Heidi Specker: DamenzimmerHerrenschnitt
Eine Hommage an Aenne Biermann
05.09.2026 - 10.01.2027 | Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, Leipzig
Eingabedatum: 03.09.2026

Heidi Speckers Ausstellung ist das Ergebnis ihrer mehrjährigen künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Werk der jüdischen Fotografin Aenne Biermann (1898–1933). Ausgehend von öffentlichen und privaten Sammlungen, von Erinnerungen der Nachfahr*innen sowie historischen Recherchen zur Fluchtgeschichte der Familie Biermann zeichnet Heidi Specker eine durch die politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts geprägte Geschichte nach.
Aenne Biermann war eine besondere Figur der Stadtgesellschaft von Gera – in den 1920er Jahren ein kosmopolitischer Ort und kulturelles Zentrum der Moderne. In nur wenigen Jahren wurde aus der Autodidaktin eine wichtige Vertreterin der Avantgarde-Fotografie. Sie trug die Haare kurz, einen „Herrenschnitt“, und ließ ihr Arbeitszimmer von einem der angesagtesten Architekten ihrer Zeit gestalten. Ihre Fotografien zeichnet das „Neue Sehen“ aus, also die intensive Betrachtung der unmittelbaren Umwelt sowie ungewöhnliche Perspektiven auf Menschen und Dinge.
Heidi Specker nähert sich der Person und dem Werk Aenne Biermanns an, setzt sich künstlerisch und auch persönlich zu ihr in Beziehung. Dabei spielt Verlust eine wichtige Rolle. Aenne Biermanns Arbeit brach durch ihren frühen krankheitsbedingten Tod jäh ab. Ein Großteil ihres fotografischen Nachlasses wurde von den Nationalsozialisten geraubt oder gilt als verschollen. Im Lauf ihrer künstlerischen Recherche reiste Heidi Specker nach Gera, Triest und Wien und nahm Kontakt zu Aenne Biermanns Enkelkindern auf. In Gegenüberstellungen empfindet sie Themen und Kompositionen der Fotografin nach, eignet sie sich an und übersetzt sie in die Gegenwart. Zwei Videoarbeiten erzählen von wichtigen Stationen ihrer Spurensuche: In Amnesia Gera stellt Heidi Specker dem einst weltoffenen Stadtleben Geras die Aufmärsche von rechten Gruppierungen heute gegenüber. In Wien Vienna fragt sie nach der Bedeutung von materiellen Hinterlassenschaften für die Erinnerung.
English summary:
The exhibition "DamenzimmerHerrenschnitt" presents Heidi Specker’s multi-year artistic engagement with the life and legacy of the avant-garde Jewish photographer Aenne Biermann (1898–1933). Drawing on public and private archives, family testimonies, and research into the Biermann family’s flight from Nazi persecution, Specker examines themes of loss, trauma, and memory. Through contemporary photographic juxtapositions and two video works, Specker appropriates and translates Biermann's "New Vision" aesthetic into the present day, connecting historical modernist culture with urgent contemporary socio-political realities.
Aenne Biermann war eine besondere Figur der Stadtgesellschaft von Gera – in den 1920er Jahren ein kosmopolitischer Ort und kulturelles Zentrum der Moderne. In nur wenigen Jahren wurde aus der Autodidaktin eine wichtige Vertreterin der Avantgarde-Fotografie. Sie trug die Haare kurz, einen „Herrenschnitt“, und ließ ihr Arbeitszimmer von einem der angesagtesten Architekten ihrer Zeit gestalten. Ihre Fotografien zeichnet das „Neue Sehen“ aus, also die intensive Betrachtung der unmittelbaren Umwelt sowie ungewöhnliche Perspektiven auf Menschen und Dinge.
Heidi Specker nähert sich der Person und dem Werk Aenne Biermanns an, setzt sich künstlerisch und auch persönlich zu ihr in Beziehung. Dabei spielt Verlust eine wichtige Rolle. Aenne Biermanns Arbeit brach durch ihren frühen krankheitsbedingten Tod jäh ab. Ein Großteil ihres fotografischen Nachlasses wurde von den Nationalsozialisten geraubt oder gilt als verschollen. Im Lauf ihrer künstlerischen Recherche reiste Heidi Specker nach Gera, Triest und Wien und nahm Kontakt zu Aenne Biermanns Enkelkindern auf. In Gegenüberstellungen empfindet sie Themen und Kompositionen der Fotografin nach, eignet sie sich an und übersetzt sie in die Gegenwart. Zwei Videoarbeiten erzählen von wichtigen Stationen ihrer Spurensuche: In Amnesia Gera stellt Heidi Specker dem einst weltoffenen Stadtleben Geras die Aufmärsche von rechten Gruppierungen heute gegenüber. In Wien Vienna fragt sie nach der Bedeutung von materiellen Hinterlassenschaften für die Erinnerung.
English summary:
The exhibition "DamenzimmerHerrenschnitt" presents Heidi Specker’s multi-year artistic engagement with the life and legacy of the avant-garde Jewish photographer Aenne Biermann (1898–1933). Drawing on public and private archives, family testimonies, and research into the Biermann family’s flight from Nazi persecution, Specker examines themes of loss, trauma, and memory. Through contemporary photographic juxtapositions and two video works, Specker appropriates and translates Biermann's "New Vision" aesthetic into the present day, connecting historical modernist culture with urgent contemporary socio-political realities.
05.09.2026 - 10.01.2027
Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, Leipzig
Karl-Tauchnitz-Straße 9-11, 04107 Leipzig
Presse
Kontext
Einordnung:Die Gegenüberstellung verortet das Schaffen Aenne Biermanns im Kontext des „Neuen Sehens“ und der avantgardistischen Moderne der Weimarer Republik, deren innovative Formensprache durch die Verfolgung und den Kunstraub der Nationalsozialisten fragmentiert wurde. Heidi Specker nutzt Strategien der künstlerischen Recherche und Appropriation, um Biermanns unkonventionelle Perspektiven und Kompositionen in die Gegenwart zu überführen. Durch die Verschränkung von fotografischer Neuinterpretation und Videoarbeit macht Specker das Trauma des materiellen und biografischen Verlusts jüdischer Avantgardistinnen sichtbar. Sie spannt dabei einen Bogen von der emanzipatorischen Aufbruchstimmung der 1920er-Jahre zu einer institutions- und erinnerungskritischen Auseinandersetzung mit gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Realitäten.






