Kader Attia. Le Sacre du Printemps – Am Vorabend des Krieges
05.11.2026 - 21.03.2027 | Archiv der Avantgarden – Egidio Marzona (ADA), Dresden
Eingabedatum: 04.11.2026

Die Ausstellung „Kader Attia: Le Sacre du Printemps – Am Vorabend des Krieges“ im Archiv der Avantgarden – Egidio Marzona (ADA) der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ist in Zusammenarbeit mit dem Künstler Kader Attia (*1970) entstanden. Ausgehend von Igor Strawinskys berühmtem Ballett „Le Sacre du Printemps“, das 1913 in Paris uraufgeführt wurde, wirft die Präsentation einen kritischen Blick auf die Verbindungen zwischen den historischen Avantgarden – wie Kubismus, Futurismus und Expressionismus – und der Wirkungsgeschichte des Ersten Weltkriegs.
Das Ballett besteht aus zwei Teilen: Verehrung der Erde und Das Opfer. Es zeigt ein fiktives Ritual, bei dem eine junge Frau geopfert wird, um den Frühling als Sinnbild des neuen Lebens zu feiern. Die Ausstellung gliedert sich daran angelehnt in zwei Teile und zeigt durch historische Objekte aus der Sammlung des ADA zeitliche Parallelen zum Ersten Weltkrieg auf. Sie stellt eine Verbindung zwischen dem Tod des Mädchens und den jungen Soldaten her, die massenhaft an den Fronten ihr Leben ließen. So wird auch der Begriff der Avantgarde selbst thematisiert, dessen Ursprung im Militär liegt und der weit über seine kunsthistorische Bedeutung hinausweist.
Die Präsentation im Blockhaus – von 1851 bis 1918 Königlich-Sächsisches Kriegsministerium und seit 2024 Sitz des ADA – zeigt etwa 120 Objekte aus den Beständen des Archivs, u. a. Werke von Hans Arp, Umberto Boccioni und Wassily Kandinsky. Sie treten in einen Dialog mit den Holzbüsten, Collagen und Videoarbeiten von Kader Attia. Diese beschäftigen sich mit den physischen und psychischen Auswirkungen des Krieges und werfen die Frage auf, was Gesellschaften unternehmen, um die hinterlassenen Wunden zu heilen.
Kader Attia ist ein multidisziplinär arbeitender Künstler, dessen Praxis aus der gelebten Erfahrung zweier kultureller Kontexte hervorgeht: dem algerischen und dem französischen. Er wurde 1970 in Dugny, Frankreich, geboren und lebt und arbeitet heute in Berlin und Paris. Zudem unterrichtet er als Professor für Zeitbezogene Medien an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK). Aus seiner Position des kulturellen Dazwischen heraus untersucht er die geopolitischen Verflechtungen, die in den Geschichten von Kolonialismus, Aneignung und kultureller Überlagerung begründet liegen. Im Zentrum seiner Arbeit stehen dabei kollektive Traumata sowie das von ihm entwickelte Konzept der „Reparatur“ als ästhetische, politische und ethische Kategorie.
Im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung findet ein Gespräch mit dem Künstler Kader Attia statt. Zudem befassen sich Veranstaltungen in ADA-spezifischen Formaten mit den Inhalten der Ausstellung. Besonders hervorzuheben sind die Tiny Desk Lectures, mit Beiträgen lokal verorteter sowie internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Darüber hinaus laden kostenfreie, öffentliche Rundgänge dazu ein, die ausgestellten Werke gemeinsam zu erleben.
English summary:
The exhibition 'Kader Attia: Le Sacre du Printemps – Am Vorabend des Krieges' at the Archiv der Avantgarden – Egidio Marzona (ADA) in Dresden explores the intricate relationships between historical avant-garde movements and the trauma of the First World War. Inspired by Igor Stravinsky’s landmark 1913 ballet, the show brings approximately 120 archival items—including works by Hans Arp, Umberto Boccioni, and Wassily Kandinsky—into a critical dialogue with sculptures, collages, and video installations by Kader Attia. Investigating the military origins of the term 'avant-garde', the presentation focuses on collective grief, war wounds, and Attia's key concept of 'repair' as an aesthetic, ethical, and political necessity.
