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herzwärts wild

19.07. - 27.09.2026 | Packhof, Frankfurt (Oder)

Eingabedatum: 22.07.2026

Werkabbildung
Abb.: Christine Schlegel, Selbstdarstellung, 1982, Collage auf Papier, © Künstlerin Foto: Ludwig Rauch
Mit der Ausstellung herzwärts wild lädt das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK) in Frankfurt (Oder) dazu ein, die bewegenden Umbruchsjahre der 1980er und 1990er Jahre aus einer besonderen Perspektive neu zu entdecken. Im Mittelpunkt stehen Werke von Künstlerinnen aus der DDR und der Volksrepublik Polen, deren Arbeiten eindrucksvoll von gesellschaftlichem Wandel, persönlicher Selbstbehauptung und künstlerischer Freiheit erzählen.

Die Gruppenausstellung knüpft an das erfolgreiche gleichnamige Projekt aus den Jahren 2022/2025 an und erweitert dessen Perspektive um einen grenzüberschreitenden Dialog. Die präsentierten Werke aus der Sammlung des BLMK – darunter Malerei, Fotografie, Grafik, Collage, Handzeichnung und Plastik – zeigen die stilistische Vielfalt und inhaltliche Kraft künstlerischer Auseinandersetzungen mit den Erfahrungen einer Zeit des Wandels.

Gerade in der Grenzstadt Frankfurt (Oder) entfaltet die Ausstellung eine besondere Relevanz. Obwohl Künstlerinnen aus der DDR und der Volksrepublik Polen infolge des 1981 verhängten Kriegsrechts und der zeitweisen Grenzschließungen kaum in direktem Austausch standen, offenbaren ihre Arbeiten bemerkenswerte Parallelen. Sie erzählen von ähnlichen Erfahrungen in sozialistischen Gesellschaften und patriarchalen Strukturen, woraus die Künstlerinnen eigenständige, oft kraftvolle Bildsprachen entwickeln.

Mit expressivem Gestus, Humor, Lebensfreude und zugleich großer Nachdenklichkeit hinterfragen die Künstlerinnen tradierte Rollenbilder und gesellschaftliche Erwartungen. Sie setzen sich mit Fragen nach der Autonomie des künstlerischen Schaffens auseinander, kommentieren politische Verhältnisse und rücken insbesondere den weiblichen – häufig den eigenen – Körper in den Mittelpunkt ihrer Werke. Statt klassischen Darstellungen entstehen pointierte Reflexionen über Identität, Selbstinszenierung und weibliche Lebensrealitäten, die bewusst mit etablierten Bildkonventionen brechen.

„herzwärts wild“ macht die kulturellen Verbindungen zwischen Ostdeutschland und Polen eindrucksvoll sichtbar und zeigt, wie Kunst Grenzen überwindet – geografische ebenso wie gesellschaftliche.

Mit Werken von Tina Bara, Annemirl Bauer, Bärbel Bohley, Halina Chrostowska, Angela Hampel, Izabella Gustowska, Ingrid Hartmetz, Sabine Herrmann, Bożena Markowicz, Helga Paris, Krystyna Piotrowska, Christine Schlegel, Cornelia Schleime, Maria Sewcz, Heike Stephan, Gabriele Stötzer, Erika Stürmer-Alex, Gudrun Trendafilov, Karla Woisnitza, Ruth Wolf-Rehfeldt, Doris Ziegler u.a.

19.07. - 27.09.2026
Packhof, Frankfurt (Oder)

Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11, 15230 Frankfurt (Oder)

https://www.blmk.de/

Presse

Kontext

Einordnung:
Die Ausstellung verortet sich im kunsthistorischen Diskurs der osteuropäischen Avantgarde und der feministischen Kunst der späten Kaltkriegs- und frühen Transformationszeit (1980er/1990er Jahre). Durch die Gegenüberstellung prägender DDR-Künstlerinnen wie Cornelia Schleime, Helga Paris oder der Konzeptkünstlerin Ruth Wolf-Rehfeldt mit polnischen Positionen wie Izabella Gustowska wird ein paralleles, subversives Erwachen weiblicher Autonomie hinter dem Eisernen Vorhang sichtbar. Technisch spiegelt die multimediale Bandbreite – von Fotografie und Collage bis hin zu expressiver Malerei – den postmodernen Drang nach genreübergreifenden, unangepassten Ausdrucksformen wider, der für die inoffiziellen Kunstszenen des Ostblocks typisch war. Thematisch reihen sich die Arbeiten durch die performative Erforschung des (eigenen) weiblichen Körpers und die Dekonstruktion patriarchal-sozialistischer Rollenbilder in die internationale Body-Art und feministische Identitätskunst ein. Zugleich bleiben sie tief in der spezifischen Repressionserfahrung ihrer Länder verwurzelt, wodurch dieser Bruch mit klassischen Bildkonventionen zu einem essenziellen Akt politischer wie ästhetischer Selbstbehauptung gegen staatliche Doktrinen wird.
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