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Karl Heinz Jakob und Henrike Naumann. Schichtwechsel

31.10.2026 - 31.01.2027 | Kunstsammlungen am Theaterplatz, Chemnitz

Eingabedatum: 30.10.2026

Werkabbildung
Abb.: DDR Noir (Bergarbeiterkneipe), 2018 Installation aus Möbeln, einem Gemälde, Grubenlampe und Uhr Foto: Kunstsammlungen Chemnitz/Frank Krüger © Henrike Naumann
Die neue Ausstellung Schichtwechsel. Karl Heinz Jakob und Henrike Naumann in den Kunstsammlungen am Theaterplatz, Kunstsammlungen Chemnitz, bringt Werke des Zwickauer Malers und Zeichners Karl Heinz Jakob und seiner Enkelin, der Künstlerin Henrike Naumann, in einen generationenübergreifenden Dialog.

Gezeigt werden Gemälde, Zeichnungen und Installationen beider Künstler:innen.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist das titelgebende Gemälde Schichtwechsel (1956) von Karl Heinz Jakob, das die Übergabe zwischen zwei Bergarbeitern im Schacht durch einen Handschlag zeigt. Ihm gegenüber steht Henrike Naumanns Installation DDR Noir (Bergarbeiterkneipe) (2018), in der sich die Künstlerin mit ihrer Familiengeschichte auseinandersetzt. Zugleich greift sie gesellschaftspolitische Fragen auf, die mit der künstlerischen Existenz in der DDR und dem heutigen Umgang mit deren Erbe verbunden sind.

Ein zentraler Aspekt der Ausstellung ist Henrike Naumanns fortwährende künstlerische Auseinandersetzung und Debatte mit dem Wandgemälde ihres Großvaters Die Mechanisierung der Landwirtschaft, das 1960/61 für den Plenarsaal des Rates des Bezirkes Karl-Marx-Stadt entstand. Das 11 Meter breite und 3,80 Meter hohe Werk befindet sich im Gebäude an der Straße der Nationen 25 und ist seit 2002 hinter einer Trockenbauwand verborgen. In der Ausstellung wird es anhand einer Farbskizze, historischer Fotografien und einer Reproduktion wieder sichtbar gemacht.

Mit dem Wandgemälde beschäftigte sich Henrike Naumann bereits in ihrer Performance Hard Style, die 2024 auf der Pochen Biennale in Chemnitz gezeigt wurde. Auch ihre Installation im Deutschen Pavillon der 61. Biennale in Venedig (2026) nimmt unmittelbar darauf Bezug. Die Ausstellung führt die Werke beider Generationen zusammen und eröffnet Raum für eine Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Schaffen von Karl Heinz Jakob und Henrike Naumann sowie mit der Frage nach dem heutigen Umgang mit Auftragskunst in der DDR.

Karl Heinz Jakob studierte ab 1951 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und war seit 1954 als freischaffender Künstler in Zwickau tätig. Im Zentrum seines Schaffens stand die Darstellung des Menschen. Während seine frühen Gemälde durch ausdrucksstarke Porträts mit individuellen Gesichtszügen und Körperhaltungen geprägt sind, wandte er sich später verstärkt der Zeichnung zu. Seine eindringlichen, teils schonungslosen Darstellungen menschlicher Körper bilden einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung und ermöglichen eine Wiederentdeckung seines heute wenig bekannten zeichnerischen Werks.

Mit der installativen Videoarbeit Evolution Chemnitz richtet Henrike Naumann den Blick auf die Stadtgeschichte. Auf fünf Fernsehern erzählt sie von 100 Jahren revolutionärer Bewegungen in Chemnitz, Karl-Marx-Stadt und Chemnitz. Die dafür in einem Chemnitzer Hotel entstandenen Filmaufnahmen verbindet sie mit gesammelten Kleinmöbeln und Alltagsgegenständen wie Vasen und Kerzenständern zu einer raumgreifenden Installation. Vertraute Objekte werden dabei zu Trägern historischer und gesellschaftlicher Erinnerungen und eröffnen neue Perspektiven auf die wechselvolle Geschichte der Stadt.

English summary:
The exhibition 'Schichtwechsel' at Kunstsammlungen am Theaterplatz in Chemnitz creates an intergenerational dialogue between the Zwickau painter and draughtsman Karl Heinz Jakob and his granddaughter, the contemporary artist Henrike Naumann. Starting from Jakob’s 1956 painting 'Schichtwechsel' and Naumann’s installation 'DDR Noir (Bergarbeiterkneipe)', the show brings together paintings, drawings, and immersive installations. A central focus is Naumann’s ongoing artistic engagement with her grandfather’s monumental, currently hidden mural 'Die Mechanisierung der Landwirtschaft', alongside Jakob’s expressive figurative drawings. Furthermore, Naumann’s installation 'Evolution Chemnitz' reflects on a century of local history, critically examining the legacy of East German commissioned art and collective memory.

31.10.2026 - 31.01.2027
Kunstsammlungen am Theaterplatz

Theaterplatz 1, 09111 Chemnitz

https://www.kunstsammlungen-chemnitz.de/

Presse

Kontext

Einordnung:
Die Gegenüberstellung von Karl Heinz Jakob und Henrike Naumann markiert einen paradigmatischen Generationendialog zwischen spätmodernem Realismus der DDR und zeitgenössischer Institutions- und Erinnerungskritik. Jakobs Schaffen repräsentiert die frühe ostdeutsche Kunstproduktion, die sich technisch und motivisch zwischen monumentaler Auftragswandmalerei, programmatischem Arbeiterporträt und existenzieller Figurenzeichnung bewegt. Dem begegnet Naumann mit postkonzeptuellen Strategien: Mittels raumgreifender Installationen, zeitgeschichtlicher Readymades und Videoarbeiten bricht sie die klassische Werkautonomie auf und eignet sich Jakobs Bildwelten kritisch-reflexiv an. Dieses Spannungsfeld zwischen traditioneller bildkünstlerischer Praxis und immersiver Vergangenheitsbewältigung rückt den ambivalenten institutionellen Umgang mit dem DDR-Erbe – sinnbildlich verdichtet im buchstäblichen Verbauen und Wiederfreilegen von Staatskunst – in den größeren Diskurs um ostdeutsche Transformations- und Identitätsgeschichte.
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