GALERIE BRD "I'm not here to make friends"

Eine Ausstellung der Galerie BRD

25. 11. 2017 - 11. 02. 2018 | Kunstverein Harburger Bahnhof, Hamburg
Eingabedatum: 28.11.2017

bilder

mit Beiträgen von Katja Aufleger, Johannes Bendzulla, Carsten Benger, FORT, Philip Gaißer & Niklas Hausser, Thorben Mämecke, Dorit Margreiter, Stefan Panhans, Moritz Sänger, Nicolaas Schmidt, Pilvi Takala

Die in Hamburg gegründete Galerie BRD ist ein Zusammenschluss von Künstler_innen, die seit 2013 regelmäßig mit thematischen Ausstellungsprojekten in Erscheinung treten. Wiederkehrende Themen sind das Verhältnis von Subjekt, Gesellschaft und Technologie, neokapitalistische Kreativitätsparadigmen und das Dogma permanenter Selbstoptimierung. Mit "I’m not here to make friends" bringt die Galerie BRD im Kunstverein Harburger Bahnhof Videoarbeiten eingeladener Künstler_innen und Found-Footage-Material zusammen, um über die Funktion von Authentizitätskonzepten in postkapitalistischen Gesellschaftssystemen und das Prinzip der Nachahmung als affirmative wie subversive Praxis zu reflektieren.

Der Titel der Ausstellung "I’m not here to make friends" ist Klischee gewordenes Mantra von Teilnehmer_innen unterschiedlichster Reality-TV-Formate: Postuliert in dramatisierten Momenten des Konflikts verdeutlicht es, dass man sich der Bedingungen seines Zusammenkommens bewusst ist, eine klares Ziel vor Augen hat und sich nicht verstellen muss, um dieses zu erreichen. Als Ausdruck eines Unbehagens an der Gruppe beschreibt es in Rückversicherung der eigenen Authentizität gleichzeitig Teilnahme und Abgrenzung von der Gemeinschaft. Es ist Fluchtbewegung, Bestätigung der eigenen Identität und Affirmation untragbarer Zustände in einem. Im Kunstverein Harburger Bahnhof transferiert die Galerie BRD diese Bedeutung auf die selbst längst hyperreal erscheinende Gegenwart postkapitalistischer Gesellschaften.

In Werbung und Medien produzierte Konzepte von ‚Reichtum‘, ‚Reise‘, ‚Abenteuer‘ und ‚Spaß‘ vermitteln Ideen von Luxus, Naturverbundenheit, Rausch oder kindlicher Unschuld: Ihr gemeinsamer Ansatz ist die Suggestion von Authentizität, Ursprünglichkeit, Natürlichkeit und Freiheit, die als begehrenswerte Güter erzeugt und als Produkte einer Erlebnisökonomie in die Wertschöpfungskette zurückgeführt werden. Eng verknüpft mit Lebensstilen und Identitäten sind es diese ewigen (Re-)Produktionen von Erfahrungen, die ein aktuelles Unbehagen ausmachen. Im Prozess zunehmender Ökonomisierung aller Lebensbereiche bieten die so erzeugten Sehnsuchtsorte keinen Ausweg und verwischen zunehmend die Grenzen zwischen einem ‚authentischen‘ Selbst und seinen medialen Simulakren.

Mit den im Kunstverein Harburger Bahnhof versammelten Videoarbeiten von FORT, Philip Gaißer & Niklas Hausser, Dorit Margreiter, Stefan Panhans, Nicolaas Schmidt und Pilvi Takala sowie zusammengetragenem Found-Footage-Material befragt die Galerie BRD diese Logiken von Imitation, Simulation, Affirmation und Wiederholung als Strukturprinzipien kapitalistischer Verwertungssysteme, aber auch als Werkzeuge der Subversion und des Widerstands aus dem Inneren des Systems heraus.

Track_7: Mechanical Turks
Samstag, 2. Dezember 2017, 14 – 18 Uhr
Mit Beiträgen von Lauren Huret & Hunter Longe (Künstler_innen, Genf), Sebastian Schmieg (Künstler, Berlin), Thorben Mämecke (Soziologe, Universität Paderborn) und der Galerie BRD

Angesichts simulierter zwischenmenschlicher Interaktion, mit Eigenleben ausgestatteter Algorithmen oder menschlicher Ressource, die die Arbeit von Bots übernimmt, ist die Grenzziehung zwischen natürlicher und künstlicher Intelligenz schwierig geworden: Wer imitiert hier wen und wie soll umgegangen werden mit authentisch erscheinenden Simulationen von Leben?

