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Hans Peter Reuter. Der Weg ins Blau

Eine Retrospektive mit Arbeiten von 1967 bis 2013

bis 4.5.2014 | kunsthalle weishaupt, Ulm
Eingabedatum: 21.11.2013

vorher: Hans Peter Reuter. Der Weg ins Blau

Seit über 40 Jahren bestimmt die Farbe Blau die Kunst Hans Peter Reuters. Seit gut 20 Jahren ist er bereits in der Sammlung Siegfried und Jutta Weishaupt vertreten. Diese Retrospektive, die der Künstler mit einem Großteil von Arbeiten aus eigenem Besitz selbst kuratiert hat, gibt einen umfassenden Einblick in sein Werk und die ganz besondere Beziehung zur Farbe Blau und der Beschäftigung mit dem Raum.

Als Hans Peter Reuter, 1942 in Schwenningen geboren, mit seinem Beitrag bei der documenta 6 im Jahr 1977 erstmals große Aufmerksamkeit erregt, sind blau gekachelte Räume bereits zum zentralen Motiv seiner Bilder geworden. Dass der Ausgangspunkt dieses Künstlers im Aktzeichnen und der Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper liegt, scheint schwer vorstellbar. Jedoch war es gerade die Faszination am Figürlichen zu Beginn seines Studiums an der Karlsruher Akademie, die für ihn bald zwangsläufig die Frage nach dem den Akt umgebenden Umfeld aufwarf.

In der Folge wandelte sich der menschliche Körper in Reuters Bildern, während der Raum, immer klarer strukturiert und konstruiert, an Bedeutung gewann und die nun amorphen, an Bäume erinnernden Figuren mit wuchernden Tentakeln in ihre Schranken verwies. Bis 1970 hielten sich diese vom Künstler als „Dinger“ bezeichneten Objekte noch in seinen Bildern auf, wobei sie immer mehr verblassten und zu Schatten ihrer selbst wurden, bis dann endgültig die Thematik des Raumes in den Vordergrund trat und zum beherrschenden Motiv wurde. In dieser Zeit hielt auch die Farbe Blau Einzug in Hans Peter Reuters Kunst und mit ihr, die von da an nicht mehr aus seinen Bildern wegzudenken ist, treten auch die anderen grundlegenden Parameter auf, die künftig maßgeblich werden: das Licht, die perspektivische Räumlichkeit und das Quadrat, insbesondere in Form einer Rasterstruktur.

„Der Weg ins Blau“ – man möchte meinen, das vermeintlich klar definierte Ziel wäre hier schon erreicht: das Blau. Doch was muss man sich eigentlich darunter vorstellen? Gibt es das Blau überhaupt? „Je diffuser das Ziel, umso entschiedener der Zugriff“, stellt Hans Peter Reuter für sich fest. Nach ausführlicher Suche hat der Künstler zwar Ende der 1980er Jahre das Ultramarinblau dunkel als die ultimative Farbe zur Basis seiner Kunst bestimmt. Jedoch hat sich diese seitdem in seinen Werken so facettenreich entwickelt, so vielfältig an Nuancen gezeigt, dass einfach nur das Blau dem Ganzen nicht gerecht zu werden scheint. Der Weg ist folglich weniger als eine (einseitige) Annäherung zu verstehen, sondern vielmehr als eine gemeinsame Entwicklung von Hans Peter Reuter und der Farbe, als das Ausloten seiner wie ihrer Möglichkeiten und Grenzen.

Im Blau sieht Reuter eine geistige Farbe, die ihm den nötigen Freiraum gewährt, seine Kunst zu entfalten – einen Freiraum, den er wiederum selbst mit Räumen füllt. Menschenleeren Räumen, wo doch der Mensch ursprünglich der Ausgangspunkt seiner Kunst war. Heute ist es der Betrachter, der die wichtige Rolle des menschlichen Körpers im räumlichen Umfeld dieser Arbeiten einnimmt, bei der gedanklichen Erkundung der zwischen Illusion und realisierbarer Konstruktion angesiedelten Räume im Bild. Dehnten sich diese häufig scheinbar grenzenlos ins Innere der Bilder aus, so ging Reuter in den letzten Jahren dazu über, den Weg aus dem Bild in den tatsächlichen Raum zu thematisieren. Die Formen treten aus der Fläche hervor, es entstehen plastische Reliefs, bis der Künstler zuletzt die reale Wand selbst als Bildfläche nutzt, blaue, gerasterte Würfel direkt auf ihr platziert und so die Grenzen des realen Raumes verschwimmen lässt, ihn illusionistisch öffnet und erweitert.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, Donnerstag 11 bis 20 Uhr, Montag geschlossen.

kunsthalle weishaupt
Hans-und-Sophie-Scholl-Platz 1
89073 Ulm
Telefon: +49 (0)731 161 43 61
kunsthalle-weishaupt.de



pm



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