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Franz Erhard Walther. DEM MOND GEWIDMET

27.09.2026 - 02.05.2027 | VILLA Franz Erhard Walther, Fulda

Eingabedatum: 29.09.2026

Werkabbildung
Franz Erhard Walther, Ohne Titel, 1980, © Franz Erhard Walther / VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Seit 1999 hat es im deutschsprachigen Raum keine Einzelausstellung zu dem zeichnerischen Werk Franz Erhard Walthers gegeben. Ausgehend von dem einzigartigen Sammlungsbestand der Franz Erhard Walther Foundation präsentiert die VILLA ab dem 27.09.2026 mit der Ausstellung DEM MOND GEWIDMET das komplexe zeichnerische Œuvre.

Mit Hunderten von Zeichnungen, darunter noch nie präsentierten Arbeiten aus dem Atelier, bietet sich den Besucher:innen die Möglichkeit, diesen außergewöhnlichen Werkkomplex zu entdecken. Seit siebzig Jahren ist die Zeichnung bei Franz Erhard Walther Ausgangspunkt sowie Ort der Umsetzung und Weiterführung seiner radikalen Werkidee. Der vielschichtige zeichnerische Kosmos ist nicht Begleiter der Werkentwicklung, sondern steht in dessen Zentrum. Hier beginnen die Ideen und hier werden sie in konkrete Entwürfe für Arbeiten überführt. Zeichnungen sind jedoch auch Ebenen der Reflexion der dreidimensionalen Objekte, ihrer Aktivierungen und Rezeption.

Die Ausstellung DEM MOND GEWIDMET zeigt, dass die Zeichnungen Walthers nicht nur ebenbürtig zu dem bedeutenden plastischen Werk sind, sondern darüber hinaus eine unmittelbare Nähe zum künstlerischen Prozess bieten. In acht Räumen auf zwei Ebenen werden in einer aufwendigen Präsentation die verschiedenen zeichnerischen Ansätze bewusst nicht chronologisch, sondern Fragestellungen und Themen folgend vorgestellt. Während die plastischen Arbeiten seit 1963 fast ausschließlich durch Johanna Walther, durch Mitarbeiterinnen oder in Stahlwerken realisiert wurden, blieb die Zeichnung Walthers ureigenster Ort. Hier kann man aus der Nähe beobachten und nachvollziehen, wie die Entwürfe der verschiedenen Werkformen entstehen und sich Werkfindungsprozesse abbilden; wie sich in den Zeichnungen die Konzeption ordnet und sie als Instrument zur Strukturierung der Handlungsabläufe entscheidend sind. Gleichermaßen sind es die gezeichneten Werke, in denen Ebenen der Erinnerung gefiltert und zu etwas Neuem zusammengesetzt werden – einschließlich des Blickes des Künstlers auf die stattgefundenen Ausstellungen und die Überführung in eine in dieser Form einzigartigen Dokumentation in den sogenannten ‚Planzeichnungen’.

Es ist die aus dem Werkgedanken heraus zwingende Notwendigkeit, die Frage nach dem Wesen und der Erscheinungsform eines Werkes immer wieder neu zu stellen und wechselnde Antworten darauf zu finden, welche sich in den zeichnerischen Arbeiten in ganz unterschiedlichen Formen präsentiert. Von den Schnurarbeiten in der ersten Hälfte der 60er Jahre, welche in großen Dimensionen den Realraum strukturieren, über die als Beweisführung der durch die Handlungen ausgelösten inneren Prozesse in den Werkzeichnungen (1963–1974), bis zu der Bildkraft der Schichtenzeichnungen Ende der 70er Jahre oder den offenen Setzungen der vermehrt seit 2000 entstandenen Blätter spannt sich eines der vielschichtigsten zeichnerischen Werke unserer Zeit.

English summary:
Marking the first solo exhibition dedicated to Franz Erhard Walther’s drawings in the German-speaking world since 1999, the VILLA Franz Erhard Walther presents DEM MOND GEWIDMET. Drawing from the foundation's extensive collection, the exhibition spans eight rooms across two levels, showcasing hundreds of works—including previously unseen pieces directly from the artist's studio. Walther's graphic output is not merely secondary to his renowned sculptures; rather, drawing forms the foundational core of his conceptual work and serves as a site of reflection and experimentation. Organized thematically rather than chronologically, the presentation ranges from early 1960s string pieces and procedural work drawings to the dense layered drawings of the late 1970s and contemporary sheets.

27.09.2026 - 02.05.2027
VILLA Franz Erhard Walther

Paulustor 4, 36037 Fulda

https://www.villa-few.com

Presse

Kontext

Einordnung:
Franz Erhard Walthers zeichnerisches Œuvre markiert eine fundamentale Neudefinition des traditionellen Skulpturbegriffs an der Schnittstelle von Konzeptkunst, Prozesskunst und Partizipation der 1960er- und 1970er-Jahre. Während seine textilen und stählernen Objekte auf die physische Aktivierung durch das Publikum zielen, fungiert die Zeichnung als autonomes, konzeptionelles Epizentrum seiner radikalen Werkidee. Die Blätter – von Werk- und Schichtenzeichnungen bis zu reflexiven Planzeichnungen – operieren nicht als bloße Vorstudien, sondern als partiturähnliche Handlungsanweisungen, Denkräume und retrospektive Dokumentationen. Im Kontext der europäischen Neo-Avantgarde nimmt Walther damit eine Schlüsselposition ein: Er emanzipiert das graphische Medium zum primären Schauplatz eines erweiterten Kunstbegriffs, der das Werk nicht mehr als statisches Relikt, sondern als dynamischen Vollzug von Körper, Raum und Zeit begreift.
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