Von Sinnen. Wahrnehmung in der zeitgenössischen Kunst

Eine Ausstellung zur künstlerischen Auseinandersetzung mit den Sinnen


Eingabedatum: 20.07.2012

bilder

Urban Grünfelder, Mann frisst Anzug, Keramik, Lack, 60x60x50 cm, 2012

Wie riecht, schmeckt, hört und fühlt sich Kunst an? Die etablierten Verhaltensregeln für den Besuch von Ausstellungsräumen zumal von musealen, sind zunächst einmal auf das Schauen und inzwischen auch auf das Hören, nicht jedoch auf das Riechen, Schmecken und taktile Fühlen ausgerichtet.
Die zum Teil raumgreifenden Werke der aktuellen Sonderausstellung der Kunsthalle zu Kiel stehen alle im Kontext der künstlerischen Auseinandersetzung mit den Sinnen und machen diese erlebbar. Die Schau widmet sich den Fragen, welche Rolle unsere körperlichen Navigationssysteme in der Gegenwartskunst spielen, inwiefern die sinnliche Erfahrung einen eigenen künstlerischen Wert darstellt und diese über ein bloß hedonistisches Erleben hinausgeht. Auch der sechste Sinn, die unterbewusste Wahrnehmung und die 12 Sinne in der anthroposophischen Lehre werden thematisiert.

Die spektakuläre Installation von Erik Kessels setzt auf visuelle Überwältigung. Kessels hat rund 1 Mio. öffentlich zugängliche Bilder von der Internetplattform flickr heruntergeladen und hunderttausende davon förmlich in den Ausstellungsraum geschüttet. Der Besucher watet durch ganze Berge von Fotoabzügen. Der Künstler stellt in 24 hrs in photos das heutige Verhältnis von Privatheit und Öffentlichkeit aus und macht die Bilderflut der Gegenwart buchstäblich begreifbar. Heribert Friedl hat eine Geruchsinstallation auf die Wand gemalt, die nur wenig zu sehen, dafür umso deutlicher zu riechen ist. Forest (Klein Elmeloo) bezieht sich olfaktorisch auf den einstmals begrünten Ort, auf dem heute die Kunsthalle steht. Sonja Alhäusers eigens für die Kunsthalle entworfene Installation Ausschnitt besteht aus verzehrbaren, süßen Nahrungsmitteln wie Marzipan und Schokolade. Die Künstlerin führt den Besucher in Versuchung, das künstlerisch gesetzte Werk durch dessen direkte und wortwörtliche Einverleibung nach und nach zu zerstören. Auch Via Lewandowsky stellt keine übliche museale Situation her: In einem leeren Raum ist lediglich das Summen einer Fliege zu hören. Die rein akustisch wahrnehmbare Bewegung im Raum wirft den Betrachter auf seine Vorstellungskraft zurück. Unterhaltungsfaktor, Aktion und Zurschaustellung - Vadim Fishkin adressiert in seiner Installation das Publikum sehr direkt. Seine Snow_Show besetzt alle Sinne und greift Unterhaltungsformate jenseits musealer Repräsentationstechniken auf, um den Besucher selbst zum Anschauungsobjekt zu erklären.

Neben diesen raumgreifenden Installationen präsentiert die Ausstellung Tafelbilder, Objekte und Videoinstallationen – unter anderem von Carsten Nicolai, Tim Eitel, Louise Bourgeois und Bill Viola, die die einzelnen Sinne auf höchst verschiedene Weise ins Bild setzen. Sämtliche Werke der Ausstellung ermöglichen sowohl einen sinnlichen wie auch intellektuellen Zugang. Denn mit jedem Sinn, der direkt adressiert wird, entsteht ein Assoziationsraum, der weitere Sinne miteinschließt:In der Konzentration auf diese Prozesse stellt Von Sinnen auch einen Kommentar zur Welt der Gegenwart dar, in der die Schnelligkeit und Komplexität des medialen Informationsaustausches sowie die Virtualität sozialer Begegnungen großen Einfluss auf die Konditionierung der menschlichen Wahrnehmung haben, auf Aufmerksamkeitsspannen und die individuelle Intuition.

Herman van Aldewereld, Sonja Alhäuser, Louise Bourgeois, Tony Cragg, Tim Eitel, Ayse Erkmen , Hans-Peter Feldmann, Vadim Fishkin, Thomas Florschuetz, Heribert Friedl, Gabriella Gerosa, Helga Griffiths, Urban Grünfelder, Gregor Hildebrandt, Rolf Julius, Erik Kessels, Via Lewandowsky, Eugenio Merino, Ernsto Neto, Carsten Nicolai, Daniel Pflumm, Eva von Platen, Bettina Pousttchi, Paul Pretzer, Bernd Ribbeck, Jeremy Shaw, Roman Signer, Michael Sistig, Thomas Struth, Sam Taylor-Wood, Ivonne Thein, Rirkrit Tiravanija, Rosemarie Trockel, Bill Viola, Sonja Vordermaier, Johannes Wohnseifer, Michael Wolf und Erwin Wurm.

