Gundula Schulze Eldowy - Kunstverein Ulm (18.3.-29.4.07)

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Eingabedatum: 07.03.2007

bilder

Sie zählt zu den bekannten Fotografinnen der ehemaligen DDR. Bewusst entschied sich Gundula Schulze Eldowy für die Fotografie als Kunst. Dabei ahnte sie, dass nicht alle Aufnahmen, die sie von den Menschen in ihrer Umgebung machte, den Weg in die Öffentlichkeit finden würden. So wurde ihre erste Ausstellung "Gesichter" in Berlin in einer Galerie in der Sophienstraße von offizieller Seite mit ihrer Hilfe "entschärft". Um einen Großteil der Fotografien sozialkritischen Inhalts zu retten, "flogen ein Toter, ein Nackter und ein Dicker raus". In einer Retrospektive zeigt der Kunstverein Ulm Fotografien von Gundula Schulze Eldowy aus den Jahren 1977 bis 2002.
Zur Eröffnung am 18. März um 11 Uhr spricht Dr. Jule Reuter, Berlin.

Ausgebildet an der Fachschule für Werbung und Gestaltung in Berlin und geprägt durch ihr Studium an der Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig trat Gundula Schulze Eldowy zunächst mit in schwarz-weiss gehaltenen dokumentarischen Porträts des DDR-Alltags in Erscheinung. Mit ihrer Kamera durchstreifte sie das Scheunenviertel in Berlin, wo sie selbst lebte, ließ sich scheinbar absichtslos treiben. So entstand die Serie: Berlin. In einer Hundenacht. Gundula Schulze Eldowy fotografierte "wie es war", darin dem Zeichner und großen Berliner Realisten Heinrich Zille nicht unähnlich. Sie entwickelte ein Gespür für das Besondere und die Stimmigkeit der noch so kläglichen Existenz, suchte ihre Modelle oft auch in deren Wohnung auf. "Schlüssellochfotografie" warf man ihr vor, deren Arbeiten das Interesse an den Menschen, für den Körper und das Gesicht als Spiegel des Lebens reflektierten. Dabei sah sie sich immer als ein Teil des Geschehens, das sie fotografierte.

Ihren internationalen Durchbruch erlebte die 1954 in Erfurt geborene Gundula Schulze Eldowy 1988 bei den Rencontres Internationales de la Photographie in Arles.

Zu ihren Vorbildern zählt sie bekannte europäische Reportagefotografen wie Henri Cartier Bresson und Marc Riboud, Mitbegründer der Fotografen-Agentur Magnum der eine und zeitweise Direktor derselben Agentur der andere oder den mit seiner Serie über „Die Amerikaner“ bekannt gewordenen, in der Schweiz geborenen Robert Frank. Dessen Glaubensbekenntnis "Eines muss die Fotografie enthalten: die Menschlichkeit des Augenblicks" teilte auch Gundula Schulze Eldowy. 1986 traf sie ihr großes Vorbild in Ostberlin. Nachdem er zwei ihrer Serien angeschaut hatte, lud Frank sie in die Vereinigten Staaten ein. 1990 folgte sie dieser Einladung. Unter dem Einfluss Robert Franks und auf Reisen erweiterte sie ihr Repertoire und widmete sich fortan vermehrt der Farbfotografie. Gesicht und Figur stehen weiterhin im Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens, reine Landschaften sind eher selten. Bei allem bleibt sie noch die "klassische Fotografin", weitestgehend ohne Anbindung an die heute so wohlfeile Digitaltechnik. Opulent erscheinende Aufnahmen verdanken sich klassischen Aufnahmetechniken wie gekonnt eingesetzten Spiegelungen und Mehrfachbelichtungen.

War bei den früheren Arbeiten die Wohn- und Lebensumgebung der Fotografierten von Bedeutung, so wird bei den späteren Arbeiten die bildliche Definition des Umfeldes immer weniger wichtig. Die Arbeiten werden strenger, konzeptueller, das Erzählerische tritt hinter strukturelle Untersuchungen zurück. Zur Verstärkung der Bildaussage werden jetzt auch digitale Techniken und Effekte genutzt. So sind die "unfassbaren Gesichter" - mehr als 2000 Porträts - pars pro toto für das ganze gelebte Leben in Gegenwart und Vergangenheit und umfassen menschliche Porträts, Gesichter von prähistorischen Plastiken in Stein, Ton und anderen Materialien, Tierporträts sowie gesichtsähnliche Bildungen in der Natur. Ihre Luftbild-Aufnahmen der präkolumbischen Petro- und Geoglyphen der Paracas Nasca Kultur, heute als UNESCO Weltkulturerbe eingestuft, zeigen nur noch das Wirken von nicht mehr greifbaren Menschen, die ihre Spuren auf diesem Planeten hinterließen, Bildspuren, die auch zum Teil als Figuren und Gesichter gelesen werden können.