Die Reihe „Track Academy“ umfasst ein diskursives Programm mit Formaten aus Wissenschaft, Kunst und Vermittlung. Durch eine zeitliche und räumliche Verdichtung von Veranstaltungen werden kommunikative Situationen angeboten, die Aneignungen von Handlungsräumen sowie die Aktivierung von spezifischem Wissen ermöglichen. Die „Track Academy“ leitet ihre Themen aus den Ausstellungsprojekten des Kunstvereins ab und reflektiert sie über das Kunstfeld hinaus zurück in den gesellschaftlichen Raum.


Kunstverein Harburger Bahnhof
Im Bahnhof über Gleis 3&4
Hannoversche Straße 85
21079 Hamburg

kvhbf.de


Presse






Daten zu Pilvi Takala:

- Bucharest Biennale 4, 2010

- Frieze London 2013

- Istanbul Biennial, 2005

- Kunsthalle Basel

- Kunsthalle Basel

- Kunstverein Nürnberg

- online Biennale 2013

- Ural Industrial Biennial 2017

Weiteres zum Thema: Pilvi Takala



Culture(s) of Copy


Mit der Ausstellung "Culture(s) of Copy" widmet sich das Edith-Ruß-Haus in Oldenburg der Kunst der Kopie. Neben Fragen nach der Authentizität von Kunstwerken wird die Kopie als produktive Strategie postmoderner Kultur vorgestellt.

Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut in Hongkong entstanden und führt zahlreiche Künstler zusammen, die sich im weitesten Sinne mit dem Thema "Kopie" beschäftigen. Dabei werden ganz unterschiedliche Perspektiven vorgestellt, aus denen man sich dem Thema nähern kann. Einige Künstler setzen sich mit Werken der Kunstgeschichte auseinander, andere schöpfen aus Archiven oder arbeiten mit Wiederholungen, Variationen oder kulturellen Übertragungen.
Im Zeitalter von modernen Massenmedien, Remix-Strategien oder "Copy und Paste" wird die Kopie zu einer kulturellen Arbeitsmethode, die die Maxime der Originalität bewusst ignoriert. Diese neuen, produktiven Möglichkeiten der Kopie sollen anhand der ausgewählten Arbeiten aufgezeigt werden.

KünstlerInnen:
Qiu Anxiong, Xu Bing, Candice Breitz, Wong Hoy Cheong, Sven Drühl, Omer
Fast, Anna Jermolaewa, Zhang Peili, Cornelia Sollfrank, Pilvi Takala,
Leung Chi Wo / Sara Wong, Ming Wong, Xu Zhen

Abbildung: Xu Zhen: 8848-1.86, 2005"

Ausstellungsdauer: 26.11.10-20.2.11

Öffnungszeiten:
Do-Fr 14-17 Uhr
Sa-So 11-17 Uhr

Edith-Ruß-Haus für Medienkunst
Katharinenstraße 23
26121 Oldenburg

edith-russ-haus.de

How to Work (More for) Less


Die Ausstellung How to Work in der Kunsthalle Basel vereint neun internationale zeitgenössische Künstler aus der Generation, die im ersten Jahrzehnt des neuen Millenniums in Erscheinung trat. So verschiedenartig ihre Praktiken auch sind, schliessen sie doch alle an die Konzeptkunst der 1960er und 1970er Jahre sowie deren vielfältige Ausprägungen in den späteren, neokonzeptuellen Werken der 1980er und 1990er an, die sich – nach der bahnbrechenden, von Douglas Crimp kuratierten Ausstellung „Pictures“ aus dem Jahr 1977 – kritisch mit der Politik von Bild- und Objektproduktion beschäftigten. In den 1960er Jahren reflektierte die Konzeptkunst bewusst den umfassenden ökonomischen Wandel seit den 1950er Jahren von der industriellen zur dienstleistungsorientierten Gesellschaft. Bereiche wie Werbung und Informationstechnik gewannen immer grössere Bedeutung, während sich traditionelle Industrien aufzulösen begannen.

