The Show Must Go On

Aus der Sammlung Gegenwartskunst

22.09.17 – 21.01.18 | Kunstmuseum Bern
Eingabedatum: 27.09.2017

Werkabbildung

Pavel Büchler, Lou Reed Live, 2008, Kunstmuseum Bern, Stiftung Kunsthalle Bernbilder

Zeitgenössische Kunstperformances, also zeitlich begrenzte, ephemere Darbietungen, gewinnen im klassischen Kunstkanon immer mehr an Bedeutung. Gerade analog zum digitalen Zeitalter, das geprägt ist von Flüchtigkeit sowie Informations- und Reizüberflutungen, finden immaterielle Kunstperformances neue Wege Altbekanntes zu interpretieren und zu inszenieren. Das Kunstmuseum Bern setzt sich mit dem Thema Gegenwartskunstsammlung aktiv auseinander. Die neue Ausstellung lehnt sich mit dem Titel The Show Must Go On an den legendären Song der britischen Popgruppe Queen an und unterstreicht die überragende Bedeutung des Performativen im zeitgenössischen Kunstschaffen.

The Show Must Go On. Aus der Sammlung Gegenwartskunst ist nach Don’t Look Now, Merets Funken und Kunst heute die vierte einer Reihe von thematischen Sammlungspräsentationen der Abteilung Gegenwartskunst im Kunstmuseum Bern. Die kokettierende Aufforderung The Show Must Go On nimmt auf die Performativität zeitgenössischen Kunstschaffens Bezug und versammelt unter diesem Gesichtspunkt eine Reihe von Werken aus
der Sammlung Gegenwartskunst. Alle stammen aus den reichen und international ausgerichteten Beständen und Dauerleihgaben der Stiftung Kunsthalle Bern, der Stiftung GegenwART, der Bernischen Stiftung für Fotografie, Film und Video sowie der Sammlung des Kunstmuseums selbst.

Zu sehen sind Dokumentationen sowie Requisiten von Performances, Installationen mit Text und Audio sowie übergrosse raumschaffende Formate der Malerei. Die Ausstellung widmet sich den vielfältigen Facetten, in denen sich das Performative in Kunstobjekten manifestiert und das Publikum selbst zum Aufführen anstiftet.

Kunstmuseum Bern
Hodlerstrasse 12
3011 Bern
kunstmuseumbern.ch

Presse






Daten zu Pavel Büchler:

- Istanbul Biennial, 2005
- Liverpool Biennale 2012
- Max Wigram Gallery
- Under Destruction, Basel - Museum Tinguely, Basel

Weiteres zum Thema: Pavel Büchler



Pavel Büchler "Absentmindedwindowgazing" - Kunsthalle Bern (20.10.-03.12.2006 )


Kunst im Allgemeinen, wird oft gesagt, ist ein Verb. Sie verändert die Welt und unsere Wahrnehmung, nicht indem sie Werke hervorbringt, sondern indem sie in der Welt am Werk ist: Wo immer und wie immer sie dazu in der Lage ist, Möglichkeiten zu verfolgen und zu aktivieren, die dicht unter dem Leben liegen, und zu entdecken, nicht was passieren kann, sondern was passieren muss. Was passiert, wenn es einem Künstler gelingt, dafür zu sorgen, dass nichts passiert?
Pavel Büchler

Pavel Büchler ist ein in Tschechien geborener Künstler, Dozent und Schriftsteller, der seit 1981 in Großbritannien lebt, wo er an der Manchester Metropolitan University die Position eines Research Professor innehat. Seine Vorgehensweise fasst er zusammen als "dafür zu sorgen, dass nichts passiert", und legt sich so auf die katalytische Natur der Kunst fest - auf ihr Potenzial, Aufmerksamkeit auf das Offensichtliche hin zu dirigieren, das sodann als befremdend enthüllt wird. Seine subtilen Interventionen und trocken ironischen Texte beschäftigen sich mit der Entlarvung des Akzeptierten und des Alltäglichen als letztendlich bizarren Phänomenen. Ein wesentlicher modus operandi in Pavel Büchlers Arbeitsweise ist eine Neuerfindung des Geschichten Erzählens, das schon allzu lange von der modernen und zeitgenössischen Kunst abgetrennt ist und allzu oft durch das reine Bezeugen ersetzt worden ist. Büchler arbeitet mit alten Technologien, Tonaufnahmen, Licht sowie der physischen wie psychischen Präsenz von Texten in seinen Installationen, die sich um das Auftauchen von Erfahrung und Bedeutung in der Kunst drehen.

