REBELLINNEN
Leben, Werke, Strategien
03.10.2026 - 28.02.2027 | Kunsthalle Emden, Emden
Eingabedatum: 02.10.2026

Leben, Werke, Strategien
Die Ausstellung greift eine Tradition auf, die Künstlerinnen der 80er Jahre aus REBELLION gegen die männlich dominierte Kunstwelt der Zeit strategisch anwendeten: das weibliche Netzwerk! Erstmals seit 1986 stellen die Frauen dieser Generation nun wieder gemeinsam aus. Die damaligen Ausstellungen trugen freche Titel wie „Peinture Allemande" (1985 in Rouen) oder kurz „Koether, Semmer, Trockel" (1985 in Sevilla). 1986 brachte Michaela Melián in München gleich sieben Künstlerinnen zusammen – neben Koether, Semmer und Trockel auch Johanna Kandl und Ika Huber. In der Ausstellung REBELLINNEN sind Arbeiten von Elvira Bach, Ina Barfuss, Miriam Cahn, Sabine Herrmann, Johanna Kandl, Jutta Koether, Käthe Kruse, Verena Kyselka, Michaela Melián, Christa Näher, Bettina Semmer, Gabriele Stötzer, Rosemarie Trockel und den WeibsBildern zu sehen.
Pionierinnen und Vorreiterinnen
Die Kunstszene der 1980er Jahre war vielfältig: In der Schweiz schufen Miriam Cahn und Klaudia Schifferle unabhängig voneinander figurative Werke, in den Niederlanden wirkte Marlene Dumas, in Österreich Marie-Luise Anzinger und Johanna Kandl, um nur einige Nachbarländer zu erwähnen. Auch Künstlerinnen, die vor 1989 in der DDR tätig waren, werden neu entdeckt: In Berlin malte Sabine Herrmann wilde Bilder gleichberechtigt neben ihren männlichen Kollegen, in Erfurt war es die Frauengruppe Exterra XX, die ihre Multimedia-Arbeiten in die Öffentlichkeit trug, gegen den Strich, angefeuert von Gründerin Gabriele Stötzer, die nun eine der höchsten Auszeichnungen erhält: den Goslar-Ring.
Zu nennen wäre auch Cornelia Schleime, die 1983 in Westberlin ganz neu anfing, nachdem sie bei ihrer Ausreise ihr gesamtes bis dahin entstandenes Werk verlor, das bis heute verschollen ist.
Nur wenige dieser großartigen Künstlerinnen schafften es in die Spitze des Kunstgeschehens – denn die 1980er Jahre markierten einen tiefen Rückschritt gegenüber den bereits fortschrittlicheren 1970ern. Die Rückkehr der gestischen Malerei brachte den männlichen Geniekult zurück.
Nicht vergessen sind die Berliner Pionierinnen, die bereits 1970 als Frauenkollektiv an der HdK begannen. Ihr Environment „Die Situation der Frau in der Familie" von 1973 fiel der Zensur zum Opfer. Die wegweisende Ausstellung „Künstlerinnen International 1877–1977" mit ihrer bis heute wichtigen Publikation musste mit viel List gegen zahlreiche Widerstände erkämpft werden. Auch die fünf Malerinnen der Gruppe WeibsBilder hatten in München schon 1977 genug von der männlich dominierten Kunstszene und schufen gemeinsame Werke.
Gender Gap – noch immer Realität
Ist seither alles besser geworden? Bis heute herrscht ein eklatantes Gender Pay Gap von über 30 % in der Bildenden Kunst, verglichen mit 28 % im gesellschaftlichen Durchschnitt – vom Einfluss unbezahlter Sorgearbeit ganz zu schweigen. Die Berliner Initiative „Fair Share – Sichtbarkeit für Künstlerinnen" ermittelte: Unter den zehn männlichen Top-Künstlern im internationalen Ranking befinden sich neun Väter von insgesamt 32 Kindern. Von den zehn Top-Künstlerinnen sind lediglich drei Mütter – jede mit nur einem Kind. Diese Zahlen sprechen Bände.
English summary:
The exhibition "REBELLINNEN" at Kunsthalle Emden revisits the strategic female networks forged by women artists during the 1980s to counter the male-dominated art world. Bringing together prominent figures such as Rosemarie Trockel, Miriam Cahn, Elvira Bach, Jutta Koether, Cornelia Schleime, and Gabriele Stötzer, the show unites works by this generation collectively for the first time since 1986. It also highlights pioneering collectives, East German avant-garde artists, and the persistent structural inequalities in the contemporary art market, including the substantial gender pay gap.
