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Simon Hantaï. Entfaltung der Farbe

15.08.2026 - 10.01.2027 | Museum Frieder Burda, Baden-Baden

Eingabedatum: 11.08.2026

Werkabbildung
Abb.:Simon Hantaï, Étude (Detail), 1968, Öl auf Leinwand, 230 × 203 cm, Privatsammlung © Archives Simon Hantaï / VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Mit der Ausstellung Entfaltung der Farbe. Simon Hantaï widmet sich das Museum Frieder Burda einem der einflussreichsten Künstler der internationalen Nachkriegsmoderne. Simon Hantaï (1922–2008), der 1948 von Ungarn nach Paris emigrierte und dort schon bald zum Kreis der aufstrebenden Avantgarde gehörte, leistete wie zahlreiche weitere Künstlerinnen und Künstler osteuropäischer Abstammung einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der freien Abstraktion. Seine farbgewaltigen Werke und experimentellen Techniken prägten nachfolgende Künstlergenerationen maßgeblich und faszinieren bis heute.

Das Museum Frieder Burda lädt hiermit herzlich ein zur

Die Ausstellung in Baden-Baden ist die erste große Werkschau, die diesem bedeutenden Künstler seit mehr als 25 Jahren an einem deutschen Museum zuteilwird. Anhand von über 40 teils monumentalen Arbeiten gibt sie einen facettenreichen Überblick über vier Schaffensjahrzehnte und präsentiert Simon Hantaïs bildgewaltige Werke als bewegendes Fest der Farbe. Zugleich wird der herausragende Beitrag des Künstlers zur internationalen Nachkriegsabstraktion eindrucksvoll sichtbar.

Nach einer ersten surrealistischen Phase wandte Simon Hantaï sich in den 1950er Jahren der Malerei des Informel zu und setzte sich zugleich intensiv mit dem Werk Jackson Pollocks auseinander. Das Jahr 1960 markierte einen Wendepunkt in Hantaïs Werk: Von diesem Moment an konzentrierte er seine Forschungen auf die sogenannte Pliage (dt. „Faltung“) – Werke, in denen er die gefaltete, zerknitterte oder geknotete Leinwand mit Öl- oder Acrylfarbe bedeckte, um beim Entfalten und Glattziehen des Stoffes farbig leuchtende Zufallsmuster zu erzeugen.

Die Ausstellung wurde ermöglicht durch die großzügige Unterstützung zahlreicher Leihgeber, darunter das CAPC – Musée d’art contemporain de Bordeaux; das Musée d’art moderne et contemporain de Saint-Étienne Métropole; die Fondation Gandur pour l’Art, Genève; das Carré d’art – Musée d’art contemporain de Nîmes; das Musée d’art moderne et d’art contemporain in Nizza, die Fondation Louis Vuitton und das Musée d’art moderne de la Ville de Paris sowie viele Privatbesitzer, die Werke für das Projekt zur Verfügung gestellt haben. Die Genese der Ausstellung wurde von Anfang an eng durch Mitglieder der Familie Hantaï und die Archives Simon Hantaï, Paris, begleitet.

Simon Hantaïs Kunstwerke treten in den von Tageslicht durchfluteten Räumen des Museums Frieder Burda in eine einzigartige Symbiose mit der sie umgebenden Architektur und verwandeln das Museum für die Dauer der Ausstellung in ein immersives Gesamtkunstwerk.

15.08.2026 - 10.01.2027
Museum Frieder Burda, Baden-Baden

Lichtentaler Allee 8b, 76530 Baden-Baden

https://www.museum-frieder-burda.de/

Presse

Kontext

Einordnung:
Simon Hantaï markiert eine zentrale Position der internationalen Nachkriegsabstraktion, in der er die europäische Tradition des Informel mit den performativen Impulsen des amerikanischen Abstrakten Expressionismus, insbesondere durch die Auseinandersetzung mit Jackson Pollock, verschmolz. Nach surrealistischen Anfängen vollzog er 1960 mit der Erfindung der *Pliage* (Falttechnik) einen radikalen methodischen Paradigmenwechsel: Durch das Knittern, Knoten und anschließende Bemalen der Leinwand delegierte er den kompositorischen Akt an den Zufall und entzog das Werk der rein subjektiven Künstlergeste. Der physische Akt des Entfaltens generiert dabei ein rhythmisches Spannungsfeld aus monumentaler, leuchtender Farbkraft und unbemalter Leerstelle, welches den klassischen Bildraum dekonstruiert. Mit dieser experimentellen Erforschung von Materialität und der Befreiung der Farbe aus festen Formen trug Hantaï entscheidend zur Emanzipation der freien Abstraktion bei und schuf eine Grundlage für raumgreifende, immersive Bildkonzepte.
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