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B3 Biennale

Museum für die Sammlung Udo und Anette Brandhorst


Eingabedatum: 31.07.2004


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Die Stiftung Brandhorst
Die Sammlung Udo und Anette Brandhorst umfasst weit über 700 bedeutende Werke wegweisender Künstler des 20. Jahrhunderts. Pablo Picasso, Cy Twombly, Andy Warhol, Sigmar Polke, Bruce Nauman, Mike Kelley und viele andere sind mit exemplarischen Werkgruppen vertreten, die wichtige Positionen in der Entwicklung der Moderne markieren.
1999 konnte die gleichnamige Stiftung, deren Bestandteil die Sammlung ist, dauerhaft für den Freistaat Bayern gesichert werden.
München gewinnt damit über die Pinakothek der Moderne hinaus ein außergewöhnlich vielschichtiges Förderpotential, das als prägender kultureller Standortfaktor weit reichende Ausstrahlung haben wird. Mit dem Ertrag der Stiftung wird die Sammlung in Absprache mit der Pinakothek der Moderne kontinuierlich weiter ausgebaut und präzisiert. Er ermöglicht darüber hinaus eine Vielzahl künstlerischer und wissenschaftlicher Förderungsmaßnahmen.

Das Museum Brandhorst
Der Freistaat Bayern errichtet für die Sammlung Brandhorst ein eigenes Gebäude auf dem an die Pinakothek der Moderne angrenzenden Baugelände. Die Preisträger des Wettbewerbes vom Dezember 2002, Sauerbruch Hutton Architekten, haben seit dem Frühsommer 2003 in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ihren Museumsentwurf ausgearbeitet und fortgeschrieben.
Der dreigeschossige, klare Raumkörper mit ca. 3200 qm Ausstellungsfläche öffnet das Kunstareal München durch eine Erschließung über die Theresienstraße nach Schwabing. Der Entwurf traf in der internationalen Architekturkritik auf eine breite positive Akzeptanz und entspricht in seiner Leichtigkeit, inneren Logik und selbstverständlichen Eleganz dem Profil der Sammlung, die private Passion mit musealem Anspruch verbindet. Das Museumsgebäude ermöglicht Konzentration und Bündelung der zentralen Werkgruppen um Cy Twombly, Andy Warhol, Sigmar Polke, Damien Hirst oder die Künstlerbücher von Pablo Picasso wie auch den vergleichenden Rundgang durch einen facettenreichen Sammlungskosmos. Gemeinsam mit der Pinakothek der Moderne ergibt sich die einmalige Chance, die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts im pointierten Überblick und der bewussten Fokussierung auf Einzelpositionen im spannungsreichen Dialog zu sehen. Im Verbund der Pinakotheken, die zusammen mit der Glyptothek, der Antikensammlung und der Städtischen Galerie im Lenbachhaus ein international unvergleichlich reichhaltiges, einzigartiges kulturelles Gefüge bilden, versteht sich die Sammlung Brandhorst nicht als Solitär, sondern als gleichberechtigter Partner. Das Museum Brandhorst erweitert das Kunstareal München und schärft dessen Profil.