"Photographien haben die Eigenschaft, sich im Innern des Betrachters fortzusetzen", schreibt Gundula Schulze Eldowy in ihrem Text "Das verblasste Bild". Ob das so ist und auf welche Weise das geschieht, können Besucher bis zum 29. April im Kunstverein Ulm erfahren.

Am 31. März zeigt der Kunstverein Ulm in Kooperation mit dem Stadthaus Ulm im Stadthaus um 20 Uhr den Film OSTFOTOGRAFINNEN. Der 71minütige Film von Pamela Meyer-Arndt aus dem Jahre 2006 porträtiert die drei Fotografinnen Sibylle Bergemann, Helga Paris und Gundula Schulze Eldowy. Es werden deren unterschiedliche Temperamente und ihr Selbstverständnis verdeutlicht, gleichzeitig fragt der Film auch nach Zensur und Selbstzensur und räumt mit Missverständnissen und Fehlurteilen über Informations- und Arbeitsmöglichkeiten der Fotografinnen in der ehemaligen DDR auf. ...
(Presse KV Ulm)

Abbildung: Ohne Titel, Berlin 1982, (c) Gundula Schulze Eldowy

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Kunstverein Ulm
Kramgasse 4, 89073 Ulm
kunstverein-ulm.de




ch






Daten zu Gundula Schulze Eldowy:

- Sammlung DZ Bank, Frankfurt

Weiteres zum Thema: Gundula Schulze Eldowy



Sammlung F. C. Gundlach in den Deichtorhallen Hamburg (29.10.03 - 25.01.04)


Das Internationale Haus der Photographie und die Deichtorhallen Hamburg bilden in Zukunft eine Einheit. Ziel ist es, gleichbereichtigt als Ort der internationalen zeitgenössischen Kunst und als Forum für historische, gegenwärtigen und zukünftige Aspekte der Fotografie miteinander Ausstellungen, Symposien, etc. zu organisieren.

Die Basis des Internationalen Hauses der Photographie bildet die Sammlung von Prof. F.C.Gundlach, der dem Haus zunächst für 20 Jahre seine Sammlung (12.000 katalogisierte Arbeiten aus den Bereichen Dokumentar- und Modefotografie sowie fotografische Arbeiten bildender Künstler) als Leihgabe überlässt. Aus dieser Sammlung wählte der ehemalige Direktor der Deichtohallen, Zdenek Felix, Arbeiten für die erste Ausstellung aus.

Pressemitteilung / Auszug: "In der ersten Ausstellung im "Internationalen Haus der Photographie" wird eine subjektive Auswahl von rund 400 Bildern aus der 12.000 Werke umfassenden Sammlung F. C. Gundlach vorgestellt. Kuratiert vom langjährigen Deichtorhallen-Direktor Zdenek Felix stellt die Ausstellung "A Clear Vision" einen harmonischen Übergang in der Geschichte der Deichtorhallen dar.

Den Schwerpunkt der Ausstellung bilden Photographien aus den letzten 50 Jahren. In der Ausstellung sind 54 Künstler mit rund 400 Werken aus dem umfangreichen Themenspektrum der Sammlung F. C. Gundlach vertreten. Thematisch konzentriert sich diese erste Präsentation auf das Bild des Menschen in der Photographie.

Neben Photographen wie Erwin Blumenfeld, Irving Penn, Robert Frank, Harry Callahan und Otto Steinert werden auch weniger bekannte Positionen gezeigt. Ein besonderes Augenmerk erfährt die Photographie aus Osteuropa, vertreten u.a. durch Josef Koudelka, Antanas Sutkus und Evgenij Mochorev. Einen weiteren Aspekt bilden die Werke von bildenden Künstlern, die primär oder auch nur selektiv mit dem Medium Photographie arbeiten, wie Cindy Sherman , Fischli/Weiss, Günther Förg, Jenny Holzer oder Wolfgang Tillmans. Den Wandel von Künstlerporträts machen die Arbeiten von Philippe Halsman, Alex Kayser und David Robbins deutlich.

