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Kunst Hand Werk Brücke und Slavs and Tatars: Handdschob

04.10.2026 - 07.03.2027 | Kunstmuseen Krefeld, Krefeld

Eingabedatum: 06.10.2026

Werkabbildung
Tischdecke nach einem Entwurf von Ernst Ludwig Kirchner, 1914
Mit der Ausstellung Kunst Hand Werk Brücke richten die Kunstmuseen Krefeld erstmals im Rheinland den Fokus auf das bislang wenig erforschte Kunsthandwerk der expressionistischen Künstlergruppe Brücke. Die Ausstellung in Haus Lange zeigt eindrucksvoll, dass Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel und Max Pechstein weit mehr waren als Maler und Grafiker. Möbelstücke, Schmuck, Wohntextilien, Bilderrahmen, Gebrauchsgegenstände oder Briefpapiere belegen ihren universellen Anspruch, Kunst und Leben untrennbar miteinander zu verbinden.

Kunst Hand Werk Brücke ist auch Ausgangspunkt für die Kollaboration mit dem international renommierten Künstlerkollektiv Slavs and Tatars. In der von ihnen kuratierten Ausstellung verstehen sie Handwerk als einen Bereich, in dem Arbeit, Sexualität und Identität aufeinandertreffen. Mit neun ausgewählten künstlerischen Positionen aus sieben unterschiedlichen Herkunftskontexten eröffnet Handdschob einen disziplinübergreifenden Dialog zwischen historischen und zeitgenössischen Vorstellungen von Handwerk.

HLHE Dialog:

Zwischen dem Schaffen der Brücke und Slavs and Tatars liegt mehr als ein ganzes Jahrhundert und doch lassen sich enge inhaltliche Verbindungen zwischen ihnen ausweisen. Der Ausstellungsdialog fordert explizit dazu auf, die Grenzen von angewandter und bildender Kunst neu zu bewerten und tradierte Narrative der Geschichte wie auch der Gegenwart in Frage zu stellen.

Seit 2017 präsentieren die Kunstmuseen Krefeld mit der Reihe HLHE Dialog in den benachbarten Villen Mies van der Rohes die Gegenüberstellung von historischen und jüngeren beziehungsweise zeitgenössischen Positionen in Kunst, Design und Architektur, die das Erbe der Moderne immer wieder neu reflektieren.

Die beteiligten Künstler:innen sind: Shadi Al-Atallah, James Gregory Atkinson, Jan Bačynsjkyj, Egana Djabbarova, Zishi Han, Wei Yang, El Kazovszkij, Nadia Markiewicz und Slavs and Tatars

English summary:
With the exhibition 'Kunst Hand Werk Brücke', Kunstmuseen Krefeld highlights the rarely explored decorative arts and craftwork of the German Expressionist group Brücke at Haus Lange. Objects such as furniture, jewelry, textiles, and everyday items created by Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, and Max Pechstein demonstrate their ambition to seamlessly unite art and life. In dialogue with these historical works, the internationally renowned collective Slavs and Tatars presents 'Handdschob', an exhibition exploring craft as an intersection of labor, sexuality, and identity through nine contemporary artistic positions. As part of the HLHE Dialog series, the project re-evaluates the boundaries between fine and applied arts across more than a century.

04.10.2026 - 07.03.2027
Kunstmuseen Krefeld, Krefeld

Joseph-Beuys-Platz 1, 47798 Krefeld

https://www.kunstmuseenkrefeld.de

Presse

Kontext

Einordnung:
Das kunsthandwerkliche Schaffen der expressionistischen *Brücke*-Künstler Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel und Max Pechstein veranschaulicht das modernistische Ideal des Gesamtkunstwerks, das die starre Hierarchie zwischen bildender und angewandter Kunst zugunsten einer radikalen Verschmelzung von Kunst und Leben aufhebt. Ihre Textilien, Möbel und Gebrauchsgegenstände reflektieren den lebensreformerischen Impuls der frühen Moderne, der im Dialog mit dem Kollektiv *Slavs and Tatars* sowie zeitgenössischen Positionen (u. a. Shadi Al-Atallah, James Gregory Atkinson) eine diskursive Aktualisierung erfährt. Indem die Gegenwartskunst das Handwerk über tradierte Formfragen hinaus als Schnittstelle von Arbeitsbedingungen, Sexualität und Identitätskonstruktionen begreift, wird das Medium neu kontextualisiert: Es fungiert nicht mehr primär als ästhetische Lebensgestaltung, sondern als emanzipatorisches und kritisches Werkzeug zur Befragung kanonischer Narrative und gegenwärtiger Machtstrukturen.
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