Die Sammlung Brandhorst
Schwerpunkte der Sammlung Udo und Anette Brandhorst bilden ausgewählte Werke der klassischen Moderne sowie Künstler, die die zweite Hälfte der Kunst des 20. Jahrhunderts maßgeblich prägten. Im Dialog mit diesem umfangreichen Spektrum von nunmehr schon etablierten Tendenzen stehen zudem Werkkomplexe von internationalen Vertretern aktueller Kunst. Die Sammlung setzt historisch mit ausgewählten Blättern von Kasimir Malewitsch, Kurt Schwitters und Joan Miró ein: Mirós einzigartige Collage war die erste gemeinsame Erwerbung von Anette (gest. 1999) und Udo Brandhorst, deren Sammeltätigkeit in den frühen siebziger Jahren begann. Die mit 112 Exemplaren fast vollständige Sammlung der illustrierten Bücher von Pablo Picasso bildet den ersten Höhepunkt der Sammlung. Zugleich vermitteln diese Inkunabeln der Buchkunst höchst sinnfällig ein Leitmotiv des sammlerischen Konzeptes, in dem die Liebe zur bildenden Kunst und zur Literatur eine ebenso selbstverständliche wie glückliche Synthese eingehen.
So enthält die umfangreiche Bibliothek des Ehepaares Erstausgaben der für die Entwicklung der Moderne wie für die Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts maßgeblichen Schriftsteller.
Dem entspricht die große Affinität zu Cy Twombly, dem eigentlichen Grundpfeiler der an einzelnen Werkgruppen bedeutender Künstler des 20. Jahrhunderts so reichen Sammlung. Twombly, wichtigster Repräsentant der lyrisch-musikalischen Richtung des American Abstract Expressionism, der mit fast fünfzig Werken vertreten ist, wird der erste Stock des Museums gewidmet sein.
Der 1928 in Lexington/ Virginia/ USA geborene Künstler verbindet in seinem malerischen und plastischen Werk unterschiedlichste literarische, musikalische und bildnerische Impulse, Erinnerungen an Vorgewusstes, an Vergangenheit und Gegenwart. Linien und skripturale Zeichen sind die formalen Grundelemente einer offenen Bildstruktur von meditativer Gelassenheit. In Werken voll sinnlicher Intensität konzentrieren sich Gefühle, Stimmungen und Sehnsüchte wie in einem Brennspiegel. Dem entsprach über viele Jahre eine zurückhaltende Farbigkeit, die an verwitterten Putz voller Farbreste und Graffitispuren oder an das stumpfe Schiefergrau alter Schultafeln erinnert, wie dies die frühen Arbeiten der Sammlung eindrucksvoll zeigen.
Umso überraschter war die Reaktion vieler, die auf der Biennale in Venedig von 2001 erstmals mit dem zwölfteiligen Gemäldezyklus Lepanto konfrontiert waren. Ungewöhnlich heftige, ja gewagte Farbakkorde in einer breiten Palette von Gelb-, Rot-, Türkis- und Aquamarintönen bestimmen die Dramatik der Bildfolge, die eine der symbolträchtigsten Schlachten der Weltgeschichte thematisiert.
Dem abstrakten Künstler Twombly geht es jedoch nicht um eine historische Wertung. Vielmehr vermittelt er das Klima einer von extremen Emotionen geprägten, existentiellen Situation, die einen sonnendurchfluteten und zugleich blutgetränkten Tag sichtbar werden lässt.
Mit der Erwerbung des einzigartigen Zyklus für die Brandhorst Stiftung, dem ein eigener großer Saal in dem neuen Museum gewidmet sein wird, ist die Twombly Sammlung die bedeutendste außerhalb der USA und nur noch derjenigen in Houston/ Texas vergleichbar.
Dominiert bei Twombly der Eindruck zeitloser Ruhe und Ausgeglichenheit, so ist es bei Andy Warhol die banale Alltagsrealität, die er wie kein anderer seiner Zeitgenossen zum Thema gemacht hat. In den fast vierzig zum Teil sehr großformatigen Werken der Sammlung, die zwischen 1976 und 1986 entstanden sind, reflektiert Warhol in größter Konsequenz und Dichte zentrale Fragestellungen und Wahrnehmungsmechanismen unseres modernen Medienzeitalters. Spielerisch hinterfragt wird diese Haltung in den letzten Lebensjahren des Künstlers durch die ungestüme, ungemein vitale Malerei des früh verstorbenen Freundes, des legendären Jean-Michel Basquiat, der mit Hauptwerken vertreten ist.

