Stefan Burger

14. Oktober – 10. Dezember 2017 | Kunsthalle Bern
Eingabedatum: 18.10.2017

bilder

Nicht wenige Künstler*innen suchen seit einiger Zeit den Widerstand des Materials. Ihre Suche scheint nicht allein der Flucht aus der Langeweile angesichts der allzu vertraut gewordenen Oberflächen einer digital geprägten Welt geschuldet. Es wird darüber hinaus nach dem Moment gesucht, das der eigenen Kontrolle entgleitet, an dem das Material und die verwendeten Werkzeuge sprechend werden und sich in den Entstehungsprozess des Kunstwerkes einschalten. Die künstlerische Suche nach der Zurücknahme der eigenen Autorität berührt die in der Philosophie unter dem Stichwort „spekulativer Realismus“ verhandelte Frage, wie viel menschlicher Zugriff sein muss und dem Planeten Erde gut tut. Der Künstler Stefan Burger widmet sich der analogen, an das Labor gebundenen Fotografie aber auch aus ganz anderen Gründen. Vielleicht gab es zunächst auch gar keine Begründung für diesen Schritt und er wollte sich einfach als der verlieren, der er zu sein glaubte oder als den ihn ein Kunstpublikum zu kennen meinte. In jedem Fall führte der Weg über das Labor zu einer neuen Seite von Burger und öffnete eine überraschende Flur in seinem Schaffen, die sich erheblich von dem unterscheidet, was man bisher von ihm zu kennen glaubte. An die Stelle des „berühmten Burger-Humors” tritt jetzt in seinen Bildern der feinsinnige Zauber des pflanzlichen Objekts und in manchen Fotografien eine erstaunliche Tiefe. Es ist eine Tiefe, die immer auch täuscht. Denn es scheint sich auch um beinah magische Oberflächen zu handeln. Flache Tiefen, die sich einer Versprachlichung zwar nicht unmittelbar widersetzen, an denen diese aber immer wieder abgleitet; es lässt sich beschreiben, wie etwa eine noch so kärgliche Pflanzenranke als Wesen mit Charakter auftritt, wie berückend manche Licht- oder Glanzerscheinungen in den Bildern sind, da in der analogen Fotografie eine andere Mannigfaltigkeit erreicht werden kann als in der digitalen; es liesse sich auch über die chromatischen Auren, die durch chemische Prozesse erzeugten Stimmungen sprechen. Doch der Versuch der Versprachlichung formaler Erscheinungsformen, der Versuch, das Material in Sprache zu übertragen, stösst an Grenzen. Denn was vermag die Sprache der Intensität dieser Bilder hinzuzufügen? Ihre Wirkungskraft beruht auf etwas, das sich jenseits von Text und äusserlichem Inhalt auffächert und sich allein in der Lust der Betrachtung entfalten kann. Dennoch führen die Bilder auch von sich selbst weg. Ihre Selbstbezüglichkeit kippt und verschränkt sich mit anderen Wirklichkeiten. Die Bilder sind alles andere als gefällig, aber sie bergen die Möglichkeit von Schönheit, indem sie sich für die Einmaligkeit von etwas öffnen, das ist – einer Pflanze, dem Licht. Sie versuchen die Wirklichkeit zu durchdringen, indem sie aus der Sinnlichkeit schöpfen, um in der Gestalt des Kunstwerks zurückzukehren. Die Bilder von Stefan Burger lassen an ästhetische Vorstellungen der traditionellen chinesischen Kunst denken, in der die Schönheit als unergründliches Geheimnis gilt, weil ihre Notwendigkeit nicht auf den ersten Blick evident scheint. Schönheit hat dort aber auch mit der Einmaligkeit des Augenblicks zu tun, sie ist ein Drang und ein Ereignis, das einen ergreifen kann, kein Zustand. Es existiert nicht die statische Vorstellung von Subjekt und Objekt, sondern von Fülle und Leere, von Atem und Rhythmus. Im Dazwischen liegt der künstlerische Ort der „mittleren Leere“, es ist der Raum des Innehaltens, der aber auch zu Verwandlung führen kann.

Kunsthalle Bern
Helvetiaplatz 1, CH – 3005 Bern
T +41 31 350 00 40
F +41 31 350 00 41
info@kunsthalle-bern.ch
kunsthalle-bern.ch

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag 11–18 Uhr
Samstag und Sonntag 10–18 Uhr
Montags geschlossen


Presse






Daten zu Stefan Burger:

- 30 Künstler / 30 Räume, 2012
- Klöntal Triennale, 2014
- Kunstverein Wiesbaden
- Migros Museum, Sammlung

Weiteres zum Thema: Stefan Burger



825.000 Euro für zeitgenössische bildende Kunst


Am 8.2.07 hat die Stiftung Kunstfonds 55 Stipendien und Projektzuschüsse aus fast 1.700 Bewerbungen ausgewählt und insgesamt 825.000 Euro bewilligt. Außerdem wurde der mit 25.000 EUR dotierte HAP-Grieshaber-Preis der VG Bild-Kunst an Gert & Uwe Tobias vergeben.

