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Zeitgenössische Fotokunst aus der Schweiz (Jan. 02)


Eingabedatum: 22.01.2002

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Mit Fotokunst aus der Schweiz setzt der Neue Berliner Kunstverein (NBK) seine Ausstellungsreihe fort, die der Fotografie verschiedener Länder gewidmet ist.
Neun Künstler und Künstlerinnen hat der Kurator Urs Stahel, Direktor des Fotomuseums Winterthur, ausgewählt, um möglichst unterschiedliche Positionen der Schweizer Fotografie zu verdeutlichen.
Während der vordere Raum durch die stark verfremdeten Stadtansichten Strbas, die beleuchtete Rauminstallation von Buetti und die Körperbilder Rondinones an einer grünen Wand dominiert wird, entwickeln die kleinteiligen Arbeiten von Marco Poloni und Peter Tillessen einen ganz anderen Zugang: Poloni wurde durch Berichte in italienischen Tageszeitungen auf die illegalen albanischen Einwanderer aufmerksam und kam so auf die Idee, den heimlichen Reiseweg eines fiktiven Migranten über Süditalien, den Hafen von Otranto über Mailand bis in die Schweiz in vielen kleinen Sequenzen festzuhalten und diese zusätzlich mit szenischen Anweisungen zu Kamerastandpunkt, Geräusch und Geschehen zu bezeichnen. Alles wird aus der Sicht des Migranten gezeigt; er selbst bleibt, wie in der Gesellschaft, unsichtbar. Es entsteht eine künstliche Dokumentation, die bewußt mit dem Übergang von Fotografie zu Film spielt. Tillessen (übrigens in Hanau geboren) zeigt Serien mit den Titeln "Aktionskünstler", "Kunst am Bau", "Degenerative Bilder", die den Blick auf absurde Motive des Alltags lenken. Unprätentiös als einfache Ausdrucke an die Wand gepinnt, sind sie mit ihrer Art des Humors nach Stahels Aussage vielleicht am ehesten in eine Schweizer Tradition (Fischli/Weiss) zu stellen.
Im Nebenraum erinnern Hans Danusers "Frozen Embryo Series" von weitem an steinerne Landschaften; sie enthalten zugleich Leben und Tod. Weiter die absonderlichen Mädchenbilder von Katrin Freisager, meditative Landschaftsblicke kombiniert mit Tokioter Stadtansichten von Cat Tuong Nyuyen, die urbanistischen Situationen von Claudio Moser.
Die Fotoszene in der Schweiz habe in den letzten 15 Jahren einen großen Boom durchgemacht, und Stahel legt Wert auf die Feststellung, daß man die Anzahl der Künstler gut hätte verdreifachen können, ohne einen Qualitätsverlust hinzunehmen (und einige dieser Künstler nennt er in seinem Katalogtext). Die stark gestiegene Popularität der Fotografie ist aber auch in anderen Ländern zu verzeichnen und so bleibt die Frage nach einer Schweizer Schule, die man in dieser Ausstellung zumindest nicht findet. Wie der Künstler Marco Poloni sagt: "Charakteristisch für den Schweizer Künstler ist, daß an ihm nichts Charkateristisches ist." Zeitgenössische Fotokunst aus der Schweiz ist international und hier kontrastreich und interessant präsentiert.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 24. Februar im NBK (Neuer Berliner Kunstverein), Chausseestr. 128/129, 10115 Berlin. Öffnungszeiten sind Mo - Fr 12 - 18 Uhr, Sa, So 12 - 16 Uhr.
Zur Ausstellung ist ein Katalog im Ernst Wasmuth Verlag erschienen (19 Euro) mit einem Textbeitrag von Urs Stahel.

Christine Roth




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