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Neugierig? - Kunst des 21. Jahrhunderts aus privaten Sammlungen - Kunst- und Ausstellungshalle Bonn


Eingabedatum: 26.04.2010


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..."Lieber Sammler, kaufe Dir"... Die Museen dieser Welt klagen über sinkende Ankaufetats und stopfen die Löcher ihrer Sammlungen und Ausstellungsprojekte zunehmend mit Werken aus Privatsammlungen. Das kann im besten Fall zu wohlkuratierten, hochkarätigen Ausstellungen führen, kann aber im schlimmsten Fall auf die Ebene eines gehobenen Showrooms für die privaten Sammlungen abrutschen. Die Nobilitierung der Sammlung durch die museale Präsentation allerdings bleibt gewiß.

Mit einer neuen Ausstellungsreihe möchte die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn – selbst ein Haus ohne eigene Sammlung - „initiative, meinungsbildende Privatsammlungen“ des 21. Jhs vorstellen. Dabei soll eine erste Übersicht über die Kunst des noch zu jungen Jahrhunderts gewagt werden.

Neugierig? stellt mit 145 Werken von 57 Künstlerinnen und Künstlern aus 15 privaten Sammlungen den Auftakt zu der Reihe dar. Neben bekannten deutschen Sammlungen wie der Sammlung Falckenberg (Hamburg), Sammlung Boros (Berlin), Sammlung Goetz (München), Sammlung Paul Maenz (Berlin), Julia Stoschek Foundation e.V. (Düsseldorf) oder der Olbricht Collection sind auch französische Sammler (Antoine de Galbert und Marc et Josée Gensollen) oder die Schweizer Sammlungen Ellen und Miachel Ringier vertreten. Auch Werke aus weniger populären Kollektionen wie der Sammlung KiCo, die eng mit dem Lenbachhaus in München und dem Kunstmuseum Bonn zusammenarbeitet, werden in der Ausstellung Neugierig? präsentiert.

Der begleitende Katalog ist im Kerber Verlag als Hardcover erschienen, umfasst 297 Seiten und glänzt vor allem durch die vielen, qualitativ hochwertigen Farbabbildungen. Viel Bild, wenig Text also. Genauer gesagt: Drei Texte und fünfzehn Kurzportraits der an Neugierig? beteiligten Sammlungen. Dabei wird Robert Fleck, seit Januar 2009 Intendant der Kunst- und Ausstellungshalle, in seinem recht ausführlichen Vorwort nicht müde zu betonen, wie wichtig die privaten Sammler für die Entwicklung und Rezeption der aktuellen Kunst sind und spricht deren Ausstellungsräumen gar einen emanzipatorischen „Impetus im Sinne der Aufklärung“ zu. Weniger emphatisch ist Dorothea Wimmer, die in einem sachlich kurzen Text die Rolle und Funktion der privaten Sammlungen im 21. Jahrhundert beschreibt.

Mit >Neugierig? Die Kunst des 21. Jahrhunderts< versucht Rainald Schumacher als Kurator der Ausstellung eine erste Bilanz der Kunst des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrhunderts zu ziehen:„...Wie sieht sie also aus, die Kunst des 21. Jahrhunderts? Womit beschäftigt sie sich? Was hat sie mit unserer Wirklichkeit gemeinsam? Reichen die Kriterien der Vergangenheit aus, um sie angemessen beurteilen zu können oder erfordert die Kunst unserer Gegenwart aktualisierte, andere Maßstäbe?“ – das ist der Fragenkatalog, den sich der Kurator in seinem siebenseitigen Text vorgeknöpft hat. Im Text überwiegen dann aber nicht die Antworten auf diese Fragen, sondern ein langsames Herantasten durch Beschreibungen von in der Ausstellung gezeigte Arbeiten wie z.B. den clownsnasigen, schweinsohrigen Totenkopf >Famine< (2004) von Jake und Dinos Chapman, die mondrianeske Baumarktmaterialinstallation >Drum and Bass< (2003) von Mathieu Mercier oder Ceal Floyers bunte Filzstiftfarbkreise >Ink on Paper< (2001-2007). Schumacher stellt fest, dass die zeitgenössische Kunst „mit dem gesamten Potential an menschlicher Intelligenz“ parallel zu der komplexen Realität reagiert und dieser eine eigene Bildwelt entgegenstellt, die wiederum als Werkzeug „zum besseren Verständnis unserer Lebenswirklichkeit“ genutzt werden kann. Einen weiteren Aspekt der zeitgenössischen Kunst sieht Schumacher in dem Zitieren aus der Kunstgeschichte sowie dem Beleuchten der Rollenbilder der Frau. Auch skizziert er die zwei Pole, zwischen denen sich die Geschichte der Gegenwartskunst, die mit Neugierig? erzählt werden soll, bewegt: so changieren die Arbeiten seiner Meinung nach zwischen einer direkten oder indirekten Lesbarkeit, zwischen gegenständlichem Reichtum oder formaler Reduktion. Viel Lärm um nichts Neues.

Vielleicht ist es doch noch zu früh, um die markanten Wesensmerkmale der Kunst zu Beginn des 21. Jahrhunderts analysieren zu können?

Letztlich ist es vor allem der ausführliche Abbildungsteil der “Bände spricht“: Hier erst wird die Spannbreite, der in Neugierig? gezeigten Arbeiten, die von Kunststars wie Tino Sehgal, Thomas Scheibitz, Natalie Djurberg über Vorläuferpositionen wie denen von Vito Acconci oder Hannah Höch bis hin zu momentan dem breiten Publikum noch nicht so geläufigen Künstlerinnen wie Karla Black, Vibeke Tandberg oder Birgit Brenner reicht, deutlich.

Neugierig?
Kunst des 21. Jahrhunderts aus privaten Sammlungen
Kerber Verlag
Hardcover
207 Seiten
zahlreiche farbige Abbildungen
ISBN 978-3-86678-380-5
EUR 35,00

Die Ausstellung läuft noch bis zum 02.05.2010 in der
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
bundeskunsthalle.de

Stefanie Ippendorf
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