Mitglieder der Vergabejury waren Yilmaz Dziewior, Klaus Gerrit Friese, Klaus von Gaffron, Werner Haypeter, Barbara Henning, Rosa Loy, Bjørn Melhus, Carina Plath, Thomas Rentmeister, Karin Sander, Aurel Scheibler, Anna Tretter, Dagmar Varady, Anna Werkmeister, Georg Winter, Andrea Zaumseil.

Die Stiftung Kunstfonds ist eine unabhängige, bundesweit agierende Fördereinrichtung, deren Gremien mehrheitlich aus bildenden Künstlern/innen bestehen. Ihre finanziellen Mittel im Jahr 2007 erhält die Stiftung mit 1 Million Euro von der Kulturstiftung des Bundes; weitere rund 200.000 Euro kommen von der VG Bild-Kunst.


Programm A für EinzelkünstlerInnen und Künstlernachlässe


ARBEITSSTIPENDIEN (je 16.000 Euro)
1.429 Anträge, 42 Förderungen

Marijanca Ambos, Tjorg Douglas Beer, Shannon Bool, Andreas Bunte, Stefan Burger, Natalie Czech, Katja Davar, Michaela Eichwald, Robert Elfgen, Stephan Fritsch, Anett Frontzek, Ute Fründt, Dani Gal, Paule Hammer, Betram Haude, Frank Hesse, Folke Köbberling & Martin Kaltwasser, Svenja Kreh, Claudia Kugler, Skafte Kuhn, Ulrike Kuschel, Alexander Lieck, Tea Mäkipää, Philip Metz, Karolin Meunier, Daniel Müller-Friedrichsen, Heinz Pfahler, Inken Reinert, Reinigungsgesellschaft, Michael Reisch, Ritchie Riediger, Les Schliesser, Eske Schlüters, ‚Jochen Schmith’, Dirk Stewen, Mathilde ter Heijne, Till Velten, Ina Weber, Christoph Wedding, Annette Wehrmann, Tobias Zielony, Andreas Zybach


PROJEKTZUSCHüSSE
209 Anträge, 8 Förderungen

Sonja Alhäuser (12.000 Euro)
Eva & Adele (16.000 Euro)
Nina Fischer / Maroan El Sani (9.000 Euro)
Jana Gunstheimer (12.000 Euro)
Stefan Löffelhardt (9.000 Euro)
Michael Sailstorfer (12.000 Euro)
Kai Schiemenz (12.000 Euro)
Clemens von Wedemeyer (20.000 Euro)

KONSERVIERUNGSMASSNAHMEN FüR MEDIENARBEITEN
7 Anträge, 3 Förderungen

Helga Fanderl (10.000 Euro)
Ulrich Gutmair / convex tv. (10.000 Euro)
Antonia Lerch (4.500 Euro)

ERARBEITUNG VON WERKVERZEICHNISSEN
32 Anträge, 2 Förderungen

Katharina Behling: Heinz Behling (12.000 Euro)
Anna Bohrmann: Karl Bohrmann (15.000 Euro)

weitere Infos: kunstfonds.de



Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




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    Das fotografische Werk von Talia Chetrit, die 1982 in Washington D.C. geboren wurde, zeichnet sich durch eine bemerkenswerte kompositorische Raffinesse und visuelle Kraft aus, die mit einer stringenten Programmatik einhergeht. weiter

    "Art-Law-Clinic" in Deutschland gegründet

    Institut für Medienrecht der WWU und Kunstakademie Münster starten Kooperationsprojekt.

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    Nach der einjährigen rotierenden Gruppenausstellung Theatre of Measurement im Schaufenster am Hofgarten fahren wir in diesem Jahr wieder mit kontextbezogenen, wechselnden Einzelpositionen fort. weiter

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    Hanna-Nagel-Preis 2018 an NINA LAAF

    Nina Laaf studierte von 2011 bis 2016 bei Prof. John Bock und Prof. Harald Klingelhöller Bildhauerei ... weiter


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    Kunstsammlungen Dresden (SKD) hat die Turnerpreisträgerin erstmals nach Dresden eingeladen, eines ihrer Hauptwerke, „Study for Strings“ (2012), in einer neuen Ausführung sowie fotografische Arbeiten in der Kunsthalle im Lipsiusbau zu präsentieren.
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    Der Begriff "oder " die 3., in Texten zur zeitgenössischen Kunst

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