Die Sammlung Brandhorst enthält zudem sieben prägnante Werke von Sigmar Polke, die auf das Erhabene bei Twombly und auf die Akzeptanz des Faktischen bei Warhol mit einer Ironie antworten, die alle Verbindlichkeiten unterläuft. In einer globalen Mediengesellschaft, die Alles und Jedes perfekt simuliert, die Original und Fälschung kaum noch zu trennen vermag, erschafft Polke permanent seine eigenen Plagiate und ist sich selbst der liebste Widerspruch.
Die Frage nach der Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart verknüpft inhaltlich die insgesamt vierzehn Gemälde und Skulpturen von Joseph Beuys, Mario Merz und Jannis Kounellis. Sie wollen das Vertrauen in die Kraft natürlicher Zusammenhänge mobilisieren. Demgegenüber vertritt Bruce Nauman, von dem die Sammlung neun wichtige Arbeiten enthält, eine deutlich härtere Sicht. In sezierender Perfektion werden alltägliche Gewalt und zwischenmenschliche Probleme schonungslos thematisiert und irritierend nah hinterfragt.
Klassische malerische Positionen markieren Alex Katz und Georg Baselitz in spezifisch amerikanischer bzw. europäischer Brechung. Das kühl distanzierte Statement von Katz und der expressive Duktus von Baselitz stehen sich wie zwei Seiten einer Medaille gegenüber, in denen sich unterschiedliche Facetten der Gegenwartserfahrung spiegeln.
Die dritte Gruppe des Sammlungsbereiches befasst sich mit Amerikanischer Kunst der 90er Jahre: Markante Beispiele dieses Sammlungsbereiches, der ebenfalls kontinuierlich ausgebaut wird, sind Robert Gober, Damien Hirst oder Mike Kelley. Auf verblüffend vielfältige Weise loten diese Künstler, wie schon Andy Warhol, das Thema des unspektakulären Alltagsgegenstandes aus. Die künstlerische Inszenierung verwandelt eine ins riesenhafte vergrößerte Skulptur nach einem anatomischen Lehrbuch (Hirst) oder ein unscheinbares, banales Hundekörbchen (Gober) in zutiefst irritierende Gegenstände. Es zeigt sich darin, wie gefährlich schmal die Brücke zwischen unseren Bedrängnissen, Ängsten, Zwängen und den scheinbar reibungslos ablaufenden Gewohnheiten des Alltags ist, für die diese Objekte gleichsam als Zeugen aufgerufen werden.

Die Sammlung im Kontext
Die Arbeiten aus der Sammlung Brandhorst sind Zeugnisse zentraler Fragestellungen der Kunst des 20. Jahrhunderts, die zur ästhetischen Reflexion wie auch zum Diskurs über die Wahrnehmungsmechanismen unseres modernen Medienzeitalters einladen. Die Werke sind Ausdruck einer Suche nach Wirklichkeit und nach Schönheit in den unterschiedlichsten Facetten zeitgenössischer Realitätserfahrung. Sie sind „Food for the Mind“, wie dies der Ausstellungstitel einer Sammlungsauswahl 1999 im Haus der Kunst in München treffend signalisierte.
Das Museum Brandhorst erweitert mit seiner bewusst auf zentrale Einzelpositionen konzentrierten Sammlung das Profil des Kunstareals München auf spektakuläre Weise. Während die Pinakothek der Moderne der Entwicklung des 20. und 21. Jahrhunderts insgesamt gewidmet ist, steht hier eine vertiefende Auseinandersetzung mit wenigen charismatischen Künstlerpersönlichkeiten im Mittelpunkt, deren Werke in ihren unterschiedlichen Facetten erfahren werden. Die in enger Zusammenarbeit mit den Architekten abgestimmte Raumkonzeption ermöglicht eine optimale optische und ästhetische Präsentation der Sammlung.
Mit dem Ertrag des Stiftungskapitals ist der kontinuierliche Ausbau der Sammlungen in so großem Umfang gewährleistet, wie er mit öffentlichen Mitteln heute nicht mehr denkbar ist. Im konstruktiven Austausch mit den Mäzenen und Freundeskreisen, die sich für die Pinakothek der Moderne engagieren, entstehen daraus weit reichende Möglichkeiten zur Umsetzung einer komplexen Sammlungskonzeption für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.














Weiteres zum Thema: Sammlung Brandhorst



Cy Twombly - Alte Pinakothek, München (05.04.-30.07.06)


Update: zur Ausstellung 2011 Cy Twombly. Photographien 1951-2010 Ausstellung 2011 Museum Brandhorst

Cy Twombly ist eine der überragenden Größen der zeitgenössischen, internationalen Kunst. Dem haben die Pinakotheken immer wieder Rechnung getragen, so 2001 mit der Ausstellung des »Lepanto-Zyklus« aus der Sammlung Brandhorst in der Alten Pinakothek und 2003 mit der Retrospektive seiner Arbeiten auf Papier in der Pinakothek der Moderne, die von der Staatlichen Graphischen Sammlung ausgerichtet wurde.
Das Museum Brandhorst im Kunstareal München wird zukünftig mit seinem eindrucksvollen Sammlungskomplex neben der Menil Collection in Houston/Texas, zu dem Zentrum für das Werk Twomblys werden.
Die Ausstellung seiner Skulpturen aus den letzten Jahren ist in diesem Rahmen eine kleine Sensation: Die etwa vierzig Werke wurden bisher in Amerika nur zu einem geringen Teil, in Europa noch nie gezeigt.