Die Ausstellung greift eine Tradition auf, die Künstlerinnen der 80er Jahre aus REBELLION gegen die männlich dominierte Kunstwelt der Zeit strategisch anwendeten: das weibliche Netzwerk! Erstmals seit 1986 stellen die Frauen dieser Generation nun wieder gemeinsam aus. Die damaligen Ausstellungen trugen freche Titel wie „Peinture Allemande" (1985 in Rouen) oder kurz „Koether, Semmer, Trockel" (1985 in Sevilla). 1986 brachte Michaela Melián in München gleich sieben Künstlerinnen zusammen – neben Koether, Semmer und Trockel auch Johanna Kandl und Ika Huber. In der Ausstellung REBELLINNEN sind Arbeiten von Elvira Bach, Ina Barfuss, Miriam Cahn, Sabine Herrmann, Johanna Kandl, Jutta Koether, Käthe Kruse, Verena Kyselka, Michaela Melián, Christa Näher, Bettina Semmer, Gabriele Stötzer, Rosemarie Trockel und den WeibsBildern zu sehen.
Pionierinnen und Vorreiterinnen
Die Kunstszene der 1980er Jahre war vielfältig: In der Schweiz schufen Miriam Cahn und Klaudia Schifferle unabhängig voneinander figurative Werke, in den Niederlanden wirkte Marlene Dumas, in Österreich Marie-Luise Anzinger und Johanna Kandl, um nur einige Nachbarländer zu erwähnen. Auch Künstlerinnen, die vor 1989 in der DDR tätig waren, werden neu entdeckt: In Berlin malte Sabine Herrmann wilde Bilder gleichberechtigt neben ihren männlichen Kollegen, in Erfurt war es die Frauengruppe Exterra XX, die ihre Multimedia-Arbeiten in die Öffentlichkeit trug, gegen den Strich, angefeuert von Gründerin Gabriele Stötzer, die nun eine der höchsten Auszeichnungen erhält: den Goslar-Ring.
Zu nennen wäre auch Cornelia Schleime, die 1983 in Westberlin ganz neu anfing, nachdem sie bei ihrer Ausreise ihr gesamtes bis dahin entstandenes Werk verlor, das bis heute verschollen ist.
Nur wenige dieser großartigen Künstlerinnen schafften es in die Spitze des Kunstgeschehens – denn die 1980er Jahre markierten einen tiefen Rückschritt gegenüber den bereits fortschrittlicheren 1970ern. Die Rückkehr der gestischen Malerei brachte den männlichen Geniekult zurück.
Nicht vergessen sind die Berliner Pionierinnen, die bereits 1970 als Frauenkollektiv an der HdK begannen. Ihr Environment „Die Situation der Frau in der Familie" von 1973 fiel der Zensur zum Opfer. Die wegweisende Ausstellung „Künstlerinnen International 1877–1977" mit ihrer bis heute wichtigen Publikation musste mit viel List gegen zahlreiche Widerstände erkämpft werden. Auch die fünf Malerinnen der Gruppe WeibsBilder hatten in München schon 1977 genug von der männlich dominierten Kunstszene und schufen gemeinsame Werke.
Gender Gap – noch immer Realität
Ist seither alles besser geworden? Bis heute herrscht ein eklatantes Gender Pay Gap von über 30 % in der Bildenden Kunst, verglichen mit 28 % im gesellschaftlichen Durchschnitt – vom Einfluss unbezahlter Sorgearbeit ganz zu schweigen. Die Berliner Initiative „Fair Share – Sichtbarkeit für Künstlerinnen" ermittelte: Unter den zehn männlichen Top-Künstlern im internationalen Ranking befinden sich neun Väter von insgesamt 32 Kindern. Von den zehn Top-Künstlerinnen sind lediglich drei Mütter – jede mit nur einem Kind. Diese Zahlen sprechen Bände.
English summary:
The exhibition "REBELLINNEN" at Kunsthalle Emden revisits the strategic female networks forged by women artists during the 1980s to counter the male-dominated art world. Bringing together prominent figures such as Rosemarie Trockel, Miriam Cahn, Elvira Bach, Jutta Koether, Cornelia Schleime, and Gabriele Stötzer, the show unites works by this generation collectively for the first time since 1986. It also highlights pioneering collectives, East German avant-garde artists, and the persistent structural inequalities in the contemporary art market, including the substantial gender pay gap.
03.10.2026 - 28.02.2027
Kunsthalle Emden, Emden
Hinter dem Rahmen 13, 26721 Emden
Presse
Kontext
Einordnung:Die Kunstszene der 1980er-Jahre war geprägt von der Renaissance einer gestischen, neoexpressionistischen Malerei, die den patriarchalen Geniekult reaktivierte und Künstlerinnen trotz der Errungenschaften der 1970er-Jahre erneut marginalisierte. Als Gegenstrategie formierten Akteurinnen wie Rosemarie Trockel, Jutta Koether, Miriam Cahn oder Gabriele Stötzer weibliche Netzwerke und interdisziplinäre Kollektive wie die *WeibsBilder* oder *Exterra XX*. Zwischen expressiver Figuration, Zensurbruch in der DDR und konzeptueller Institutionskritik im Westen eigneten sie sich vormals männlich dominierte Bildsprachen und Multimedia-Formate subversiv an. Ihr Schaffen dezentrierte den vermeintlich homogenen Kanon der Postmoderne durch feministische Selbstermächtigung und legte die bis heute virulente strukturelle Asymmetrie des Kunstbetriebs schonungslos offen.






