Black Power – Flower Power

Fotografien von Pirkle Jones und Ruth-Marion Baruch

3. Februar – 3. Juni 2018 | Museum Ludwig, Köln
Eingabedatum: 01.02.2018

Werkabbildung

Pirkle Jones Ohne Titel (Black-Panther-Demonstration, Alameda County Courthouse, Oakland, CA, während des Huey-Newton-Prozesses), 30. Juli 1968, Abzug 2010 Schenkung Pirkle Jones Foundation © Pirkle Jones Foundationbilder

Mit Sympathie und beobachtender Distanz fing das Fotografenehepaar Pirkle Jones und Ruth-Marion Baruch das San Francisco der 1960er-Jahre ein, in dem die Black Panthers aus der Bürgerrechtsbewegung hervorgingen und Hippies im Stadtteil Haight-Ashbury neue Lebens- und Arbeitsformen erprobten. Es war eine Zeit, in der gerade an der Westküste der USA die verschiedenen Strömungen von Bürgerrechtsbewegung und Counter Culture auf besondere Weise verdichtet waren. Die Politisierung und Radikalisierung nach der Ermordung von Malcolm X und den blutigen Rassenunruhen in Watts, Los Angeles, standen neben anarchischem Hedonismus und die agitativen Plakate der Black Panther waren neben psychedelischen Postern der Hippiekultur im Stadtbild zu finden.

Das Museum Ludwig erhielt 2013 eine Schenkung der Pirkle Jones Foundation von 52 Fotografien von Ruth-Marion Baruch und Pirkle Jones. Diese werden nun zum ersten Mal alle zusammen in einer Studioausstellung im Fotoraum des Museums präsentiert. Eine Spotify-Playlist ermöglicht den Besuchern der Ausstellung ein individuelles audiovisuelles Erlebnis zum Einfinden in den damaligen Zeitgeist.

Ruth-Marion Baruch (1922–1997) und Pirkle Jones (1914–2009) lernten sich 1946 an der California School of Fine Arts in der Fotografieklasse von Ansel Adams kennen. Drei Jahre später heirateten sie. Baruch war mit ihrer Familie 1927 von Berlin nach New York emigriert, was sie vor der nationalsozialistischen Verfolgung rettete. Nach einem anfänglichen Studium der Anglistik und des Journalismus gelangte sie auch durch ihre Masterarbeit zu Edward Weston schließlich selbst zur Fotografie. Jones wiederum war in Louisiana und Indiana Zeuge von Gewalt und Rassismus geworden. So verbindet beide ein geschärftes gesellschaftliches Bewusstsein, was in ihren Arbeiten sichtbar wird.

Für die Hippie-Bewegung, deren Gegenkultur sich vor ihrer Haustür formierte, brachte das Fotografenpaar großes Interesse auf: Baruch besuchte im Jahr 1967 immer wieder den Stadtteil Haight-Ashbury, Ursprung und Zentrum der alternativen Flower Power-Szene. Das Programm der Hippies konnte man hier an jeder Straßenecke fotografieren: Freie Liebe und Drogenkonsum, friedliches Leben in der Gemeinschaft und die Selbstverwirklichung des Individuums abseits vom Leistungsdruck der kapitalistischen Gesellschaft. Jones interessierte sich für die Hausboot-Community Gate Five in Sausalito, eine Kommune von Freigeistern, Künstler*nnen und Aussteiger*nnen, die er über mehr als zwei Jahre konstant begleitete.

Es war Baruchs Anliegen, nach diesen Projekten auch die Black Panther Party abzulichten, die sich von der gewaltfreien Bürgerrechtsbewegung Martin Luther Kings abgrenzten. Obwohl die Rassentrennung 1964 offiziell abgeschafft worden war, sah die Realität anders aus. Mit ihrem Zehn-Punkte-Programm kämpften die Black Panther weiterhin gegen gesellschaftliche Unterdrückung und Ausbeutung. Sie forderten gleichberechtigten Zugang zu Bildung, Arbeit und menschwürdigem Wohnen, faire Gerichtsprozesse und das Ende der willkürlichen Polizeigewalt. Gegen letztere riefen die Black Panther zur Selbstverteidigung auf und lehnten Gewalt als Mittel nicht ab. Die Presse zeichnete von der Partei ein stark negatives Bild. Mit dem Ziel, diesem eindimensionalen Bild entgegenzuwirken, hatte Baruch die Fotoreihe zunächst alleine geplant. Schließlich entstand daraus doch eine Kooperationsarbeit mit Pirkle Jones,als er sie zur ersten Demonstration der Black Panther fahren sollte und spontan entschied: „I’ll drive you there if you really want to go, but then I’ll take my camera too.“


Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln
Tel:+49-221-221-26165
museum-ludwig.de
info@museum-ludwig.de

Presse






Daten zu Pirkle Jones:

- MoMA Collection

Weiteres zum Thema: Pirkle Jones



Looking for Mushrooms - Museum Ludwig (8.11.08-1.3.09)


Beat Poets, Hippies, Funk und Minimal Art:
San Francisco 1955 - 1968

Vierzig Jahre nach 1968, dem Jahr, in dem sich die Gesellschaft radikal verändert hat, ist es an der Zeit, die Kunstszene einer Stadt ins Bewusstsein zu rücken, die in den 1960er und 1970er Jahren als Mekka experimenteller Lebens- und Kulturformen (Beat Poets, Hippiebewegung, Counterculture) galt.