Die in How to Work beteiligten Künstler verfolgen wiederum eine Vielzahl von Strategien, in denen sich ein bemerkenswertes politisches und ethisches Verständnis manifestiert, das von einem sehr genauen Bewusstsein über die heutige Ökonomie der Kunstwelt geprägt ist, in der jedes innerhalb (oder auch ausserhalb) dieses Systems produzierte Werk sofort in eine Ware verwandelt wird. Für ihre Arbeiten verwenden die Künstler gefundene Objekte oder aus dem Internet stammendes Material. Sie dokumentieren oder imitieren direkt die sie umgebende Wirklichkeit, um den allzu vertrauten Kontext zu verfremden. Darüber hinaus inszenieren sie performative Interventionen, welche die Realität simulieren und ihr eine neue Wendung verleihen. Dabei bedienen sie sich in détournements klassischer Techniken und Genres und nutzen Serialität oder Zufallsverfahren.

How to Work untersucht die verschiedenen Möglichkeiten, heute als Künstler zu arbeiten. Die Frage, wie im aktuellen kulturellen und politischen Umfeld zu arbeiten wäre und worin diese Tätigkeit zu bestehen hätte, muss neu verhandelt oder neu beantwortet werden. Die Arbeitsmethoden zeitgenössischer Künstler können im Zusammenhang mit der allgemeinen Verlagerung von materieller zu immaterieller oder von Hand- zu Kopfarbeit betrachtet werden. Diese ist untrennbar mit dem Wandel von einer Industriegesellschaft (die spezifische Produkte herstellt) zu einer Dienstleistungsgesellschaft (die „Lösungen“ anbietet) verbunden. In der jüngst postulierten Wissensgesellschaft, kommt es noch weniger auf das dauerhafte und greifbare Produkt oder dessen Distribution an, sondern auf das Verhältnis der Kunden untereinander, die nun Teilnehmer genannt werden. Um der zunehmenden Gleichförmigkeit der menschlichen Beziehungen in der real existierenden Utopie einer globalen, aus teilhabenden, kreativen Individuen bestehenden Gesellschaft etwas entgegenzusetzen, sollte das Werk des Künstlers einen Unterschied machen. Aber ist dieser Vorstellung, etwas könne einen Unterschied machen, überhaupt zu trauen?
...
Die Auswahl der Arbeiten für How to Work in der Kunsthalle Basel folgt keinen thematischen Kriterien, auch wenn viele der ausgestellten Werke sich mit der Ökonomie ihrer eigenen Produktion sowie deren Beziehung zur Wirtschaft im grösseren Massstab beschäftigen. Der Titel der Ausstellung ist dementsprechend als allgemeiner Rahmen für die Frage zu verstehen, der sich jeder Künstler und jeder Arbeiter heute gegenübersieht, und nicht als ein starres „Thema“, das die Werke illustrieren sollen. Statt auf einer Qualitätssteigerung zu beharren oder zu erklären, „wie man besser arbeitet“, wirft die Ausstellung die kritisch reduzierte Frage auf, die schlicht zu erkunden sucht, wie man heute überhaupt arbeitet.

Künstlerliste: Juliette Blightman, Tania Pérez Córdova, Raphael Hefti, Judith Hopf, Tobias Kaspar, Adriana Lara, Adrian Melis, Pratchaya Phinthong, Pamela Rosenkranz, Pilvi Takala & Projekt an der Rückwand: Pedro Wirz

Abbildung: Installationsansicht "How to Work": Untitled, 2011, Spionglas von Pratchaya Phinthong, Courtesy der Künstler; im Büro: Archivfoto, Fischli/Weiss, 1990, Courtesy die Künstler / Image: Installation view of "How to Work": Untitled, 2011, one way mirror privacy window film by Pratchaya Phinthong, Courtesy the artist; in the office: archival photograph, Fischli/Weiss, 1990, Courtesy the artists

Öffnungszeiten: Di/Mi/Fr 11-18 Uhr · Do 11-20.30 Uhr · Sa/So 11-17 Uhr

Kunsthalle Basel
Steinenberg 7
CH-4051 Basel
Tel +41 61 206 99 00
kunsthallebasel.ch





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