Büchlers Arbeit entwickelt sich aus zwei grundlegenden Ideen: der Zeit und der Manipulation von Fundstücken. In seiner Beschäftigung mit den Verzerrungen der Sprache widmet er den Lücken in der Kommunikation kritische Aufmerksamkeit, da er fasziniert ist von den Grenzen der kommunikativen Eigenschaften der visuellen Sprache. Er widmet sich immer wieder der Frage nach der Legitimität von Kommunikation jenseits ihres so flüchtigen wie andauernden Wesens. Diary 2001 (2003) ist eine einzige Tagebuchseite, auf der der Künstler Eintragungen über ein ganzes Jahr hinweg gemacht hat mit dem Ergebnis, dass die Oberfläche "texturiert" und beschädigt und gefüllt ist mit unverständlichen Informationen.

In Live (2003), aus 351 'live' Aufnahmen komponierte Geräusche aus der Plattensammlung des Künstlers, die eine Vielfalt musikalischer Stile umspannt von improvisiertem Jazz bis hin zu Rock, Pop, Folk und klassischer Musik, hat der Künstler die Publikumsgeräusche aus Aufnahmen der letzten vierzig Jahre aus vielen Teilen der Welt versammelt. Auf diese Wiese wurde die Vorstellung einer lebendigen Gegenwart �ex nihilo� in einer leeren Halle kreiert. Der Künstler interessiert sich für solche gespenstischen Spuren auf Tonaufnahmen und Fotografien. Durch die Manipulation von Fundstücken wie in Life and Opinions (2004) � in der Kunsthalle während der Ausstellung Off-Key im Jahr 2005 zu sehen �, in dem eine in Abständen aufleuchtende Glühbirne auf eine Seite aus Laurence Sternes Tristram Shandy projiziert, lenkt Pavel Büchler den Blick darauf, wie die Konvergenz zwischen der Gegenwart des Vergangenen (in der Fotografie) und der Simultaneität (in den ausgestrahlten Medien) unsere Welt zu einem fremdartigen Ort machen.

Mit dem Schwerpunkt auf den alten Verbindungen der Kunst zu Sprache und Literatur wird Pavel Büchlers Ausstellung in der Kunsthalle Bern sich im Wesentlichen auf eine Werkgruppe konzentrieren, die er im Laufe der Jahre mit Marconi Sound Projektoren aus den 1920er Jahren sowie einer Software, die geschriebene Texte in gesprochene Sprache umsetzt, konzipiert hat. In diesem speziellen Stück verwendet Büchler ein Zitat aus Franz Kafkas Das Schloß, einem kanonischen Text über die Labyrinthe der Bürokratie und ihrer Kontrollmechanismen. Der von Büchler ausgewählte kurze Ausschnitt gibt die Verärgerung wieder, mit der die Einwohner des Dorfes K.s Präsenz dulden. In den Worten der Wirtin aus dem Dorf: "Sie sind nicht aus dem Schloß, Sie sind nicht aus dem Dorfe, Sie sind nichts. Leider aber sind Sie doch etwas, ein Fremder, einer, der überzählig und überall im Weg ist�"
Das Schloß handelt von den Anstrengungen, sich anzupassen, und ihrem Misslingen. Als Buch bietet es selbstverständlich viele mögliche Lesarten, allerdings können wir uns hier auf eine beschränken. Aus den antiquierten Lautsprechern dröhnend, erinnert der Text an alte Fabrikhallen- oder Straßenpropaganda. Diese erklärt, dass Anpassung unmöglich ist und der Fremde immer außen vor bleiben wird. Büchler ist insbesondere an den unterschiedlichen Resonanzen interessiert, die der Text in den verschiedenen Städten haben kann, in denen die Arbeit ausgestellt wird: in einer Stadt von Migranten und byzantinischen Verhaltensregeln wie Istanbul, oder in einer ruhigeren alt-europäischen Hauptstadt wie Bern. (Presse / KH Bern)

Abbildung: Pavel Büchler "Short Stories"

Öffnungszeiten: Montag: geschlossen, Dienstag: 10-19 Uhr, Mittwoch bis Sonntag: 10-17 Uhr

Kunsthalle Bern
Helvetiaplatz 1
CH-3005 Bern
T: 0041 31 350 00 40

www.kunsthallebern.ch


Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




    Anzeige
    berlin


    Anzeige
    Atelier



    Maik + Dirk Löbbert: Hauptstraße

    Kunst und Wirklichkeit sind die beiden zentralen Pole im Werk von Maik und Dirk Löbbert. weiter