Das Ballett besteht aus zwei Teilen: Verehrung der Erde und Das Opfer. Es zeigt ein fiktives Ritual, bei dem eine junge Frau geopfert wird, um den Frühling als Sinnbild des neuen Lebens zu feiern. Die Ausstellung gliedert sich daran angelehnt in zwei Teile und zeigt durch historische Objekte aus der Sammlung des ADA zeitliche Parallelen zum Ersten Weltkrieg auf. Sie stellt eine Verbindung zwischen dem Tod des Mädchens und den jungen Soldaten her, die massenhaft an den Fronten ihr Leben ließen. So wird auch der Begriff der Avantgarde selbst thematisiert, dessen Ursprung im Militär liegt und der weit über seine kunsthistorische Bedeutung hinausweist.
Die Präsentation im Blockhaus – von 1851 bis 1918 Königlich-Sächsisches Kriegsministerium und seit 2024 Sitz des ADA – zeigt etwa 120 Objekte aus den Beständen des Archivs, u. a. Werke von Hans Arp, Umberto Boccioni und Wassily Kandinsky. Sie treten in einen Dialog mit den Holzbüsten, Collagen und Videoarbeiten von Kader Attia. Diese beschäftigen sich mit den physischen und psychischen Auswirkungen des Krieges und werfen die Frage auf, was Gesellschaften unternehmen, um die hinterlassenen Wunden zu heilen.
Kader Attia ist ein multidisziplinär arbeitender Künstler, dessen Praxis aus der gelebten Erfahrung zweier kultureller Kontexte hervorgeht: dem algerischen und dem französischen. Er wurde 1970 in Dugny, Frankreich, geboren und lebt und arbeitet heute in Berlin und Paris. Zudem unterrichtet er als Professor für Zeitbezogene Medien an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK). Aus seiner Position des kulturellen Dazwischen heraus untersucht er die geopolitischen Verflechtungen, die in den Geschichten von Kolonialismus, Aneignung und kultureller Überlagerung begründet liegen. Im Zentrum seiner Arbeit stehen dabei kollektive Traumata sowie das von ihm entwickelte Konzept der „Reparatur“ als ästhetische, politische und ethische Kategorie.
Im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung findet ein Gespräch mit dem Künstler Kader Attia statt. Zudem befassen sich Veranstaltungen in ADA-spezifischen Formaten mit den Inhalten der Ausstellung. Besonders hervorzuheben sind die Tiny Desk Lectures, mit Beiträgen lokal verorteter sowie internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Darüber hinaus laden kostenfreie, öffentliche Rundgänge dazu ein, die ausgestellten Werke gemeinsam zu erleben.
English summary:
The exhibition 'Kader Attia: Le Sacre du Printemps – Am Vorabend des Krieges' at the Archiv der Avantgarden – Egidio Marzona (ADA) in Dresden explores the intricate relationships between historical avant-garde movements and the trauma of the First World War. Inspired by Igor Stravinsky’s landmark 1913 ballet, the show brings approximately 120 archival items—including works by Hans Arp, Umberto Boccioni, and Wassily Kandinsky—into a critical dialogue with sculptures, collages, and video installations by Kader Attia. Investigating the military origins of the term 'avant-garde', the presentation focuses on collective grief, war wounds, and Attia's key concept of 'repair' as an aesthetic, ethical, and political necessity.
05.11.2026 - 21.03.2027
Archiv der Avantgarden – Egidio Marzona (ADA)
Neustädter Markt 10, 01097 Dresden
Presse
Kontext
Einordnung:Die Gegenüberstellung von Igor Strawinskys Ballett *Le Sacre du Printemps* (1913) mit Schlüsselwerken der historischen Avantgarden – von Umberto Boccionis kriegseuphorischem Futurismus über Wassily Kandinskys Expressionismus bis zu Hans Arps biomorphen Dada-Formen – verdeutlicht die Zäsur der frühen Moderne zwischen ästhetischem Radikalismus und der Menschheitskatastrophe des Ersten Weltkriegs. Kader Attia bricht diesen westlichen Moderne-Kanon auf, indem er das Motiv des rituellen Opfers mit den realen Massenopfern der Fronten und dem militärischen Ursprung des Avantgardebegriffs engführt. Durch seine multidisziplinäre Formensprache aus Holzbüsten, Collagen und Videoarbeiten transformiert er die physischen wie psychischen Versehrungen in ein postkolonial geprägtes Konzept der „Reparatur“. Die historische Kunst wird so nicht nostalgisch rezipiert, sondern in einen kritischen Diskurs über imperiale Gewalt, Kolonialismus und die fortwirkenden Wunden des 20. Jahrhunderts überführt.