Diese Spannweite von Arbeiten repräsentiert jedoch nur einen Bruchteil des gesamten Spektrums der Ausstellung, mit der ebenfalls der Transfer der Sammlung F. C. Gundlach als Dauerleihgabe in die Deichtorhallen eingeleitet wird.

Diese Ausstellung steht im Kontext der Präsentation von großen Privatsammlungen in den Deichtorhallen, in der u. a. die Sammlung der Emanuel Hoffmann-Stiftung, Basel (1991/1992), die Sammlung Sonnabend (1996), die Sammlung Lambert (1998) oder die Sammlung Grässlin (2001) gezeigt wurden. . . . "

Künstlerliste / Auswahl: Diane Arbus, Richard Avedon, Sibylle Bergemann, Erwin Blumenfeld, Katharina Bosse,
Larry Clark, Rineke Dijkstra, Peter Fischli & David Weiss, Günther Förg, Robert Frank, Nan Goldin, F.C. Gundlach,
Philippe Halsman, Georg Herold, Jenny Holzer, Alex Kayser, Josef Koudelka, Milan Kunc, Louise Lawler,Zoe Leonard, Thomas Locher, Michael Najjar, Gabriele und Helmut Nothhelfer, Sam Samore, Gundula Schulze Eldowy, Cindy Sherman, Jeanloup Sieff, Jürgen Teller, Wolfgang Tillmans, Herbert Tobias, Joel-Peter Witkin

Foto: Antanas Sutkus, (27.6.1939 Motiejaus Kluoniskiai/Litauen – lives in Vilnius/Litauen). “Father’s Hand”, 1964, 39,4 x 29,7 cm. © Antanas Sutkus

Ausstellungsdauer: 29.10.2003 – 25.01.2004

Öffnungszeiten: Di-So, 11-18 Uhr, Mo geschlossen

Internationales Haus der Photographie | Deichtorhallen Hamburg | Deichtorstr. 1-2 | D-20095 Hamburg
Tel. +49 (0) 40-321030
deichtorhallen.de

Mit Abstand – Ganz nah. Fotografie aus Leipzig - Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus (25.1.-29.3.09)


Der Fotografie-Bestand des Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus, der zu den bedeutendsten Sammlungen ostdeutscher Fotokunst gehört, bildet den Ausgangspunkt für einen Überblick, der mit über 100 Werken die Geschichte der Leipziger Fotografie von den 1970er Jahren bis zur Gegenwart vorstellt.
Davon sind mehr als 40 Werke aus der Zeit vor 1989, u.a. von Christian Borchert, Klaus Elle, Thomas Kläber, Werner Mahler, Jens Rötzsch, Rudolf Schäfer, Erasmus Schröter, Gundula Schulze Eldowy, Maria Sewcz, Tina Bara.
Die anderen gezeigten Werke entstanden nach 1990, u.a. von Viktoria Binschtok, Yvon Chabrowski, Ulrich Gebert, Göran Gnaudschun, Matthias Hoch, Susanne Huth, Bertram Kober, Ricarda Roggan, Adrian Sauer, Andreas Schulze, Grit Schwerdtfeger, Esperanza Spierling, Anett Stuth, Albrecht Tübke,Tobias Zielony.

Die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig prägte in den 1980er Jahren jene Fotografengeneration, welche die Dominanz des agitatorischen Bildjournalismus unterminierte und eigene Handschriften entwickelte. Die kritische, soziologisch-empirische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, der Blick auf die Menschen und ihre sozialen Zwänge stehen seither im Fokus der Leipziger Fotografie. Die Weiterentwicklung konzeptuell unterschiedlicher Auffassungen der Leipziger Absolventen nach 1990 wird an ausgewählten Positionen zur Gegenwartskunst verdeutlicht. Auch hier steht die kritische Distanz zur gesellschaftlichen Wirklichkeit im Vordergrund, sowohl unter den Perspektiven privat-alltäglicher wie öffentlicher, globaler Zusammenhänge.

Abbildung:
Jens Rötzsch
Aus: Protokoll-Strecken, 1987-1991
Leipzig, August 1987, 1987
C-Print, 39 x 39,4 cm, Inv.-Nr. F 812/6/-89
(Aus der Sammlung Fotografie des Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus)

Öffnungszeiten: Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do - 20.00 Uhr
Mo geschlossen

Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus
Uferstraße/Am Amtsteich 15
03046 Cottbus
Tel. +49(0)355 49 49 40 40

museum-dkw.de






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