird Guy Ben Ners ausgeprägter Sinn für anarchistischen Humor deutlich. In I’d Give It to You if I Could but I Borrowed It (2007) entdeckt er mit seinen Kindern Elia und Amir im LWL-Museum für Kunst und Kultur jene Ikonen der Kunst des 20. Jahrhunderts, die ums Velo kreisen. Kurzerhand bauen sie zu dritt ein Velo aus den Skulpturen von Tinguely, Picasso und Duchamp und fahren mit diesem um den Aasee. Das Publikum kann mitwirken: Auf dem
Hometrainer kann es den Film nicht nur in Gang setzen, sondern auch vor- und rückwärts laufen lassen und seine Geschwindigkeit steuern.

2005 entwickelt Guy Ben Ner Treehouse Kit für den israelischen Pavillon an der Biennale Venedig, 2007 zeigt er eine Arbeit an den Skulptur Projekten Münster. We’ve Lost ist Guy Ben Ners erste Museumsausstellung in der Schweiz, die Videoarbeiten und Skulpturen der letzten zwei Jahrzehnte vereint.

kuratiert von Fanni Fetzer

Kunstmuseum Luzern
Europaplatz 1, 6002 Luzern
www.kunstmuseumluzern.ch

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