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Jeremias Heppeler. alle sichtbaren dinge (sind nur masken aus karton)

29.08. - 13.09.2026 | Galerie der Stadt Tuttlingen

Eingabedatum: 24.08.2026

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Innerhalb der Ausstellung “alle sichtbaren dinge (sind nur masken aus karton)”, deren Titel sich auf ein Zitat aus Hermann Melvilles Roman “Moby Dick” bezieht, kommentiert Jeremias Heppeler in der Galerie der Stadt Tuttlingen Kunstmarkt, Kunstwerk und Kollektive. Denn auch 2026 begegnet uns Kunst eben nicht als l’art pour l’art, sondern als Mittel zu unterschiedlichsten Zwecken: als elitäre Kapitalanlage, als subkultureller Diskurs, als sich ständig verändernde Zeichenmatrix. Der Donautalkünstler, der sich selbst als Verwischer und Ausprobierer bezeichnet, möchte vor allem den Kunstmarkt auf spielerische Art und Weise hinterfragen.

Das zentrale Werk “Der Wal” erscheint dabei zunächst als raumfüllendes, auf Bauplane gedrucktes Gemälde, das aber schon im Zuge der Eröffnung virtuell zerteilt wird. Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung haben die Möglichkeit, sich für einen schmalen Taler ein Teil des Bildes zu sichern. Doch damit nicht genug: die potentiellen Käufer und Käuferinnen können auch entscheiden, ob sie ihr Stück des Bildes als Werk besitzen oder es direkt zur Tasche oder zum Rucksack upcyclen möchten.

Pünktlich zur Vernissage wird “Der Wal” dann performativ zerteilt, und das Werk recycelt sich noch während der Ausstellung. Darüber hinaus zeigt Jeremias Heppeler Videoarbeiten und Masken, die während seiner zahlreichen Auslandsprojekte entstanden sind. In Togo, wo er zur deutschen Kolonialgeschichte forschte. In Japan, wo er sich mit dem Geisterglauben der ländlichen Bevölkerung beschäftigte. In den USA, in Upstate New York, wo er den aufkeimenden Trumpismus beobachtete. In Argentinien, wo er eine Punkband gründete. In Rumänien, wo er für zwei Wochen in einem Hochsicherheitsgefängnis lebte.

29.08. - 13.09.2026
Galerie der Stadt Tuttlingen

Rathausstraße 7, 78532 Tuttlingen

https://www.galerie-tuttlingen.de

Presse

Kontext

Einordnung:
Jeremias Heppelers Praxis verortet sich pointiert an der Schnittstelle von Institutionskritik, performativer Aktionskunst und Relationaler Ästhetik. Durch die rituelle Zerstückelung des zentralen Werks „Der Wal“ und dessen partizipative Transformation in upgecycelte Gebrauchsgegenstände dekonstruiert er die benjaminsche Aura des Unikats und unterwandert subversiv die kapitalistische Verwertungslogik des Kunstmarkts. Diese bewusste Abkehr vom *l’art pour l’art* hin zu einem demokratisierten Materialkreislauf wird durch Heppelers Rolle als global agierender „Künstler-Ethnograf“ (Hal Foster) erweitert. Seine multidisziplinären Video- und Maskenarbeiten verweben postkoloniale Diskurse, japanischen Animismus und westliche Soziopolitik zu einer komplexen Zeichenmatrix, die das lokale Ausstellungsereignis in einen transkulturellen Kontext setzt und Kunst konsequent als anthropologisches, gesellschaftskritisches Werkzeug definiert.
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