Cy Twombly, 1928 in Lexington, Virginia, geboren, ist der wichtigste Repräsentant der lyrisch-musikalischen Richtung des American Abstract Expressionism. Er verbindet in seinem malerischen und plastischen Werk unterschiedlichste literarische, musikalische und bildnerische Impulse, Erinnerungen an Vorgewusstes, an Vergangenheit und Gegenwart.
Die Ausstellung seiner Skulpturen in der Alten Pinakothek zeigt das Ineinandergreifen dieser verschiedenen geistigen und kulturellen Ebenen in Twomblys plastischem Werk. Linien und gestische Ausdrucksweisen sind die formalen Elemente einer offenen, bildhaften skulpturalen Struktur, in der die Idee des Unvollendeten wegweisend ist. Diese Haltung zeigt sich auch in der Verwendung vorgefundener Objekte und einem reduzierten Einsatz von Farbe. Bei einigen Werken entsteht aus dem weißen Grundton und den Schattierungen der Objektoberfläche eine ganz neue, vielschichtige »Unfarbigkeit«. In ihrem Ausdruck zeitloser Ruhe und Ausgeglichenheit wirken sie archaisch und modern zugleich.

Mit der Wahl der Alten Pinakothek wird, wie schon bei der Ausstellung des »Lepanto-Zykluss«, Twomblys Affinität zu den Werken der Alten Meister ein räumlicher Bezugspunkt gegeben. Die Zeitlosigkeit und strukturelle Offenheit seiner Kunst ermöglicht den Dialog zwischen Vergangenheit und Moderne, alten Kulturen und Traditionen sowie den Ideen und Problemen der Gegenwart. Kuratorin der Ausstellung: Carla Schulz-Hoffmann (Presse / Alte Pinakothek)

Abbildung: Cy Twombly | o. T., 2002, Foto: Jochen Littkemann

Öffnungszeiten: Täglich außer MO 10.00-17.00, DI 10.00-20.00,

Alte Pinakothek
Barer Straße 27
D-80799 München
Telefon: (089) 23805 216

pinakothek.de


Alex Katz. Der perfekte Augenblick


Alex Katz, The Green Cap, 1985, Holztafeldruck in 13 Farben, 45 x 61,5 cm, Albertina Wien, Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn 2011

„Perfekte Augenblicke“ sind es, die der US-amerikanische Künstler Alex Katz in seinen Bildern festzuhalten versucht. Ob in seinen Landschaftsbildern oder seinen Portraits: Stets geht es darum, ein eindringliches Motiv, einen Moment der Schönheit festzuhalten.
Unter dem Titel „Alex Katz. Der perfekte Augenblick“ zeigt das Museum Ostwall im Dortmunder U vom 21. Januar bis zum 9. April 2012 in einer Sonderausstellung rund 170 Druckgrafiken, Gemälde und Cutouts des Künstlers. Die Schau bietet einen Überblick über zentrale Themen in Alex Katz’ Werk von 1965 bis zur Gegenwart. 1927 in New York geboren, zählt Katz zu den bedeutendsten US-amerikanischen Künstlern unserer Zeit.

Die druckgraphischen Blätter, Bücher und Cutouts, eine Art zweidimensionaler Skulpturen, stammen aus der Albertina Wien. Sie werden ergänzt durch Gemälde der Kunsthalle Würth, der Sammlung Brandhorst, München, und der Galerie Thaddaeus Ropac. Die Ausstellung bietet einen Überblick über zentrale Themen in Alex Katz´ Werk von 1965 bis zur Gegenwart.
„Perfekte Augenblicke“ sind es, die Alex Katz in seinen Bildern festzuhalten versucht.

Kooperationspartner des Museums Ostwall ist für diese Schau die Albertina, Wien. Sie stellte dem Museum Ostwall die Mehrzahl der Exponate zur Verfügung.

Museum Ostwall im Dortmunder U
Leonie-Reygers-Terrasse
44137 Dortmund
Telefon: +49 (0) 231 50-23247 oder 50-13244
dortmund.de