    Mehr als Fett und Filz – Materialien im Werk von Joseph Beuys

    Die Werke und mit ihnen die Materialien sind für Beuys Transportmittel seiner Ideen ... weiter


    Stefan Burger

    Nicht wenige Künstler*innen suchen seit einiger Zeit den Widerstand des Materials. Ihre Suche scheint nicht allein der Flucht aus der Langeweile angesichts der allzu vertraut gewordenen Oberflächen einer digital geprägten Welt geschuldet. weiter

    Alexander Kluge. Gärten der Kooperation

    Die beiden zentralen inhaltlichen Bezugspunkte der Ausstellung kreisen um die Metapher des Gartens und die Idee des Gemeinsamen. weiter


    Saâdane Afif. Ici. / Là-bas.

    In Düren und Montpellier wird die Arbeit „Ici. / Là-bas.“ von dem französischen Künstler Saâdane Afif zeitgleich gezeigt. weiter


    Denn hinter diesem Horizont liegt ein weiterer Horizont

    Die Ausstellung spiegelt den Blick der zeitgenössischen Kunst auf alternative Zukunftsentwürfe – mögliche Horizonte hinter dem jetzt sichtbaren Horizont. weiter


    MORE than ROME. Christoph Brech

    Ungewöhnlich, manchmal irritierend, oft verblüffend sind die Arbeiten des Münchner Bild- und Videokünstlers Christoph Brech. Seine Werke konzentrieren sich auf Phänomene der Zeit, der Übergänge, der Erinnerung. weiter

    graduiert ≈ präsentiert

    Vom 11. Oktober bis 12. November 2017 zeigt die Burg Galerie im Volkspark unter Arbeiten von Stipendiatinnen und Stipendiaten der Graduiertenförderung des Landes Sachsen-Anhalt aus den Jahren 2016 und 2017. weiter

    Ausstellung der Meisterschülerinnen/Meisterschüler der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig

    Die Ausstellung versammelt traditionell zum Beginn des Akademischen Jahrs Arbeiten der Meisterschüler*innen, die im Winter- und Sommersemester ihre Prüfung erfolgreich abgelegt haben weiter


    Martin Parr: Souvenir - A Photographic Journey

    In seinen Arbeiten zeigt Martin Parr die gesellschaftliche Realität: Phänomene wie Konsum, Tourismus oder nationale Identitäten beleuchtet er aus einer unterhaltsamen Perspektive, die das Banale, Extreme und manchmal auch Abgründige im Alltäglichen sichtbar macht. weiter

    Roter Oktober. Kommunismus als Fiktion und Befehl

    Die russische Revolution kann als Beginn des proletarischen Zeitalters und der Etablierung international sehr unterschiedlicher Kommunismen gelten. Mittels zeitgenössischer Kunstwerke der verschiedensten Gattungen und Medien sowie einer Auswahl historischer Referenzwerke versucht die Ausstellung ... weiter

    Robert Sieg erhält den Meisterschülerpreis der G2 Kunsthalle 2017

    Im Rahmen der heutigen Eröffnung der Meisterschüler-Ausstellung der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) 2017 hat Steffen Hildebrand (G2 Kunsthalle) den Meisterschülerpreis der G2 Kunsthalle an Robert Sieg für seinen filmischen Essay „Der unsichtbare Teich“ verliehen. weiter


    Hendrick Goltzius und Pia Fries: Proteus und Polymorphia

    Mehr als vierhundert Jahre trennen das künstlerische Œuvre des Manieristen aus dem späten 16. und dem frühen 17. Jahrhundert, Hendrick Goltzius, und der zeitgenössischen Malerin Pia Fries, die sich seit sieben Jahren künstlerisch mit dem Werk von Goltzius auseinandersetzt. weiter


    Folklore. Eine Kontroverse mit Werken aus den Sammlungen

    Die kontroverse Rolle von Folklore in der bildenden Kunst seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart steht im Mittelpunkt der neuen Sammlungsausstellung in Partnerschaft mit der Generali Foundation weiter

    Hiscox Kunstpreis 2017

    Die mit 7.500 Euro dotierte Auszeichnung erhält Daniel Hopp. Über das Aufenthaltsstipendium im Rahmen von »sommer.frische.kunst“ kann sich der Malerei-Student Simon Modersohn freuen. weiter