Nicht in New York, sondern "am Ende der Welt", an der Westcoast der USA rund um San Francisco, werden die Tabus der werkzentrierten Nachkriegsmoderne in einer Weise gebrochen, dass es zum intensiven Austausch aller Künste kommt. "Looking for mushrooms" heißt ein 1959-1967 entstandener Film von Bruce Connor, der der Ausstellung seinen Titel leiht. Hier verschmelzen winzige Filmpartikel zu einem abstrakten, virtuosen Farb- und Lichtspiel. So assoziiert nicht nur der Titel "magic mushrooms", die Drogenkultur der 1960er Jahre. In der Person von Bruce Connor laufen Verbindungen zwischen Kunst, Film, Tanz, Beat- und Popkultur zusammen. Dies ist nicht nur für ihn als Einzelperson kennzeichnend, sondern für die Zeit der 1950er und 1960er Jahre in San Francisco und der Bay Area. Hier wird eine Entgrenzung der Kunst zu einer politisierten Counterculture ebenso möglich wie die Vermischung von Theater, bildender Kunst, Tanz, Literatur und Film.
In diesem Umfeld experimentieren Künstler, welche die Weiterentwicklung der internationalen Kunst seit den 1960er Jahren maßgeblich beeinflusst haben. Ihre Kunst ist nicht mehr mit den traditionellen Kategorien vom schöpferischen Subjekt und das jeweilige Medium reflektierenden Einzelwerks zu begreifen.

Aus diesem Grund ist neben der Ausstellung, die mit einem synchronen Schnitt die Vernetzung der Künste und Künstler mit rund 200 Werken und Dokumenten deutlich und lebendig macht, ein dichtes Filmprogramm geplant sowie ein umfangreiches Materialbuch als Katalog. Die Ausstellung wird von Barbara Engelbach (Museum Ludwig) zusammen mit Friederike Wappler (Universität Bochum) und Hans Winkler (freier Künstler und Kurator) kuratiert.

Die Ausstellung wird gefördert durch die Kunststiftung NRW.

Künstlerliste
William Allan, Bruce Baillie, Ruth-Marion Baruch, Wallace Berman, Stan Brakhage, James Broughton, Bruce Conner, Robert Crumb, Ron G. Davis / San Francisco Mime Troupe, Jay DeFeo, Walter De Maria, Emory Douglas, Terry Fox, Allen Ginsberg, Rick Griffith, Anna Halprin, Wallace Hedrick, Jess, Pirkle Jones, Lawrence Jordan, Steve Kaltenbach, Alton Kelley, Ken Kesey, Timothy Leary, Bonnie MacLean , Michael McClure, Christopher MacLaine, Victor Moscoso, Mouse Studios,Bruce Nauman, Gunvor Nelson, Robert Nelson, Sidney Peterson, Yvonne Rainer, Steve Reich, Ron Rice, Terry Riley, Peter Saul, ruth weiss, H.C. Westermann, Dorothy Wiley, William T. Wiley, Wes Wilson, La Monte Young

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag (inkl. Feiertage): 10 – 18h
jeden ersten Donnerstag im Monat: 10 – 22h
montags geschlossen
zusätzlich im Januar 2009 jeden Donnerstag: 10 – 20h (außer dem 15.01.2009, nur bis 18.00h)

Eintrittspreise:
Eintrittskarten sind den ganzen Tag gültig und berechtigen zum Eintritt in die Sammlungsräume und in alle Sonderausstellungen.
Erwachsene: 9,00 EUR ermäßigt: 6,00 EUR
Familien: 18,00 EUR
Gruppen (ab 20 Personen): 6,50 EUR pro Person
Schulklassen: 3,00 EUR pro Schüler
Am ersten Donnerstag im Monat gilt ab 17 Uhr ein um 50Prozent reduzierter Eintrittspreis für die Sammlung und alle Sonderausstellungen von 4,50 EUR (ermäßigt: 3,00 EUR).

Führungen
Führungen per tourguide für Menschen mit Hörbehinderung.
Das Museumsgebäude ist für Rollstuhlfahrer geeignet.
Buchungen: Museumsdienst Köln
Tel: +49-221-22127380/221123468
service.museumsdienst@stadt-koeln.de

Öffentliche Führungen: museum-ludwig.de

Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
50667 Köln
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Fax:+49-221-221-24114


Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




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