Öffnungszeiten
Di–So: 10.00–18.00 Uhr
Mi: 10.00–20.00 Uhr
Mo: geschlossen

Kunsthalle zu Kiel
Christian-Albrechts-Universität
Düsternbrooker Weg 1
24105 Kiel
Telefon +49 431 88057-56
kunsthalle-kiel.de

Medienmitteilung










Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




    Anzeige
    berlin


    Anzeige
    Atelier



    Alexander Kluge. Gärten der Kooperation

    Die beiden zentralen inhaltlichen Bezugspunkte der Ausstellung kreisen um die Metapher des Gartens und die Idee des Gemeinsamen. weiter


    Saâdane Afif. Ici. / Là-bas.

    In Düren und Montpellier wird die Arbeit „Ici. / Là-bas.“ von dem französischen Künstler Saâdane Afif zeitgleich gezeigt. weiter


    Denn hinter diesem Horizont liegt ein weiterer Horizont

    Die Ausstellung spiegelt den Blick der zeitgenössischen Kunst auf alternative Zukunftsentwürfe – mögliche Horizonte hinter dem jetzt sichtbaren Horizont. weiter


    MORE than ROME. Christoph Brech

    Ungewöhnlich, manchmal irritierend, oft verblüffend sind die Arbeiten des Münchner Bild- und Videokünstlers Christoph Brech. Seine Werke konzentrieren sich auf Phänomene der Zeit, der Übergänge, der Erinnerung. weiter

    graduiert ≈ präsentiert

    Vom 11. Oktober bis 12. November 2017 zeigt die Burg Galerie im Volkspark unter Arbeiten von Stipendiatinnen und Stipendiaten der Graduiertenförderung des Landes Sachsen-Anhalt aus den Jahren 2016 und 2017. weiter

    Ausstellung der Meisterschülerinnen/Meisterschüler der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig

    Die Ausstellung versammelt traditionell zum Beginn des Akademischen Jahrs Arbeiten der Meisterschüler*innen, die im Winter- und Sommersemester ihre Prüfung erfolgreich abgelegt haben weiter


    Martin Parr: Souvenir - A Photographic Journey

    In seinen Arbeiten zeigt Martin Parr die gesellschaftliche Realität: Phänomene wie Konsum, Tourismus oder nationale Identitäten beleuchtet er aus einer unterhaltsamen Perspektive, die das Banale, Extreme und manchmal auch Abgründige im Alltäglichen sichtbar macht. weiter

    Roter Oktober. Kommunismus als Fiktion und Befehl

    Die russische Revolution kann als Beginn des proletarischen Zeitalters und der Etablierung international sehr unterschiedlicher Kommunismen gelten. Mittels zeitgenössischer Kunstwerke der verschiedensten Gattungen und Medien sowie einer Auswahl historischer Referenzwerke versucht die Ausstellung ... weiter

    Robert Sieg erhält den Meisterschülerpreis der G2 Kunsthalle 2017

    Im Rahmen der heutigen Eröffnung der Meisterschüler-Ausstellung der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) 2017 hat Steffen Hildebrand (G2 Kunsthalle) den Meisterschülerpreis der G2 Kunsthalle an Robert Sieg für seinen filmischen Essay „Der unsichtbare Teich“ verliehen. weiter


    Hendrick Goltzius und Pia Fries: Proteus und Polymorphia

    Mehr als vierhundert Jahre trennen das künstlerische Œuvre des Manieristen aus dem späten 16. und dem frühen 17. Jahrhundert, Hendrick Goltzius, und der zeitgenössischen Malerin Pia Fries, die sich seit sieben Jahren künstlerisch mit dem Werk von Goltzius auseinandersetzt. weiter


    Folklore. Eine Kontroverse mit Werken aus den Sammlungen

    Die kontroverse Rolle von Folklore in der bildenden Kunst seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart steht im Mittelpunkt der neuen Sammlungsausstellung in Partnerschaft mit der Generali Foundation weiter

    Hiscox Kunstpreis 2017

    Die mit 7.500 Euro dotierte Auszeichnung erhält Daniel Hopp. Über das Aufenthaltsstipendium im Rahmen von »sommer.frische.kunst“ kann sich der Malerei-Student Simon Modersohn freuen. weiter


    DIORAMA. ERFIN­DUNG EINER ILLU­SION

    Vom 6. Okto­ber 2017 bis 21. Januar 2018 widmet sich die Schirn Kunst­halle Frank­furt in einer großen Ausstel­lung einer Kultur­ge­schichte des Sehens. weiter


    Heike Kati Barath - Mal

    Die Berliner Künstlerin Heike Kati Barath wird 2017 mit dem Karl-Ernst-Osthaus-Preis der Stadt Hagen ausgezeichnet. weiter

    Andreas Mühe Eine Quadratur

    Der Fotograf Andreas Mühe, geboren 1979 in Karl-Marx-Stadt, lebt und arbeitet in Berlin. Sehen wir in seinen Fotografien was wir sehen wollen? weiter